David Hume Kausalitäts- und Induktionsskepsis


Seminararbeit, 2002

17 Seiten, Note: 1,4


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Impressions and Ideas

3. Ausgangspunkt der Probleme
3.1. Kausalitätsskepsis
3.2. Induktionsskepsis

4. Mögliche Einwände

5. Weitere Problematisierung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ein Billardspieler stößt die weiße Kugel an. Diese rollt quer über den grünen Tisch und berührt eine andersfarbige Kugel. Da die weiße Kugel diese in einem bestimmten Winkel getroffen hat, rollt sie genau in eine der Ecktaschen. Sie verschwindet im Loch. Der hier beschriebene Vorgang eines Billardstoßes verdeutlicht sehr anschaulich das Prinzip von Ursache und Wirkung. Die Ursache dafür, das die farbige Kugel ins Loch gerollt ist, ist, dass die weiße Kugel sie mit einer bestimmten Geschwindigkeit und in einem bestimmten Winkel getroffen hat. Somit wurde die erhoffte Wirkung, das Versenken erzielt[1]. Mit diesem uns so, bei einer ersten Betrachtung, trivial vorkommendem Prinzip von Ursache und Wirkung beschäftigt sich David Hume in seinem Werk Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand. Nur ist dieses Prinzip wirklich so einsichtig und einfach? Sind mit ihm keinerlei Probleme verbunden? Hume geht mit einer skeptischen Betrachtungsweise an die Untersuchung des Kausalitätsproblems heran. Am Ende dieser Untersuchung bleibt er allerdings nicht stehen und stellt das Induktionsprinzip zur Disposition. Der induktive Schluss beruht auf den Erkenntnissen des Menschen, die er durch seine eigenen Sinneswahrnehmungen erlangt hat. Es wurde z.B. die Aussage für richtig gehalten, dass alle Raben schwarz seinen. Es wurde von vielen tausend Einzelfällen, in denen freilich immer nur schwarze Raben beobachtet wurden die allgemeine These gebildet, dass alle Raben schwarz sind. Doch wurde diese These wiederlegt, als ein weißer Rabe gesichtet wurde. Mit diesem Auftretendem Problem beschäftigt sich Hume im zweiten Teil des vierten Abschnittes seiner Untersuchung. Bevor wir uns allerdings diesen beiden Problematisierungen widmen, muss ein kurzer Blick auf die Ausgangsposition geworfen. Kurz gesagt untersucht er den Verstand, die Verstandestätigkeiten darauf hin, ob sie tauglich sind wissenschaftliche Erkenntnisse zu liefern.

2. Impressions and Ideas

Zu Beginn möchte ich kurz auf diese Unterscheidung eingehen, da an ihr schon klar wird, mit welcher skeptischen Betrachtungsweise Hume an die Untersuchung der Verstandestätigkeiten herangeht.

Im zweiten Abschnitt deutet sich schon an das Hume einen Verdacht gegen die Leistungsfähigkeit des Verstandes äußert. Er beginnt hier die engen Grenzen der Verstandestätigkeiten abzustecken.[2] Um dies zu zeigen unterteilt er alle menschlichen Bewusstseinsinhalte in zwei Bereiche. Am besten erklärt sich dies an folgender kurzer Überlegung. So ist ein Schmerzempfinden, z.B. durch eine Verbrennung stärker als der bloße Gedanke an diesen Schmerz. Hume gelangt zu dem Ergebnis, dass „der lebendigste Gedanke immer noch schwächer ist als die dumpfeste Wahrnehmung.“.[3] Auf dieser Annahme fußend unterteilt er alle Perzeptionen des Geistes in zwei verschiedene Arten. Die erste Art nennt er THOUGHTS oder IDEAS. Hiermit beschreibt er den Bereich der Gedanken oder Vorstellungen. In unserem Beispiel also den vorgestellten Schmerz. Diese Wahrnehmungen sind von geringerer Intensität als die IMPRESSIONS (Eindrücke). Unter ihnen versteht Hume „[...] hören, sehen, fühlen, lieben, hassen, begehren oder wollen.“.[4] Also z.B. das bewusste sehen einer Abfolge von Buchstaben. Somit stellt er die These auf, dass alle Bewusstseinsinhalte des Geistes in zwei Gruppen aufgeteilt werden können, die sich ihrer Intensität nach unterscheiden. Mit dem Begriff der Intensität ist ein von Hume gewähltes Kriterium angesprochen, mit dem er IMPRESSIONS und IDEAS unterscheidet. Eine zweite These zur Unterscheidung lautet, dass einfache IMPRESSIONS den einfachen IDEAS zeitlich vorausgehen und somit die IDEAS nur Abbilder sind.

Als nächsten Schritt stellt er somit fest, dass „alle unsere Vorstellungen oder schwächeren Perzeptionen Abbilder unserer Eindrücke oder lebhaften Perzeptionen sind.“.[5] Zu dieser Bestimmung gelangt er über eine kurze Untersuchung des Denkens. Als Ausgangspunkt geht er davon aus, dass nichts unbegrenzter ist als das Denken. In unseren Gedanken können neue Bilder erschaffen werden, wie z.B. ein goldener Berg. Wir können uns Gold und einen Berg widerspruchsfrei in Kombination miteinander vorstellen. Doch unterliegt diese Kombinationsfreiheit ganz bestimmten Regeln. Die Eindrücke bilden den Input. Nur durch die erfahrenen Eindrücke haben wir überhaupt Begriffe die wir miteinander kombinieren können „Ein Blinder kann sich keinen Begriff von Farben, ein Tauber keinen von Tönen machen.“.[6] Somit arbeitet der Mensch beim Denken mit Vorstellungen, die er aus seinen Eindrücken gewonnen hat, die mit den Vorstellungen korrespondieren. Man kann hier das Bild einer Tabula rasa anführen. Erst durch die konkrete Sinneswahrnehmung kann man sich eine Vorstellung machen und diese, in einem zweiten Schritt miteinander kombinieren. Wenn diese Vorstellungen nicht erlangt worden sind, dann können sie auch nicht miteinander kombiniert werden. Somit ist das Denken nicht uneingeschränkt kreativ, sondern kann nur verschiedene Eindrücke miteinander in Verbindung bringen. Es bleibt dem Verstand demnach versagt die Ebene der Eindrücke zu überschreiten, da die Begriffe, mit denen er Arbeitet, aus dem Bereich der Erfahrung stammen. Hierzu gibt Hume allerdings einen eigenen Einwand zu bedenken. Der Mensch ist in der Lage sich auf einer Farbskala eine fehlende Schattierung vorzustellen, ohne diese jemals zuvor gesehen haben zu müssen. Somit gäbe es also eine Vorstellung, die nicht von einem korrespondierenden Eindruck abstammt. Aufgrund ihrer Einzigartigkeit kann diese Erscheinung aber Humes grundsätzliche Konzeption nicht beeinflussen.[7] Somit folgt für Hume, dass es in der Erkenntnis des Menschen nichts gibt, was nicht auf Eindrücke, also auf Erfahrung zurückgeht.

3. Ausgangspunkt der Probleme

Hume hat bis zu diesem Zeitpunkt die Tätigkeit des Verstandes soweit eingeengt das er sagen kann, dass das Denken nicht so uneingeschränkt flexibel ist, wie es auf den ersten Blick scheint, da „[...] die ganze schöpferische Kraft des Geistes nur in dem Vermögen besteht, das uns durch die Sinne und Erfahrung gegebene Material zu verbinden, zu transportieren, zu mehren oder zu verringern.“[8]. Im weiteren führt er diese Eingrenzung immer weiter fort, treibt sie auf die Spitze. In dieser Fortführung werden nun die Probleme der Kausalität und die der Induktion aufgeworfen, die Hume sieht. Die Verstandestätigkeit ist für ihn nur ein Prinzip der Verknüpfung (connexion) verschiedener Gedanken oder Vorstellungen des Geistes. „[...] Wenn diese im Gedächtnis oder in der Einbildungskraft erscheinen, führt eine die andere gewissermaßen methodisch und regelmäßig ein.“[9]. Als zusätzlichen Beweis für diese These führt er das Beispiel an, dass in „[...] verschiedenen Sprachen, selbst da, wo wir nicht die geringste Verknüpfung oder Verbindung vermuten können, die Wörter, die höchst komplizierte Vorstellungen ausdrücken, nahezu übereinstimmen.“[10]. Dieses Prinzip, also das der Kausalität betrachtet er im vierten Abschnitt der Untersuchung über den menschlichen Verstand mit einem skeptischen Auge und gelangt hierüber zur Induktionsskepsis. Bevor wir allerdings diese beiden Argumentationsstränge versuchen nachzuvollziehen, müssen wir die Basis, auf der die Argumentation beruht weiter an Klarheit gewinnen lassen.

Als Ausgangspunkt dieser Untersuchung nimmt Hume seine Bestimmung des Denkens als eine Verknüpfung von Vorstellungen. Demnach gibt es für ihn nur zwei mögliche Gegenstände des menschlichen Denkens. Diese unterteilt er in Vorstellungsbeziehungen (Realations of Ideas) und Tatsachen (Matters of Fact). Vorstellungsbeziehungen finden sich z.B. in der Mathematik wieder. Es handelt sich um „[...] jede Behauptung von entweder intuitiver (unmittelbar, ohne dazwischen liegendem Schluss) oder demonstrativer (durch einen Schluss vermittelt)[11] Gewissheit.“[12]. Sätze mit einer solchen Beschaffenheit können allein durch Geistestätigkeit erschlossen werden. In der Natur gibt es z.B. keinen perfekten Kreis, aber trotzdem kann dieses Phänomen nachgewiesen werden und hat Gewissheit und Evidenz. Hierbei fragt der Verstand also nach den Beziehungen der Begriffe untereinander. Somit gleicht er Vorstellungen ab, die er schon kennt. Der Prozess läuft intern ab, und somit ohne Bezug auf die Existenz des Vorgestellten. Die reine Analyse der Begriffe führt zu einem Urteil, das Wahrheit gewinnt, wenn die Widerspruchsfreiheit der Begriffsanalyse erreicht ist. Es handelt sich also um Urteile, bei denen Beziehungen zwischen einzelnen Vorstellungen ausgedrückt werden, um Relationen, die schon implizit in den Vorstellungen vorhanden sind. „ Daß das Quadrat der Hypotenuse dem Quadrat der beiden Katheten gleich ist, ist ein Satz, der eine Beziehung zwischen diesen beiden Figuren ausdrückt.“[13]

[...]


[1] Das genannte Beispiel wird im Laufe dieser Arbeit wieder erwähnt werden und in einen theoretischen Kontext eingebaut werden, der Humes Kausalitätsskepsis darstellen wird. An dieser Stelle dient es nur der alltäglichen Darstellung des Kausalitätsprinzips.

[2] An dieser Stelle soll nicht auf alle Überlegungen eingegangen werden, die Hume in diesem Abschnitt vornimmt. Er dient lediglich dazu den Zweifel an den Verstandestätigkeiten aufzuzeigen, die Hume an späterer Stelle auf die Spitze treiben wird. Dadurch zeigt sich auch die konkrete Abgrenzung des Empiristen Hume zum Rationalismus, der dem Verstand eine schier unendliche Leistungsfähigkeit zugeschrieben hat. Natürlich können gegen die formulierten Thesen der Unterscheidungsmöglichkeit Einwände formuliert werden. Doch liegt dies nicht im Bereich dieser Untersuchung. Es soll nur der Gedankengang Humes nachvollzogen werden.

[3] Hume, Seite 31

[4] Ebd. Seite 32

[5] Ebd. Seite 34

[6] Ebd. Seite 34-35

[7] So lautet jedenfalls Humes eigener Einwand zu diesem Beispiel. Hier soll darauf aber nicht näher eingegangen werden. Allerdings können an dieser Stelle gewichtige einwände formuliert werden, doch ist dies nicht Intention dieser Arbeit.

[8] Hume Seite 33

[9] Ebd. Seite 38

[10] Hume Seite 39

[11] Die Klammern wurden von mir hinzugefügt

[12] Hume Seite 41

In der Untersuchung geht Hume nicht weiter auf die Unterscheidung zwischen intuitiver und demonstrativer Gewissheit ein.

[13] Ebd. Seite 41

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
David Hume Kausalitäts- und Induktionsskepsis
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Philosphie)
Veranstaltung
David Hume. Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand
Note
1,4
Autor
Jahr
2002
Seiten
17
Katalognummer
V19958
ISBN (eBook)
9783638239769
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
David, Hume, Kausalitäts-, Induktionsskepsis, Eine, Untersuchung, Verstand
Arbeit zitieren
Alexander Krüger (Autor), 2002, David Hume Kausalitäts- und Induktionsskepsis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19958

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