Handlungsorientierung


Unterrichtsentwurf, 2011

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Situationsanalyse

2 Fachwissenschaftliche Analyse
2.1 Strukturmerkmale
2.2 Einordnung in wissenschaftliche Disziplinen
2.3 Handlungsorientierung gewinnt an Bedeutung
2.4 Problemstellung

3 Fachdidaktische Analyse

4 Lehr- und Lernzielplanung

5 Methodische Planung

Anhang
1 Verlauf der Unterrichtseinheit
2 Ziel und Unterrichtsverlauf zur Bekanntgabe für die Studenten
3 Musterlösung des Brainstormings zum handlungsorientierten Unterricht
4 Arbeitsmaterialien

Literaturverzeichnis

Internetquellenverzeichnis

1 Situationsanalyse

Die Lerngruppe des Vorbereitungsseminars SPS 1 besteht aus insgesamt 21 Studenten[1], wovon neun weiblich und zwölf männlich sind. Sie sind ca. zwischen 20 und 35 Jahre alt und studieren im vierten oder höheren Semester Wirtschaftspädagogik. Einige der Studenten haben bereits eine kaufmännische Ausbildung absolviert und andere sind auf direktem Wege nach dem (Fach-)Abitur zur Universität gewechselt. Das Ausbildungsziel der Lernenden variiert. Manche streben den Bachelor of Education an, um anschließend ihre berufliche Karriere in der Wirtschaft fortzusetzen. Vorrangig wird jedoch der Master of Education angestrebt, um an beruflichen Schulen unterrichten zu dürfen. Folglich handelt es sich um eine heterogene Lerngruppe. Das Arbeitsverhalten und die Motivation der Lerngruppe sind ausbaufähig, was unter anderem daran zu erkennen ist, dass nicht alle Lernenden die aufgetragenen Texte lesen und dass auf Fragen seitens der Lehrkraft nur wenige Wortmeldungen folgen. Dennoch ist die Arbeitsatmosphäre innerhalb der Lerngruppe ausgeglichen und angenehm, da sich die Lernenden mit dem nötigen Respekt begegnen, wie Ausredenlassen oder Zuhören, und bei Gruppenarbeiten engagiert und rücksichtsvoll sind. Wie das eben genannte Beispiel schon zeigt, herrscht ein hoher Anteil von Gruppenarbeit. Aber auch Sozialformen, wie Frontalunterricht und Gesprächsformen, werden angewandt. Aufgrund der bereits erwähnten Heterogenität der Lernenden sollte berücksichtigt werden, dass alle unterschiedliche Vorkenntnisse und Erfahrungen haben, was hinsichtlich der Unterrichtsplanung ein zu lösendes Problem darstellt.

2 Fachwissenschaftliche Analyse

Anhand der Abbildung in Abschnitt 2.2 lässt sich Handlungsorientierung im weiteren Sinne der Erziehungswissenschaft, im engeren Sinne der wissenschaftlichen Teildisziplinen Didaktik und Pädagogik zuordnen. In Anlehnung an Tramm ist festzustellen, dass es keine eindeutige Definition und Handhabung dessen gibt.[2] Es lassen sich lediglich Merkmale strukturieren.

2.1 Strukturmerkmale

„Der Mensch wirkt gestaltend auf die Umwelt und erhält wiederum entscheidende Prägungen von der Umwelt“.[3] Hierbei findet eine Art Rückkopplungsprozess statt, indem der Mensch durch eigenständiges Handeln seine individuellen Erfahrungen sammelt und diese mit vorhandenen Konstrukten verknüpft, reflektiert und ggf. erweitert oder ändert. Grundlage für einen handlungsorientierten Unterricht – sei es im kaufmännischen oder allgemeinbildenden Bereich – sind folgende Strukturmerkmale nach Laur-Ernst.[4]

Eines der Strukturmerkmale ist die Intentionalität, d.h. dass Erkenntnisse, die zielgerichtet auf bestimmte Aufgabenstellungen bzw. Situationen angewandt werden, die Sinnhaftigkeit des Handelns prägen. Das Handeln wird jedoch auch von persönlichen Einstellungen und Werthaltungen geleitet, welches Motive bildet und reflektiert. Daraus folgt, dass intentionales Handeln bewusst stattfindet und somit diskutierbar als auch abänderbar ist (Bewusstheit). Handeln impliziert auch die Subjektivität, die aufgrund der persönlichen Einstellungen und Werthaltungen, Gestaltungsspielräume und immer Freiheitsgrade ermöglicht. Eine Standardisierung ist lediglich auf der Ebene von Operationen möglich. Auch Prozesshaftigkeit ist ein Strukturmerkmal der Handlungsorientierung, da Handeln als ein Prozess verstanden wird, der zeitlich sowie dynamisch abgegrenzt ist. Es müssen nicht alle Schritte vorher festgelegt sein, da innerhalb des Handlungsprozesses Faktoren, wie wechselnde Bedingungen, Unvorhergesehenes oder Widerstände, eintreten können, auf die flexibel reagiert werden muss. Weiterhin zeichnet sich Handeln durch Mehrdimensionalität aus, welche unterschiedliche Komponenten, wie fachliche und soziale, planerische und kooperative, methodische und emotionale Qualifikationen, einbezieht (Komplexität). Wie bereits erläutert, ist Handeln interdependent, denn durch eine veränderte Umwelt passt sich das Individuum an, aber auch die Umwelt lässt sich auf die Veränderung des Individuums anpassen, was man auch unter dem Begriff Gestaltbarkeit zusammenfasst. Das Resultat des Handelns ist nicht eindeutig, aber differenzierbar in positiv oder negativ, nützlich oder weniger brauchbar, zufriedenstellend oder ärgerlich. Dies hat zur Konsequenz, dass die Ergebnisse zwar bewertbar, aber auch kritisierbar in Bezug auf die Bedeutsamkeit der Umwelt sind.

2.2 Einordnung in wissenschaftliche Disziplinen

Nachdem allgemeine Merkmale der Handlungsorientierung erläutert wurden, lässt sich der Begriff wie folgt einordnen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Handlungsorientierung als wissenschaftliche Disziplin

Handlungsorientierung ist insbesondere durch eigenständiges Handeln und Schüleraktivität gekennzeichnet. Somit lässt sie sich der Didaktik zuordnen, denn Didaktik lässt sich als Theorie und Praxis des Lehrens und Lernens definieren. Während die Theorie Aussagen über Lehr-/Lernprozesse macht, findet in der Praxis pädagogisches Handeln von Lehrern und Schülern statt, mit der Voraussetzung, dass die Selbstbestimmung des Menschen ausgebildet wird. Zur Selbstbestimmung gehört unter anderem die Reflexion des eigenen Handelns. Diese Voraussetzung ist auch Bestandteil und Ziel der Pädagogik.

„Pädagogik ist die […] Bezeichnung für die wissenschaftliche Disziplin, die sich mit Bildung und Erziehung befasst. Nach heutigem Verständnis kommt der Pädagogik die Doppelrolle zu, als Reflexionswissenschaft Bildungs- und Erziehungszusammenhänge zu erforschen, aber auch als Handlungswissenschaft Vorschläge zu machen, wie Bildungs- und Erziehungspraxis gestaltet und verbessert werden kann.“[5]

Daraus lässt sich schließen, dass diese zwei Teildisziplinen – Didaktik und Pädagogik – der wissenschaftlichen Disziplin Erziehungswissenschaft zuzuordnen sind und demzufolge auch die Handlungsorientierung eine Teildisziplin der Erziehungswissenschaft darstellt.

2.3 Handlungsorientierung gewinnt an Bedeutung

Zum einen soll auf schulischer Ebene die Vermittlung von trägem Wissen vermieden werden, bei dem Schüler Faktenwissen erlangen, dieses aber in der Praxis nicht umsetzen können. Aufgrund dessen verlagert sich der Fokus mehr und mehr von einem prozess- auf einen handlungsorientierten Unterricht. Des Weiteren findet auf beruflicher Ebene ein permanenter Wandel gesellschaftlicher, technischer und wirtschaftlicher Strukturen statt, den es zu bewältigen gilt. Durch diesen Wandel veraltet spezifisches Wissen und der Arbeitsmarkt verlangt beschäftigungsunabhängiges Wissen, welches durch Schlüsselqualifikationen, wie z.B. kritisches Denken oder kreatives Vorgehen, gekennzeichnet ist. Diese spiegeln sich auch in der beruflichen Handlungskompetenz [6], insbesondere in der Sozial- und der Selbstkompetenz, wider.

2.4 Problemstellung

Handlungsorientierung strebt zwar Ziele an, die für das Individuum von Vorteil sind, dennoch darf die Kehrseite der Medaille nicht außer Acht gelassen werden. In erster Linie besteht die Problematik darin, dass der Lehrplan in Kontrast zu den Interessen des Individuums steht, da sich die Ziele der Schüler meist nicht mit denen der Lehrkraft decken. Aber auch die Umsetzbarkeit seitens der Lehrperson in Bezug auf Planung, Durchführung und Bewertung ist problematisch. Denn der Lehrer ist gezwungen den bisherigen prozessorientierten Unterricht in einen handlungsorientierten Unterricht umzuwandeln und nimmt somit mehr eine beratende Funktion ein. Auch wenn Schüler im handlungsorientierten Unterricht durch Gruppenarbeit Kompetenzen wie Teamfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit erlangen, ist es fraglich, wie diese überhaupt rückwirkend – auch in Bezug zur Selbstkompetenz – geprüft werden können. Selbst, wenn diese Überprüfung erfolgreich durchgeführt werden kann, ist noch nicht gesagt, dass diese auch durch die Schulzeugnisse zertifiziert sind. Dort wird nämlich meist nur die schulische Fachkompetenz, jedoch nicht die Sozial- und Selbstkompetenz, ausgezeichnet.

3 Fachdidaktische Analyse

Zum einen gewinnt die Handlungsorientierung im Unterricht gegenwärtig an Bedeutung. Diese Gegenwartsbedeutung liegt begründet in § 2 des Hessischen Schulgesetzes:

„Die Schulen sollen die Schülerinnen und Schüler befähigen, in Anerkennung der Wertordnung des Grundgesetzes und der Verfassung des Landes Hessen […] die Auswirkungen des eigenen und gesellschaftlichen Handelns auf die natürlichen Lebensgrundlagen zu erkennen und die Notwendigkeit einzusehen, diese Lebensgrundlagen für die folgenden Generationen zu erhalten, um der gemeinsamen Verantwortung dafür gerecht werden zu können […] Die Schule soll den Schülerinnen und Schülern die dem Bildungs- und Erziehungsauftrag entsprechenden Kenntnisse, Fähigkeiten und Werthaltungen vermitteln. Die Schülerinnen und Schüler sollen insbesondere lernen, […] sich Informationen zu verschaffen, sich ihrer kritisch zu bedienen, um sich eine eigenständige Meinung zu bilden und sich mit den Auffassungen anderer unvoreingenommen auseinander setzen zu können“.[7]

Aus dieser Verankerung geht hervor, dass die angehenden Lehrer auf universitärer Ebene so ausgebildet werden müssen, dass sie diesen Bildungs- und Erziehungsauftrag auch erfüllen können.

Für die Zukunft bedeutet dies für die Lehramtsstudenten, dass eine Professionalität des Lehrerberufs nur dann gegeben ist, wenn die Lehrkraft in der Lage ist, sich und ihr eigenes Handeln kritisch zu betrachten und zu reflektieren. Diese Professionalität bewährt sich nicht nur im Bildungswesen, sondern auch in der Gesellschaft und im Privatleben.

4 Lehr- und Lernzielplanung

Das Ziel unserer Unterrichtseinheit ist, dass die Studenten mit dem Begriff „ Handlungsorientierung “ und deren Bedeutung vertraut sind und die Chancen und Risiken eines handlungsorientierten Unterrichts für ihre zukünftige Tätigkeit als Lehrer abwägen können.

[...]


[1] Zwecks besserer Lesbarkeit wird auf Geschlechtertrennung verzichtet.

[2] Vgl. Tramm, T. (1994), S. 39

[3] Beck, H. (1996), S. 10

[4] Vgl. Laur-Ernst, U. (1990), S. 150 ff.

[5] http://www.uni-siegen.de/fb2/studiengaenge/lehramt/pal/definition.html?lang=dev (Abruf am: 04.06.11)

[6] Nach Bader versteht man unter beruflicher Handlungskompetenz:
„Fachkompetenz ist die Fähigkeit und Bereitschaft, Aufgabenstellungen selbstständig, fachlich richtig und methodengeleitet zu bearbeiten und das Ergebnis zu beurteilen. Hierzu gehören auch „extrafunktionale Qualifikationen“ wie logisches, analytisches, abstrahierendes, integrierendes Denken sowie das Erkennen von System- und Prozesszusammenhängen.
Human(Personal)kompetenz oder Selbstkompetenz bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft des Menschen, als Individuum die Entwicklungschancen, Anforderungen und Einschränkungen in Beruf, Familie und öffentlichem Leben zu klären, zu durchdenken und zu beurteilen, eigene Begabungen zu entfalten sowie Lebenspläne zu fassen und fortzuentwickeln. Hierzu gehören insbesondere auch die Entwicklung durchdachter Wertvorstellungen und die selbstbestimmte Bindung an Werte.
Sozialkompetenz bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, soziale Beziehungen und Interessenlagen, Zuwendungen und Spannungen zu erfassen und zu verstehen sowie sich mit Anderen rational und verantwortungsbewußt auseinanderzusetzen und zu verständigen. Hierzu gehört insbesondere auch die Entwicklung sozialer Verantwortung und Solidarität.“ (Bader, R.: Konstruieren von Lernfeldern- Eine Handreichung für Rahmenlehrplanausschüsse und Bildungskonferenzen in technischen Berufsfeldern. In: Bader, R./ Sloane,P. (Hrsg.): Lernen in Lernfeldern, Markt Schwaben 2000, S. 39)

[7] http://www.hessen.de/irj/HKM_Internet?rid=HKM_15/HKM_Internet/nav/374/3743019a-8cc6-1811-f3ef-ef91921321b2%26_ic_uCon=72920bec-b224-d901-be59-2697ccf4e69f.htm&uid=3743019a-8cc6-1811-f3ef-ef91921321b2 (Abruf am: 06.06.11)

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Handlungsorientierung
Hochschule
Universität Kassel  (Institut für Berufsbildung)
Veranstaltung
Schulpraktische Studien I
Note
1,3
Autoren
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V199314
ISBN (eBook)
9783656362906
ISBN (Buch)
9783656363262
Dateigröße
923 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ein Unterrichtsentwurf für ein studentisches Vorbereitungsseminar auf das bevorstehende Schulpraktikum
Schlagworte
Hanlungsorientierung, Unterrichtsentwurf, Handlungsorientierter Unterricht
Arbeit zitieren
Jutta Otterbein (Autor)Lisa Jungkurth (Autor), 2011, Handlungsorientierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199314

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