Philipp II. und der Vierte Heilige Krieg

Philipp II. auf dem Weg zur Herrschaft über Griechenland


Hausarbeit, 2011

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
II.1. Die Heiligen Kriege
II.2. Die Griechen und Philipp II. von 346 bis 340 v. Chr.
II.3. Der Ausbruch des Vierten Heiligen Krieges
II.4. Der Kriegsverlauf

III. Zusammenfassung

IV. Quellen- und Literaturverzeichnis

V. Eidesstattliche Erklärung

I. Einleitung

Philipp II. war ohne Zweifel eine der wichtigsten historischen Persönlichkeiten der Antike. Unter seiner Regentschaft herrschte im Reich der Makedonen ein innerer Friede und die Armee wurde durch eine Modernisierung erheblich schlagkräftiger. Außerdem gelang es ihm, die Grenzen seines Reiches mit Eroberungszügen und diplomatischem Geschick enorm auszuweiten. Infolge dieser Expansionspolitik wuchs auch der makedonische Einfluss im griechischen Raum immer mehr an.

Nach dem Ende des Dritten Heiligen Krieges im Jahr 364 v. Chr. war Philipp II. ἄρχων des Thessalischen Bundes und erhielt einen Sitz im Rat der Amphiktionen. Jener Rat war es auch, der ihm 339 v. Chr. den Oberbefehl für einen Feldzug gegen die Lokrer übertrug. Diese hatten zuvor das dem Apollon geweihte Land um Delphi widerrechtlich bebaut und anschließend gegen die ihnen auferlegten Strafen verstoßen. Die folgende Invasion Philipps II. in Mittelhellas wird als Vierter Heiliger Krieg bezeichnet und sollte sich nicht nur auf einen Konflikt mit den Lokrern beschränken.

Anhand der vorliegenden Arbeit werden zunächst die vorangegangen Heiligen Kriege kurz erörtert, bevor auf die konkreten Entwicklungen eingegangen wird, die zum Eingreifen Philipps II. geführt haben. Dabei wird ein besonderer Schwerpunkt auf Rolle der einzelnen Akteure auf beiden Seiten vor dem Hintergrund der damaligen politischen Verhältnisse im Hellasgebiet gelegt. Danach wird der Verlauf des Vierten Heiligen Krieges geschildert und die Strategien beider Seiten werden dargelegt. Bei dieser Gelegenheit wird auf die taktischen Fehler während dieses Konfliktes näher eingegangen und auf jene Ereignisse, die den Makedonen und ihrem βασιλεὐς zum Erfolg verhalfen. Abschließend wird die Bedeutung des Vierten Heiligen Krieges bei dem Aufstieg Philipps II. zum Herrscher über beinahe ganz Griechenland erläutert.

II. Hauptteil

II. 1. Die Heiligen Kriege

Der Begriff „Heiliger Krieg“ erscheint erstmals bei Aristophanes, dessen Formulierung ἱερ ὁν π ὀλεμoν jedoch noch am besten mit „Krieg gegen die Gottheit“ zu übersetzen ist.[1] Erst durch den Zusatz καλο ὐμενον („der sogenannte“) bei Thukydides wird diese Formulierung auf einen Krieg zwischen zwei Konfliktparteien um ein Heiligtum angewendet. Er bezog sich dabei auf die Auseinandersetzung zwischen Sparta und der Amphiktionie im Jahr 448 v. Chr., die heute als Zweiter Heiliger Krieg bekannt ist.[2]

Der Erste Heilige Krieg ereignete sich zu Beginn des 6. Jahrhunderts v. Chr. Die Priester des Apollonheiligtumes in Delphi erbaten Hilfe gegen die in unmittelbarer Nähe gelegene Hafenstadt Kirrha, die von den ankommenden Pilgern einen überzogenen Wegezoll forderte. Der Rat der Amphiktionie des Heiligtums von Anthela, über das heute nur sehr bekannt ist, folgte diesem Aufruf. Vermutlich wollten die Amphiktionen mit diesem Feldzug auch die Gelegenheit nutzen, die heiligen Stätten in Delphi und die Handelsstraße zwischen dem Korinthischen Golf und Nordgriechenland unter ihre Kontrolle zu bringen. Die Kampfhandlungen dauerten von ca. 600 bis ca. 590 v. Chr. und endeten mit der Zerstörung Kirrhas. Die Geschichtlichkeit dieses Krieges gilt heute jedoch als umstritten.[3]

Im Gegensatz dazu gibt es beim Zweiten Heiligen Krieg (448 v. Chr.) eine solche Diskussion nicht. Diese Auseinandersetzung entstand im Kontext des spartanisch – athenischen Dualismus zu jener Zeit, als die Spartaner die um Delphi ansässigen Phoker angriffen und das Heiligtum unter ihre Kontrolle brachten. Ein athenischer Verband unter Perikles eilte den Verbündeten zu Hilfe und konnte die spartanischen Truppen zügig zurückschlagen. Die phokischen Ländereien rund um Delphi wurden anschließend wieder ihren Besitzern übergeben.[4]

Der Dritte Heilige Krieg ereignete sich zwischen 356 und 346 v. Chr. Er begann mit der Besetzung des delphischen Heiligtums durch die Phoker. An dieser Stelle sei erwähnt, dass Delphi zwar innerhalb des phokischen Siedlungsgebietes lag, aber eine freie Stadt ohne Oberherrschaft gewesen ist. Mit Hilfe der Tempelschätze konnten die Phoker unter der Führung von Philomenos ein Söldnerheer von ca. 10.000 Mann anwerben und die Angriffe der Amphiktionie erfolgreich abwehren. Außerdem bedrohten sie auch die Grenzen des Thessalischen Bundes. Dieser Umstand und ein Hilferuf der Bundesgenossen aus Larissa veranlassten Philipp II. 354 v. Chr. zum Kriegseintritt. Nach langen Kämpfen konnte er 346 v. Chr. die Phoker entscheidend schlagen. Sie wurden von der Amphiktionie zu einer hohen Strafzahlung verurteilt und ihre Städte wurden zerstört. Philipp II. erhielt ihre beiden Stimmen im Rat der Amphiktionie, sodass er seinen Einfluss dort noch weiter ausbauen konnte. Zudem war er schon während des Krieges von den Thessalern zum ἄρχων ernannt worden.[5]

II. 2. Die Griechen und Philipp II. von 346 bis 340 v. Chr.

Der Dritte Heilige Krieg wurde durch den Philokratesfrieden 346 v. Chr. beendet. Bereits wenige Jahre später kam es zu einem raschen Wiedererstarken der Gegner Philipps II., allen voran Athen. Hier wurde die Außenpolitik ab 343 v. Chr. maßgeblich von einer Rednergruppe um Demosthenes bestimmt, die ein striktes Vorgehen gegen die makedonische Expansion forderte. Daher wurde diese Gruppe in der Geschichtswissenschaft lange Zeit als „Anti – Makedonen“ bezeichnet. Jedoch gilt dieser Begriff in der heutigen Forschung wegen der plakativen Verkürzung als problematisch.[6]

Im Herbst 343 v. Chr. kam es zu einem Versuch Philipps II., die Beziehungen zu den Athenern zu verbessern. Er bot ihnen durch seinen Gesandten Phyton eine Nachbesserung des Philokratesfriedens an. Allerdings konnte Demosthenes die Mehrheit der Athener auf seine Seite bringen und stellte einige völlig überhöhte Forderungen an Philipp II., wie z. B. die Rückgabe von Amphipolis, Potideia und anderen Orten. Selbstverständlich lehnte dieser ab.[7]

Die Gründe für das Ausschlagen des makedonischen Angebotes sind hauptsächlich in einer militärischen Aufrüstung Athens zu finden. Besonders die Seestreitkräfte konnten durch den Bau neuer Kriegsschiffe und eine allgemeine Verbesserung der maritimen Infrastruktur erheblich gestärkt werden. Politisch konnten sie sich auf die Reste des Zweiten Attischen Seebundes stützen. Außerdem wurden die Beziehungen zu dem ehemaligen Rivalen Theben nach dem Ende des Dritten Heiligen Krieges verbessert, sodass hier die Möglichkeit eines Bündnisses gegen die Makedonen bestand.[8]

Nach dem Scheitern der Verhandlungen intervenierte Philipp II. in den Jahren 343 und 342 v. Chr. zunächst auf Euboia und unterstützte athenfeindliche Gruppen in Megara. Im Allgemeinen lässt sich für diese beiden Jahre ein Ansteigen des makedonischen Einflusses im Hellasgebiet feststellen. Durch diese Entwicklung fühlten sich die Athener auf der anderen Seite noch stärker bedroht und versuchten erfolglos eine Allianz mit den Persern einzugehen. Da Philipp II. zur gleichen Zeit ebenfalls seine Machtposition in Thrakien erheblich ausbauen konnte, sahen sich auch Perinth und Byzanz der Gefahr eines Angriffes ausgesetzt. Daher konnten die Athener zumindest mit diesen beiden Städten ein Bündnis eingehen.[9]

Im Jahr 340 v. Chr. kam es zur Belagerung von Perinth. Allerdings konnte dieser Vorstoß der Makedonen mithilfe der athenischen Seehoheit und durch die Unterstützung des Satrapen von Phrygien abgewehrt werden. Im Anschluss an diese Niederlage wandte sich Philipp II. gegen Byzanz, das mit Sicherheit auch wegen seiner strategisch günstigen Lage am Bosporus für ihn interessant gewesen sein dürfte. Allerdings gelang es den Makedonen auch in diesem Fall nicht, die Stadt einzunehmen.[10]

Im Zuge dieser Belagerung konnten sie jedoch die Getreideflotte der Athener kapern. Diese sammelte sich wie jedes Jahr im Schwarzen Meer, um dann unter Geleitschutz Attika anzulaufen. Mit einem überraschenden Vorstoß von Selymbria aus konnten die Makedonen das gesamte Geleit aufbringen und über 240 Schiffe mitsamt deren Ladung erbeuten. Durch den Verkauf der Fracht nahm Philipp II. über 700 Talente ein und schuf so die wirtschaftliche Grundlage für den kommenden Feldzug. Infolge dieser Ereignisse sahen die Athener den Philokratesfrieden endgültig als gebrochen an und erklärten den Makedonen offiziell den Krieg.[11]

[...]


[1] Aristoph. av. 556.

[2] Thuk. I. 112, 5.

[3] G. A. Lehmann (1980), 242 – 246.

[4] F. Kiechle in LAW, Sp. 1227.

[5] J. Buckler (1989), 30 ff.

[6] J. Engels (2006), 34.

[7] N. G. L. Hammond (1994), 106 f.

[8] J. Engels (2006), 35.

[9] J. R. Ashley (1998), 133 ff.

[10] G. T. Griffith, Polemos apolemos (1979), 571 ff.

[11] G. Wirth (1985), 126.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Philipp II. und der Vierte Heilige Krieg
Untertitel
Philipp II. auf dem Weg zur Herrschaft über Griechenland
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Altertumswissenschaften)
Veranstaltung
Griechische Geschichte zur Zeit Philipps II.
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
19
Katalognummer
V199902
ISBN (eBook)
9783656264088
ISBN (Buch)
9783656265160
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Vierte Heilige Krieg war eine der wichtigsten Stationen auf dem Weg Philipps II. von Makedonien zur faktischen Alleinherrschaft über die griechischen Poleis. In der Arbeit werden der Verlauf des Krieges dargestellt und wie sich die politischen Ziele der unterschiedlichen Parteien auf die getroffenen Entscheidungen auswirkten. Dabei wird besonders hervorgehoben, welche Rolle die politische und militärische Genialität Philipps II. gespielt haben. Auf der anderen Seite wird gezeigt, welche Folgen der Zwist zwischen Athen und Theben hatte, und wie ihn sich sich die Makedonen zunutze machten.
Schlagworte
Makedonien, Griechenland, Athen, Theben, Amphyktionie, Demosthenes, Thermophylen, Schlacht bei Chaironeia, Delphi
Arbeit zitieren
Thomas Engelmann (Autor), 2011, Philipp II. und der Vierte Heilige Krieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199902

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