Istanbul. Freiraum- und Stadtentwicklung in einer Metropole Resilente Städte in Südamerika: Brasilia

Ist Brasilias Grün noch zu retten? Von der Utopie der modernen Stadt zu den Problemen einer wuchernden Metropole


Seminararbeit, 2012

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Stadtplanung in Brasilien

3 Die Utopie einer Stadt
3.1 Lucio Costa und die Stadt als Park
3.2 Superquadras und Satellitenstädte

4 Zukünftige Herausforderungen

5 Fazit und Ausblick

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Bereits zur Unabhängigkeit 1822 gab es erste Überlegungen eine neue Hauptstadt auf dem Planalto Central anzusiedeln. Mit dem Militärputsch 1934 begann die Diktatur der „República Nova“ von Getuilio Vargas. Brasilien erlebte zu dieser Zeit eine Phase der prosperierenden Wirtschaft. Der Staat bemühte sich um eine Modernisierung des Landes und versuchte dies auch nach außen zu tragen, um die Überreste der Vergangenheit als ehemalige Kolonie vollständig in die Versenkung verschwinden zu lassen und das Bild eines modernen und fortschrittlichen Landes zu exponieren. Unter dem Militär vollzogen sich Industrialisierung und Urbanisierung. Lebte 1960 weniger als die Hälfte der Bevölkerung in den Städten, so waren 1980 fast 70% der Brasilianer in den urbanen Regionen ansässig. 1956 wurde der Plan unter Staatspräsidenten Juscelino Kubitschek („Fünfzig Jahre Fortschritt in fünf Jahren“) umgesetzt. Lucio Costa erarbeitete den Stadtplan. Konzipiert nach den modernsten Feststellungen des zeitgenössischen Städtebaus, sollten die planerischen Probleme einer bis dahin als unkontrollierbar angenommenen Großstadtentwicklung in Angriff genommen werden: weg mit der Verschachtelung des Stadtgefüges und den engen Straßen und Gassen, her mit den ausgedehnten Abständen zwischen den Wohnhäusern, aufgefüllt mit Grünanlagen. Die Stadt als Park. Lange Zeit ging man davon aus, dass moderne Stadtplanungen mit ihren Idealstadtkonzepten besser geeignet wären, um auf schädliche Entwicklungen reagieren zu können. Eine hohe Dichte, ein ungeordnetes Nebeneinander von verschiedenen Funktionen zu Lasten von Natur, Freiraum, Gesundheit und soziale Ungleichheit in der Verteilung des städtischen Raumes sollten mit den Prinzipien der Charta von Athen unterbunden werden. Mit ihrer Monumentalität und Überdimensioniertheit sollte nicht nur ein neuer urbaner Code für Brasilien, sondern für alle modernen demokratischen Städte in der Welt aufgestellt werden.[1] Jedoch treiben ein rasantes Wachstum und eine uneffektive Stadtplanungspolitik tiefgreifende Veränderungen voran. Als Folge der Verstädterung des Landes während der letzten fünf Jahrzehnte entstanden Entwicklungen innerhalb des Bundesdistriktes Brasilia (Distrito Federal do Brasil), die den ursprünglichen städtischen Plan „Plano Piloto“ trotz des Status quo als UNESCO-Weltkulturerbe, gefährden könnten. Der hier herrschende Dualismus zwischen verwirklichter „Utopie“ und den antagonistischen Entwicklungen der Satellitenstädte zeigt eindringlich wie wichtig die Räume sind, die die vielen ökologischen und sozialen Leistungen im städtischen Umfeld zur Verfügung stellen. In dieser Arbeit soll die Frage beantwortet werden, welche Bedeutung die Grünflächen innerhalb der Stadt des Bundesdistriktes (noch) besitzen. Um die Entwicklungen und Vorgänge von Brasilia besser nachvollziehen zu können, soll im nachfolgenden Kapitel auf die Stadtplanung in Brasilien eingegangen werden. Welche politischen, geographischen und sozialen Voraussetzungen waren augenscheinlich von hoher Bedeutung für diese unterschiedlichen Entwicklungsprozesse der Planstadt. Diese Frage soll im dritten Kapitel genauer untersucht werden. Im Vordergrund steht dabei immer der Umgang mit den Freiräumen. Im Abschluss der Arbeit gilt es herauszufinden auf welcher Ebene der Umgang mit den Freiräumen erfolgt und wie er in der Zukunft erfolgen muss, um eine nachteilige Stadtentwicklung zu verhindern. Das Fazit soll eine Zusammenfassung über die gewonnenen Erkenntnisse liefern und ein möglichen Ausblick für übertragbare Strategien auf die Metropole Istanbul geben.

In der Fachliteratur gibt eine überschaubare Anzahl von Publikationen über Planstädte wie Brasilia. Die Themenlage zu Brasilia umfasst theoretische Abhandlungen, die neben einer Ursachenforschung und Analyse des Planungskonzeptes auch zum Einen die Verwirklichung des utopischen Anspruches und zum Anderen den Einfluss von Architektur auf die Gesellschaft erforschen. Die Forschungslage zu den Problemen solcher Planstädte, speziell das Verhältnis zu ihrem Freiräumen, die sich nicht nur auf das Gebiet des Plano Piloto, sondern auf den gesamten Bundessdistrikt mit dessen eher unkontrollierbaren Entwicklung der Satellitenstädte bezieht, sind rar. Hervorzuheben sind allerdings die Abhandlungen von Farès el-Dahdah und Carlos Smaniotto Costa, die eine wichtige Grundlage für diese Arbeit geboten haben. Einen interessanten Einblick über die politischen und wirtschaftlichen Hintergründe bot die Publikation von Frank Arnau. Bedauerlicherweise gehen diese Abhandlungen nur bis zu einem gewissen Grad in die Tiefe der Problematik Freiräume bzw. ist ihr Untersuchungsgebiet territorial begrenzt. Das Themenfeld Freiraumentwicklung und Satellitenstädte blieb weitestgehend unberücksichtigt. Einen umfangreichen Einblick über die Entwicklung der Satellitenstädte biete David G. Epsteins Werk „Brasilia, Plan and Reality. Erschwerend kam hinzu, dass aufschlussreichere und aktuellere Informationen nur in portugiesischen Veröffentlichungen zu finden sind. Ein sinngemäßer Versuch der Übersetzung war nur mit elektronischen Hilfsmitteln möglich.

2 Stadtplanung in Brasilien

Brasilien ist in drei Verwaltungseinheiten unterteilt. Zuoberst steht die União (Bund), die ganz Brasilien umfasst, gefolgt von den Estados (Bundesstaaten). Als unterste Verwaltungsebene gibt es die Municípios (Munizipien, Kommunen). Der Hauptort mit dem Verwaltungssitz des Munizips hat den Status einer cidade (Stadt). Der Regierungssitz (Distrito Federal do Brasil) besitzt eine Sonderstellung im Verwaltungsgefüge des Landes, denn ihr untersteht nur eine einzige Gemeinde – Brasilia. Dadurch kann der Distrikt sowohl administrative Aufgaben eines Bundesstaates übernehmen, als auch kommunale Aufgaben. Die brasilianische Verfassung von 1988 garantiert dem Bundesdistrikt Privilegien, die ihm vor allem bei der Verteilung von Finanzmittel begünstigen, da diese abhängig von den Einnahmen und der Bevölkerungszahl eines Bundesstaates sind. Auf Grund der ansässigen Regierung und der eher unterdurchschnittlichen Entwicklung im Industriesektor und in der Wirtschaft wird der überwiegende Teil der Einnahmen über die Verwaltung gedeckt. Weitere Einnahmen ergeben sich aus Verkäufen von Grundstücken, die sich meist im städtischen Eigentum und vorzugsweise im Stadtgebiet des Plano Piloto befinden.[2] Diese Vorgehensweise lässt sich nur schwer mit der Erklärung des Plano Piloto zum Weltkulturerbe durch die UNESCO vereinbaren. Inverstoren wird dadurch die Gelegenheit gegeben, Grundstücke zu erwerben und diese mit einer nicht nach dem Artikel 12 des Bundesgesetzes 10.829/87 und Artikel 11 des Gesetzes 314/92 - IPHAN entsprechenden Funktion (Wohnen/Arbeitsplätze für die Regierung/ Versorgung/ Kirche/ Kultur/ Bildungseinrichtungen) zu belegen. So zeigen jüngste Entwicklungen im Plano Piloto einen kontroversen Umgang mit Freiflächen. Im Zuge der Olympischen Spiele 2014 in Rio de Janeiro hat die Stadt 2010 Vorkehrungen getroffen städtische Gebiete an die Terracap, einer brasilianischen Immobilienfirma, zu verkaufen.[3] Diese liegen in einem Teil der Stadt, der durch eine weit auseinander liegende und niedrige Bebauung charakterisiert ist. Mit den neuen Plänen werden Höhe und Anzahl der neu entstehenden Gebäude in einem hohen Maß überschritten und wirken sich nachteilig auf die Freiflächen und die benachbarten Stadtsegmente aus. (Abb.1) Die Stadt rechtfertigt den Bau des erweiterten Hotelsektors SGAN Quadra 901 mit einem Defizit von 10.000 Betten für die Olympischen Spiele 2014 und stützt sich dabei auf ein Gesetz zur Revitalisierung von zentralen Stadtgebieten (Artikel 112 und §2 des Artikels 113 des Plano Diretor). Kritiker befürchten, dass die Stadt nun versuchen könnte, eine Planungsgrundlage zu schaffen, um auch auf der gegenüberliegenden Seite Gebäudekomplexe zu errichten. Dies hätte zur Folge, dass der 1978 angelegte Parque de Cicade weichen müsste. Gleichzeitig zeigt sich an diesem Beispiel wie stark kapitalistische Marktmechanismen und widerlegbare Gesetze in Brasilien die Existenz von Freiräumen gefährden können. Denn durch den Status Quo des Weltkulturerbes sind Bauflächen rar, aber die Nachfrage wächst stetig und so auch der Preis für Bauland im Plano Piloto.[4] Gescheiterte Reformbewegungen wie die Nationale Bewegung für die Stadtreform (Movimiento Nacional de Reforma Urbana – MNRU) in den achtziger Jahren zeigen zum Einen ein Bemühen für Veränderungen, aber auch einen Kampf gegen Windmühlen. Grundsätzliche Ziele der angestrebten Stadtreform wie die Verringerung der Grundstücks- und Immobilienspekulation, die Reduzierung der innerstädtischen sozioökonomischen und räumlichen Disparitäten und die Demokratisierung der Stadtplanung und –verwaltung fanden auf Grund des Widerstandes der meisten Parlamentarier keinen Zugang in den Artikel 182 (Stadtpolitik) der brasilianischen Verfassung.[5] Der Plano Diretor, der Stadtentwicklungsplan, wird „das grundlegende Instrument städtischer Entwicklung und städtischen Wachstums“[6]. Er ist Teil des kommunalen Planungsprozesses und bekommt entsprechend den Festsetzungen in der Verfassung einen rechtsverbindlichen und übergeordneten Charakter, denen ein Bundesgesetz und selbst ein Gesetz der IPHAN kaum etwas entgegen zu setzen haben. Besonders das Bundesgesetz Nr. 10.829, das die Einhaltung der ursprünglichen Physiognomie des Plano Piloto regelt, besitzt eine schwache Position gegenüber dem Stadtentwicklungsplan. Dieser Umstand sei auch seiner ungenauen Ausführung geschuldet.[7] Das Bundesgesetz sieht (nur) vor, das Gleichgewicht zwischen den vier Ebenen zu erhalten und zu bewahren.[8] Es fehlt an einer bindenden Darstellung über die substanziellen Ausprägungen der vier Ebenen: die Monumentalebene, die Gemeinschaftsebene, die Privat- und Freiraumebene. Dies ist allerdings für die Freiraumebene von großer Bedeutung. Ohne eine konsequente Definition werden Planungs- und Managementprozesse erheblich erschwert und führen zu einer Überforderung aller Beteiligten. Welche Aschenputtel-Stellung Freiräume bisher in der brasilianischen Politik einnehmen, zeigt auch Artikel 225 (Umwelt), der den Staat und daher auch Städte wie Brasilia nicht dazu verpflichtet ausreichend neue Freiflächen schaffen zu müssen.[9] Die planungspoltische Vernachlässigung von stadtökologischen und freiraumplanerischen Themen zeigt eine Kehrseite der Medaille, die mit den ersten Plänen zur modernsten Stadt Brasiliens in den späten fünfziger Jahren noch nicht absehbar war.

3 Die Utopie einer Stadt

Der Utopie einer Stadt liegen meist soziale oder politische Idealvorstellungen über den Charakter eines Gesellschaftsgefüges zu Grunde. Mit dem Fortschreiten der Industrialisierung im 19. und 20. Jahrhundert intensivieren sich soziale und räumliche Konflikte in den Städten. Raumnot, Umweltverschmutzung und soziale Segregation wachsen konstant mit dem Grad der Urbanisierung. Mit ihren starren und engen Grundrissen repräsentieren Städte mit ihren Mietskasernen ein fossiles Sinnbild für eine überkommene Tradition und Gesellschaft. Mit der Modernisierung von Städten durch zahlreiche sozial-reformerische Ansätze wie z.B. die Gartenstadt-Bewegung oder Le Corbusiers´ Villa Radieuse (1922) sollte eine neue Weltordnung geschaffen werden, die sich auch auf die Gesellschaft übertragen ließe. Die Architektur sollte den Menschen a priori dazu bringen, sich an diesen Prozess anzugleichen.[10] Derartige Ideenprojekte waren der Ansicht, dass man nur eine moderne und aufgeklärte Gesellschaft schaffen kann, wenn Lebensumstände und Lebensqualität in den Städten verbessert werden würden. Nichtsdestotrotz haben viele der Idealstädte den Makel nur in Ansätzen realisiert worden zu sein. Ein Scheitern wird meist auf eine nicht stringente Durchführung der Planungspraxis und sich verändernde ökomische, politische oder soziale Rahmenbedingungen zurückgeführt. Im Falle von Brasilia gehen die Meinungen dahingehend weit auseinander. Ist die Stadt bereits mit der Existenz der informellen Siedlungen gescheitet oder bezieht sich ein Scheitern auf die undurchführbare Übertragbarkeit der Gestaltungsprinzipen des Plano Piloto auf das gesamte Stadtsystem? Es ist nicht Sinn dieser Arbeit eine solch existenzielle Frage zu beantworten. Vielmehr erhebt die Arbeit den Anspruch die Entwicklung der Stadt unter dem freiraumplanerischen Aspekt zu untersuchen.

3.1. Lucio Costa und die Stadt als Park

Als der Präsidentschaftskandidat Jucelino Kubitschek 1956 den Bau einer neuen Hauptstadt im Hinterland von Brasilien zum Aushängeschild seiner Wahlkampagne „Fünfzig Jahre Fortschritt in fünf Jahren“ erhob, hatte Brasilien schon einige Erfahrungen in der Realisierung von Reißbrett-Städten. Bereits 1851 entstand Teresina, im nordöstlichen Bundesstaat Piauí gelegen, als eine der ersten geplanten Städte. Rio de Janeiro, die seit 1763 den Status der Hauptstadt innehatte, wurde zu einem Brennpunkt wachsender ökologischer und sozialer Missstände. Die industrielle Entwicklung der Küstengebiete, vorzugsweise um Rio de Janeiro und Sao Paulo führte zu einem rasanten Anschwellen der arbeitsuchenden Landbevölkerung. Stadtentwicklungsprozesse konnten da nicht mehr mithalten und Überlegungen wurden getroffen, eine neue Hauptstadt in das Landesinnere zu transferieren. Gründe für die Hauptstadt-Interiorisierung waren

- die ökonomische und geographische Erschließung des bisher wirtschaftlich vernachlässigten Hinterlandes,
- die Entdeckung und Ausbeutung weiterer neuer Ressourcen,
- die Errichtung einer zentralisierten modernen und korruptionslosen Regierungsverwaltung
- die Errichtung eines neuen Symbols für die Bevölkerung von Brasilien, an welches diese glauben und auf das sie stolz sein sollten und
- die homogenere Verteilung der Bevölkerung (Abb 1).

Die Lage des insgesamt 14.400 km² großen gedachten Bundesdistriktes war keine zufällige Wahl. Die Hauptstadt befindet sich auf dem zentralen Hochplateau, inmitten einem savannenähnlichen Vegetationskomplex – dem Cerrado, nahe der Wasserscheide zwischen den Flüssen Rio Paraná und Tocantins. Obwohl Brasilia sich in einer tropischen Klimazone befindet, herrschen auf Grund des komplexen und dichten Systems aus mehreren Wassereinzugsgebieten verschiedener Nebenarme der großen Flüsse Rio Paraná und Amazonas kaum extreme klimatische Bedingungen. Der brasilianische Cerrado verfügt über kontinentale Ausdehnungen und ist nach Amazonien das zweitgrößte Ökosystem und reicht von völlig waldlosen Formationen bis hin zu Waldregionen. Vor dem Bau der Hauptstadt betrug die Fläche mehr als zwei Millionen Quadratkilometer. 2010 veröffentliche das brasilianische Geografie- und Statistikinstitut IBGE eine Studie, nach der fast 50% der ursprünglichen Vegetation vernichtet wurden sind.[11] Was Smaniotto in seinem Beitrag „Brasilia und die Idee einer neuen Gesellschaft“ als „Aufwertung des Cerrado und seiner Kulissenlandschaft“[12] versteht, ist mit dem Anpflanzen ortsunüblicher Vegetation nach Ansicht von Umweltschützern ein schädigender Eingriff in das sensible Gleichgewicht und natürliche Erscheinungsbild des Ökosystems. Als Triebfedern der Zerstörung gelten der Bau von Brasilia und der begonnene Prozess der Landwirtschaft zur Versorgung der Bevölkerung und im Sinne des Handels. Vor allem die Landwirtschaft erweist sich als verheerendster Faktor. Die Umstellung auf den Anbau von Soja, Baumwolle, Kaffee und Mais erzielte in den vergangenen Jahren hohe Gewinne[13] zu Lasten der Umwelt. Betrachtet man die Ordnungsprinzipe, die Lucio Costa bei der Planung der Stadt angewendet hat, bietet primär die übergeordnete Stellung der Landschaftgestaltung vor dem Hintergrund des bedrohten Cerrado eine beißende Persiflage. Einen Prozess, der mit Hilfe der zahlreichen angelegten Parks kompensiert werden sollte. Costa bediente sich für das Stadtkonzept drei, zur Zeit der Planung hochaktuellen, städtebaulichen Theorien: bestehend aus der funktionalen Stadt nach dem Internationalen Kongress Moderner Architektur (Charta von Athen, 1933), dem Grundgerüst der Gartenstadt nach Ebenezer Howard oder Raymond Unwin und dem Grundsatz der entflochtenen Verkehrswege durch kreuzungsfreie Autostraßen und einem davon unabhängigen Wegenetz, welches in den vier Ebenen des Plano Piloto ausgedrückt wird (Abb.2). Mit der Hierarchie der Ebenen und sektorenweisen Unterteilung versuchte Costa eine Stadt zu gestalten, die mühelos eine Entwicklung von 5000 auf 500.000 Einwohner überwinden sollte. Auf der Monumentalachse wurden alle Hauptstadtfunktionen zentralisiert. Die Versorgung der Stadt geschieht nicht wie üblich über einen zentralen Marktplatz und kleineren Versorgungseinheiten an den Straßen der Wohneinheiten, sondern über ein Versorgungszentrum, welches sich im Kern des Plano Piloto an den Innenseiten der Privatebene, den Superquadras, befindet. Die Privatebene, sie entspricht dem Wohnen, wurde auf der zweiten Achse angelegt und verteilt sich über mehrere Wohngebiete mit verschiedener Ausprägung und Dichte (Abb. 3). Die folgende Aussage Lucio Costas aus seinem 1987 erschienenen Manifest „Brasilia Revisitada“ verdeutlicht den Wert der Landschaft als das all verbindende Element der Funktionen und Ebenen.

[...]


[1] EL-Dahdah 2006, S. 51

[2] vgl. Arnau 1960, S. 48

[3] vgl. http://urbanistasporbrasilia.weebly.com/o-caso-901-norte.html (portugiesisch)

abgerufen am 19.02.2012

[4] vgl. Smaniotto 2011, S. 53

[5] http://www.verfassungen.net/br/verf88-i.html, abgerufen am 19.02.2012

[6] http://www.uibk.ac.at/geographie/personal/tobias_toepfer/dokumente/toepfer_t_07_da_erholen_

wohnen_arbeiten.pdf, abgerufen am 19.02.2012

[7] vgl. El-Dahdah 2006, S. 51

[8] Bundesgesetz 10.829, Artikel 2 - The maintenance of the Pilot Plan will be ensured the preservation of the essential characteristics of four different scales at which translates the design of the town: the monumental, the residence, the gregarious and bucolic scale.

[9] Artikel 225:“ Jeder hat das Recht auf eine ökologisch intakte Umwelt, sie ist Gemeingut des Volkes und wesentlich für die gesunde Lebensqualität. Sie für die gegenwärtigen und künftigen Generationen zu schützen und zu erhalten, ist Verpflichtung der öffentlich Gewalt und der Gemeinschaft.“

[10] vgl. Huse 2002, S. 22-25

[11] http://www.n-tv.de/wissen/Brasiliens-Cerrado-stark-bedroht-article1411426.html,

abgerufen am 24.01.2012

[12] Smaniotto 2011, S. 54

[13] http://www.topicos.net/155.0.html, abgerufen am 19.02.2012

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Istanbul. Freiraum- und Stadtentwicklung in einer Metropole Resilente Städte in Südamerika: Brasilia
Untertitel
Ist Brasilias Grün noch zu retten? Von der Utopie der modernen Stadt zu den Problemen einer wuchernden Metropole
Hochschule
Brandenburgische Technische Universität Cottbus  (Landschaftsplanung und Freiraumgestaltung)
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
23
Katalognummer
V199884
ISBN (eBook)
9783656262985
ISBN (Buch)
9783656263760
Dateigröße
3286 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
istanbul, freiraum-, stadtentwicklung, metropole, resilente, städte, südamerika, brasilia, brasilias, grün, utopie, stadt, problemen
Arbeit zitieren
Christine Wede (Autor), 2012, Istanbul. Freiraum- und Stadtentwicklung in einer Metropole Resilente Städte in Südamerika: Brasilia, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199884

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