Vanitas-Darstellung im Kohelet


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002
32 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Buch Kohelet
2.1 Der Verfasser des Kohelet
2.2 Entstehungsort und Zeit
2.3 Einheitlichkeit des Kohelet
2.4 Aufbau Gattung
2.5 Inhaltliche Analyse
2.5.1 Essen, Trinken und Freude als höchstes Gut
2.5.2 Gott und Mensch
2.5.3 Zeit und Zufall
2.5.4 Gewinn und Anteil
2.5.5 Mühe und Arbeit
2.5.6 Reichtum und Armut
2.5.7 Macht und Herrschaft
2.5.8 Weisheit und Torheit
2.6 Der Vanitas-Gedanke
2.6.1 Der Begriff hæbæl
2.6.2 hæbæl im Kohelet
2.6.3 hakkol im Kohelet
2.6.4 Das Motto Kohelets
2.7 Kerngedanken des Buches
2.8 Meditationsfolien
2.8.1 Allgemeine Informationen
2.8.2 Geboren werden hat seine Zeit / Sterben hat seine Zeit
2.8.3 Weinen hat seine Zeit / Lachen hat seine Zeit
2.8.4 Klagen hat seine Zeit / Tanzen hat seine Zeit
2.8.5 Suchen hat seine Zeit / Verlieren hat seine Zeit
2.5.6 Schweigen hat seine Zeit / Reden hat seine Zeit
2.5.7 Krieg hat seine Zeit / Frieden hat seine Zeit

3 Didaktische Ideen
3.1 Ansatz 1 – Der Windhauchgedanke
3.2 Ansatz 2 – Alles hat seine Zeit

4 Schlussbetrachtung

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Rahmen des Seminars „Es ist alles eitel“ Vanitas-Darstellung in der Literatur und Kunst habe ich ein Referat über das alttestamentarische Buch „Kohelet“ gehalten, welches auch „Der Prediger Salomo“ genannt wird. Um dieses Referatsthema und mögliche didaktische Umsetzungsformen im Literaturunterricht der Sekundarstufe I handelt sich diese Hausarbeit.

Mit meinem Referat sollte der Ursprung der Vanitas-Darstellung, der im Buch Kohelet zu finden ist, dargestellt werden. In dieser Arbeit möchte ich nun einerseits die Grundlage der Problematik der Vergänglichkeit alles Irdischen, darstellen und andererseits dessen didaktische Umsetzung angehen.

Das Buch, welches nach Zimmer (1999, S.1) in der Wissenschaft immer beliebter wird, beschäftigt sich mit der Bewältigung des Lebens. Hierbei werden zwei Themen besonders beleuchtet. Diese sind der Tod und die Freude. Diese zwei Themen, die nicht unterschiedlicher sein könnten, werden dabei nicht nebeneinander oder hintereinanderweg behandelt sondern greifen ineinander, Kutschera meint dazu: „Wo Tod und Nichtigkeit betont werden, verblasst... leicht die Freude – ebenso, wie der Tod verblasst, wo die Freude betont wird. Mir scheint der Rang des Buches, der Rang seiner Sicht menschlichen Daseins aber gerade in der Intensität des Todesbewusstseins wie der Lebensfreude zu liegen, und darin, dass beide gleichgewichtig nebeneinander und zusammen bestehen“ (1997, S.363).

Sicherlich kann man die Todesproblematik nicht leichtfertig in der Schule behandeln. Jedoch denke ich, dass die Vergänglichkeit alles Irdischen sicherlich nicht tabuisiert gehört. Daher möchte ich die Arbeit in zwei Teile aufteilen. Beginnen möchte ich damit den theoretischen Hintergrund des Textes des Predigers Salomo in seinen Grundzügen vorzustellen. Anschließend möchte ich im zweiten Abschnitt dann zwei Ansätze vorstellen, mit denen man sich im Unterricht der Sekundarstufe I mit Aspekten des Koheletbuches beschäftigen kann.

2 Das Buch Kohelet

Dieses Kapitel soll sich mit den Hintergrundinformationen des Buches Kohelet beschäftigen. Dabei handelt es sich um die Problematik des Verfassers, um Faktoren der Entstehungsgeschichte und Eindeutigkeit des Buches, sowie um die Einordnung des Buches innerhalb des alten Testaments. Aufgrund des Umfangs dieser Arbeit soll dabei zwar die Problematik angeschnitten werden, eine genauere Analyse würde jedoch den Rahmen dieser Arbeit sprengen.

2.1 Der Verfasser des Kohelet

Über den Verfasser des Buches Kohelet gibt es nur wenige Informationen. Diese sind laut Zimmer nur aus dem Text selbst zu schließen. Dementsprechend sind sie, wie im Text, nur sehr ungenau.

Der Autor, der sich als Kohelet bezeichnet und behauptet, dass er König über Israel zu Jerusalem sei, könnte eventuell König Salomo (995-926 v. Chr.) sein, da es einen König Kohelet nie gegeben hat. Aufgrund der zeitlichen Differenz zwischen der Verfassung des Textes (ca. 200-250 v. Chr.) und der Lebenszeit König Salomos ist dies aber fraglich.

Auch die Verfasser der zwei Bücher, die das Buch Kohelet umrahmen, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht identisch mit König Salomo.

Die drei Schriften Salomos (= Corpus Salomonicum), also Die Sprüche Salomos (Sprichwörter), Der Prediger Salomo (Kohelet), und Das Hohelied Salomos bilden gemeinsam einen Sinnzusammenhang. Die in den Sprüchen Salomos entwickelten Weisheiten werden von den zwei folgenden Büchern ironisch und kritisch in Frage gestellt. (vgl. Krüger, 2000, S.52)

2.2 Entstehungsort und Zeit

Das Buch des Predigers Salomo wird aufgrund von sprachlichen Kriterien und aufgrund bestimmter Textfunde in der Bibelforschung auf einen Entstehungszeitraum von ca. 200 – 250 v.Chr. datiert (vgl. Zimmer, 1999, S.2). Als Entstehungsort wird allgemein Jerusalem angenommen.

2.3 Einheitlichkeit des Kohelet

Die Frage der Einheitlichkeit des Buches Kohelet, möchte ich hier kurz nach Zimmer vorstellen. Die Kapitel 12 – 128 gelten überwiegend als von dem ursprünglichen Verfasser des Buches Kohelet abgefasst. Hingegen scheint Koh 11 und Koh 129-14 von ein oder gar zwei Epilogisten später hinzugefügt worden zu sein. Als umstritten gilt ferner, ob auch Zusätze in Koh 12 – 128 zu finden sind. Diese Zufügungen wären dann durch inhaltliche Wiedersprüche und durch den Stil zu begründen. Abgesehen von Koh 119b wird aber in der Wissenschaft überwiegend von keiner dogmatischen Korrektur ausgegangen und daher der Text als einheitlich betrachtet. Bei Koh 119b hingegen geht man davon aus, dass er von dem Epilogisten hinzugefügt wurde, welcher auch den Vers 1214 hinzufügte. Dies machen die Religionswissenschaftler an der sprachlichen Form, die sich sehr ähnelt und an der „Eindeutigkeit (fest), mit der nach 119b alles vor Gottes Gericht gebracht wird“ (Zimmer, 1999, S.3). Jedoch ist laut Zimmer hierbei noch nicht das letzte Wort gesprochen. (vgl. Zimmer, 1999, S.3)

2.4 Aufbau Gattung

Die Schwierigkeiten der Interpretation des Buches, die sich bereits in der Problematik der Einheitlichkeit zeigen, sind auch im Bezug auf Aufbau, Gattung und Thema des Kohelet zu finden.

Es gibt verschiedene Versuche dem Buch Kohelet eine eindeutige Kompositionsstruktur nachzuweisen. Diese führen aber zu vielfältigen Ergebnissen, die zwar teilweise in den groben Zügen übereinstimmen, im Detail aber stets voneinander abweichen. (vgl. Zimmer, 1999, S.4)

Der Aufbau des Buches zeigt eine deutliche Rahmung durch die Aussagen über Kohelet in der 3. Person in 11 (Überschrift) und 129-14 (Nachwort), sowie durch 12 und 128, die als ein Leitwort oder als Motto des Kohelet bezeichnet werden können:

11 Überschrift

12 Motto

13 – 127 Corpus des Buches

128 Motto

129-11 Nachwort

Inwiefern der Corpus des Buches (Koh 13 – 127) zu unterteilen ist, ist umstritten. Klar ist jedoch, dass eine Reihe von Themenkomplexen existieren, die mehr oder weniger voneinander getrennt abgehandelt werden. Diese Themenkomplexe umfassen jeweils mehrere Verse, deren genaue Abgrenzung ist jedoch nicht gänzlich geklärt, wie dies bereits bei der Eindeutigkeit des Textes klar wurde. (vgl. Krüger, 2000, S.19) Umstritten ist auch die Argumentationsstruktur des Buches, ob diese linear bestimmte Themen verfolgt oder eher Einzelthemen nacheinander abhandelt.

Seit die Theologen nicht mehr König Salomo als Verfasser vermuten, wird immer häufiger der nicht israelische, sondern beispielsweise griechische Einfluss auf den Verfasser des Kohelet diskutiert. Hierbei handelt es sich jedoch um einen noch sehr jungen Bereich der Forschung. (vgl. Zimmer, 1999, S.4f)

Auch wenn die Einflüsse aus anderen Kulturkreisen diskutiert werden, gilt, dass das Buch Kohelet der israelisch-jüdischen Weisheitstradition zuzurechnen ist. (vgl. Zimmer, 1999, S.7) Es finden sich nach Krüger ferner „zahlreiche Beispiele für die charakteristischen Gattungen der alttestamentlichen und altorientalischen-ägyptischen Weisheitsliteratur (, die) dem Buch als Ganzem ein >>weisheitliches<< Gepräge“ (Krüger, 2000, S.24) verleihen. Strobel definiert die Weisheit als eine „Philosophie die sich um die Probleme des menschlichen Lebens bemüht, das Verhältnis der Dinge dieser Welt vermitteln und gleichzeitig Weisungen für die Gestaltung des Lebens geben will“ (Strobel, 1967, S.11). Die Weisheitsliteratur tritt dabei verschieden auf. Einerseits erscheint sie als natürliche Eigenschaft des Menschen zur Erreichung seiner Wünsche (Wohlstand und Glück) und andererseits wird sie als göttliche Eigenschaft bzw. als Gabe Gottes an den Menschen gesehen, die ihm nur aus Gnade zu Teil wird. (vgl. Strobel, 1967, S.11)

Die Frage nach einer übergreifenden Strukturierung und auch der Fremdeinflüsse auf den Verfasser Kohelet durch andere Kulturen, ist für das Thema dieser Arbeit von begrenzter Relevanz.

2.5 Inhaltliche Analyse

Bei dem Buch Kohelet oder dem Prediger Salomo, wie es auch bezeichnet wird, handelt es sich um ein Buch der Weisheitsliteratur des Alten Testaments.

Es beschäftigt sich einerseits mit Tod und andererseits mit der Freude. Die Eingangsfrage nach dem bleibenden Ertrag menschlichen Lebens, dem Sinn des menschlichen Lebens, welches mit dem Tod sein unausweichliches und abruptes Ende findet und damit scheinbar jeden Sinn zerstört, soll in dieser Arbeit einen besonderen Stellenwert erhalten. (vgl. Zimmer, 1999, S.7) Mit dieser Ausführung des Vanitas- Gedankens, der „Vergänglichkeit alles Irdischen“ (Ohlig, 1995, Bd.23, S.82), soll sich diese Arbeit beschäftigen.

Zuvor muss hierfür kurz in die vielfältigen Themen des Buches eingeleitet werden.

2.5.1 Essen, Trinken und Freude als höchstes Gut

Die Frage nach dem was gut für den Menschen ist, bzw. nach dem was sie tun sollen solange sie leben, beantwortet Kohelet mehrfach damit, dass er essen, trinken und freude empfinden als das einzig erstrebenswerte Gut für den Menschen sieht.

Das Buch vertritt nicht nur einerseits die eudämonistische Ethik des Glücks, nach der das höchste Gut in der Erreichung des privaten Glücks des einzelnen besteht (vgl. Ohlig, 1995, Bd.9 S.195), sondern andererseits auch die hedonistische Ethik, die das private Glück als höchstes Gut in der dauerhaften Erfüllung individueller, physischer und psychischer Triebe, also der sinnlichen Lust sieht (vgl. Ohlig, 1995, Bd.6 S.239). „Der Mensch soll die Möglichkeit und Gelegenheit zu essen, zu trinken und sich zu freuen, in der Gegenwart ergreifen und den Genuss nicht aufschieben – sei es aus Sorge um die Zukunft [...] (oder) auch aus Hoffnung auf gesteigerte Genussmöglichkeiten in der Zukunft“ (Krüger, 2000, S.12), beispielsweise durch die Belohnung für gegenwärtiges Verhalten in der Zukunft (vgl. Krüger, 2000, S.12).

Dabei unterstützt das Buch Kohelet keine übersteigerte, egozentrische oder egoistische Haltung, sondern fordert vielmehr dazu auf in Gemeinschaft zu leben und den Bedürftigen etwas vom eigenen Besitz, vom Geschenk Gottes, abzutreten. (vgl. Krüger, 2000, S.11f)

2.5.2 Gott und Mensch

Das Verhältnis von Gott und dem Menschen ist bei Kohelet mehr, als Gott als reiner Schöpfer des Menschen. Gott ist überdies für die Erfahrungswirklichkeit des Menschen verantwortlich. Gottes Zeit ist endlos, sie ist nicht auf die Zeit der Welt beschränkt. Gottes Zeit begann bereits vorher und wird mit dem Ende der Welt nicht beendet sein. Die Schöpfung kann, weil sie sich ständig wiederholt, aus Gottes Sicht als abgeschlossen betrachtet werden. So wird durch das „Schöpfungswirken Gottes [...] menschliches Handeln gleichsam ermöglicht wie begrenzt“ (Krüger, 2000, S.13). Hierfür wird dem Menschen alles, wie Freude, Genuss und sogar das Leben geschenkt.

Schließlich aber wird durch die Zeit, das Schicksal, den Zufall oder auch den Tod, von Gott über den Menschen, der niemals ohne Schuld ist, gerichtet.

Diese Sicht Gottes als Schöpfer und Richter erlaubt es an die Allwirksamkeit Gottes zu glauben, da sie erlaubt den Schöpfer und den Richter in einer Person zu betrachten. Denn im umfassenden Schöpfungswirken Gottes ist alles für den Menschen, Gutes wie Böses, zu seiner Zeit schön und angemessen. Es kommt für den Menschen zu einer ambivalenten Sicht von sich selbst und Gott. Er kann recht handeln und Schuld doch nicht völlig vermeiden, er kann Glück erfahren und wird doch auch mit Leid konfrontiert. Jedoch sind gutes Tun und Glück, Schuld und Leid nicht im strengen Sinn eines Tun-Ergehens-Zusammenhangs miteinander verrechenbar.

Die adäquate Haltung des Menschen gegenüber Gott ist jedoch die Gottesfurcht. Dabei kommt es darauf an, Gott Respekt entgegen zu bringen, und nicht Opfer, Gelübde und Träume. Die Gottesfurcht hat ihren Wert in sich selbst, da der Mensch so keine Belohnung erwartet und das Gericht Gottes akzeptiert. (vgl. Krüger, 2000, S.13f)

[...]

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Vanitas-Darstellung im Kohelet
Hochschule
Universität zu Köln  (Seminar für Deutsche Sprache und ihre Didaktik)
Veranstaltung
„Es ist alles eitel” Vanitas- Darstellungen in der Literatur und Kunst
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
32
Katalognummer
V19926
ISBN (eBook)
9783638239516
ISBN (Buch)
9783640156887
Dateigröße
750 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vanitas-Darstellung, Kohelet, Vanitas-, Darstellungen, Literatur, Kunst
Arbeit zitieren
Michael Hinkel (Autor), 2002, Vanitas-Darstellung im Kohelet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19926

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