Gibt es ein gemeinsames Merkmal, das so gut wie alle uns bekannten Superhelden miteinander verbindet, so ist es, neben den obligatorischen Superkräften und den ebenso unvermeidlichen bunten „Strumpfhosen“, die Geheimidentität.
Doch wer, oder was, genau verbirgt sich eigentlich hinter den Masken von Spider-Man, Batman und Superman? Ist es die „wahre“ Identität der kostümierten Weltenretter, oder doch nicht viel mehr als der verzweifelte, und oftmals zum Scheitern verurteilte, Versuch, am gesellschaftlichen Leben der „normalen“ Menschen teilzuhaben?1
Legen wir dem Begriff der Identität die Definition zugrunde, dass die Identität eine Beschreibung dessen ist, wer Jemand sei, kommen wir dem Kernproblem der Superheldenidentität schon ziemlich nahe. Erweitern wir diesen Begriff noch um die soziale Verortung des Individuums in der Gesellschaft, und beziehen die wechselseitige Beeinflussung dieser beiden Bereiche mit ein, wird offensichtlich, wie komplex die Identitätsbildung für eine Person mit Doppelleben ist.2
Bereits der Urvater aller Superhelden, Superman, erkannte die Notwendigkeit einer Geheimidentität. Allerdings ergibt sich schon aus der Herkunft des Kryptoniers ein Identitätskuriosum, denn streng genommen ist Superman kein Mensch, sondern ein Außerirdischer vom Planeten Krypton. Ein Außerirdischer, der die menschliche Tarnhülle des biederen Clark Kent annimmt, um seine übermenschlichen Kräfte zu verschleiern und sich unentdeckt unter den Menschen bewegen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung - Von der Notwendigkeit der Geheimidentität
2.) Das Kostüm
3.) Die Maske
4.) Zwei Identitäten kollidieren
5.) Verlust der Geheimidentität
6.) Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung der Geheimidentität für das Wesen von Superhelden sowie die komplexen psychologischen und sozialen Wechselwirkungen zwischen der Heldenfigur und deren zivilem Alter Ego. Dabei wird analysiert, inwiefern das Doppelleben sowohl Schutzfunktion als auch eine Quelle für Identitätskonflikte darstellt.
- Funktion und Symbolik des Superheldenkostüms
- Die Rolle der Maske als Trennungslinie und Identitätsfilter
- Konflikte in persönlichen Beziehungen und im Alltag durch das Doppelleben
- Herausforderungen der Identitätsfindung am Beispiel von Spider-Man
- Psychologische Aspekte der Identifikation für den Leser
Auszug aus dem Buch
3.) Die Maske
Noch wichtiger als das eigentliche Kostüm ist die Maske eines Superhelden. Während das Kostüm also, wie bereits beschrieben, Ausdruck der Identität des Helden als Superheld ist und eine Symbolwirkung hat, ist es doch vornehmlich die Gesichtsmaske, die den Helden als Zivilperson unkenntlich macht und somit sein Privatleben schützt.
Dieses dünne Stück Stoff ist nicht nur die Begrenzung zwischen der Welt der Superwesen und der menschlichen Gesellschaft, sondern auch in zahlreichen Varianten verbreitet, von der einfachen Augenbinde mit Sehschlitzen (Green Lantern, Green Arrow), über tiefsitzende Kapuzen (Batman, Captain America), bis hin zur „Komplettmaske“ (Spider-Man, Iron Man) , die das gesamte Antlitz ihres Trägers bedeckt. Die detaillierte Darstellung von Gesichtern und Emotionen ist bei solch einer Gesichtsbedeckung natürlich nur noch eingeschränkt, oder auch gar nicht mehr, möglich, so dass das Fehlen von Ohren, Nase, Mund und mitunter sogar der Augen, das „Menschliche“ bis ins Cartoonhafte hinein verzerrt.18
Archetypisch für diese Art der „reduzierten Menschlichkeit“ ist wieder einmal Spider-Man. Unter seiner spinnennetzbedeckten Maske scheinen sich Ohren und Nase komplett in Luft aufzulösen, so dass eine stoffbedeckte, völlig glatte und ebenmäßige Fläche an die Stelle von Peter Parkers Gesicht tritt. Dazu kommen noch die weißen und undurchsichtigen Sehlinsen der Maske, die den Eindruck eines widernatürlichen Geschöpfes, ohne erkennbare Iris oder Pupille, komplettieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung - Von der Notwendigkeit der Geheimidentität: Einführung in das Phänomen der Geheimidentität als essenzielles Merkmal von Superhelden und erste theoretische Annäherung an den Identitätsbegriff.
2.) Das Kostüm: Untersuchung der Symbolik und der kommunikativen Funktion der Kleidung als Medium zwischen Superheld und Gesellschaft.
3.) Die Maske: Analyse der Gesichtsbedeckung als wichtigstes Instrument zur Anonymisierung und als Filter für Emotionen.
4.) Zwei Identitäten kollidieren: Erörterung der Zeitproblematik und der sozialen Schwierigkeiten, die durch die Doppelnatur des Helden entstehen.
5.) Verlust der Geheimidentität: Beleuchtung der Gefahren, die drohen, wenn die zivile Identität aufgedeckt wird, sowie Analyse der Klon-Problematik bei Spider-Man.
6.) Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Unzertrennlichkeit von Helden- und Zivilidentität sowie der Identifikationsfunktion für den Leser.
Schlüsselwörter
Geheimidentität, Superhelden, Comic, Identitätskonflikt, Doppelleben, Kostüm, Maske, Spider-Man, Soziologie, Sozialisation, Heldenreise, Alter Ego, Identifikation, Psychologie, Superman
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung der Geheimidentität in Superheldenerzählungen und den damit verbundenen psychologischen Auswirkungen auf das Individuum, das ein Doppelleben führt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den zentralen Themen gehören die Symbolik von Kostümen und Masken, die daraus resultierende Identitätsspaltung und der Einfluss dieses Lebensstils auf zwischenmenschliche Beziehungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, wie die Trennung zwischen Zivilperson und Held konstruiert ist und warum diese für die Existenz des Superhelden sowie für die Identifikation des Lesers unerlässlich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kulturwissenschaftliche und soziologische Perspektive, um die erzählerische Struktur von Comics und die Funktion populärkultureller Mythen zu analysieren.
Was wird im Hauptteil detailliert beleuchtet?
Der Hauptteil analysiert die äußeren Merkmale der Geheimidentität, wie das Kostüm und die Maske, sowie die inneren und äußeren Konflikte, die entstehen, wenn diese Identitäten aufeinanderprallen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Geheimidentität, Alter Ego, Doppelleben, soziale Verortung, Identifikation und Symbolik.
Warum ist das Kostüm für einen Superhelden so bedeutend?
Das Kostüm dient als ikonisches Erkennungsmerkmal und als Medium, das nonverbal mit der Umwelt kommuniziert und das Verhalten sowie die Wahrnehmung des Trägers beeinflusst.
Welche Rolle spielt die Klon-Saga für Spider-Man?
Die Klon-Saga stellt die Identität von Peter Parker massiv infrage, indem sie ihn mit der Existenz genetischer Kopien konfrontiert und so die Grenze zwischen Mensch und Held weiter destabilisiert.
Warum ist die Identifikation des Lesers so entscheidend für Superheldencomics?
Da der Leser keine Superkräfte besitzt, dient die Zivilidentität als Brücke, um sich selbst im Helden wiederzuerkennen und den Wunsch nach Heldentum im Alltag nachzuvollziehen.
- Quote paper
- René Feldvoß (Author), 2010, Die Geheimidentität der Superhelden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199621