Die Theoretiker der Romantik verstanden Ironie nicht mehr nur als Redeweise oder Tropus, sondern als poetologischen Terminus. Wie in dieser Arbeit gezeigt werden wird, handelt es sich bei der romantischen Ironie um einen vielumfassenden philosophisch-ästhetischen Begriff und ein künstlerisches Gestaltungsprinzip, das zudem eine erkenntnis-theoretische Dimension besitzt. Absichtlich wird der Leser einem Verwirrspiel ausgesetzt. Das erzählerische Werk E. T. A. Hoffmanns hält die Ambivalenz zwischen Phantastischem und Alltäglichem permanent in der Schwebe, macht eindeutige Identifikationen unmöglich, verweigert unzweideutige Identitäten und stellt das Kunstwerk selbstreflexiv in Frage. Es sind gleichsam Irrungen aus Vorsatz.
Untersucht wird die künstlerische Handhabung der Ironie als Gestaltungsmittel des romantischen Schreibens. Romantische Ironie ist in den Erzählungen von E. T. A. Hoffmann ein angewandtes Kunstmittel. Analysiert wird deshalb der künstlerische Gebrauch epischer Erzählmittel, nicht die Verwendung von Ironie auf einer inhaltlichen Ebene.
In der Forschung sind Erkenntnisse zur romantischen Ironie bei E. T. A. Hoffmann nur verstreut zu finden. Dass Lachen, Humor und Ironie bei den Interpretationen der Hoffmannschen Erzählungen unlängst etwas in den Hintergrund getreten sind, begründet Andreas Beck damit, dass diese Aspekte bei einem der einflussreichsten Romantik- und Hoffmann-Forscher, Detlef Kremer, marginalisiert werden. Nach Becks Ansicht ist diese Aus-parung des Komischen dringend korrekturbedürftig. Am intensivsten unter dieser Fragestellung beachtet wurde noch Hoffmanns Erzählung Prinzessin Brambilla, während die systematische Betrachtung anderer Texte unter diesem Gesichtspunkt ein Desiderat darstellt. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die bisher lediglich dekonzentriert vorliegenden Erkenntnisse der Forschung zusammenzuführen und diese durch eigene Beobachtungen zu einzelnen Werken zu ergänzen beziehungsweise gegebenenfalls zu relativieren.
Inhaltsverzeichnis
- Einführung
- Romantische Ironie in der Theorie - Friedrich Schlegel
- Aspekte eines Kaleidoskops der romantischen Ironie in Hoffmanns Erzählungen
- Die Ebene der Figuren – Facettenreiche Identitäten
- Die merkbare Präsenz und Infragestellung des Erzählers
- Der „,günstige Leser“ als aktives Element des poetischen Werks
- Das Prinzip der unauflösbaren Mehrdeutigkeit
- Ironie und Humor als poetologische Doppelformel
- Schlussbemerkung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Anwendung romantischer Ironie in den Erzählungen von E. T. A. Hoffmann und untersucht, wie diese als künstlerisches Gestaltungsprinzip die Werke prägt. Die Analyse fokussiert auf den Gebrauch der Ironie als episches Erzählmittel, nicht auf ihre Anwendung auf inhaltlicher Ebene.
- Die Rolle der romantischen Ironie als poetologische Praxis in Hoffmanns Erzählungen
- Die Verwendung von Ironie als Gestaltungsmittel, das Ambivalenz und Mehrdeutigkeit erzeugt
- Die Interaktion von Figuren, Erzähler und Leser in der Gestaltung der Ironie
- Die Verbindung von Ironie und Humor als charakteristisches Merkmal der Hoffmannschen Erzählkunst
- Die Bedeutung der Gattungsüberschreitung und des Spiels mit Konventionen in der romantischen Ironie
Zusammenfassung der Kapitel
Die Arbeit beginnt mit einer Einführung in das Thema und einer Erläuterung der romantischen Ironie als philosophisches und ästhetisches Konzept. Im zweiten Kapitel wird die Theorie der romantischen Ironie nach Friedrich Schlegel dargestellt, der als bedeutender Theoretiker des 19. Jahrhunderts gilt. Der Hauptteil der Arbeit (Kapitel 3) untersucht die Verwendung der romantischen Ironie in den Erzählungen von E. T. A. Hoffmann anhand verschiedener Aspekte, wie der Ebene der Figuren, des Erzählers, des Lesers und des Prinzips der Mehrdeutigkeit.
Die Arbeit analysiert zudem, wie Ironie und Humor in Hoffmanns Erzählungen miteinander verschmelzen und eine poetologische Doppelformel bilden. Schließlich fasst die Schlussbemerkung die wichtigsten Erkenntnisse der Arbeit zusammen.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter dieser Arbeit umfassen romantische Ironie, E. T. A. Hoffmann, Erzählung, poetologische Praxis, Gestaltungsmittel, Ambivalenz, Mehrdeutigkeit, Figuren, Erzähler, Leser, Humor, Gattungsüberschreitung, Universalpoesie. Die Arbeit untersucht, wie diese Schlüsselbegriffe in den Werken Hoffmanns zusammenspielen und welche Rolle sie in der Gestaltung seiner Erzählungen spielen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist "romantische Ironie" nach Friedrich Schlegel?
Es ist ein philosophisch-ästhetisches Prinzip, bei dem der Künstler sein Werk reflektiert, es ironisch bricht und so eine unauflösbare Mehrdeutigkeit schafft.
Wie setzt E. T. A. Hoffmann Ironie in seinen Erzählungen ein?
Hoffmann nutzt Ironie als episches Erzählmittel, um die Grenze zwischen Phantastischem und Alltäglichem zu verwischen und den Leser in ein Verwirrspiel zu verwickeln.
Welche Rolle spielt der Erzähler bei Hoffmann?
Der Erzähler ist oft spürbar präsent, stellt sich selbst infrage und verweigert dem Leser eindeutige Identitäten oder Wahrheiten.
Was versteht man unter dem "günstigen Leser"?
Es beschreibt den Leser als aktives Element des Werks, der die Ironie verstehen und die Ambivalenzen des Textes aushalten muss.
Welche Erzählung Hoffmanns gilt als Paradebeispiel für Ironie?
In der Forschung wird besonders die Erzählung "Prinzessin Brambilla" intensiv unter dem Aspekt der Ironie und des Komischen betrachtet.
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- Dr. Christiane Streubel (Author), 2010, Irrungen aus Vorsatz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199325