Die Darstellung der Heiden im Eneasroman und im Rolandslied


Hausarbeit, 2011
14 Seiten, Note: 5.5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Darstellung der fremden Religion im Eneasroman
2.1. Die Entstehung des Eneasromans
2.2. Die Rezeption der heidnischen Antike im Mittelalter
2.3. Die Abweichungen zu Vergils Aeneis
2.4. Die antike Religion im Eneasroman von Veldeke

3. Die Darstellung der fremden Religion im Rolandslied
3.1. Die Entstehung des Rolandslieds
3.2. Die Darstellung der Heiden durch volkssprachliche Dichter
3.3. Die Heidendarstellung im Rolandslied des Pfaffen Konrad

4. Vergleich der Darstellungen von Heiden im Eneasroman und Rolandslied

5. Schluss!

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Eneasroman von Heinrich von Veldeke und das Rolandslied des Pfaffen Konrad werden beide in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts verfasst. In beiden Werken wird eine fremde und heidnische Kultur beschrieben. Der Eneasroman handelt von den Reisen und Kämpfen des Griechen Eneas und seinen Gefolgsleuten nach der Schlacht um Troja und das Rolandslied von dem Kriegszug Karls des Grossen gegen die muslimischen Sarazenen in Spanien.

Es soll nun untersucht werden wie die Heiden in den jeweiligen Werken dargestellt werden und mit einem Vergleich die Frage gestellt werden, wo die Unterschiede sind und ob es trotz so unterschiedlicher Ausgangslagen Parallelen gibt.

Zuerst werden die Werke einzeln untersucht und dabei stellt sich auch die Frage, wie weit ein christlicher Autor des 12. Jahrhunderts seine eigenen religiösen Wertvorstellungen auf fremde Kulturen projiziert, beziehungsweise die fremde Religion einfach als im Gegensatz zur eigenen stehend darstellt.

Beim Eneasroman wird zusätzlich ein Vergleich mit dem Original, der Aeneis von Vergil, vorgenommen um daraus abzulesen, wie viel Veldeke von der antiken Götterwelt übernommen und was er verändert hat.

Abschliessend werden dann die Darstellungen von Konrad und Veldeke nebeneinander gestellt und es wird analysiert, ob es Vergleichbares oder Gegensätzliches gibt.

2. Die Darstellung der fremden Religion im Eneasroman

2.1. Die Entstehung des Eneasromans

Die Datierung des Eneasromans ist nicht ganz zuverlässig geklärt. Aus verschiedenen Indizien kann daraus geschlossen werden, dass der Roman im Jahre 1174 zu ungefähr drei Viertel vollendet war.1 Veldeke selbst berichtet, dass ihm dann das Manuskript gestohlen wurde, und er es erst Jahre später wieder zurück erhalten hat und fertigstellen konnte. Dies lässt sich vermutlich auf den Zeitraum zwischen 1184 und 1186 eingrenzen.2 Das Werk ist eine nach mittelalterlichem Verständnis getreue Übersetzung des anglo- normannischen „Roman d‘Eneas“, welcher um 1160 entstanden ist.3 Dieser wiederum hat als Vorlage die Aeneis des römischen Dichters Vergil, welcher daran bis zu seinem Tod 19 v. Chr. schrieb.4 Diese erzählt die mythische Ursprungsgeschichte des römischen Reichs in Anlehnung an Homers Odyssee und Ilias.

Der Eneasroman wurde von den nachfolgenden deutschen Dichtern wie Wolfram von Eschenbach und Gottfried von Strassburg in den höchsten Tönen gelobt. Er gilt als Begründung der höfischen Erzählkunst in deutscher Sprache.5

2.2. Die Rezeption der heidnischen Antike im Mittelalter

Das christlich geprägte Mittelalter hatte ein ambivalentes Verhältnis zu der heidnischen Antike. Einerseits wurden die antiken Texte als formal vorbildlich angesehnen und dienten in den Schulen als Lehrmaterial, anderseits musste man sich mit der antiken heidnischen Götterwelt auseinandersetzen, was zu verschiedenen Deutungsmustern führte. Eine vorchristliche heidnische Religion wurde anders gewertet als eine zeitgenössische, es wurde durchaus anerkannt, dass vor Christi Geburt niemand den wahren Glauben haben konnte, dennoch wollte man aufzeigen, dass die antiken Götter, so wie sie in den Büchern beschrieben wurden, nicht existiert hatten. Sie wurden auf verschiedene Weise umgedeutet.6 Die eine Variante war, sie zu dämonisieren, ihr wirken als Teufelszeug abzutun. Weiter gab es die Möglichkeit, die Götter als Menschen mit besonderen Fähigkeiten darzustellen (Euhemerismus) oder sie als Beschreibungen von Naturgewalten zu deuten. Weit verbreitet war auch eine allegorisierende Lesart, bei der die Götter für das ihnen entsprechende Attribut stehen, also zum Beispiel die Venus für die Liebe. In dieser Form war die antike Götterwelt im Mittelalter durchaus präsent. Da man sich seit Karl dem Grossen im fränkischen bzw. im deutschen Reich in der Nachfolge des römischen Reichs sah, war das Interesse an der Antike nicht nur ein historisches, sondern auch einen Beitrag zur eigenen Identitätsbildung.7 Der Eneasroman, der die römische Vorgeschichte bis zur Gründung Roms thematisiert, ist in diesem Zusammenhang zu verstehen. Er wird so zur Gründungsgeschichte des eigenen Reichs. Im Mittelalter steht die grundsätzliche Historizität dieser Texte ausser Frage, sie werden keineswegs als mythisch abgetan.8 Dies verstärkt die Schwierigkeit mit dem Umgang der antiken Götterwelt, die ja aktiv in das Geschehen eingreifen.

Dabei wurde in den Erzählungen die Antike mediaevalisiert, es wurden die ritterlichen und höfischen Ideale zurückprojiziert um in einem zweiten Schritt durch diese Geschichts- darstellungen die eigene Gegenwart zu legimitieren.9 Dies kommt in den Antikenromanen des späten 12. Jh. besonders deutlich zum Ausdruck. Später im Humanismus der Renaissance wird dazu übergegangen, die antiken Texte genau zu übersetzten, ohne sie neu zu interpretieren.

2.3. Die Abweichungen zu Vergils Aeneis

Veldeke hat seinen Eneasroman in erster Linie nach dem französischen „Roman d‘Eneas“ konzipiert. Dieser weicht in Gestaltung und Gewichtung der einzelnen Erzählteile stark vom dem antiken Original ab, bleibt dem Handlungsverlauf jedoch weitgehend treu. Veldeke hat beim Verfassen des Eneasromans auch den Text von Vergil beigezogen, was man an einigen Stellen nachvollziehen kann.10

Im Gegensatz zur Aeneis wird die Handlung im Eneasroman chronologisch erzählt. Die Rolle der Götter wurde stark reduziert. Auch wurde der Bericht über die Irrfahrten reduziert und die Liebesgeschichte zwischen Eneas und Lavinia hinzugefügt.

[...]


1 vgl. ER, S. 857. (Nachwort)

2 vgl. ebd.

3 vgl. ebd. S. 851.

4 vgl. Aeneis, S. 333. (Nachwort)

5 vgl. Schröder, S. 7.

6 vgl. Lienert, S. 16.

7 vgl. ebd, S. 14f.

8 vgl. ebd, S. 10.

9 vgl. ebd, S.17f.

10 vgl. ebd, S. 72ff.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Darstellung der Heiden im Eneasroman und im Rolandslied
Hochschule
Universität Basel
Note
5.5
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V199428
ISBN (eBook)
9783656256526
ISBN (Buch)
9783656257196
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eneasroman, Heinrich von Veldeke, Rolandslied, Der Pfaffe Konrad, Heidentum, Mittelalter, Antikenroman
Arbeit zitieren
David Christen (Autor), 2011, Die Darstellung der Heiden im Eneasroman und im Rolandslied, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199428

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