Welches Gebäude ist für mich persönlich das Schönste? Und weshalb? Diese Fragen habe ich mir im Zuge des Oberseminars ''Architektur und Sprache'' gestellt und einen Aufsatz darüber verfassen. Zunächst bin ich gedanklich alle Orte durchgegangen, an denen ich bisher war und habe überlegt, ob ein bestimmtes Gebäude einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Dabei habe ich festgestellt, dass es durchaus viele Gebäude gibt, die schön oder ansprechend sind. Natürlich hat der Sacre-Coeur in Paris einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Weiß und mächtig, wie er auf dem grünen Berg thront und über die Stadt wacht. Ebenso ist auch die Sagrada Família in Barcelona sehr imposant, trotz der vielen Baukräne. Und auch der Petersdom im Vatikan strahlt eine monumentale Kraft aus, die seines Gleichen sucht. Nein, vielmehr bin ich in meinen Gedanken immer wieder zu einem vergleichsweise viel unbedeutenderen Gebäude zurückgekehrt: Das Neue Rathaus in Hannover. Die bereits genannten Architekturen zählen im Allgemeinen zu den schönsten und perfektesten. Aber das Neue Rathaus ist in keinster Weise eine perfekte Architektur. Vielmehr hat es im Laufe seiner Existenz enorme Kritik ertragen müssen. Und doch ist es für mich das schönste Gebäude, das ich kenne. Ich habe während der Aufgabe gemerkt, dass Perfektion nicht alles ist, sondern daran noch Dinge wie Emotionen und Erinnerungen geknüpft sind. Denke ich an das Neue Rathaus oder sehe es auf Bildern, so überkommt mich ein Heimatgefühl. 20 Jahre lang habe ich in Hannover gelebt, weshalb ich mich beim Anblick des Gebäudes an diese Zeit erinnert fühle. Meine Kindheit, meine Jugend, all dies Verbinde ich mit diesem Gebäude und somit mit der Stadt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Neue Rathaus Hannover
2.1 Die Entstehungsgeschichte
2.2 Das Erscheinungsbild
2.3 Die Kuppel
2.4 Die Südfassade
3 Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit befasst sich mit der architektonischen Bedeutung und Geschichte des Neuen Rathauses in Hannover, welches trotz seiner Entstehung in einer Zeit kontroverser architektonischer Debatten heute als Wahrzeichen der Stadt gilt. Ziel ist es, die ästhetischen Besonderheiten sowie die Symbolik des Gebäudes und seiner markanten Kuppel anhand einer detaillierten Fassaden- und Historienanalyse aufzuarbeiten.
- Historische Entstehungsgeschichte und Wettbewerbsprozesse
- Architektonisches Erscheinungsbild und Stilistik
- Die Kontroverse um die Rathauskuppel
- Detaillierte Analyse der Südfassade und ihrer Formensprache
- Technologische Besonderheiten wie der Schrägaufzug
Auszug aus dem Buch
2.4 Die Südfassade
Majestätisch thront das Neue Rathaus am nördlichen Ende des Maschparks. Doch welch grüne Idylle sich hinter ihm verbirgt, ist zunächst nicht ersichtlich. Es wirkt, als wollte das Gebäude den Park verstecken und für sich beanspruchen, indem es seine Flügel davor ausbreitet. Doch hat man das Hauptportal am Nordflügel, das von zwei kleineren Portalen gesäumt wird, erst einmal durchquert und ist zum Südflügel (Vgl. Abbildung 11) gelangt, so findet man den Park (Vgl. Abbildung 12) in voller Pracht zu seinen Füßen liegen. Um nach außen zu gelangen, muss wieder ein Portal durchquert werden. Der Unterschied zum Eingang ist aber, dass der Ein- bzw. Ausgang des Südflügels aus drei identischen Portalen besteht. Während am Nordflügel ganz klar definiert ist, welches der Portale als Hauptein- und ausgang dient, wird dies am Südflügel wieder aufgehoben.
Der Südflügel lässt sich in drei Teile gliedern, was durch die jeweilige Versetzung nach vorn bzw. hinten verstärkt wird. Es wirkt, als könne man die Seitenteile beliebig hinter dem Portalbereich, der als Mittelpunkt fungiert, verschwinden lassen und bei Bedarf wieder herausziehen. Wie eine Art Ziehharmonikahaus. Auffällig ist auch, dass sich die Dreiteilung in den einzelnen Abschnitten wiederfindet: fast jeder der Flügelteile lässt sich erneut in drei Teile gliedern. Das Gebäude weist eine weitere Dreiteilung auf, die sich in der vertikalen Farbgestaltung verdeutlicht: dem unteren Teil des Gebäudes, der sich hauptsächlich durch die Fassade definiert, wird primär durch die Sandsteine seine Farbe gegeben. Der mittlere Teil wird durch markant rote Ziegelsteine dominiert. Abgeschlossen wird das dezente Farbspiel durch die Turm- und Kuppeldächer, die mit einer Patinaschicht überzogen sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Autorin erläutert ihre persönliche Motivation für die Wahl des Neuen Rathauses als Studienobjekt und gibt einen Überblick über den geplanten Aufbau der Arbeit.
2 Das Neue Rathaus Hannover: Dieses Hauptkapitel beleuchtet die Baugeschichte, die architektonische Gestaltung der verschiedenen Fassaden, die Kontroverse um die markante Kuppel sowie die bautechnische Besonderheit des Schrägaufzugs.
3 Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die architektonische Wirkung des Bauwerks zusammen und konstatiert dessen Wandel vom kontrovers diskutierten Projekt zum identitätsstiftenden Wahrzeichen Hannovers.
Schlüsselwörter
Neues Rathaus, Hannover, Architektur, Kuppelbau, Eklektizismus, Heinrich Tramm, Hermann Eggert, Südfassade, Stadtgeschichte, Baugeschichte, Schrägaufzug, Architekturkritik, Residenzstadt, Denkmal, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Neue Rathaus in Hannover als ein architektonisches Bauwerk, das sowohl historisch als auch städtebaulich von großer Bedeutung für die Stadt ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Entstehungsgeschichte, die architektonische Formensprache, die städtebauliche Kontroverse um die Kuppel sowie die detaillierte Analyse der Außenarchitektur.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die ästhetischen Besonderheiten des Gebäudes aufzuzeigen und zu erklären, warum es trotz anfänglicher Kritik heute als bedeutendes Wahrzeichen Hannovers angesehen wird.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt eine beschreibende Architektur- und Literaturanalyse, um die bauhistorischen Fakten und die gestalterischen Details des Rathauses zu kontextualisieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Entstehungsgeschichte, die allgemeine Erscheinung, eine vertiefte Betrachtung der Kuppel und eine detaillierte architektonische Analyse der Südfassade.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Neues Rathaus, Hannover, Architektur, Eklektizismus, Kuppel, Baugeschichte und städtische Identität.
Welchen Einfluss hatte der Bürgermeister Heinrich Tramm auf das Rathaus?
Bürgermeister Tramm war ein treibender Befürworter des Kuppelbaus, da er das Rathaus als repräsentatives Parlamentsgebäude für die Stadtverwaltung etablieren wollte.
Was macht den Schrägaufzug im Neuen Rathaus besonders?
Der Schrägaufzug ist eine weltweit einzigartige technische Konstruktion, die den Besucher in einem speziellen Winkel zur Kuppel befördert und somit eine architektonische Besonderheit darstellt.
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- Bachelor of Arts Christin Ehlers (Author), 2011, Das Neue Rathaus Hannover, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199629