Betrachtet man die politischen Theorien von Thomas Hobbes und John Locke, den Absolutis-mus und den klassischen Liberalismus, so fragt man sich, was die Theoretiker dazu bewegte, diese zu entwerfen. Gerade weil es sich hier um die beiden frühesten modernen Theorien handelt, ist es interessant herauszufinden, wie Hobbes und Locke den Menschen wahrgenommen haben, wie sie das Wesen des Menschen beurteilten. Beide Theoretiker lebten zu einer Zeit, in der Partizipation des Einzelnen am politischen Ge-schehen nahezu unbekannt war. Die Obrigkeit war einem Großteil der damaligen Bevölkerung fremd, Unterdrückung und Willkür bestimmten die Tagesordnung, was jedoch als normal empfunden wurde. Diese alltägliche Situation musste jedoch in der Ansicht beider Autoren eine Ausgangslage haben. Weder Hobbes noch Locke konnten sich vorstellen, dass die Entwicklung hin zu den Systemen und Herrschaftsverhältnissen ihrer Lebzeiten, beziehungsweise jegliche Entwick-lung rein zufällig geschehen sein konnte. So erdachten sie sich eine Welt des Menschen, wie er gelebt haben könnte vor jeglicher politischen Vergesellschaftung, beziehungsweise wie er ohne diese leben würde, den Na-turzustand. Innerhalb dieses Naturzustandes musste es Faktoren gegeben haben, welche letzt-lich den Anstoss zur Politisierung des Menschen gaben. Hierbei spielen fundamentale In-stinkte, Charakterzüge und Ängste eine grosse Rolle, genau wie Rationalität und Vernunft.Beide Naturzustände begründen und stützen die jeweilige Theorie.Interessant ist dieses Thema zudem, da es sich bei Thomas Hobbes (1588 – 1679) und John Locke (1632 – 1704) um Zeitgenossen handelt.Ich möchte in dieser Hausarbeit die Unterschiede beider Naturzustände, sowie deren Gemein-samkeiten beleuchten.Kurze biographische Hinleitungen zu den Autoren sollen dabei helfen, ihre Ansichtsweisen ein wenig besser verstehen zu können.Im Anschluss sollen die Ansichten und Analysen von Herfried Münkler, einem Dozenten für Politikwissenschaft an der Berliner Humboldt – Universität und Autor zahlreicher Publika-tionen zur politischen Ideengeschichte der Neuzeit, zu Thomas Hobbes und die von Dr. Walter Euchner, der Politikwissenschaft an der Universität Göttingen lehrt, zu John Locke einen Einblick in die Forschungsmeinung geben.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
II Thomas Hobbes: Der Naturzustand im Leviathan
III John Locke: Zwei Abhandlungen über die Regierung – Der Naturzustand
IV Beurteilung des Hobbes´schen Naturzustandes von Herfried Münkler
V Walter Euchner – Der Naturzustand bei John Locke
VI Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht und vergleicht die Konzepte des Naturzustandes bei Thomas Hobbes und John Locke, um die menschliche Wahrnehmung sowie die Beweggründe für die Entstehung politischer Ordnung in den jeweiligen Theorien zu erhellen.
- Vergleich des Naturzustandsverständnisses von Hobbes und John Locke
- Analyse der Konfliktursachen im Naturzustand
- Untersuchung der Rolle von Vernunft und Selbsterhaltung
- Einbezug der Forschungsperspektiven von Herfried Münkler und Walter Euchner
Auszug aus dem Buch
Thomas Hobbes: Der Naturzustand im Leviathan
Thomas Hobbes entwirft in seinem Hauptwerk „LEVIATHAN – Oder Wesen, Form und Gewalt eines kirchlichen und bürgerlichen Staates“, von 1651 die erste moderne Staatstheorie überhaupt, die Konstruktion eines Staates, in welchem eine zentrale und allumfassende Gewalt absolutistisch herrscht. Diese Herrschaft kann nicht aufgeteilt werden, alle Macht muss in einer Person, dem LEVIATHAN, zusammenkommen, nur so kann für Thomas Hobbes Frieden herrschen.
Als Sohn eines Pfarrers am 5. April 1588 geboren, konnte Thomas Hobbes eine akademische Ausbildung genießen, welche er bereits mit 20 Jahren absolviert hatte und die ihn zu Kritik an der damaligen Hochschulausbildung bewegte. Im Folgenden unterrichtete er die Kinder adeliger Familien als Privatlehrer, bekam somit Zugang zu naturwissenschaftlichen Werken. Er bereiste Europa und entwickelte neue politische Theorien, welche er nach naturwissenschaftlichen Methoden aufbaute. Hobbes lebte im Zeitraum vor der englischen „Glorious Revolution“, doch schon zu seinen Lebzeiten herrschten Machtkämpfe zwischen König Karl I und Parlament, in welche er sich einschaltete. Nach beiderseitiger Missbilligung flüchtete er ins Exil nach Paris, das er erst nach elf Jahren verließ.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Sektion führt in die Fragestellung ein, wie Hobbes und Locke den Naturzustand und das Wesen des Menschen konzipierten, um die Notwendigkeit politischer Ordnung zu begründen.
II Thomas Hobbes: Der Naturzustand im Leviathan: Der Autor erläutert Hobbes' Theorie eines absolutistischen Staates, der als notwendiges Konstrukt zur Befriedung eines von ständigen Konflikten geprägten Naturzustandes dient.
III John Locke: Zwei Abhandlungen über die Regierung – Der Naturzustand: Es wird Lockes Modell dargestellt, in dem der Mensch in Freiheit und unter dem Gesetz der Natur lebt, jedoch zur Sicherung von Eigentum und Ordnung eine staatliche Gemeinschaft anstrebt.
IV Beurteilung des Hobbes´schen Naturzustandes von Herfried Münkler: Dieses Kapitel analysiert Münklers Kritik an Hobbes, der den Naturzustand nicht historisch, sondern als ideologisches Gegenstück zum souveränen Gesellschaftszustand betrachtet.
V Walter Euchner – Der Naturzustand bei John Locke: Euchner untersucht Lockes Argumentation, in der die Legitimität politischer Herrschaft auf rationalen Prinzipien und der Sorge um den Schutz von Leben und Eigentum basiert.
VI Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Unterschiede zwischen der absolutistischen Sicht von Hobbes und der liberalen, konstitutionellen Theorie von Locke zusammen und reflektiert deren historische Bedeutung.
Schlüsselwörter
Naturzustand, Thomas Hobbes, John Locke, Leviathan, Politischer Liberalismus, Absolutismus, Selbsterhaltung, Sozialvertrag, Vernunft, Anarchie, Konfliktursachen, Eigentum, Herrschaft, Naturrecht, Gesellschaftszustand
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die politischen Theorien von Thomas Hobbes und John Locke, insbesondere ihre unterschiedlichen Auffassungen vom Naturzustand.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Verständnis menschlicher Natur, den Ursachen von Konflikten im herrschaftslosen Zustand und der Entstehung politischer Ordnung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Gemeinsamkeiten und signifikanten Unterschiede der Naturzustandskonzepte beider Theoretiker sowie deren Begründung für die Staatsbildung herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende ideengeschichtliche Analyse, die sowohl Primärtexte der Autoren als auch moderne politikwissenschaftliche Forschungsliteratur einbezieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der Theorien von Hobbes und Locke sowie in eine kritische Auseinandersetzung anhand der Forschungsergebnisse von Münkler und Euchner.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Naturzustand, Absolutismus, Liberalismus, Selbsterhaltung, Vernunft, Gesellschaftszustand und Souveränität.
Wie unterscheidet Hobbes' Naturzustand sich grundlegend von Lockes?
Bei Hobbes ist der Naturzustand ein permanenter Kriegszustand der Anarchie, während bei Locke ein natürliches Gesetz existiert, das ein prinzipiell harmonisches Zusammenleben ermöglicht.
Inwiefern spielt der Aspekt des Eigentums bei John Locke eine besondere Rolle?
Für Locke ist das Privateigentum eng mit der Selbsterhaltung und Freiheit verknüpft, was die Notwendigkeit einer staatlichen Ordnung zur Sicherung dieser Rechte unterstreicht.
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- Anonym (Author), 2004, Der Naturzustand bei Thomas Hobbes und John Locke, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199299