Beim Übergang vom Teenager zum Erwachsenen brauchen Jugendliche anscheinend nicht nur den Einfluss von Eltern, Lehrern oder Erziehern, sondern auch den Einfluss von Freunden bzw. Gleichaltrigen als Interaktionspartner, die keinen Erfahrungs- und Kompetenzvorsprung haben (Krappmann, 2010, S. 187). Die Gruppe der Gleichaltrigen (Peer-Group) stellt heute „eine zentrale Bezugsgruppe für Jugendliche dar“ (Nörber, 2003, S. 10), deren mächtiger Einfluss noch immer unterschätzt wird (Opp, 2008, S. 19). Die Peer – Groups können als eine entscheidende Sozialisationsinstanz für die Entwicklung des Sozialverhaltens der Jugendlichen angesehen werden (Beer, 2007, S. 67). Der Prozess der Sozialisation beinhaltet in dem Kontext alle Erfahrungen und damit verbundenen Prozesse, die eine Person benötigt, um sich zu einer sozialen Persönlichkeit zu entwickeln (Schnabel, 2001, S. 36). In der Jugendphase, welche den Lebensabschnitt zwischen dem Übergang von der unselbstständigen Kindheit zur selbstständigen Erwachsenenrolle darstellt (Hurrelmann, 2007, S. 31), ist festzustellen, dass die Teenager einen erheblichen Teil ihrer Zuneigung und Bewunderung von den Eltern abziehen und den Gleichaltrigen widmen (Bopp, 1983, S. 143). In diesem Zusammenhang beschäftigt sich diese Projektarbeit mit dem „Einfluss von Freunden auf Jugendliche (Peer - Groups).“ Das Ziel der Projektarbeit ist es, zu verstehen, warum die Jugendlichen vermehrt den Kontakt zu Gleichaltrigen bzw. Freunden suchen, warum Freundschaften gerade in der Jugendphase so wichtig sind, in welchen Einflussbereichen die Freunde die Eltern ablösen und in welchen Einflussbereichen die Eltern, trotz der zunehmenden Bedeutung der Freunde, die erste Bezugsperson bleiben. Hierzu werden zunächst in Kapitel 2 die Peer - Groups näher beschrieben. Die Projektarbeit beleuchtet zunächst, was unter einer Peer - Group zu verstehen ist, welche Formen eine Peer - Group haben kann, welche Bedeutung und Funktionen von ihr ausgehen und wo der Unterschied zwischen Peer - Beziehungen und Eltern – Kind-Beziehungen ist. Kapitel 3 beschreibt anschließend zwei mögliche Einflussbereiche von Freunden auf Jugendliche. An den Beispielen der Berufswahl und des Alkoholkonsums wird versucht herauszustellen wie groß der Einfluss der Freunde wirklich sein kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Peer - Groups als Begleiter durch die Jugendzeit
2.1 Definition Peer - Group
2.2 Formen von Peer - Groups
2.3 Bedeutung und Funktionen von Peer - Groups
2.4 Vergleich von Peer-Beziehungen und Eltern-Kind Beziehungen
3 Mögliche Einflussbereiche von Freunden auf Jugendliche
3.1 Alkoholkonsum
3.2 Berufswahl
4 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Projektarbeit untersucht den wachsenden Einfluss von Peer-Groups auf Jugendliche während des Übergangs zum Erwachsenenalter. Ziel ist es, die Gründe für die gestiegene Bedeutung von Freundschaften in der Jugendphase zu beleuchten, die Rollenverteilung zwischen Eltern und Freunden in verschiedenen Lebensbereichen zu analysieren und zu klären, inwieweit Freunde die Entscheidungsfindung Jugendlicher beeinflussen.
- Struktur und Definition von Peer-Groups
- Sozialisationsfunktion von Freundschaften im Jugendalter
- Vergleich der Beziehungsqualität zwischen Eltern und Peers
- Einfluss von Freunden auf den Alkoholkonsum
- Bedeutung von Peers bei der Berufswahl
Auszug aus dem Buch
2.1 Definition Peer - Group
„Als Peer - Groups bezeichnet man Gruppen von etwa gleichaltrigen Kindern oder Jugendlichen, die meist im Umfeld von Bildungsorganisationen entstehen, aber freiwillig zustande kommen und sich dem direkten Einfluss Erwachsener mit zunehmendem Alter entziehen“ (Ecarius, Eulenbach, Walgenbach & Fuchs, 2011, S. 113). Die deutsche Übersetzung für den Begriff „Peer - Group“ ist „Gleichaltrigengruppe“. Sie ist jedoch nicht sehr aussagekräftig, da hier nur ein Aspekt der Peer - Group berührt wird, nämlich der, dass die Personen etwa im gleichen Alter sein müssen, „um so bezeichnet werden zu können“ (Naudascher, 1977, S. 13).
Die Mitglieder einer Peer - Group werden als „Peers“ bezeichnet. Nach Brake muss der Sammelbegriff der Peers muss jedoch unterschieden werden, denn es können damit sehr unterschiedliche soziale Konstellationen angesprochen sein. Peers müssen einerseits nach Ihrer Anzahl (ob Zweierbeziehungen, oder mehrere Jugendliche in Form einer Clique) und andererseits hinsichtlich der Verbindlichkeit und Nähe der Peerbeziehungen (ob beste Freundschaften, oder Mitschüler in der Klasse) unterschieden werden (Brake, 2010, S. 387). Es wird also deutlich, dass Peers nicht immer mit Freunden gleichzusetzen sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die zentrale Bedeutung von Peer-Groups für die Entwicklung Jugendlicher ein und formuliert das Ziel der Arbeit, die Ablösungsprozesse vom Elternhaus sowie die spezifischen Einflussbereiche von Freunden zu untersuchen.
2 Peer - Groups als Begleiter durch die Jugendzeit: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Peer-Group, differenziert zwischen verschiedenen Formen wie Cliquen und Crowds und vergleicht die Beziehungsstrukturen von Eltern-Kind-Bindungen zu Peer-Beziehungen.
3 Mögliche Einflussbereiche von Freunden auf Jugendliche: Anhand der konkreten Beispiele Alkoholkonsum und Berufswahl wird analysiert, wie stark der Einfluss von Freunden in verschiedenen Lebensbereichen ist und wo die Grenzen dieses Einflusses liegen.
4 Fazit: Die Zusammenfassung resümiert, dass Peer-Groups in der Jugendphase essenzielle Funktionen als Sozialisationsinstanz und Familienersatz erfüllen, während die Eltern dennoch in zentralen Fragen wichtige Bezugspersonen bleiben.
Schlüsselwörter
Jugendphase, Peer-Group, Sozialisation, Freunde, Eltern-Kind-Beziehung, Alkoholkonsum, Berufswahl, Clique, Identitätsentwicklung, Jugendforschung, Peer-Beziehung, Modelllernen, Konformitätsdruck, Jugendkulturen, soziale Entwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den wachsenden Einfluss, den Freunde und Gleichaltrigengruppen (Peer-Groups) auf Jugendliche während deren Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen ausüben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition und Funktion von Peer-Groups, die psychologische Bedeutung von Freundschaften sowie deren konkreter Einfluss auf Verhalten, speziell bei der Berufswahl und beim Alkoholkonsum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu verstehen, warum Jugendliche verstärkt Kontakt zu Gleichaltrigen suchen und in welchen Bereichen Freunde die Eltern als primäre Bezugspersonen ablösen oder ergänzen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Projektarbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Auswertung bestehender sozialwissenschaftlicher Studien basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Peer-Groups und eine empirisch gestützte Analyse zweier Einflussbereiche: den Alkoholkonsum und die berufliche Orientierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Peer-Group, Jugendphase, Sozialisation, Identitätsentwicklung, Eltern-Kind-Beziehung, Konformitätsdruck und Berufswahl.
Warum sind Freunde für Jugendliche wichtiger als Eltern?
Sie dienen in der Jugendphase als „Probebühne“ für neue Identitäten und bieten ein geschütztes Übungsfeld zur Entwicklung von Sozialkompetenz abseits von elterlicher Hierarchie.
Ist der Einfluss der Freunde bei der Berufswahl wirklich größer als der der Eltern?
Nein, die Untersuchung zeigt, dass Eltern bei der Berufswahl weiterhin die wichtigsten Ansprechpartner sind, während Freunde eher eine unterstützende, emotional stabilisierende Rolle einnehmen.
- Quote paper
- Tom Scheffler (Author), 2011, Einfluss von Freunden auf Jugendliche (Peer-Groups), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199364