Das Lachen in Umberto Ecos "Il nome della rosa" (1982)


Essay, 2011

7 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Das Lachen in Umberto Ecos Der Name der Rose (1982)

Der erste Roman des italienischen Autors Umberto Eco erschien erstmalig im Jahr 1980 in italienischer Sprache als Il nome della rosa und zwei Jahre später in der deutschen Übersetzung. In seinem Roman greift Umberto Eco auf das Genre der detektivischen Fiktion zurück und liefert gleichzeitig ein lebhaftes Bild des Mittealters und der historischen Zeit und Kultur, in der die Erzählung spielt.

Schauplatz des Romans bildet Italien im Jahr 1327. Eine geheimnisvolle Mission führt den englische Franziskanerpater William von Baskerville durch eine Reihe berühmter Städte und ehrwürdiger Abteien Italiens. Zusammen mit seinem Novizen Adson aus Melk erreicht er zu Beginn des Romans ein Benediktinerkloster, in dem mysteriöse Morde geschehen. William von Baskerville wird sogleich beauftragt die Mordserie aufzuklären und stößt dabei auf ein geheimnisvolles Buch, das die Lösung für die zahlreichen Verbrechen bildet. Als William von Baskerville herausfindet, dass der blinde Bibliothekar Jorge de Burgos dieses Buch vergiftete um dessen Geheimnis zu hüten, setzt dieser die Bibliothek in Brand nachdem er versucht hatte William zu töten.

Im folgenden Essay soll die Thematik des Lachens und der Komödie in Umberto Ecos Der Name der Rose (1982) analysiert werden.

Ernst Robert Curtius stellt in seinem Werk Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter (1948) fest, dass in der mittelalterlichen Christenheit zwei Einstellungen gegenüber dem Lachen existierten. Die erste Tradition entwickelte sich aus dem Lentulus Brief, der besagt, dass Jesus entsprechend dem Neuen Testament Zeit seines irdischen Lebens nicht ein einziges Mal gelacht habe. Das Lachen war somit dem perfekten Menschen fremd.[1] Dieses theologische Dogma führte im monastischen Milieu zu einer Verurteilung und Kodifizierung des Lachens. Das Lachen präsentierte sich neben dem Müßiggang als zweite große Bedrohung des Mönchs, aufgrund dessen wurde das Lachverbot in verschiedene Klosterordnungen eingefügt (vgl. Le Golff 23).

Die zweite Einstellung geht auf Aristoteles zurück. Dieser Tradition zufolge unterscheidet das Lachen den Menschen vom Tier und ist deshalb ein genuin menschlicher Wesenszug (proprium hominis). Der Mensch definiert sich als ein zum Lachen fähiger Mensch, dessen proprium es ist, dass er lacht (homo risibilis) (Le Golff 48).

Umberto Eco thematisiert in seinem Roman sowohl diese beiden Einstellungen als auch weitere Fragen der zeitgenössischen Debatte um das Lachen und die Komödie. Diese Diskussion geschieht immer im Zusammenhang mit Büchern und wird erstmalig ausgelöst als William zusammen mit seinem Novizen das Skriptorium der Abtei besichtigt. William bittet den Bibliothekar Malachias von Hildesheim darum, den Arbeitsplatz des ersten Opfers Adelmus von Otranto sehen zu dürfen. Adelmus war Miniaturenmaler und beschäftigte sich damit, die Ränder der Manuskripte zu bemalen. Beim Näheren betrachten seiner Arbeiten spricht Adson von einer verkehrten Welt, es sei so „als enfaltete sich an den Rändern eines Diskurses, der per definitionem Diskurs der Wahrheit ist, aufs innigste mit ihm verbunden durch wundersame Rätsel und Anspielungen, ein lügnerischer Diskurs über ein Universum, das auf dem Kopf steht“[2]. Diese Inversion der traditionellen Form und Ordnung entspricht, nach einer Untersuchung von Theresa Coletti, dem mittelalterlichen und klassischen topos des „topsy-turvy“, „universe or world upside down“[3]. Coletti verweist außerdem auf die Randposition der Miniaturen, diese zeige die Beziehung des Lachens zu einem monastischen Diskurs der Wahrheit. Adelmos Zeichnungen würden, durch ihre Umkehrungen und Marginalität, eine Synecdoche für die Inversion des Diskurses durch das Lachen darstellen (vgl. Coletti 116).

Als die Miniaturen des jungen Adelmus schallendes Gelächter bei den anderen Mönchen im Skriptorium auslöst, tritt der blinde Jorge de Burgos auf. Er ist erbost über das Lachen und erinnert sie an einen Grundsatz der Benediktinerregel („Wenn der Mönch sich der guten Reden enthalten muß aufgrund des Schweigegebotes, so hat er erst Recht die üblen Reden zu meiden“ (Rose 116)). Er äußert sich verächtlich über die Miniaturen des Adelmus, da sie Lügen verbreiten würden über die Formen der Schöpfung, indem sie die Welt verkehrtherum darstellen würden, als das Gegenteil dessen, was sie sei und sein müsse (Rose 116). Jorge verweist auf Williams Franziskaner Orden, „in welchem […] selbst noch die unangebrachteste Heiterkeit mit Nachsicht betrachtet wird“ (Rose 110).

[...]


[1] Vgl. Le Golff, Jacques, Das Lachen im Mittelalter, 1999 Stuttgart (Klett Cotta Verlag), S.47-48. Die weiteren Nachweise erfolgen im laufenden Text und beziehen sich auf diese Ausgabe, abgekürzt mit Le Golff.

[2] Eco, Umberto, Der Name der Rose, 1982 München (Carl Hanser Verlag), S.107. Die weiteren Nachweise erfolgen im laufenden Text und beziehen sich auf diese Ausgabe, abgekürzt mit Rose.

[3] Coletti, Theresa, Naming the Rose. Eco, Medieval Signs, and Modern Theory, 1988 New York (Cornell University Press), S.115. Die weiteren Nachweise erfolgen im Text und beziehen sich auf diese Ausgabe, abgekürzt mit Coletti.

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Das Lachen in Umberto Ecos "Il nome della rosa" (1982)
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Veranstaltung
Vorlesung Poetik der Affekte
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
7
Katalognummer
V199737
ISBN (eBook)
9783656291503
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lachen, umberto, ecos
Arbeit zitieren
M.A. Raphaela Orth (Autor), 2011, Das Lachen in Umberto Ecos "Il nome della rosa" (1982), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199737

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Lachen in Umberto Ecos "Il nome della rosa" (1982)



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden