Galileo Galilei – Ein Einblick in die Geschichte des Prozesses


Essay, 2010

9 Seiten


Leseprobe

Der Prozess um Galileo Galilei und seine Entdeckung der Tatsache, dass sich die Erde um die Sonne dreht, scheint bis heute nicht ganz abgeschlossen zu sein. Immer wieder wird die Geschichte diesbezüglich neu aufgenommen und die Sachlage scheint immer noch nicht ganz geklärt. Auch dieses Essay soll im Folgenden noch einmal die Geschichte um den Galilei-Prozess thematisieren.

Warum es damals wirklich zu dem Prozess kam, ist bis heute nicht vollkommen geklärt. Es gibt eine Vielzahl an verschiedenen Theorien zu diesem Thema und es kommen ebenfalls immer mehr neue dazu. Entsprechend ist es zunächst wichtig zu erwähnen, dass die wahren Gründe sicherlich bis heute im Dunkeln geblieben und somit immer noch nicht endgültig geklärt sind. Das Gerichtsverfahren selbst bewegt auch heute immer noch viele Historiker und das wird vermutlich auch immer so bleiben, selbst wenn die katholische Kirche das Fehlurteil der damaligen Zeit offiziell annullieren würde. Die Person Galilei ist bis heute ein Mythos, immerhin hat er die Sonderstellung der Erde als Zentrum des Universums widerlegt. Fest steht, dass Galilei vielleicht nicht so viele Probleme und Feinde gehabt hätte, hätte er sich damals diplomatischer verhalten. Der Prozess fand nicht zwingend wegen seiner Meinung zum geozentrischen bzw. heliozentrischen Weltbild statt, sondern vielmehr wegen seiner vielen kleinen und größeren Provokationen. Zur damaligen Zeit war er vielen Personen ein Dorn im Auge, war er doch an vielen Fronten ein Unruheherd.

Bevor es wirklich zum Prozess kam wurde Galilei offensichtlich zunächst ermahnt. Er sollte seine Lehren zum Weltbild nicht weiter vertreten, sie weder in Wort noch Schrift verbreiten und sie weder verfechten noch lehren und es wurde ihm schnell sehr deutlich aufgezeigt, dass ein Widersetzen dieser Ermahnung weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen würde. Galilei wurde lediglich erlaubt, seine Ansichten als Hypothese zu diskutieren und sie nicht als Wahrheit darzustellen. Für den späteren Verlauf des Prozesses interessant ist die Tatsache, dass dieses Protokoll zwar später im Prozess verwendet wurde, es aber nicht unterschrieben war und daher eigentlich keinerlei Beweislast hatte. An dieser Stelle scheint es also schon den ersten von einigen weiteren Formfehlern gegeben zu haben. Dennoch machte man eben dieses Protokoll zum Gegenstand des Prozesses, was Galilei im Nachhinein gesehen sicherlich den Tod erspart hat. Denn wäre er für die anderen Vergehen vor Gericht gekommen, wäre er nicht mit einer so milden Strafe davon gekommen. Das man ihn wegen seiner Ansichten zum Weltbild anklagte, war also im Prinzip sein Glück. Dieses Verhalten könnte im Nachhinein betrachtet als Zeichen dafür gesehen werden, dass Galilei durchaus auch Freunde und nicht nur Feinde hatte. Für diese Sicht sprechen auch noch andere Argumente, die allerdings aufgrund der Chronologie des Prozesses erst zu einem späteren Zeitpunkt erläutert werden sollen. Als gläubiger und bekennender Katholik verspricht Galilei zu gehorchen, tut dieses aber im Endeffekt nicht. Dieses Vergehen wird ihm ebenfalls später im Verfahren angelastet.

Nachdem Galilei seinen Dialog vollendet hatte, musste der Druck zunächst ordnungsgemäß in Rom beantragt und genehmigt werden. Sein alter Freund und Schüler Benedetto Castelli berichtete ihm währenddessen immer, wie das Werk in Rom ankam. Die Meinungen dazu waren unterschiedlich, widersprüchlich und undurchsichtig. Barberini beispielsweise erinnerte damals sofort daran, dass die kopernikanischen Vorstellungen von der Erde als einem Gestirn der theologischen Wahrheit zuwider seien. Dennoch wurde Galilei zunächst herzlich in Rom willkommen geheißen. Dass man an dem Titel des Buches etwas auszusetzen hatte, störte Galilei in keiner Weise. Im Gegenteil, er war gerne dazu bereit, den Titel zu ändern, wenn nur endlich sein Buch gedruckt würde. Dem stand nicht mehr viel entgegen, er sollte noch ein neues Vorwort und einen passenden Schluss schreiben und dann erneut nach Rom kommen. Bis zu diesem Zeitpunkt war für keinen abzusehen, dass es mit der Veröffentlichung des Dialogs Probleme geben könnte und so bekommt er am 11. September 1630 die Druckerlaubnis für Florenz. Im Februar 1632 war der Druck abgeschlossen, der Titel geändert („Dialog über die beiden hauptsächlichen Weltsysteme, das ptolemäische und das kopernikanische“) und vier Zensoren gaben auf der Rückseite des Titelblatts ihr Einverständnis. An dieser Stelle scheinen Vorwürfe gegen Galilei erneut vollkommen an den Haaren herbeigezogen, denn immerhin wurde sein Werk durch die vier Zensoren offiziell abgenommen und zum Druck für die Öffentlichkeit freigegeben. Galilei hatte sich stattdessen an alle Vorgaben gehalten und sowohl den Titel als auch das Vorwort wie gewünscht geändert. An dieser Stelle kommt die Frage auf, was man ihm später überhaupt vorwerfen konnte. Doch bevor es zum Prozess kam entfachte das Buch zunächst überall in Italien Begeisterung und mancher sprach von einem Anbruch eines neuen Zeitalters

Erst Mitte August kommt dann aber urplötzlich die Vorschrift aus Rom, den Druck einzustellen. Bis heute weiß keiner genau, was in Rom überhaupt passiert war und was zum plötzlichen Sinneswandel bewogen hatte. Eine mögliche Erklärung: Die ungewohnte neue Tonlage Galileis könnte als Gefahr für die Autorität der Kirche verstanden worden sein. In der Folge wurde jetzt ein Intrigenspiel inszeniert, um den Papst davon zu überzeugen, dass Galilei ihn lächerlich gemacht und in seinem Werk denunziert habe. Als ein Beispiel wird genannt, dass man den Papst zum Gespött der Leute gemacht habe, indem man sein Lieblingsargument, dass man die Allmacht Gottes nicht begrenzen dürfe, ausgerechnet dem einfältigen Simplicio in den Mund gelegt und das Simplicio als Karikatur des Papstes verstanden werden könne. Galilei hat das immer bestritten und so hätten eigentlich nur die Zensoren zur Rechenschaft gezogen werden dürfen, aber der Papst fühlte sich von Galilei auf den Schlips getreten und wollte daher IHM dafür eine Lektion erteilen. Aus diesem Grunde drohte er schon damals mit der Inquisition. Das alles erweckt den Eindruck, dass Papst Urban VIII sich nach vielen Jahren des Wohlwollens offensichtlich von Galilei betrogen fühlte. Dennoch lässt sich die Vermutung nicht halten, dass es nur ein Konflikt zwischen zwei großen Männern war, denn immerhin entlud sich alles in einem institutionellen Rahmen und war keinesfalls nur eine persönliche Fehde. Entsprechend ist es wohl doch eher als ein Konflikt zwischen der neuen Wissenschaft und der Kirche zu sehen. Es liegt zudem die Vermutung nahe, dass die tiefste Enttäuschung des Papstes Urban darin bestand, dass Galilei und sein Dialog ihm die Illusion genommen hatten, dass die Kirche sowohl ihren absoluten Wahrheitsanspruch als auch die Wissenschaft bewahren könne. Das Verbot des Buches und die Bestrafung des Autors waren beschlossene Sache, alles andere war danach nur noch Routine. Dass die eigentlichen Rechtsgrundlagen für einen regelkonformen Prozess allerdings fehlten, war dabei aber keinesfalls ein Hinderungsgrund: Dieses wurde durch die Beugung von Recht, Vernunft und Logik, Verdrehung der Theologie und Gehirnwäschen ersetzt. So durften beispielsweise auch treue Freunde Galileis, wie die Patres Castelli und Campanella, am Prozessgeschehen nicht teilnehmen, obwohl sie sich redlich um eine Teilnahme bemühten. Stattdessen wurden hierfür Leute vorgesehen, die wussten, was man von ihnen erwartete.

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Details

Titel
Galileo Galilei – Ein Einblick in die Geschichte des Prozesses
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Autor
Jahr
2010
Seiten
9
Katalognummer
V199542
ISBN (eBook)
9783656260820
ISBN (Buch)
9783656261162
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Galileo Galilei, Prozess
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Lisa Nohl (Autor:in), 2010, Galileo Galilei – Ein Einblick in die Geschichte des Prozesses, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199542

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