Blutiger Schnee und Fellmützen - Über mise-en-scène, Charakterdarstellung und Handlung in 'Fargo'


Hausarbeit, 2012

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Mise-en-scène: Festlegung auf die Konzeption von Gibbs
1.1 Abgrenzung zu anderen Ansätzen
1.2 Verschiedene Teilaspekte
1.3 Eine griffige Definition

2 Fargo: eine Inhaltsangabe

3 Anwendung: Charakterzeichnung durch mise-en-scène in Fargo
3.1 Spießbürgerlicher Intrigant: Jerry Lundegaard
3.2 Schmierig und reizbar: Carl Showalter // Schweigsam, kaltblütig und effizient: Gaear Grimsrud
3.3 Standfest und einfach: Marge Gunderson

4 Mise-en-scène und Handlung, Fazit

5 Literaturverzeichnis

6 Medienverzeichnis

7 Anhang

0 Einleitung

Im Fokus dieser Arbeit steht der Film Fargo der Brüder Joel und Ethan Coen aus dem Jahre 1996. Um genau zu sein, wurde das Drehbuch von Beiden geschrieben, während die Regie nur von Joel Coen geführt wurde. Es handelt sich um einen low-budget-Film, der sich sowohl künstlerisch, unter anderem mit einer zweifachen Oscar-Prämierung, als Erfolg herausstellte, als auch kommerziell.

Der Film lässt sich keinem herkömmlichen Genre zuordnen und beinhaltet Elemente verschiedener Stilrichtungen. Für das Werk besonders prägend sind Einflüsse aus dem Film noir und der Komödie, auch wenn letztere, den Coens zufolge, beim Dreh nicht beabsichtigt waren. Dass eine solche Aussage nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen muss, wird daran deutlich, dass die Brüder sich auch in anderer Hinsicht Mühe gegeben haben, ihre wahren Intentionen zu verschleiern: So gibt es am Anfang des Films eine Einblendung, die besagt, dass der Film auf einer wahren Geschichte beruhe. Dies ist aber schlichtweg nicht der Fall.

Obwohl die bewussten Irreführungen durch Drehbuch, Kamera und Regie ein spannendes Untersuchungsfeld wären, geht diese Arbeit doch in eine andere Richtung: Es soll mehr um die Filmfiguren und um die Handlung gehen. Beobachtet man in einem Film, mit welchen Mitteln die Darstellung verschiedener Charaktere erfolgt, sind viele Aspekte zu berücksichtigen. In aller Regel gelingt die Erschaffung glaubwürdiger Figuren nicht ausschließlich auf Grundlage der konkreten schauspielerischen Leistung, sondern es bedarf dazu vieler weiterer Faktoren. In dieser Arbeit soll das Konzept der mise-en-scène im Vordergrund stehen, welches sehr präzise einen Großteil eben jener Faktoren beschreibt, das aber auch den Faktor Schauspiel an sich nicht ausschließt.

Dementsprechend beginnt meine Arbeit mit der Darstellung dieses Konzepts. Anschließend gebe ich einen Überblick über die wichtigsten Geschehnisse im Film in Form einer Inhaltsangabe. Auf Grundlage der zuvor erarbeiteten Konzeption von mise-en-scène möchte ich anschließend aufzeigen, wie im Film Fargo die glaubhafte Darstellung bisweilen skurriler Charaktere unterstützt wird und welche Widersprüche durch sie hervorgerufen werden. Weiterhin werde ich herausarbeiten, in welchem Verhältnis die mise-en-scène zur Handlung steht.

Außerdem soll auch eine kurze Einschätzung des Einflusses der mise-en-scène am Gesamteindruck des Films nicht fehlen. In dem Zusammenhang spreche ich auch kurz an, welche Besonderheiten Fargo in der filmischen Gestaltung auszeichnen.

1 Mise-en-scène: Festlegung auf die Konzeption von Gibbs

Was beinhaltet der Begriff mise-en-scène? Der Ausdruck stammt aus dem Französischen und meint den Vorgang des in Szene Setzens. Geht man von diesem Wortlaut aus, wird also nicht primär danach gefragt, welches Geschehen auf der Leinwand dargestellt wird, sondern wie es dargestellt wird. Die Definition, auf die ich mich im Folgenden beziehen möchte, weicht allerdings von dieser Prämisse ab.

In seinem Buch mise-en-scène: film style and interpretation liefert John Gibbs (2002) eine handhabbare Definition. Darüber hinaus differenziert er aber auch verschiedene Teilaspekte dieses Konzepts und erläutert diese detailliert. Da die Begriffe überwiegend bekannt sind, möchte ich deren Erklärung kurz halten (s.Kapitel1.2 Verschiedene Teilaspekte) und im Anschluss zu einer gebräuchlichen Arbeitsdefinition kommen (s.Kapitel1.3 Eine Arbeitsdefinition). Zuvor möchte ich allerdings noch kurz auf andere Interpretationen des mise-en-scène-Konzepts hinweisen.

1.1 Abgrenzung zu anderen Ansätzen

Bereits mehrere Wissenschaftler haben sich mit der inhaltlichen Füllung und Abgrenzung des Begriffs mise-en-scène beschäftigt. Leider hat dies nicht dazu geführt, dass sich eine einheitliche Vorstellung über dieses Konzept herausgebildet hat: Eher ist es so, dass je nach Forscher die verschiedensten Aspekte unter dem Begriff subsummiert werden.

In der Film- und Fernsehanalyse beschreibt Lothar Mikos‘ bereits mehrere Ansätze: Mise-en-scène umfasse „alle Elemente, die in die Szene gebracht werden“ (2008,S.56). Mit einem anderen Ansatz verweist er auf Hickethier und nennt die Elemente Kamera, Ausstattung, Licht, Ton, Musik und Spezialeffekte als Gegenstand der mise-en-scène (Vgl.Mikos2008,S.56).

Werner Faulstich definiert dagegen in Grundkurs Filmanalyse die mise-en-scène als „Montage innerhalb ein und derselben Einstellung“ (2008,S.125), womit er von den anderen Theoretikern am weitesten abweicht.

Das Metzler Film Lexikon schließlich beschreibt die mise-en-scène als „alle gestalterischen Eingriffe vor und durch die Kamera, also Kameraposition (Einstellung), Kadrierung, Tiefenschärfe, Lichtführung, Dekor, Farbverteilung, Bewegung der Personen im Rahmen des Bildes“ (1995, S.661) - eine Definition, die eine große Schnittmenge mit dem Ansatz von Gibbs aufweist.

Zur Verdeutlichung des bestehenden Dissens über das mise-en-scène-Konzepts soll dieser Anriss genügen. Da ich mich in der folgenden Arbeit vorwiegend auf Gibbs Konzeption des Begriffes beziehen werde, möchte ich genauer vorstellen, welche Aspekte er darunter versteht.

1.2 Verschiedene Teilaspekte

Die von Gibbs erläuterten Teilaspekte der mise-en-scène sind äußerst umfangreich (2002,S.6ff.). Wie bereits angedeutet, umfassen sie nicht nur die Leistungen der Regie, der Kameraführung und der Bildgestaltung, sondern auch die der Schauspieler.

Licht (lighting)

Es scheint zunächst trivial: Ohne Licht gibt es kein sichtbares Bild. Aber aus dieser Aussage leitet sich direkt ab, dass die Art und Weise, in der ein Geschehen beleuchtet wird, substanziell den Eindruck des Betrachters beeinflusst.

Kostüme (costume)

Mit den Kostümen ist nicht nur gemeint, wie die Schauspieler gekleidet sind. Ein wichtiger Bestandteil dieses Teilaspekts ist der symbolische Gehalt, der aufs Engste mit der Wahl bestimmter Kleidungsstücke und deren Austausch oder Weitergabe verbunden ist. So lassen sich mitunter bestimmte Eigenschaften von einer Filmfigur auf eine andere übertragen, indem beispielsweise Kleidung, welche für diese bestimmte Filmfigur charakteristisch ist, innerhalb einer Szene, an eine andere Figur weitergegeben wird.

Farbe (colour)

Dies ist ein Begriff, den Gibbs in enger Verbindung mit den Kostümen sieht, da diese sehr direkt mit den Filmfiguren verknüpft sind (vgl.Gibbs2002,S.8). Trägt eine Filmfigur Kleidung in einer bestimmten Farbe, sind darin gesellschaftliche und psychologische Implikationen kodiert, die auf das Verständnis der Figur zurückwirken.

Filme wie Hero des Regisseurs Zhang Yimou zeigen allerdings, dass auch weniger subtile Möglichkeiten bestehen, Bedeutung über die Farbgestaltung eines Bildes zu transportieren. Dieser Film wurde in drei Teile strukturiert, von denen sich jeder unter anderem durch eine ganz spezielle Farbgebung auszeichnet und von den anderen abgrenzt.

Requisiten (props)

Ähnlich wie Kostüme können Requisiten, je nachdem, wie sie eingesetzt werden, eine Bedeutung für die Handlung des Films bekommen. Durch geschicktes Platzieren bestimmter Gegenstände in der Handlung oder auch nur im Bild, lassen sich Charakterzüge von Figuren verdeutlichen oder Metaphern konstruieren, die dem Zuschauer tiefergehende Einblicke in die Charaktere vermitteln.

Décor

Gibbs bezieht den Begriff Décor auf die Ausgestaltung des Bühnenbildes im weiteren Sinne. Gemeint sind also die im Bild verwendeten Elemente, die nicht Teil der Requisiten oder des Schauspiels sind: Aufteilung des gefilmten Raumes, Gestaltung der Wände, des Bodens, Architektur.

Schauspiel (action and performance)

Die darstellerische Leistung der Schauspieler hat natürlich großen Einfluss darauf, welche Bedeutung einer bestimmten Handlung zukommt. Überzeugt ein Schauspieler, dann tut es meist auch die Figur, die er darstellt.

Raum (space)

Die Anordnung der Elemente, vor allem aber der Personen im Raum, kann Aufschluss über deren emotionale Konstellation geben. Durch dieses Mittel können Verbindungen oder Zerwürfnisse zwischen verschiedenen Figuren effektvoll visualisiert werden.

Kameraposition (the position of the camera)

Analog zum Aspekt ,Raum‘ geht es auch hier um Konstellationen. Mehr noch als um die Beziehungen der Figuren untereinander betrifft die Positionierung der Kamera aber das Verhältnis zwischen den Figuren und dem Publikum, da deren Blickwinkel auf das Geschehen durch den Blickwinkel der Kamera bestimmt wird.

Hierdurch entsteht das Potential, Nähe oder Distanz zwischen den Zuschauer und die Filmfigur zu bringen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Blutiger Schnee und Fellmützen - Über mise-en-scène, Charakterdarstellung und Handlung in 'Fargo'
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Medien, Kommunikation & Sport )
Veranstaltung
Medienanalyse II: Analyse audiovisueller Medien
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
21
Katalognummer
V199583
ISBN (eBook)
9783656259787
ISBN (Buch)
9783656260240
Dateigröße
859 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fargo, Blutiger Schnee, Filmanalyse, mise-en-scène, Carl Showalter, Gaear Grimsrud, Jerry Lundegaard, Marge Gunderson, Inhaltsangabe, Definition, Coen, Coen-Brüder, Analyse
Arbeit zitieren
Simon Kieke (Autor), 2012, Blutiger Schnee und Fellmützen - Über mise-en-scène, Charakterdarstellung und Handlung in 'Fargo', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199583

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