Caesar und der Senat

Caesars tödliches Spiel mit dem Senat


Hausarbeit, 2012

14 Seiten, Note: 1.3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Caesars politische Maßnamen

III. Reaktion der Senatoren

IV. Interpretation der Handlungen

V. Folgen und Konsequenzen

VI. Resümee

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Cave Idus Martias waren die mahnenden Worte des Augur Spurinna an Caesar[1], doch trotz der Warnung betrat er am 15. März 44 v. Chr., gegen 11.00 Uhr in der Frühe[2] die Hallen des Theaters des Pompeius. Nur kurze Zeit später ereignet sich das von Sueton so beschriebene Bild: „Wie er (Casear) nun sieht, dass von allen Seiten Dolche gegen ihn gezückt werden, verhüllt er sein Haupt mit der Toga und zieht zugleich mit der linken Hand den Faltenbausch bis zu den Knöcheln nieder, damit der untere Teil seines Körpers bedeckt würde und er mit Anstand fiele[3].“ Ein dramatisches Ende für einen Diktator wie Caesar. Doch dies soll nicht das Thema dieser Arbeit werden. Vielmehr die Frage nach dem Grund, oder besser gesagt einen der vielen Gründe, weshalb Caesar, an den Iden des März, den Tod fand. Was hat Caesar sich zu schulden kommen lassen, damit sich 60 Senatoren zusammenschlossen[4], um seine Alleinherrschaft gewaltsam zu beenden. Natürlich könnte man sich nun mit Caesars Persönlichkeit oder den individuellen, ´offenen Rechnungen` der Senatoren beschäftigen[5], welche sicherlich einen erheblichen Faktor in der Motivation solch einer Tat darstellen, doch der Fokus dieser Arbeit fällt auf eine weitaus elementarere Motivationskette, welche größeren Aufschluss über Caesars Tod bieten könnte.

Es sind die Maßnahmen sowie Caesars Art und Weise wie er mit dem Senat umsprang. Im Folgenden sollen zeitgenössische Quellen[6] und Caesarliteraten wie Gelzer[7] und Jehne[8] behilflich sein diesen Aspekt zu erörtern und seine Bedeutung klar heraus zu kristallisieren. Es stellt sich nun die Frage, ob dies tatsächlich der zentrale Ausschlag für Caesars Ermordung war. Dabei soll aber nicht der Anschein erweckt werden, dass der hier behandelte Aspekt, die Beziehnung Caesars zum Senat, der alleinige Faktor war. Doch all die anderen Faktoren, wie zum Beispiel die einzelnen Motive der beteiligten Caesarmörder, können aufgrund der eingeschränkten Arbeit nicht erläutert werden. Zuerst werden einige politische Maßnahmen, die Caesar im Bezug auf den Senat und die Ämter der römischen Republik durchgeführt hat, aufgezeigt. Ihnen folgen dann die verschiedenen Reaktionen der Senatoren und die Interpretation der Handlungen. Schließlich sollen die Folgen und Konsequenzen für den Senat und die römische Republik, herausgestellt werden, die Caesars Taten nach sich zogen, um die Schlüsselstellung dieses Aspektes und somit auch die vorangehende Fragestellung beantworten zu können.

II. Caesars politische Maßnamen

Die politischen Maßnahmen ab Caesars faktischer Alleinherrschaft (48-44 v. Chr.)[9], welche er im Bezug auf den Senat und somit auch indirekt auf das Staatswesen der römischen Republik durchführte, waren von Anfang an auf ein Ziel hingerichtet, das in Caesars Gedanken immer mehr heranreifte und sich bald auch immer offensichtlicher in seinem Regierungsstil wiederspiegelte. Es war der Griff nach der Königskrone, der Weg zur Monarchie, den Caesar langsam, aber zielstrebig beschritten hat.[10] Doch diese neue Richtung stand im krassen Gegensatz zur traditionellen und aktuellen Staatsform, der Republik, die sich seid fast 500 Jahren in der Gesinnung der Römer gefestigt hatte.[11] Die Rolle des Senats in der römsichen Republik beschränkte sich eigentlich auf die Beratung der regierenden Magistrate, doch kann man tatsächlich behaupten, dass dennoch der Senat als das eigentliches Regierungsorgan der oligarchisch geregelten res puplica fungierte.[12] Er stellte den festen und beständigen Kern des Staates dar, denn im Gegensatz zu den jährlich wechselnden Magistraten, waren sie das Element im Staat, das der Politik Roms ihre Festigkeit und Stetigkeit verlieh.[13] Seine Bedeutung erstreckte sich weit über die rechtlich gefaßte Funktion hinaus. Der Senat verkörperte, nach Meyer: „ die gesamte Staatstradition Roms[..], die gesammelte Regierungs- und Amtserfahrung aller lebenden ehemaligen Beamten; in ihm saßen die Angehörigen derjenigen Familien, die oft seit vielen Generationen und Jahrhunderten die Geschicke Roms gelenkt hatten.“ [14] So basiert die Macht und der Einfluss des Senats auf römischer Tradition und dessen auctoritas.[15] Und hier ist der Angriffspunkt an dem Caesar, durch seine politischen Maßnahmen, zu rütteln began. Sein Ziel war die Verlagerung der im Senat gebündelten Machtbasis in sein eigenes Kabinett.[16]

Dabei war seine erste politische Maßnahme die Vergrößerung des Senats. Nach Cassius Dio erhöhte Caesar bereits Ende 47 v. Chr. Die Anzahl und anstelle der im Bürgerkrieg verstorbenen Senatoren nahm er loyale Offiziere in den Senat auf[17], was ihm durch seine dictatorische Amtsgewalt ermöglicht wurde.[18] In den Jahren 46 und 45 v. Chr., vergrößerte Caesar ihn noch weiter. Cassius Dio berichtet, dass er (Caesar) ferner eine gewaltige Zahl neuer Mitglieder in den Senat aufnahm,[..] sodass die Senatoren insgesamt bis auf neunhundert stiegen.[19] Auch Sueton bestätigt in seinem Werk ‚Divus Iulius‘ die Ergänzung und Erhöhung der Anzahl der Senatoren und die Anzahl der Magistrate.[20] Die Aufstockung des Senats war gewiss nichts Neues für Rom, denn nicht einmal ca. 35 Jahre zuvor, hatte Sulla bereits die Anzahl des Senats von ca. 300 auf 600 Senatoren erhöht.[21] den Unterschied ausmachte: Caesar diese Gelegenheit nuzte, um auch Personen in den Senat zu befördern, welche unter normalen Bedingungen niemals hätten Senatoren werden können. Er machte Provinciale, aus den romanisierten Provinzen Cisalpina und der Narbonensis, zu Senatoren.[22] Doch alle gallischen Senatoren kamen wohlbemerkt aus Familien, die aus Italien in die Provinzen ausgewandert waren und daher ursprünglich auch Römer waren.[23] Durch diese Aufnahme hatte Caesar grundsätzlich den Zugang der Provincialen zum Senat eröffnet, was auch dazu beitragen sollte die Provinzen enger an Italien und somit auch enger an die „römische Zentrale“ zu binden.[24] So musste unter Caesar der Senat zwangsläufig aufhören sich nur aus stadtrömischen Familien zusammenzusetzen, sondern nun auch den Adel „Italiens“, und somit auch den zum römischen Reich gehörenden Provinzialadel, mit einbeziehen.[25] Aber er nahm auch wie Cassius Dio berichtet, Centurionen[26] in den Senat auf[27], was jedoch keinen großen Anteil der Neuzugänge ausmachte.[28] Dennoch verursachten genau diese Centurionen niederer Herkunft, den vom Senat stets gefürchteten und vermiedenen Standesbruch. Der Senat setzte sich ursprünglich nur aus der stadtrömischen Nobilität zusammen. Da nun unter Caesar auch einige römische Plebejer in den Senat gelangten, war dies ein klares Zeichen eines neuen Windes, der aus einer anderen, den Senatoren ungewohnten Richtung, durch den Senat fegte. Die Zulassung solcher Personen, auch wenn es noch so wenige waren, zeigte, dass Caesar nicht so viel Wert auf die Standesqualifikationen legte, sondern eher ein Leistungsdenken bevorzugte.[29] Sueton berichtet über solch ein gerichtetes Denken bei Caesar: (latein) „Auf dem Gipfel seiner Macht beförderte er einige Personen trotz ihrer niedrigen Herkunft zu den höchsten Ämtern.“[30] und Caesar selbst soll gesagt haben: „Hätte ich die Hilfe von Landstreichern und Mördern zur Verteidigung meiner Stellung in Anspruch genommen, so würde ich mich selbst gegen solche in gleicher Weise dankbar zeigen.“[31] Dieser Caesar-Ausspruch verdeutlicht auch, dass ein Untertan, der sich bei ihm verdient gemacht hatte, nicht nur standesgemäß, sondern großzügig entlohnt wurde.[32] Ein sichtlich neues Gedankengut für einen römischen Adeligen. Doch so schön der Gedanke auch erscheint, es bot Caesar auch gleichzeitig einen praktischen Weg, seine getreuen Gefolgsleute, die ihm aufgrund vielfältiger Dienste geholfen hatten, zu versorgen.[33] Somit hatte er im Senat, so schätzt der Historiker Jehne[34], ca. ein Drittel aller Senatoren, die ihren Aufstieg dem Dictator verdankten, und daher sich sehr bald als gefügiges Instrument Caesars entpuppten.[35] Zudem wurde, durch die Aufblähung des Senats, auch gleichzeitig deren Arbeit verlangsamt, denn aufgrund der Masse war eine deutliche Mehrheisbildung sichtlich erschwert worden. Ein anderer Faktor, der die senatorischen Handlungsräume weit einschränkte, war die Festsetzung eines Quorums von 400 Senatoren für einen gültigen Senatsbeschluss.[36] Zwar ist unklar ob Caesar der Urheber dieses Quorum war, doch scheint es einleuchtend, da über ein Drittel der Senatoren für einen Beschluss anwesend sein mussten.[37] So war es folglich nicht nur schwer bei 900 Mitgliedern Beschlüsse zu erarbeiten, sondern diese dann auch, bei einer Mindestanzahl von 400 Senatoren, zu verabschieden. Dies beeinträchtigte insbesonders das Vorankommen und die Handlungspielräume des Senats und somit auch seine politische Machtausübung.

[...]


[1] Vgl. Suet. Iul. 81. Während eines Opfers warnte ihn der Opferschauer Spurinna, er sollte sich vor einer Gefahr hüten, die nicht länger als bis zu den Iden des März auf sich warten lassen werde.

[2] Gelzer, M.: Caesar. Der Politiker und Staatsmann. Stuttgart 2008. S. 280.

[3] Suet. Iul. 82. [..] utque animaduertit undique se strictis pugionibus, toga caput obuoluit, simul sinistra manu sinum ad ima crura deduxit, quo honestius caderet etiam inferiore corporis parte uelata.

[4] Meier, C. erwähnt in seinem Buch ‚Casear‘, dass es etwa 60 Senatoren waren, darunter ehemalige Pompeianer und Caesarianer. S.569.

[5] Baltrusch, E.: Caesar und Pompeius. Darmstadt3 2011; Held, M.: Caesar im Senat niedergestochen. Stuttgart 2010; Baltrusch, E. [Hrg.]: Caesar. Darmstadt 2007.

[6] Sueton; Cassius Dio; Plutarch und Cicero.

[7] Gelzer, M.: Caesar. Der Politiker und Staatsmann. Stuttgart 2008.

[8] Jehne, M.: Der Staat des Dictators Caesar. In: Passauer historische Forschungen. Bd. 3. Böhlau 1987.

[9] Im Dezember des Jahres 49 v. Ch. erhält Caesar das Amt des Diktators für elf Tage, 48 v. Chr. war er zum zweiten Mal Konsul und nach der Schlacht bei Pharsalos Diktator für ein Jahr. In den Jahren 46-44 v. Chr. folgen das dritte bis füfnte Konsulat. Nach der Schlacht bei Thapsus im April 46 v. Chr. wird ihm die Diktatur für zehn Jahre übertragen und ab Februar 44 v. Chr. auf Lebenszeit. Rüpke, J.:Caesar. In: NP 915.

[10] Mess, A. v.: Caesar. Sein Leben, seine Zeit und seine Politik bis zur Begründung seiner Monarchie. In: Das Erbe der Alten. Schriften über Wesen und Wirkung der Antike. Hrsg. v. O. Crusius; O. Immisch und Th. Zielinski. Heft VII. Leipzig 1913. S. 167.

[11] Römische Republik: Staatsform des römischen Staates in der Zeit zwischen dem Ende der römischen Königsherrschaft im Jahre 509 v. Chr. und der Errichtung des römischen Kaisertums am 13. Januar 27 v. Chr.

[12] Meyer, E.: Römischer Staat und Staatsgedanke. Hrsg. v. W. Rüegg. Stuttgart3 1964. S. 209f.

[13] Meyer 1964. S. 209f.

[14] Ebd., S. 209f.

[15] Bleicken, J.: Die Verfassung der römischen Republik. Grundlagen und Entwicklung. Paderborn 1975. S. 136ff.

[16] Mess 1913. S. 161.

[17] Cass. Dio 42, 51, 5.

[18] Jehne 1987. S. 392.

[19] Cass. Dio 43, 47, 3.

[20] Suet. Iul. 41: „Senatum suppleuit, patricios adlegit, praetorum aedilium quaestorum, minorum etaim magistratuum numerum ampliauit.“

[21] Täubler, E.: Der römische Staat. Stuttgart 1985. S. 64f.

[22] Jehne 1987. S. 395.

[23] Ebd. S. 396.

[24] Ebd. S. 397.

[25] Meyer 1964. S. 338.

[26] Centurionen konnten nicht nur Soldaten aus dem municipalen Oberschicht werden, sondern auch einfache Soldaten, die sich mühsam in das Centurionat hochgekämpft haben, welche aber nur römische Bürger waren und daher auch nicht aus der römischen Nobilität entsprangen. Vlg. Jehne 1987. S. 389.

[27] Cass. Dio. 42, 51, 5: „Was die Ritter im Herr, die Centurionen und die unteren Dienstgrade betraf, machte er sie sich auf verschiedene Weise zu Freunden, insbesondere aber dadurch, dass er einige von ihnen sogar zu Senatoren auswählte und an die Stelle jener setzte, die ums Leben gekommen waren.“

[28] Vgl. Jehne: „Von den ehemaligen Centurionen, die in den Senat gelangten, ist nur C.Fuficius Fango namentlich gesichert (Cass. Dio 48, 22, 3.). Aus diesem Einzelfall und aus den pauschalen und tendenziösen Quellennotizen lässt sich natürlich nicht auf die Zahlenverhältnisse schließen; aber die Hauptmacht der caesarischen homines novi werden die Centurionen wohl kaum gestellt haben.“

[29] Jehne. 1987. S. 403.

[30] Suet. Iul. 72: „[..] Iam autem rerum potens quosdam infimi generis amplissimos honores prouexit, cum ob id culparetur, professus palam.“

[31] Suet. Iul. 72: „[..] si grassatorum et sicariorum ope in tuenda aus dignitate usus esset, talibus quoque se parem gratiam relaturum.“

[32] Jehne. 1987. S. 404.

[33] Ebd. S. 404.

[34] Ebd. S. 404.

[35] Ebd. S. 404.

[36] Ebd. S. 407.

[37] Ebd. S. 408.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Caesar und der Senat
Untertitel
Caesars tödliches Spiel mit dem Senat
Hochschule
Universität Stuttgart  (Historisches Institut)
Veranstaltung
C. Iulius Caesar – der Totengräber der römischen Republik?
Note
1.3
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V199754
ISBN (eBook)
9783656261292
ISBN (Buch)
9783656261735
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
caesar, senat, caesars, spiel
Arbeit zitieren
Bettina Weishaupt (Autor), 2012, Caesar und der Senat, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199754

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