Die Affäre um das Verschwinden des schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg ist bis heute nicht geklärt. Die Geschichte wirft ein unrühmliches Licht auf die schwedische Aussenpolitik in den Nachkriegsjahren. Wallenberg hatte im Zweiten Weltkrieg Zehntausenden von ungarischen Juden Schutzpässe ausgestellt und sie damit vor dem Zugriff der Nazis bewahrt. Raoul Wallenberg starb in sowjetischer Gefangenschaft, aber Moskau blieb bis heute eine klare Auskunft über Wallenbergs Schicksal schuldig.
Inhaltsverzeichnis
1. Der «lästige» Fall Wallenberg: Verschwunden im Archipel Gulag
2. Im Lubyanka-Gefängnis
3. Hilfe der USA abgelehnt
4. Nicht an einem Austausch interessiert
5. Das erfolgreiche Beispiel der Schweiz
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ungeklärten Umstände des Verschwindens des schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg in sowjetischer Haft sowie das zögerliche und desinteressierte Verhalten der schwedischen Regierung bei dessen Rettungsbemühungen.
- Die diplomatische Tätigkeit Raoul Wallenbergs in Budapest 1944/45.
- Die Umstände der Verhaftung und Inhaftierung durch den NKWD.
- Das Versagen der schwedischen Aussenpolitik und die verpassten Chancen zur Befreiung.
- Der Vergleich mit dem erfolgreichen Austausch des Schweizer Diplomaten Harald Feller.
- Die sowjetische Geheimhaltungspolitik und die Rolle der schwedischen Neutralität.
Auszug aus dem Buch
Hilfe der USA abgelehnt
Wallenberg mag 1945 noch zuversichtlich gewesen sein, schliesslich frei gelassen zu werden. Doch Schweden sabotierte geradezu jede Aussicht darauf. Eine verhängnisvolle Rolle spielte dabei der schwedische Gesandte Staffan Söderblom. Am 10. April 1945 anerbot sich der amerikanische Botschafter in Moskau, Averell Harriman, ihm bei den Nachforschungen nach dem Verbleib Wallenbergs zu helfen. Der nachmalige Gouverneur von New York verfügte über hervorragende Kontakte in der Sowjetunion. Ohne Rücksprache mit Stockholm wies Söderblom jedoch das Angebot Harrimans zurück. (Das wurde erst 1980 im Zuge von Aktenveröffentlichungen bekannt.) Am 14. April 1945 telegrafierte Söderblom nach Stockholm, Wallenberg sei «wahrscheinlich getötet» worden, es gebe wenig Aussicht, diese Angelegenheit jemals zu klären. Der schwedische Diplomat schloss sich damit der offiziellen Haltung der sowjetischen Regierung an.
Als die führende Stockholmer Tageszeitung Dagens Nyheter und kurz darauf auch die New York Times ausführlich über den Fall Wallenberg berichteten, beauftragte Stockholm erneut Söderblom, bei den sowjetischen Behörden vorzusprechen. Doch Söderblom zeigte wenig Interesse und schon gar keinen Eifer, dem Verbleib Wallenbergs nachzugehen. Dabei wusste er sich durchaus im Einklang mit der Haltung der schwedischen Regierung.
Zusammenfassung der Kapitel
Der «lästige» Fall Wallenberg: Verschwunden im Archipel Gulag: Dieses Kapitel führt in die historische Problematik ein und beleuchtet Wallenbergs humanitäre Mission in Budapest sowie sein anschliessendes Verschwinden in sowjetischer Gefangenschaft.
Im Lubyanka-Gefängnis: Der Text schildert die ersten Monate von Wallenbergs Haft in der Sowjetunion, die Kommunikation mit Mithäftlingen und die systematischen Verhöre durch den NKWD.
Hilfe der USA abgelehnt: Hier wird dokumentiert, wie der schwedische Gesandte Söderblom eigenmächtig amerikanische Unterstützung bei der Suche nach Wallenberg ausschlug und die offizielle sowjetische Sprachregelung übernahm.
Nicht an einem Austausch interessiert: Das Kapitel analysiert die aussenpolitischen Motive Schwedens, die Wallenberg als störenden Querulanten erscheinen liessen und eine aktive Rettungspolitik verhinderten.
Das erfolgreiche Beispiel der Schweiz: Abschliessend wird aufgezeigt, wie die Schweizer Diplomatie erfolgreich für die Freilassung ihres Diplomaten Harald Feller verhandelte, was den Kontrast zum schwedischen Vorgehen verdeutlicht.
Schlüsselwörter
Raoul Wallenberg, Sowjetunion, Schweden, NKWD, Diplomatie, Budapest, Gulag, Neutralität, Staffan Söderblom, Harald Feller, Menschenrechte, Realpolitik, Lubyanka, Lefortowo-Gefängnis, Spionageabwehr
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Publikation grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Schicksal des schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg, der 1945 in sowjetische Gefangenschaft geriet, und untersucht die Hintergründe der schwedischen Regierungspolitik in dieser Affäre.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Rettungsaktionen für ungarische Juden während des Zweiten Weltkriegs, die sowjetische Inhaftierungspraxis sowie das Spannungsfeld zwischen diplomatischer Neutralität und menschenrechtlichem Engagement.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Passivität der schwedischen Regierung aufzuzeigen und zu beleuchten, warum diplomatische Möglichkeiten zur Rettung Wallenbergs trotz vorhandener Handlungsoptionen nicht genutzt wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende historische Analyse, unter Einbeziehung von Akten, diplomatischen Berichten und zeitgenössischen Forschungsergebnissen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit dem konkreten Verlauf von Wallenbergs Verhaftung, den gescheiterten Versuchen der Kontaktaufnahme durch die USA und dem Vergleich mit dem diplomatischen Erfolg der Schweiz im analogen Fall von Harald Feller.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wesentliche Begriffe sind Raoul Wallenberg, diplomatische Neutralität, Realpolitik, sowjetischer Geheimdienst, schwedische Aussenpolitik und Menschenrechtsfragen.
Welche Rolle spielte Staffan Söderblom in diesem Fall?
Söderblom, der schwedische Gesandte in Moskau, nahm eine kritische Rolle ein, indem er amerikanische Hilfe ablehnte und durch seine Aussagen gegenüber Stalin indirekt das Desinteresse Schwedens am Schicksal Wallenbergs bestätigte.
Inwiefern unterscheidet sich die schwedische Reaktion vom Vorgehen der Schweiz?
Während die schwedische Diplomatie aus aussenpolitischem Kalkül und Desinteresse zögerte, erreichte der Schweizer Bundesrat durch konsequente Verhandlungen und Druck einen erfolgreichen Austausch ihres Diplomaten Harald Feller.
- Arbeit zitieren
- Pierre Th. Braunschweig (Autor:in), 2012, Der "lästige" Fall Wallenberg: Verschwunden im Archipel Gulag, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199901