Internationale Währungskrisen: Die Lateinamerikakrise am Beispiel Argentinien


Seminararbeit, 2012

46 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung und Motivation
1.2. Gang der Untersuchung

2. Ursachen der Währungskrise in Argentinien
2.1. Korruption und mangelhaftes Staatswesen
2.2. Konvertibilitätsgesetz
2.3. Abhängigkeit von internationalen Kapitalgebern

3. Krise im Zeitverlauf
3.1. Vor dem Krisenausbruch - Juli 1998 bis Dezember
3.2. Höhepunkt der Krise - Dezember 2001 bis April
3.3. Stabilisierungsphase - ab April

4. Bewertung des Krisenmanagements und der Krisenursachen
4.1. Verhalten politischer Akteure in der Krise
4.2. Rolle des Currency Board-Systems
4.3. Entwicklung der (Auslands-) Schulden

5. Zusammenfassung und Ausblick nach der Krise

Anhangverzeichnis

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildungen

Abb. 1: Entwicklung der wahrgenommenen Korruption 1995 bis 2000

Abb. 2: BIP-Wachstum in % Argentinien 1988 bis 2005

Abb. 3: Armutsquote und Arbeitslosigkeit 1990 bis 2001

Abb. 4: Staatsanleihen Argentinien Zinsentwicklung 1998 bis 2006

Abb. 5: Verschuldung Zentralstaat 1997 bis 2007

Abb. 6: Argentinien und Griechenland CDS 5 Jahre in USD 2005 bis 2011

Tabellen

Tabelle 1: Inflation Argentinien 1981 bis 1996

Tabelle 2: Verschuldung Zentralstaat und Provinzen 1997 bis 2001

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1. Problemstellung und Motivation

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zählte Argentinien als das flächenmäßig zweitgrößte Land Südamerikas im weltweiten Vergleich zu den reichsten Staaten und erwirtschaftete eines der höchsten Bruttoinlandsprodukte (BIP) pro Kopf.1 Die Wirtschaft Argentiniens wuchs getrieben vom Export von Agrarprodukten kontinuierlich.2 Innerhalb weniger Dekaden konnte die Größe der Unterschicht verkleinert und der Wohlstand vergrößert werden.3

Im Jahr 2001 zeigte sich Argentinien allerdings von einer anderen Seite. Auf den Straßen von Buenos Aires und Córdoba kam es zu sozialen Unruhen mit zahlreichen Straßenschlachten mit insgesamt 28 Toten.4 Das Land befand sich zu diesem Zeitpunkt in der größten Krise seiner Geschichte,5 nachdem es in den Jahrzehnten zuvor bereits immer wieder wirtschaftliche Rückschläge erleiden musste. Die Krise hatte sich zu diesem Zeitpunkt von einer anfänglichen Wirtschaftskriseüber eine Bankenkrise zu einer Währungskrise mit weitreichenden Konsequenzen entwickelt.6

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die argentinische Währungskrise von 2001 zu analysieren. Dabei stehen Ursachen, Verlauf und die Bewertung des Krisenmanagements und der Krisenursachen im Mittelpunkt.

1.2. Gang der Untersuchung

Die Arbeit gliedert sich in insgesamt fünf Kapitel. Die Darstellung der verschiedenen Krisenursachen stellt den wesentlichen Bestandteil des zweiten Kapitels dar. Mit Blick auf die Zielsetzung dieser Arbeit wird im Anschluss in Kapitel drei der Krisenverlauf der Jahre 1998 bis 2003 aufgezeigt und analysiert. In Kapitel vier werden darauffolgend die einzelnen Instrumente der Krisenbekämpfung diskutiert und bewertet. Abschließend erfolgt in Kapitel fünf eine Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse.

2. Ursachen der Währungskrise in Argentinien

Die Währungskrise Argentiniens lässt sich auf verschiedene Ursachen zurückführen.7 Im Rahmen dieser Arbeit werden davon im Folgenden drei entscheidende Faktoren aufgegriffen und diskutiert: Korruption und mangelhaftes Staatswesen, das Konvertibilitätsgesetz und die Abhängigkeit von ausländischen Kapitalgebern.

2.1. Korruption und mangelhaftes Staatswesen

Die Krisenanfälligkeit der argentinischen Währung resultierte unter anderem aus dem mangelnden Vertrauen in die staatlichen Institutionen des Landes.8 Insbesondere die massive Korruption kann als kritischer Punkt betrachtet werden.9 Zieht man Befragungen des Latinobarómetro10 heran, kam es zu einem Anstieg der gefühlten Korruption. Zwischen 1995 und 2000 nahmen im Schnittüber 90 % der Befragten einen Anstieg der Korruption wahr (vgl. Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Entwicklung der wahrgenommenen Korruption 1995 bis 2000

Quelle: Latinobar ó metro, Datenbank abgerufen am 15.01.2012, eigene Berechnungen.

Auch anhand von Erhebungen der Organisation Transparency International ist mit einem Corruption Perception Index (CPI) im Jahr 1995 von 5,2 und einem CPI im Jahr 2000 von 3,5 ein negativer Trend zu erkennen (vgl. Anhang 1).

Als Ursache für die größer werdende Korruption sei maßgeblich die Straflosigkeit von Wirtschaftsdelikten der Machthaber in Argentinien genannt, die eine „Verallgemeinerung der Korruption imöffentlichen Bereich begünstigt“ hat.11 Die Folgen von Korruption sind für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes weitreichend. Die Weigerung von lateinamerikanischen Beamten und Politikern in einem bürokratischen Prozess eine Leistung ohne Bestechung auszuüben, stellte ein Wachstumshindernis dar und beeinflusste u.a. die Funktionalität des Steuersystems negativ.12 Wachstumshindernisse durch Korruption resultieren beispielsweise aus der ineffizienten Allokation von knappen Ressourcen.13 Auch die fehlende Rechtssicherheit in Argentinien einhergehend mit einem mangelnden Glauben an die Gerechtigkeit der Justiz (nur einer von zehn Argentiniern glaubte an eine Gleichbehandlung vor der Justiz, vgl. Anhang 2) minderte das Vertrauen.14 Nach Erhebungen des Latinobarómetros war der Anteil der Argentinier, die nur wenig bis kein Vertrauen in die Justiz besaßen, von 1995 bis 1998 kontinuierlich von 65 % auf 80 % angestiegen (vgl. Anhang 3).

2.2. Konvertibilitätsgesetz

Im Zeitraum von 1981 bis 1991 waren zehn Wirtschaftsminister und fünf Präsidenten im Amt.15 Aus diesen kurzzeitigen Amtsperioden resultierten punktuelle politische Maßnahmen zur Konjunkturbelebung ohne eine langfristige ineinandergreifende Strategie.16 Ein Resultat war eineübermäßige Verschuldung des Staatshaushaltes, einhergehend mit einer massiven Ausweitung der monetären Basis und einem starken Anstieg der Inflationsraten.17 Im Jahr 1989 erreichte die Inflation mit knapp 5.000 % den Höchstwert (vgl. Tabelle 1).18 Das am 27. März 1991 verabschiedete Konvertibilitätsgesetz (Ley de Convertibilidad del Austral) hatte das Ziel, diese

Hyperinflation einzudämmen und durch die Bindung an den US-Dollar als Ankerwährung Stabilität zu schaffen.19

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Inflation Argentinien 1981 bis 1996

Quelle: IWF, Datenbank abgerufen am 28.12.2011.

Messner (1997) nennt folgende drei Kernelemente des Programms:

1. Feste Bindung des argentinischen Pesos an den US-Dollar mit dem Verhältnis 1:120 mit voller Binnen- und Außenkonvertibilität, das durch die Regierung garantiert wurde. Geldgeschäfte konnten wahlweise in US-Dollar oder Peso getätigt werden.21
2. Mindestens vollständige Deckung der monetären Basis22 durch Geld- und Devisenreserven.23
3. Gesetzliches Verbot der Indexierung der Lohnerhöhungen an die Inflation, um eine Lohn-Preis-Spirale zu verhindern und zur Flexibilisierung des Arbeitsmarktes.24

Diese Kernelemente wurden durch weitere Strukturreformen wie beispielsweise die Privatisierung von Staatsbetrieben25 und dem Abbau von Importzöllen ergänzt.26 Auch die Erhöhung der Steuereinnahmen durch konsequentere Steuereintreibung und Anhebung der Steuersätze wirkte sich positiv auf den Staatshaushalt aus.27 Das entscheidende Reformelement ist jedoch die Schaffung eines Currency Board- Systems, welches den Handlungsspielraum der argentinischen Notenbank stark einengte und eine diskretionäre Geldpolitik weitgehend ausschloss.28 Die Notenbank hatte die Aufgabe, dieüberschüssige Nachfrage bzw. das Angebot zum festen Wechselkurs zu befriedigen.29 Ziel des errichteten Currency Board-System war die Übertragung der Reputation der Ankerwährung auf die heimische Währung.30 Erste Erfolge waren bereits kurzfristig erkennbar. Die Inflation sank in den Folgejahren deutlich und betrug im Jahr 1995 nur noch 1,6 % (vgl. Anhang 4). Das BIP wuchs im Jahr der Einführung 1991 beispielsweise um 12,7 % (vgl. Abb. 2).31

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: BIP-Wachstum in % Argentinien 1988 bis 2005

Quelle: Weltbank, Datenbank abgerufen am 28.12.2011.

Problematisch erwies sich allerdings die Entwicklung der Importe aufgrund des fixierten Wechselkurses.32 Als Folge der Inflationsdifferenz zwischen Argentinien und den USA wurden inländisch produzierte Güter benachteiligt, da es zu einer starken realen Überbewertung kam.33 Wurden im Jahr 1991 Waren und Dienstleistungen im Wert von 11,5 Mrd. US-Dollar importiert, betrug der Importwert im Jahr 1994 27,3 Mrd. US-Dollar. Das Exportvolumen erhöhte sich im gleichen Zeitraum lediglich von 14,6 Mrd. US-Dollar auf 19,4 Mrd. US-Dollar (vgl. Anhang 6). In Folge dessen drehte das Handelsbilanzplus von knapp 8 Mrd. US-Dollar in ein Handelsbilanzminus von circa 8 Mrd. US-Dollar (vgl. Anhang 7). Haupthandelspartner Argentiniens zu dieser Zeit waren insbesondere die Mercado Común del Sur (MERCOSUR) Staaten.34 Im Jahr 1998 wurdenüber 36 % in die MERCOSUR Staaten exportiert (vgl. Anhang 8). Da davon derüberwiegende Teil mit Brasilien abgewickelt wurde, war Argentinien aufgrund der geringen Diversifikation der Industrie bzw. Handelspartner besonders von der Aufgabe der Wechselkursfixierung des brasilianischen Reals mit dem US-Dollar betroffen.35 Die Abhängigkeit von ausländischem Kapital wurde durch die geringen Sparraten der inländischen Wirtschaftssubjekte zusätzlich vergrößert (vgl. Anhang 9).36

2.3. Abhängigkeit von internationalen Kapitalgebern

Die Bindung des Wechselkurses an den US-Dollar und die vergleichsweise hohen Zinsen in Argentinien zogen große Mengen Kapital, insbesondere Portfolioinvestitionen,37 aus dem Ausland an und finanzierten das Handels- bzw. Leistungsbilanzdefizit.38 Problematisch wird ein anhaltendes Handels- bzw. Leistungsbilanzdefizit bei gegebenen Wechselkursen dann, wenn dieses nicht mehr durch ausländisches Kapital finanziert wird, im Inland keine hinreichenden Ressourcen zum Ausgleich vorhanden sind, und es in Folge zu einer Währungskrise kommt.39 Diese Situation ereignete sich im Jahr 1995. Ein Anstieg des weltweiten Zinsniveaus kombiniert mit innenpolitischen Unruhen ließ das Vertrauen der Investoren in die Bonität von Mexiko stark sinken. 40 Die daraus folgende Mexiko-Krise weitete sich schnell auf andere Länder, insbesondere auf Argentinien, aus.41

Argentinien rückte bei Kapitalgebern aufgrund der vergleichbaren makroökonomischen Daten, dem hohen Leistungsbilanzdefizit und dem realüberbewerteten Peso, besonders in den Fokus.42 In den ersten vier Monaten des Jahres 1995 wurden 8,7 Mrd. US- Dollar43 aus Argentinien abgezogen und die Währungsreserven der Zentralbank sanken allein im ersten Quartal um 41 %.44 In der Folge kam es zu einer Liquiditätskrise,45 die zu einer Konsolidierung im Bankensystem führte, auf die Realwirtschaftübergriff und in einer Rezession endete.46 Umfangreiche Stützungsmaßnahmen stoppten im Jahr 1996 vorerst die Krise, lösten allerdings nicht die Problematik der Abhängigkeit von externen Kapitalzuflüssen.47 Insbesondere die erhöhte Zinsbelastung aufgrund der stark steigenden argentinischen Verschuldung hatte negative Auswirkungen auf den Staatshaushalt und vergrößerte die Schuldenlast weiter.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Verschuldung Zentralstaat und Provinzen 1997 bis 2001

Quelle: IWF (Verschuldung Peso, BIP), Weltbank (Exporte), Datenbanken abgerufen am 28.12.2011, eigene Berechnungen.

Die Zentralregierung erhöhte beispielsweise von 1997 bis 2001 ihre Verschuldung im Verhältnis zum BIP von 35 % auf 54 %, wovon der Großteil der Verschuldung in US- Dollar notierte.48 Eine weitere Kennzahl zur Bewertung des Schuldenstandes eines Landes ist das Verhältnis von Verschuldung zu den Exporten.49 Auch bei diesem Maß kam es im gleichen Zeitraum zu einem Anstieg der relativen Verschuldung von 327 % auf 466 % (vgl. Tabelle 2). Vergleicht man diesen Wert mit den aktuellen Verschuldungsquoten europäischer Staaten, erscheinen diese zwar relativ niedrig, allerdings war dieser Wert für Argentinien zur damaligen Zeit sehr hoch.50 Neben der Zentralregierung hatten auch die Provinzregierungen ihre Ausgaben stark ausgeweitet.51 Ein System der Kopartizipation gab den Provinzregierungen einen Anreiz zum Schuldenaufbau.52 Innerhalb von fünf Jahren weiteten sie ihre Verschuldung von 11,8 Mrd. Peso auf 25,8 Mrd. Peso aus. Die hohe Staatsverschuldung kann als größtes Problem herangezogen werden.53

3. Krise im Zeitverlauf

Der Krisenverlauf wird in drei Abschnitten analysiert. Im ersten Abschnitt wird der Weg zum Krisenausbruch evaluiert, dessen Beginn auf die zweite Hälfte 1998 datiert werden kann. Anschließend wird im zweiten Abschnitt, beginnend mit der offiziellen Herabstufung Argentiniens durch die Ratingagenturen und den Anstürmen auf die inländischen Banken, der Höhepunkt der Krise aufgezeigt. Der letzte Abschnitt beginnt mit der Wahl von Néstor Kirchner zum Präsidenten im Jahr 2003.

3.1. Vor dem Krisenausbruch - Juli 1998 bis Dezember 2001

In der zweiten Hälfte des Jahres 1998 wurde Argentinien von einer Rezession erfasst, die den Beginn der Argentinien-Krise darstellt. Neben der fehlenden politischen Stabilität können die Entwicklungen auf die Verfügbarkeit von Kapital und eine Abschwächung der weltwirtschaftlichen Dynamik, sowie die nicht ausreichend vorhandenen geld- und wirtschaftspolitischen Mittel zur Bekämpfung der Krise genannt werden.54 Ab dem dritten Quartal 1998 wurden sinkende Konsumausgaben und Investitionen verzeichnet. Ein Nachfragerückgang von langlebigen Wirtschaftsgütern war dabei Treiber des Abwärtstrends.55 In dieser Zeit wirkten zusätzlich deflationäre Entwicklungen auf die Volkswirtschaft. Die zugespitzte Lage in Brasilien im Jahr 1999, insbesondere die Abwertung der brasilianischen Währung, belastete die Lage in Argentinien weiter. Obwohl der niedrige Exportanteil mit 9,8 % die wirtschaftlichen Auswirkungen der externen Einflussfaktoren begrenzte, rutschte Argentinien in eine Rezession und das BIP verringerte sich im Jahr 1999 um 3,4 % und im Jahr 2000 um weitere 0,8 %. Mit Hilfe einer expansiven Fiskalpolitik versuchte die Regierung vergeblich die Wirtschaft zu stimulieren. Der Internationale Währungsfonds (IWF) unterstütze die Regierung im März mit einer Kreditzusage vonüber 7,2 Milliarden USDollar und einem umfassenden 40 Milliarden US-Dollar Programm im Dezember.56 Das Budgetdefizit des Staates weitete sich weiter aus und manübertraf wiederholt deutlich die ursprünglichen zugrunde gelegten Werte. Beispielsweise plante man im Februar 1999 mit einem annualisierten Defizit in Höhe von -1,5 % bezogen auf das BIP, tatsächlich betrug das Defizit am Jahresende -4,1 %.57

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Armutsquote und Arbeitslosigkeit 1990 bis 2001

Quelle: Weltbank, Datenbank abgerufen am 28.12.2011.

Der schrumpfenden Wirtschaft folgte ein Anstieg der Arbeitslosigkeit. Nachdem im Jahr 1998 mit 12,8 % der niedrigste Wert seit 1994 erreicht worden war, erhöhte sich die Arbeitslosigkeit 1999 auf 14,1 % und im Jahr 2001 weiter auf 18,3. Der steigenden Arbeitslosigkeit schloss sich in weiten Teilen der Bevölkerung eine wachsende Armut an. Beispielsweise lag die relative städtische Armutsquote im Jahr 1998 bei 25,9 %, im Jahr 2001 erreichte sie einen Wert vonüber 35 % (vgl. Abb. 3). Im Juni 2001 beschloss die Regierung Argentiniens zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Landes, die Peso-Bindung an den Dollar zu lockern und führte eine jeweils hälftige Bindung an den US-Dollar und den Euro ein.58 Diese, aber auch weitere Maßnahmen wie z.B. der „Plan Déficit Cero“ führten zu keiner positiven Wende. Die wachsende Verunsicherung der Anlegerüber die wirtschaftliche Stabilität und die staatliche Kreditwürdigkeit, kombiniert mit der allgemeinen Verunsicherung internationaler Investoren nach dem Ausbruch der Russlandkrise, führte zu einer steigenden Risikoaversion der ausländischen Investoren in Bezug auf argentinische Staatsanleihen.59 In den letzten beiden Monaten des Jahres 2001 verschärfte sich die Lage mit der Weigerung des IWF, die Verbindlichkeiten aufzustocken, weiter.60

Diese Entwicklung sieht man auch an der beispielhaften Kursentwicklung einer argentinischen Staatsanleihe sowie der 2-jährigen Umlaufrendite argentinischer Staatsanleihen (vgl. Abb. 4). Der Credit Default Swap (CDS) zur Absicherung gegen einen Ausfall der Staatsanleihe stieg in dieser Zeit analog stark an.61 Mit der Durchführung einer Umschuldung stufte die Ratingagentur Standard & Poor‘s (S&P)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Staatsanleihen Argentinien Zinsentwicklung 1998 bis 2006

Quelle: Bloomberg, Datenbank abgerufen am 14.01.2012.

[...]


1 Vgl. Sommavilla (1995), S. 48.

2 Vgl. Birle (1995), S. 64.

3 Vgl. Torrado (1994), S. 49.

4 Vgl. Maute (2006), S. 195.

5 Vgl. Daseking et al. (2004), S. 1.

6 Zu Finanzkrisen im Allgemeinen siehe beispielsweise Marrewijk (2007), S. 601-616.

7 Siehe dazu beispielsweise Maute (2006), S. 199-258.

8 Vgl. Winter (2001), S. 657; Brysk (1994), S. 28-31.

9 Vgl. Bickel (2005a), S. 45; Desai (2003), S. 183; Figueroa (2001), S. 8-39.

10 Das Latinobarómetro ist eine Nichtregierungsorganisation aus Chile, die unabhängige Meinungsumfragen in insgesamt 18 lateinamerikanischen Ländern durchführt.

11 Die Straflosigkeit beschränkt sich dabei nicht nur auf den juristischen Bereich, sondern erstreckt sichüber die gesamte Gesellschaft mit den Dimensionen der Politik, Wirtschaft, Soziales, Ethik und Kultur. Vgl. Bartolomei (1997), S. 373; o. V. (2002), S. 35.

12 Vgl. Vogler (1989), S. 64f.

13 Vgl. Bartolomei (1997), S. 381; Bickel (2005a), S. 46.

14 Vgl. Nolte (2000), S. 79.

15 Vgl. Messner (1997), S. 207.

16 Beispielsweise wurden Preise fixiert und anschließend wieder freigegeben oder Wechselkurse zuerst aufgewertet, um sie anschließend wieder abzuwerten.

17 Vgl. Mussa (2002), S. 10; Kaminsky et. al (2009), S. 86.

18 Vgl. Maute (2006), S. 75-78.

19 Vgl. Janssen (2002), S. 17; Maute (2006), S. 83-86.

20 Der argentinische Peso löste im Januar 1992 den Australes im Verhältnis von 1:10.000 ab.

21 Vgl. Daseking et al. (2004), S. 21; Schweickert (2000), S. 73.

22 Die monetäre Basis besteht aus Bargeld (Münzen und Noten) und Einlagen der Banken bei der Zentralbank in Landeswährung.

23 Damit war eine Finanzierung des Staatshaushaltes durch die Notenbank ausgeschlossen.

24 Zur Entwicklung des Arbeitsmarktes siehe Daseking et al. (2004), S. 16-18; Maute (2006), S. 217.

25 Siehe dazu beispielsweise Schvarzer et al. (1994), S. 120-124.

26 Vgl. Kaminsky et al. (2009), S. 87; Ruddies (2008), S. 278.

27 Vgl. Schweickert (1995), S. 335.

28 Vgl. Janssen (2002), S. 57; Stuckenbrock (2004), S. 82.

29 Vgl. Schweickert (1995), S. 333.

30 Vgl. Aschinger (2001), S. 125.

31 Haupttreiber der positiven wirtschaftlichen Entwicklung war die inländische Nachfrage nach Konsumgütern. Vgl. Messner (1997), S. 216.

32 Vgl. Feldstein (2002), S. 8.

33 Vgl. Janssen (2002), S. 89; Maute (2006), S. 206f.

34 MERCOSUR ist eine Abkürzung für einen gemeinsamen Binnenmarkt in Südamerika. Die Vereinigung wurde 1991 gegründet und vereint zehn Mitglieds- sowie assoziierte Länder.

35 Die Abwertung des brasilianischen Reals hatte einen Rückgang der Importe Brasiliens und einen Anstieg der Exporte Brasiliens nach Argentinien zur Folge. Vgl. Maute (2006), S. 215. Zur Brasilienkrise siehe Kapitel 4.2 sowie im Allgemeinen Aschinger (2001), S. 290-307.

36 Siehe dazu auch Bickel (2005a), S. 52.

37 Portfolioinvestitionen bestehen vor allem aus kurzfristigen Anlagen, z.B. Bankeinlagen.

38 Vgl. Schweickert (1995), S. 327.

39 Vgl. Schweickert (2000), S. 4; Maute (2006), S. 200.

40 Vgl. Aschinger (2001), S. 25.

41 Dieser Effekt wird in der Literatur auch als Tequila-Effekt bezeichnet. Vgl. Sachon (1998), S. 70.

42 Vgl. Stukenbrock (2003), S. 89.

43 Vgl. Messner (1997), S. 217.

44 Vgl. Kaminsky (2009), S. 6.

45 Die Liquiditätskrise resultiere zum einen aus dem Abzug von ausländischem Kapital (external drain) und zum anderen aus einer steigenden Bargeldhaltung der (inländischen) Marktteilnehmer (internal drain). Die Zahl der Banken reduzierte sich binnen acht Monate von 205 (Dezember 1994) auf 166 (August 1995). Vgl. Rozenwurcel/Bleger (1998), S. 373.

46 Siehe dazu Stukenbrock (2003), S. 90.

47 Vgl. Messner (1997), S. 219; Schweickert (2000), S. 74.

48 Die Kennzahl ist aus zwei Gründen zu kritisieren. Zum einen ist nicht das BIP relevant, sondern nur das BIP, das zu Steuereinnahmen für den Staatshaushalt führt. Denn nur diese bildet die Basis für zukünftige Steuerrückzahlungen. Zum anderen sind nicht nur die Verschuldung, sondern auch weitere Zahlungsverpflichtungen (z.B. Pensionsansprüche) des Staates relevant für zukünftige Ausgaben.

49 Vgl. Moreno (2002), S. 2.

50 Die unterschiedliche Quotenbewertung lässt sich beispielsweise auf den Entwicklungsgrad der

Volkswirtschaften oder die hohe Verschuldung in ausländischer Währung (US-Dollar) zurückführen. Vgl. Maute (2006), S. 202f.

51 Vgl. Schweickert (2002), S. 170; Eichengreen (2002), S. 130.

52 siehe dazu Ruddies (2008), S. 246-256.

53 Vgl. Blanchard (2011), S. 459.

54 Vgl. Gallo et al. (2006), S. 194; Desai (2003), S. 169; Maute (2006), S. 199f.

55 Vgl. Daseking (2004), S. 24.

56 Vgl. IWF (2000), S. 1; Desai (2003), S. 172.

57 Vgl. Daseking (2004), S. 27.

58 Vgl. Maute (2006), S. 189.

59 Vgl. Bickel (2005a), S. 36; Setser/Gelpern (2006), S. 467. Im Juni 2001 wurde mit einem Swap die

Laufzeit der ausstehenden Verbindlichkeiten erhöht, um die Refinanzierungsrisiken zu minimieren. Die kurzfristige Reduktion des Kapitaldienstes wurde allerdings mit einem Anstieg des Schuldenstandes gekauft. Vgl. Maute (2006), S. 190.

60 Vgl. Silva-Garbade (2010), S. 199.

61 Vgl. Zhang (2008), S. 42.

Ende der Leseprobe aus 46 Seiten

Details

Titel
Internationale Währungskrisen: Die Lateinamerikakrise am Beispiel Argentinien
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt  (WFI - Ingolstadt School of Management )
Veranstaltung
Ordnungstheorie und -politik
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
46
Katalognummer
V199761
ISBN (eBook)
9783656261278
ISBN (Buch)
9783656261711
Dateigröße
689 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Argentinien, Währungskrise, Lateinamerika, Currency Board, Schuldenkrise, Konvertibilitätsgesetz
Arbeit zitieren
Oliver Lehmann (Autor), 2012, Internationale Währungskrisen: Die Lateinamerikakrise am Beispiel Argentinien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199761

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