"Die Eichbäume" – ein Wendepunkt in Friedrich Hölderlins lyrischem Wirken


Hausarbeit, 2009

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hölderlin und seine Zeit

3. Hölderlin und Schiller

4. Die Eichbäume – ein Wendepunkt

5. Fazit

6. Anhang

7. Abkürzungsverzeichnis

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Aus den Gärten komm‘ ich zu euch, ihr Söhne des Berges! │Aus den Gärten, da lebt die Natur geduldig und häuslich, │[…].“

So beginnt Friedrich Hölderlins 1796 erschienenes Gedicht Die Eichbäume. Hölderlin ist einer der bekanntesten Lyriker aus der Zeit der Weimarer Klassik und Romantik. Doch zeit seines Lebens erfuhren seine Werke keinen so regen Zuspruch, wie es bei den großen Klassikern Goethe und Schiller der Fall war. Im Gegenteil: Er stieß teilweise sogar auf Ablehnung bei den zeitgenössischen Dichtern.

Die Eichbäume stellen einen Wendepunkt seiner lyrischen Werke dar. Aus diesem Grund soll dieses Gedicht nachfolgend unter biografischen und literaturgeschichtlichen Aspekten betrachtet werden. Zunächst sollen Hölderlins Leben und Wirken in Bezug auf die damalige literarische Welt im Mittelpunkt stehen. Anschließend wird seine Beziehung zu Schiller näher untersucht, die maßgeblich die Entstehung von Hölderlins Eichbäumen beeinflusst hat. Den Schwerpunkt dieser Arbeit wird die nähere Auseinandersetzung mit dem Gedicht bilden.

Die Interpretation Momme Mommsens[1] wird dabei starke Berücksichtigung finden, zudem aber auch diverse literaturtheoretische und –geschichtliche Abhandlungen.

Es soll ersichtlich werden, was Hölderlin dazu bewegt hat, eine andere Art von Lyrik zu schreiben und wie sich dieser Wandel in den Eichbäumen ausdrückt.

2. Hölderlin und seine Zeit

Friedrich Hölderlin lebte am Ende eines Jahrhunderts, welches durch verschiedene literarische Strömungen gekennzeichnet ist. Die Zeit der Empfindsamkeit, Weimarer Klassik und Romantik liegen am Ende des 18. Jahrhunderts eng beieinander. Bei der Einordnung von Hölderlins Gedichten in zeitgenössische Strömungen bestehen unter anderem aus diesem Grund einige Schwierigkeiten. „Mit seinem elegischen und erhabenen Ton in antikischer Atmosphäre schließt sich Hölderlin zum einen noch der Empfindsamkeit und ein wenig auch den beiden Weimarern an. Zum anderen verweist sein sehnender und ‚entgrenzter‘ Ton aber auch auf die romantische Strömung, die um 1800 entsteht […].“[2] Hölderlin bemüht sich in vielen seiner Werke um Klassizität. Als Ursprung dafür kann einerseits sein intensives Antikestudium angesehen werden, aber auch seine Übersetzungen aus dem Griechischen, seine „poetologischen und ideologischen Reflexionen des Verhältnisses von Antike und Moderne“[3] und seine praktischen Bemühungen um antike Versformen lassen diesen Schluss zu.[4]

Hölderlin durchläuft mehrere Phasen im Laufe seines Lebens als Dichter. Auffallend jedoch ist, dass er sich in den ersten Phasen stets an andere Dichter und Philosophen seiner Zeit anlehnt und sich an deren Schreib- und Denkweise orientiert.

Die frühe Lyrik Hölderlins wird zum Teil als „unausgegoren und wenig originell“[5] bezeichnet, da sie gedanklichen und formalen Vorbildern nacheifert. So sind beispielsweise Klopstock, Wieland, Stolberg und Schiller zu nennen. Friedrich Schiller spielt im Leben Hölderlins eine zentrale Rolle, auf die jedoch erst im weiteren Verlauf näher eingegangen werden soll. An dieser Stelle soll aber bereits aufgeführt werden, dass Hölderlins spätere Lyrik sehr an Schillers Werke angelehnt ist.

Erst in der letzten Phase seines dichterischen Daseins kann davon die Rede sein, dass Hölderlin einen eigenen Weg in der Lyrik gefunden hat und sich mehr und mehr von seinen Vorbildern abgrenzt.

3. Hölderlin und Schiller

Die Beziehung zu Schiller ist für Hölderlin und sein dichterisches Wirken stets von großer Bedeutung gewesen. In seinen Jugendjahren las er intensiv mehrere dramatische Werke Schillers. Schon damals begann seine Verehrung für den berühmten Dichter, die nahezu sein Leben lang anhalten sollte.

Waren Hölderlins Gedichte zunächst an Werke verschiedener Dichter seiner Zeit angelehnt, so verpflichteten sich die ab 1790 entstandenen hymnischen Gedichte formal und thematisch mehr und mehr Schillers Die Götter Griechenlands von 1788.[6]

„Schiller wurde zum Modell, zur absoluten Instanz, mit der sich der junge Autor zu messen hatte. Die ersehnte Anerkennung des berühmten Dichters erschien als Wertmaß des eigenen Schaffens.“[7] Nur selten begegnete Hölderlin seinem Vorbild persönlich, doch ihm verdankte er unter anderem die Veröffentlichung einiger seiner früheren Gedichte sowie seine Hofmeisterstelle bei der Familie von Kalb in Waltershausen ab dem Jahre 1793. Dies alles „verstärkte sein Gefühl der Zugehörigkeit, aber auch der Abhängigkeit gegenüber dem bewunderten Autor“.[8]

Hölderlin stand mit Schiller über mehrere Jahre hinweg in Briefkontakt. Elf Schriftstücke sind seitens Hölderlins erhalten. Von Schiller sind allerdings nur drei Briefe überliefert, was darauf hindeutet, dass es sich um eine eher einseitige Korrespondenz gehandelt hat.Hölderlin hatte geglaubt, Schiller nacheifern zu müssen und bei ihm „in die Schule gehen zu sollen“.[9] Mehrere Jahre „mühte er sich ab, nach Schiller‘schem Muster große gereimte Hymnen zu dichten“.[10] Es entstand über all die Jahre hinweg ein Komplex von Verehrung, einem Gefühl von Abhängigkeit und dem Streben nach Anerkennung. Nach einem Aufenthalt Hölderlins in Jena im Jahre 1795 wurde Schillers wachsendes Desinteresse durch „abgelehnte Auftragsarbeiten, zugeschickte und nicht aufgenommene Texte sowie mit durch Schweigen oder Ablenkungsmanöver zurückgewiesene Bitten“[11] deutlich. Luigi Reitani fasst diese Situation Hölderlins mit wenigen, aber drastischen Worten zusammen: „Ein Außenseiter wendet sich an einen etablierten Schriftsteller, der ihn nach einem gewissen Zögern abweist“.[12]

Die Briefe Hölderlins thematisieren vorrangig subjektive Belange und zeigen somit das Verhältnis zwischen den beiden Dichtern auf.

Sie [die Briefe] zeigen vor allem das Dilemma einer psychischen Abhängigkeit, die für den Autor [Hölderlin] zugleich produktiv und destabilisierend war. Was sie nicht zeigen, das ist der Kampf, den Hölderlin führte, um eine solche Abhängigkeit zu überwinden. Dieser Kampf fand auf einer anderen Ebene statt, auf der der Dichtung. Die Briefe kündigen ihn an, aber sie können ihn nicht ausführen. Hier [in den Briefen] bleibt Hölderlin der „wahrste Verehrer“, unfähig, gegen den „Meister“ zu rebellieren.[13]

Hölderlin versuchte in etwa seit dieser Zeit, „sich von [diesem] vorhandenen literarischen Modell“[14], welches er durch Schiller vorgegeben geglaubt hatte, zu befreien. Er erkennt, dass er in einem Reimgedicht nicht seine persönliche dichterische Eigenart entfalten kann, sondern nur reimlose, auf die Wirkung des antiken Metrums beruhende Werke seinem Spracherlebnis gerecht werden können.[15] Diese Wende wird in Hölderlins Gedicht Die Eichbäume zum ersten Mal sichtbar.

[...]


[1] Momme Mommsen: Zu Hölderlins Gedicht Die Eichbäume, in: Wulf Segebrecht (Hrsg.): Klassik und Romantik (Reclam Gedichte und Interpretationen, Band 3), Stuttgart 1984, S.145-152.

[2] Stefan Elit: Lyrik. Formen – Analysetechniken – Gattungsgeschichte, Paderborn 2008, S.131.

[3] Ingrid Merkel: Zwischen Klassik und Revolution: Friedrich Hölderlin, in: Walter Hinderer (Hrsg.): Geschichte der deutschen Lyrik vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Stuttgart 1983, S.228.

[4] Vgl. Ebd.

[5] Ebd. S.230.

[6] Vgl. Ingrid Merkel: Zwischen Klassik und Revolution: Friedrich Hölderlin, in: Walter Hinderer (Hrsg.): Geschichte der deutschen Lyrik vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Stuttgart 1983, S.231.

[7] Luigi Reitani: „Mit wahrster Verehrung“. Hölderlins Rechenschaftsbriefe an Schiller, in: Michael Franz, Ulrich Gaier und Martin Vöhler (Hrsg.): Hölderlin-Jahrbuch (2004-2005, Band 34), Eggingen 2006, S.146.

[8] Ebd.

[9] Momme Mommsen: Zu Hölderlins Gedicht Die Eichbäume, in: Wulf Segebrecht (Hrsg.): Klassik und Romantik (Reclam Gedichte und Interpretationen, Band 3), Stuttgart 1984, S.145.

[10] Ebd.

[11] Reitani (2006), S.147.

[12] Reitani (2006), S.147.

[13] Ebd., S.160.

[14] Ebd., S.147.

[15] Vgl. Mommsen (1984), S.145.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
"Die Eichbäume" – ein Wendepunkt in Friedrich Hölderlins lyrischem Wirken
Hochschule
Universität Kassel  (Germanistik)
Veranstaltung
Seminar Lyrik der Goethezeit
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V199713
ISBN (eBook)
9783656261995
ISBN (Buch)
9783656262435
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hölderlin, Eichbäume, Gedichtsinterpretation
Arbeit zitieren
Maria Hesse (Autor), 2009, "Die Eichbäume" – ein Wendepunkt in Friedrich Hölderlins lyrischem Wirken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199713

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