Rother und die Königstochter

Zur "Höfischen Minne" im "König Rother"


Hausarbeit, 2012

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Terminus Höfische Minne

3 Höfische Minne im König Rother
3.1 Hinführung zur Schuhepisode
3.1.1 Rothers Handlungen bezüglich der Königstochter
3.1.2 Handlungen der Königstochter bezüglich Rothers
3.1.3 Ablehnung der ersten Einladung der Königstochter
3.2 Die Schuhepisode als Schlüsselszene für die Beziehung Rother-Königstochter

4 Schluss und Ausblick

5 Literaturverzeichnis
5.1 Primärliteratur
5.2 Sekundärliteratur

1 Einleitung

„Für Rother gewährleisten seine edle Abstammung sowie die gelungene Einbindung qualitativ hochwertiger Gefolgsleute seine Macht, seine Geltung und seine hohe Position in der Adelshierarchie, wodurch sich wiederum seine Herrschaftsfähigkeit hinreichend bezeugt. Doch obwohl diese Makellosigkeit […] so hervorgehoben [wird], formuliert bereits der nächste Vers1 ein anscheinend erhebliches Defizit: die fehlende Ehefrau.“2

So beschreibt Rita Zimmermann die gegebene Ausgangssituation im König Rother, welche ebenfalls Ursprungssituation für diese Arbeit sein soll. Dass der Herrscher von Bari, König Rother, eine Frau benötigt, um seine Thronfolge zu sichern und diese im Laufe der Handlung auch findet und für sich gewinnt, ist Fakt. Doch stellt sich bei genauerer Betrachtung des Werkes die Frage, ob es im König Rother wirklich nur um die Lösung dieses Ausgangsproblems, der Sicherung der Thronfolge, geht oder ob es noch andere Beweggründe gibt, die genau diese beiden Protagonisten, Rother und die Königstochter, zusammenführen. Die sich daraus ergebende Fragestellung, welche nun im Speziellen an den Gegenstand herangeführt wird, ist, ob zwischen der Tochter von König Konstantin, und dem König aus Bari sich Minne in Form von Liebe entwickelt oder ob die Auserwählte nur Mittel zum Zweck bleibt. Darüber hinaus steht im Fokus der Untersuchung des Gegenstandes, ob es sich bei König Rother um ein mittelalterliches Werk handelt, welches den spezifischeren Begriff der Höfischen Minne thematisiert und deren Merkmale aufweist. Diese Fragestellung ist von Relevanz, da der Rezipient bei erstmaliger Lektüre des Werkes von dem Vorhandensein der Minne zwischen Rother und Königstochter ausgeht, weil dies oberflächlich auch so scheint. Bei genauerer Betrachtung und Analyse des Stoffes muss dieser erste Eindruck jedoch revidiert werden. Aus der bereits genannten Fragestellung leitet sich nun die, für diese Arbeit den roten Faden gebende These ab: Weder Höfische Minne, noch Minne mit der engeren Bedeutung „Liebe“ kommen im König Rother zwischen den beiden Protagonisten, Rother und der Königstochter, vor. Zur Untersuchung dieser These soll als erstes der Terminus der Höfischen Minne und der Minne allgemein geklärt und unterschieden werden. Im Folgenden steht die Anwendung dieses Begriffes auf König Rother im Fokus der Betrachtung. Zu untersuchen sind dabei vor allem Textstellen, in denen Rother mit der Königstochter interagiert als auch Stellen, in denen der eine über den jeweils anderen sich äußert. Somit kann eine konsistente Analyse beider Sichtweisen auf den jeweils anderen gewährleistet werden. Den Mittelpunkt der Untersuchung bildet die Analyse und Interpretation der Schuhepisode als Schlüsselszene für die Beziehung Rother-Königstochter. Besonders zu beachten ist dabei, ob diese Schuhprobe ein von Rother geplanter Akt ist oder aus Hingabe zur Königstochter stattfindet. Als Primärliteratur dient mir bei der Analyse und Interpretation die Reclam-Ausgabe des König Rother mit der neuhochdeutschen Übersetzung von Peter K. Stein aus dem Jahre 2000.

2 Der Terminus Höfische Minne

Um das Werk König Rother überhaupt auf das Vorhandensein Höfischer Minne untersuchen zu können, muss zuallererst der Terminus dieser im Verhältnis zu dem der Minne allgemein geklärt werden. Die Recherche mithilfe des Mittelhochdeutschen Handwörterbuchs (LEXER) ergibt zunächst mehrere Bedeutungen des Minne-Begriffes:

„[…] liebe, allgem. u. zwar: religiöse liebe […] freundschaft, liebe, zuneigung, wolwollen […] gütliches übereinkommen, gütliche beilegung […] die geschlechtliche, sinnliche liebe allgem. […]“3

Aus dieser Vielfalt an Übersetzungsmöglichkeiten und somit auch Bedeutungen lassen sich zunächst vier Gruppen herausstellen: Minne als zwischenmenschliche Liebe, Minne als Liebe zu Gott, Minne als bloße Zuneigung beziehungsweise auch Freundschaft, Minne als Güte im Falle des Klärens eines Streites und Minne in der Bedeutung von sinnlicher, erotischer Liebe zwischen zwei Menschen. Das Lexikon des Mittelalters gibt nun nähere Auskunft über die Verwendung des Begriffs:

„das ma. Wort [Minne] mit der Grundbedeutung einer positiven mentalen und emotionalen Zuwendung, >>freundliches Gedenken<<, […] für die Beziehung der Menschen zu Gott und für die Beziehung der Menschen untereinander in karitativer, freundschaftl., erot. und sexueller Hinsicht verwendet [wurde] […]“4

Somit wird die ursprüngliche Bedeutung von Minne, nämlich „freundliches Gedenken“, also eine Art Zuneigung, die allerdings nicht mit Liebe gleichgesetzt werden muss, aber kann, deutlich. Weiterhin wird in jenem Lexikonartikel hinzugefügt, dass Minne erst „[…] seit etwa 1170 in Deutschl. zu einem zentralen Thema in der Lyrik und Epik […]“5 heranwachse und der Terminus „[…] im SpätMA eine Bedeutungsverengung [erfuhr], […] die zu dem heute noch gültigen Ersatz von M. durch >>Liebe<< geführt hat.“6 Außerdem gelten die „Ausprägung des Ich-Bewußtseins, Hinwendung zu einem nicht-austauschbaren Du, Selbstreflexion und -analyse“7 als die wesentlichen Merkmalen der Minne in zwischenmenschlichen Verbindungen des Mittelalters. Eine Spezifizierung dazu stellt die Erläuterung des Begriffes der Höfischen Minne dar. Joachim Bumke hat die wesentlichen Merkmale der Höfischen Minne nach Gaston Paris noch einmal resümiert:

„1. Höfische Liebe ist ungesetzlich […] daher auf Heimlichkeit angewiesen. Sie schließt die volle körperliche Hingabe ein. 2. […] Unterordnung des Mannes, der sich als Diener seiner Dame betrachtet und die Wünsche seiner Herrin zu erfüllen sucht. 3. Höfische Liebe fordert von dem Mann das Bemühen, besser und vollkommener zu werden, um dadurch seiner Dame würdiger zu sein.“8

Hilkert Weddige bringt bezüglich der Heimlichkeit der Liebe einen weiteren Aspekt an:

„Ritter und vrouwe sind Mitglieder der höfischen Gesellschaft. Sie unterliegen deren Normen, verkörpert durch die Aufpasser, die huote, merkaere. Ihre Liebe ist darum eine heimliche […]“9

Obwohl diese Konzeption nach Paris umstritten sei, da „Liebe in der höfischen Literatur auf ganz verschiedene Weise dargestellt worden ist und […]dabei gattungsspezifische Besonderheiten eine entscheidende Rolle gespielt haben“10, soll sie trotzdessen im Folgenden als Grundgerüst zur Untersuchung des König Rother auf das Vorhandensein Höfischer Minne dienen.

3 Höfische Minne im König Rother

Im Folgenden soll nun das Werk unter dem Gesichtspunkt der Bedeutung von Höfischer Minne, aber auch von Minne allgemein, in der Bedeutung von Liebe, untersucht werden. Im Allgemeinen ist dabei zu beachten, dass das Ideal der <<Hohen Minne>>, welche mit der Höfischen Minne weitestgehend gleichzusetzen ist, seit etwa 1170 erst aus der provenzalischen Troubadourlyrik übernommen worden sei.11 Somit wurde die Höfische Minneidee erst nach, beziehungsweise Ende 1200 zu einem zentralen Thema der mittelalterlichen Dichtung. König Rother wurde jedoch vor 1200 verfasst und fällt somit nicht in die „Hauptzeit“ der Höfischen Minne. Dies bestätigt auch Gellinek: „Die Minne war eben noch kein literarisches Thema in diesem Genre.“12 Dennoch kann auch König Rother Elemente der Höfischen Minne enthalten oder zumindest der Minne im Allgemeinen. Dies zu untersuchen und näher zu beleuchten, ist Bestandteil der folgenden Ausführungen, in deren Mittelpunkt die Analyse und Interpretation der Schuhepisode steht.

3.1 Hinführung zur Schuhepisode

Die Betrachtung des Verhaltens beider Protagonisten vor der Schuhepisode ist bei der Untersuchung von Höfischer Minne im König Rother durchaus von Bedeutung. Mithilfe dieser zeichnet sich bereits ein grobes Verhältnis zwischen Rother und der Königstochter ab und es kann festgestellt werden, ob Voraussetzungen für Höfische Minne überhaupt gegeben sind. Darüber hinaus ermöglichen diese Betrachtungen des Vorgeschehens einen Einblick in die jeweilige Sichtweise der Figuren.

3.1.1 Rothers Handlungen bezüglich der Königstochter

Die Königstochter wird bereits zu Beginn in die Handlung des Werkes eingeführt. Sie ist es eben auch, die die Handlung in Bewegung versetzt, wenn auch eher passiv. So soll sie diejenige sein, welche Rothers Nachfolge sichern wird.

[...]


1 Gemeint ist hier KR 18.

2 RITA ZIMMERMANN: Herrschaft und Ehe. Die Logik der Brautwerbung im König Rother. Frankfurt am Main: Lang 1993 (= Europäische Hochschulschriften: Reihe 1, Deutsche Sprache und Literatur; Bd. 1422). S. 20/21.

3 MATTHIAS LEXER (Hrsg.): Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1872-1878. Bd. 1. Stuttgart: Hirzel 1992. Sp. 2144-2146.

4 NORBERT ANGERMANN / ROBERT HENRY BAUTIER / ROBERT AUTY (Hrsg.): Lexikon des Mittelalters. Bd.6. München u.a.: LexMA-Verlag 1980-1999. Sp. 640.

5 NORBERT ANGERMANN / ROBERT HENRY BAUTIER / ROBERT AUTY: Lexikon des Mittelalters. Bd.6. Sp. 640.

6 EBD. Sp. 640.

7 EBD. Sp. 640.

8 JOACHIM BUMKE: Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. Band 2. 5. Auflage. München: Deutscher Taschenbuch Verlag 1990. S. 504.

9 HILKERT WEDDIGE: Einführung in die germanistische Mediävistik. 7. Auflage. München: C.H. Beck 2008. S. 254.

10 JOACHIM BUMKE: Höfische Kultur. S. 504.

11 HILKERT WEDDIGE: Einführung in die germanistische Mediävistik. S. 258.

12 CHRISTIAN GELLINEK: König Rother. Studie zur literarischen Deutung. New Haven: Univ. Diss. 1964. S. 61.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Rother und die Königstochter
Untertitel
Zur "Höfischen Minne" im "König Rother"
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
20
Katalognummer
V199539
ISBN (eBook)
9783656258520
ISBN (Buch)
9783656259367
Dateigröße
700 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rother, königstochter, höfischen, minne, könig
Arbeit zitieren
Juliane Noßack (Autor), 2012, Rother und die Königstochter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199539

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