Die globale Verbreitung von LEED: Der Erfolg freiwilliger Standards im Green Building Sektor


Diplomarbeit, 2011

165 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Ehrenwörtliche Erklärung

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Fragestellung

3 Standards aus institutioneller Perspektive
3.1 Arten und Mechanismen von Institutionen
3.2 Diffusion von Institutionen
3.3 Internationale Standards
3.4 Diffusion internationaler Standards

4 Green Buildings
4.1 Politische Rahmenbedingungen
4.2 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

5 Zertifizierungssysteme für Green Buildings
5.1 Kosten und Nutzen einer Zertifizierung
5.2 BREEAM
5.3 DGNB
5.4 HQE
5.5 CASBEE
5.6 LEED
5.6.1 Bewertungsschema von LEED
5.6.2 Von LEED berücksichtigte Faktoren
5.6.3 Gebäudekategorien LEED
5.6.4 World Green Building Council

6 Raumzeitliche Verbreitung von LEED
6.1 Arbeitsleitende Thesen
6.2 Methodik
6.3 Ergebnisse
6.3.1 Weltweite Entwicklung
6.3.2 Entwicklung nach Kontinenten
6.3.2.1 Amerika
6.3.2.2 Europa
6.3.2.3 Asien
6.3.2.4 Afrika
6.3.3 LEED in ausgewählten Ländern
6.3.3.1 Vereinigte Staaten von Amerika
6.3.3.2 China
6.3.3.3 Mexiko
6.3.3.4 Brasilien
6.3.3.5 Deutschland
6.3.3.6 Japan
6.3.3.7 Vereinigte Arabische Emirate
6.3.3.8 Costa Rica
6.3.4 Entwicklung nach Bruttoinlandsprodukt
6.3.5 Verbreitung über transnationale Akteure
6.4 Ländertypologie

7 Diskussion

8 Fazit

9 Literaturverzeichnis

Anhang A Abbildungsverzeichnis

Anhang B Tabellenverzeichnis

Anhang CAbbildungen

Anhang DTabellen

Anhang E Methodik

E.1 LEED -Datenquelle

E.2 Datenbank

E.3 Projekte

E.4 Länder

E.5 Städte

E.6 Geographische Informationssysteme

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ehrenwörtliche Erklärung

Hiermit erkläre ich eidesstattlich, dass ich die vorliegende Arbeit „Die raumzeitliche Verbreitung des LEED -Standards für Green Buildings “ selbstständig und ohne fremde Hilfe angefertigt und wörtlich oder sinngemäß übernommenes Gedankengut gekennzeichnet habe

Die vorliegende Diplomarbeit wurde bisher keiner anderen Prüfungsbehörde vorgelegt und auch noch nicht veröffentlicht

Marburg, den 23.11

Nils Räder

1 Einleitung

Der globale Klimawandel wird anthropogen beeinflusst, hauptsächlich durch Emissionen von Treibhausgasen in die Atmosphäre (vgl. IPCC 2007a, S. 2ff). Die Berichte des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) ermittelten mögliche Folgen für die Umwelt, welche im Zuge des Klimawandels wahrscheinlich sind (vgl. IPCC 2007b, S. 2ff). Diese schließen extreme Wetterereignisse, steigende Meeresspiegel, Dürren, Hungersnöte und Desertifikation ein (vgl. IPCC 2007b, S. 16ff). Daraus resultierend wird die Menschheit grundlegende Veränderungen der Gesellschaft und Wirtschaft erleben. (vgl. IPCC 2007b, S. 8ff). Die Reduktion der weltweiten Emissionen und der damit verbundene Klimaschutz ist eine Maßnahme, um diesen Wandel umzukehren, zu stoppen oder zu verlangsamen (vgl. IPCC 2007c, S. 18ff).

Schätzungsweise entfallen 40 % des weltweiten Primärenergiekonsums auf den Gebäudesektor, ebenso wie ein Drittel aller Treibhausgasemissionen (vgl. Huovila et al. 2009, S. 4). Dies ist hauptsächlich auf die Verwendung fossiler Brennstoffe für den Betrieb der Gebäude zurückzuführen (vgl. Levine 2007, S. 391ff). Die Emissionen von Gebäuden werden sich weltweit von 2009 bis 2030 mehr als verdoppeln (vgl. Huovila et al. 2009, S. 2). Ursachen liegen vor allem in dem massiven Wachstum der Gebäudebestände in Entwicklungs- und Schwellenländern (siehe Abbildung 1). Eine Senkung der Treibhausgasemissionen von Gebäuden ist daher von großer Bedeutung, um eine Reduzierung des menschlichen Einflusses auf das Klima zu erzielen.

Abbildung 1: CO2 Emissionen durch Gebäude (Einschließlich Elektrizität)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Entwicklung der Emissionen im High Growth -Szenario des IPCC. Dunkelrot dargestellt sind die Emissionen von 1971 - 2000. Hellrot dargestellt sind die Schätzungen von 2001 bis 2030. Quelle: Levine 2007, S. 392

Es existieren bereits die technischen Möglichkeiten, diese Anpassungen zu realisieren (vgl. Levine et al. 2007, S. 389f.). Durch die Anwendung energie- und emissionssparender Technologien kann eine Einsparung von 30% bis 80% der Emissionen von Gebäuden erreicht werden (vgl. Huovila et al. 2009, S. 9). Gebäude, welche Energiesparmaßnahmen und Nachhaltigkeitsaspekte in ihrer Konzeption, dem Bau und Betrieb berücksichtigen, werden auch als Green Buildings bezeichnet (vgl. Nelson et al. 2010, S. 3). Bis 2020 ist laut dem IPCC Report von 2007 eine kosteneffektive Senkung der durch Gebäude verursachten Emissionen um 29 % weltweit möglich. Der globale Gebäudebestand hat über diesen Zeitraum das größte Reduktionspotential aller untersuchten Sektoren (vgl. Levine et al. 2007, S. 389).

Einer Realisierung dieser möglichen Einsparpotentiale stehen eine Reihe von Hemmnissen gegenüber, unter anderem die Suchkosten für das benötigte Wissen über relevante Baumaßnahmen, das Fehlen von Anreizsystemen, begrenzte Finanzierungsmöglichkeiten, subventionierte Energiepreise und die fragmentierte Baubranche (vgl. Levine et al. 2007, S. 418ff). Ein Aspekt der Förderung von Green Buildings sind Standards, welche die Transparenz der Nachhaltigkeitsqualität von Gebäuden durch die Vergleichbarkeit untereinander verbessern. Eine Variante von Standards sind Zertifizierungen für Green Buildings, deren Zielsetzung die Verbreitung des nötigen Fachwissens und die Reduzierung von Transaktionskosten in einem verpflichtenden oder freiwilligen Rahmen ist. Gebäude erhalten eine Zertifizierung, wenn sie einen Kriterienkatalog an baulichen Anforderungen erfüllen (vgl. Nelson et al. 2010, S. 3). Durch diese Eigenschaften kann die Nachhaltigkeitsqualität eines Gebäudes durch einen besser informierten Markt auch monetär bewertet werden (vgl. Levine et al. 2007, S. 422).

Zertifikate existieren auf freiwilliger und verpflichtender Basis. Freiwillige Zertifikate sind beispielsweise die britische Building Research Establishment Environmental Assessment Method (BREEAM) und das US-amerikanische Leadership in Energy and Environmental Design (LEED). Letzteres hat global an Bedeutung gewonnen und sich zu einem in vielen Ländern anerkannten Standard entwickelt (vgl. Nelson et al. 2010, S. 13). Insbesondere größere Bauprojekte internationaler Unternehmen werden zunehmend durch LEED zertifiziert (vgl. Baumann et al. 2009, S. 104).

Die Gründe der geographischen Verbreitung von freiwilligen Standards wie Nachhaltigkeitszertifikaten sind vielfältig, oft werden die Diffusionsmuster aus institutionstheoretischer Sicht betrachtet und interpretiert (Braun 2005, S. 1f.). Institutionen sind Regelwerke, welche Prozesse und Strukturen innerhalb von Gesellschaften steuern (vgl. Scott 2008, S. 48ff). Prozesse der Standardisierung sind Beispiele für eine institutionelle Evolution (vgl. Braun 2005, S. 4, nach Meeus & Oerlemans 2002). Die Verbreitung von Standards beeinflusst institutionelle Regelwerke und prägt und bestimmt Handlungs- und Entscheidungsmuster von Akteuren.

Für den Bereich der relativ neuen Generation von Standards, zu der LEED gehört, sind erst wenige Erkenntnisse über Verbreitungsmuster gewonnen worden (vgl. Braun 2005, S. 4). Diese Arbeit soll weitere Erkenntnisse über das Themenfeld gewinnen.

2 Fragestellung

Diese Diplomarbeit analysiert die raumzeitliche Verbreitung des LEED -Standards für Green Buildings. LEED wird international angewendet und von vielen Experten als globaler de facto Standard für Green Buildings gesehen.

Die Verbreitung von globalen Standards und deren Bedeutung nimmt seit Mitte des letzten Jahrhunderts stetig zu. Die Entscheidung geographisch weltweit verteilter Akteure für einen Standard bedeutet, dass sie ungeachtet unterschiedlicher politischer und wirtschaftlicher institutioneller Rahmenbedingungen einen potentiellen Vorteil sehen. Der wahrgenommene Nutzen, LEED zu verwenden, ist für Akteure somit höher als die entstehenden Kosten für die Zertifizierung. Durch diese Entwicklung findet eine zunehmende Verhaltenssteuerung von räumlich entfernten Akteuren durch Standards statt. Die Institutionentheorie ist geeignet, um die Mechanismen der Einflussnahme und Verbreitung von Standards zu untersuchen, da Standards in ihrer Natur als Regelwerk direkt erfasst werden.

Die Diffusion freiwilliger Standards wurde durch mehrere Studien untersucht (Braun 2005, Delmas 2002, Busch et al. 2005, Corbett et al. 2006, Albuquerque et al. 2007). Die Ergebnisse der Studien zeigen, dass einerseits eine räumliche Verbreitung entlang von Wertschöpfungsketten, Handelsbeziehungen und Informationsflüssen stattfindet, andererseits nationalstaatliche Charakteristika und kulturelle Ausprägungen eine Rolle spielen. Studien ohne institutionellen Fokus kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Von großer Bedeutung sind Akteure, die Standards etablieren, sowie die eintretenden Netzwerkeffekte durch eine wachsende Zahl an Nutzern. Die Untersuchungen zeigen weiterhin, dass freiwillige Standards zunehmend zu weltweit verwendeten Institutionen gehören und dadurch die weltweite Interaktion zwischen Akteuren beeinflussen. Die Diffusion von Standards schafft möglicherweise ein de facto Regime, dass ohne multilaterale Übereinkünfte zwischen Staaten international gültige Institutionen schafft (Busch et al. 2005, S. 164).

Es ist wahrscheinlich, dass freiwillige Standards wie LEED einen Einfluss auf die Verbreitung von Innovationen auf dem Bereich der Nachhaltigkeit ausüben. Ob die Verbreitung von LEED ähnliche Muster aufweist wie bereits untersuchte Standards wurde noch nicht untersucht. Auch eine Betrachtung der Diffusion aus institutioneller Sicht fand noch nicht statt.

Im Rahmen dieser Arbeit sollen der Verbreitungsgrad und die sich ergebenden zeitlichen und räumlichen Muster von LEED -Zertifikaten untersucht werden. Die quantitativen Ergebnisse werden aus institutioneller Perspektive betrachtet, um eventuelle Einflussfaktoren zu identifizieren, welche die beobachteten Muster erklären. Insbesondere die Ausprägung von konkurrierenden Institutionen, wie beispielsweise nationalen Zertifizierungssystemen, wird betrachtet. Die Resultate der Untersuchung sollen die Systematik der Entwicklung von LEED zeigen. Eine Untersuchung der geographischen und zeitlichen Verbreitung von LEED -Zertifikaten liefert Anhaltspunkte für den Erfolg und die Bedeutung freiwilliger nachhaltiger Standards.

Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit sollen für die Untersuchungen anderer freiwilliger Standards herangezogen werden, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu ermitteln. Es soll eine allgemeingültiger Satz an Faktoren, welcher für eine Verbreitung förderlich ist, identifiziert werden. Dadurch können mögliche Erfolgsfaktoren für Nachhaltigkeitsstandards identifiziert werden. Weiterhin soll eine Untersuchung auf globaler Ebene die Grundlage für tiefergehende Analysen bis auf die Akteursebene hinab ermöglichen, um grundlegende Annahmen einer Untersuchung treffen zu können.

Freiwillige Standards haben das Potential, die Diffusion von Innovationen zu fördern und das damit verbundene Wissen zu verbreiten. Das Potenzial des Einsatzes freiwilliger Zertifikate zur Reduzierung der Treibhausgasemission von Gebäuden durch die Verhaltenssteuerung von Akteuren soll durch die Erkenntnisse dieser Arbeit besser eingeschätzt werden können.

3 Standards aus institutioneller Perspektive

Standards sind externe Referenzpunkte, durch welche ein Produkt oder eine Dienstleistung anhand ihrer Leistungsfähigkeit, der technischen und physikalischen Charakteristika sowie des Prozesses und den Umständen der Erstellung und Lieferung beurteilt werden kann (vgl. Hawkins 1995, S. 1). Sie basieren auf Kriterien, die von einer unabhängigen Autorität festgelegt und überprüft werden (vgl. Nadvi & Wältring 2002, S. 6). Die Erstellung von Standards erfolgt meist durch Privat- oder Regierungsorganisationen (vgl. Nadvi & Wältring 2002, S. 6). Die Einhaltung eines Standards signalisiert, dass der Akteur die Kriterien erfüllt (vgl. David 1995, S. 22) und somit durch die Organisation, die den Standard vergibt, legitimiert ist. Institutionell gesehen sind Standards somit dazu geeignet, das Verhalten von Akteuren zu steuern und den anwendenden Akteur zu legitimieren. In stark globalisierten Branchen verbreiten sich zunehmend neue Arten von Standards, insbesondere freiwillige und durch NGO s initiierte Umwelt- und Sozialstandards (Nadvi & Wältring 2002, S. 22). Da Standards ein Regelwerk darstellen, werden sie oftmals aus institutionentheoretischer Perspektive betrachtet, um die Struktur und Verbreitungsprozesse zu untersuchen. Die Arten von Institutionen und die der Diffusion zugrundeliegenden Mechanismen werden im Folgenden betrachtet.

3.1 Arten und Mechanismen von Institutionen

Die Institutionentheorie ist traditionell ein interdisziplinäres Forschungsgebiet, sie hat ihren Ursprung in drei verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen: Wirtschaftswissenschaften, Politikwissenschaften und Soziologie (vgl. Scott S. 1ff). Zunehmend beschäftigt sich auch die Geographie mit Ideen und Konzepten des Institutionalismus (vgl. Braun 2005, S. 3), speziell in der Wirtschaftsgeographie werden seit 1970 Konzepte des Institutionalismus herangezogen. Dies erfolgt vorwiegend aufgrund der Nähe zur Realwirtschaft, welche durch Regelwerke und deren Veränderung angepasst wird (vgl. Peck 2000, S. 75f.). W. Richard Scott definiert Institutionen folgendermaßen (vgl. Scott 2008, S. 48ff):

„ Institutionen bestehen aus regulativen, normativen und kulturell kognitiven Elementen, welche, zusammen mit dazugehörigen Aktivitäten und Ressourcen, dem Sozialleben Stabilität und Bedeutung bieten “ (Scott 2008, S. 49, eigene Übersetzung).

Eine weitere, gängige Definition von Institutionen ist folgende (vgl. Braun 2005, S. 5 nach Jessop 2001, S. 1220ff, eigene Übersetzung):

„ Institutionen sind permanent bestehende, miteinander verbundene Sets von formellen und informellen Regeln, Normen und Konventionen. Sie sind mit definierten Rollen und sozialen Beziehungen verbunden, werden durch soziale Normen sanktioniert und erneuert und haben einen Einfluss auf die soziale Struktur. “

Institutionen sind demzufolge Regelwerke, welche das soziale Leben innerhalb von Gesellschaften ordnen. Sie können verschiedenartiger Natur sein, sowohl das Grundgesetz als auch die typischen Normen und Konventionen zur Begrüßung in einer Region sind Institutionen. Institutionen weisen eine relative Resistenz gegenüber Veränderungen auf. Tendenziell werden Sie über Generationen hinweg gepflegt und weiterentwickelt (vgl. Scott 2008, S. 49, nach Zucker 1977, S. 736 ff). Innerhalb eines Sozialsystems geben sie durch ihre Beständigkeit über Zeit und Raum hinweg Halt und Struktur (vgl. Scott 2008, S. 49, zit. nach Giddens 1984, S.24). Institutionen sind das Rahmengefüge, innerhalb dessen von ihnen bestimmte und geleitete menschliche Interaktionen stattfinden. Auch werden Institutionen durch Interaktionen geschaffen und verändert, ebenso wie sie oftmals materialisiert werden, z.B. durch Gesetzestexte oder Normierungsvorschriften (vgl. Scott 2008, S. 48f.). Die menschliche Interaktion ist jedoch der entscheidende Faktor: wenn die Regeln der Institution missachtet werden, ist die Institution wertlos. Eine reine Materialisierung dieser Institution ohne Reaktion im menschlichen Handeln erfüllt keinen Sinn (vgl. Scott 2008, S. 48f.). Institutionen können in der Art und Weise ihrer Wirkung auf das menschliche Handeln sowohl beschränkend als auch unterstützend wirken. Beschränkende oder einschränkende Institutionen geben oftmals den betroffenen Akteuren Handlungsspielräume von nicht-sanktioniertem Verhalten. Durch die rechtliche, moralische und kulturelle Eingrenzung des legitimen Verhaltens kann im gleichen Zug illegitimes Verhalten sanktioniert werden (vgl. Scott 2008, S. 50). Ein Beispiel hierfür ist das Strafrecht. Unterstützende und fördernde Institutionen können erwünschtes Verhalten in eine Richtung begünstigen, z.B. durch verschiedene Anreize (vgl. Scott 2008, S. 50). Ein Beispiel hierfür sind Fördermaßnahmen des Staates, wie beispielsweise Subventionen.

Ein weiteres Merkmal von Institutionen ist der prozessuale Charakter. Auch wenn Institutionen stabile und permanente Konstrukte sind, so sind sie dennoch dem Wandel ausgesetzt. Sie können durch andere Institutionen ersetzt, durch gesellschaftlichen Wandel verändert oder sogar obsolet werden. Die Entstehung und zunehmende Institutionalisierung, die Verbreitung und Etablierung, findet ebenso wie die Deinstitutionalisierung, das Schrumpfen und Verschwinden von Institutionen, statt (vgl. Scott 2008, S. 50).

Um die Eigenschaften und Funktionen von Institutionen zu differenzieren, wurden Institutionen typisiert, wobei eines der bekanntesten Modelle 1995 durch Scott entwickelt wurde. Das Drei-Säulen-Modell von W. Richard Scott (Siehe Tabelle 1) untergliedert die Eigenschaften von Institutionen in drei Hauptsäulen, die regulative Säule, die normative Säule und die kognitive Säule. Durch das Modell werden die unterschiedlichen Charakteristiken von Institutionen verdeutlicht, es erfasst das Spektrum möglicher Institutionen, von gesellschaftlichen Verhaltensweisen bis hin zu gesetzlichen Regelungen (vgl. Kieser 2006, S. 378ff). Die drei Säulen sind nicht notwendigerweise miteinander verbunden - auch sind nicht alle Institutionen eine Mischung der Säulen. Es können auch Widersprüche zwischen den Säulen bestehen. Eine kriminelle Organisation beispielsweise mag normativ und kognitiv institutionalisiert sein, jedoch ist sie nicht regulativ institutionalisiert, da sie nicht legal ist. Die Organisation benötigt auch keine regulative Institutionalisierung, da ihre Legitimität moralisch und kognitiv unter Mitgliedern und mit ihr in Kontakt tretenden Akteuren verankert ist (vgl. Kieser 2006, S.381).

Es ist zu berücksichtigen, dass der institutionelle Kontext sowie die Betrachtung anhand des Drei-Säulen-Modells nur Teilaspekte des auf Organisationen wirkenden Drucks beschreiben. Meist gehen institutionelle Aspekte einher mit dem Einfluss durch Wettbewerb, den Markt oder technologische Aspekte. Oftmals geht der Hauptdruck zu Veränderungen von den genannten, nicht-institutionellen Faktoren aus (vgl. Braun 2005, S. 7).

Tabelle 1: Die drei Säulen von Institutionen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Übersetzung nach Braun 2005 S. 6, nach Scott 1995

Im Folgenden werden die drei Säulen nach Scott erläutert.

Regulative Systeme, Scotts erste Säule, beschreiben handlungsbeschränkende und regulierende Aspekte von Institutionen (siehe Tabelle 1). Zentrale Eigenschaften dieser Säule sind Elemente wie Regelsetzung, Beobachtung, Kontrolle sowie die Sanktionierung von Verhalten (vgl. Kieser 2006, S. 379). Im Gegensatz zu Sanktionen, welche sich beispielsweise in Form von Strafen gegenüber einem Akteur äußern, können auch Anreizsysteme in regulativen Systemen eingebettet sein, wie etwa monetäre Anreize für Unternehmen, z.B. in Form von Steuernachlässen durch den Staat (vgl. Kieser 2006, S. 379). Durch die Sanktionierungen oder Belohnungen haben die betroffenen Akteure einen Anreiz, sich regelkonform zu verhalten. Wenn es sich um eine rein regulative Institution handelt, agieren die Akteure rational, einem Kosten-Nutzen Kalkül folgend. Ein Regelverstoß, der mit einem höheren Nutzen versehen ist als die Kosten der entstehenden Sanktionen kann somit für einen Akteur eine attraktive Handlungsoption darstellen, gesetzt dem Fall das keine weitere Einbettung in normative und kognitive Systeme zu weiteren Sanktionen führt (vgl. Kieser 2006, S. 379). Eine Befolgung regulativer Systeme wie Gesetzen ist für legitime Organisationen wie Unternehmen eine Handlungsgrundlage, die jedoch auch nur scheinbar eingehalten werden kann. Diese faktische oder symbolische Befolgung der Regeln wurde von DiMaggio und Powell (1983) auch als Isomorphie durch Zwang bezeichnet (vgl. Kieser 2006, S. 379). Isomorphie durch Zwang, im Englischen Coercive Isomorphism (DiMaggio 1983, S. 150), ist ein formell oder informell ausgeübter Druck auf Organisationen durch Organisationen, von denen sie abhängig sind und durch kulturelle Erwartungen innerhalb der Gesellschaft, in der die Organisation operiert. Beispiele sind Umweltschutzauflagen oder Buchhaltungsvorschriften von Regierungsorganisationen für Unternehmen. Die gesamte Gesetzgebung kann als Isomorphie durch Zwang gesehen werden und der durch sie entstehende Raum ist ein Regelwerk, welches das Verhalten und die Struktur von Organisationen beeinflusst (vgl. DiMaggio 1983, S. 150). Ebenso wie Institutionen, die von Staatsseite durchgesetzt werden, können auch große multinationale Konzerne einen Isomorphismus durch Zwang erzeugen, etwa durch Prozeduren oder Standards, die sich weltweit durchsetzen. Als Beispiele hierfür gelten IBM und Microsoft, welche die institutionellen Rahmenbedingungen ihrer Branche prägten (vgl. Braun 2005, S. 6).

Die normative Säule (siehe Tabelle 1) des Modells umfasst nach Kieser 2006 (S.380) „ [ … ] die vorschreibenden, bewertenden und verpflichtenden Dimensionen von Institutionen. Werte als Konzeptionen des Wünschenswerten, Standards, die der Bewertung von Verhalten dienen, sowie Normen im Sinne einer Spezifizierung, wie Dinge getan werden sollen, sind Elemente der normativen Säule. “

Die Befolgung von Normen und Werten ist für eine Organisation nicht ausschließlich mit dem Kosten-Nutzen Kalkül begründet. Auch eine innerliche Verpflichtung der Organisation zu Normen und Werten sowie der Erwartung der Umwelt, diese zu befolgen ist relevant. Eine intrinsische Motivation der Organisation und deren Mitgliedern, bestimmte Normen zu erfüllen erfolgt somit durch eine Einbettung in den kulturellen Kontext der Organisation. Durch Erfüllung von Normen und Werten erhalten Organisationen ebenfalls eine gesellschaftliche Anerkennung und

Legitimität (vgl. Kieser 2006, S. 380). DiMaggio und Powell (1983, S. 152) beschreiben diesen normativen Druck als normativen Isomorphismus (Normative Isomorphism).

Die kulturell-kognitive Säule (siehe Tabelle 1) beschreibt „ [ … ] die Art und Weise der Wahrnehmung der Wirklichkeit einer Gesellschaft “ (Kieser 2006, S. 380). Alle kognitiven Prozesse von Organisationsmitgliedern sind durch den Sie umgebenden kulturellen Rahmen geprägt (vgl. Kieser 2006, S.380). Diese konstituierenden Institutionen einer Gesellschaft oder Organisation werden als selbstverständlich gesehen, müssen aber begriffen und in Betracht gezogen werden, um das Spektrum der Institutionentheorie zu erfassen. Nach Scott (1995, S. 42) ist die Tragweite der kulturell-kognitiven Säule folgende:

„ We take for granted that individual persons have interests and rights and capacities for action. It seems natural that there are citizens with opinions and interests, students with a capacity to learn, fathers with rights and responsibilities, and employees with aptitudes and grievances. But all of these types of actors - and a multitude of others - are social constructions; all depend for their existence on constitutive frameworks that emerged in interaction and are sustained and changed by ongoing interaction. ”

Eine Befolgung dieser grundlegenden kulturell-kognitiven Regeln ist die Basis einer Legitimation von Organisationen. Ohne eine Erfüllung dieser gesellschaftlichen Grundlagen erfahren Organisationen keine Legitimation. Nach DiMaggio und Powell (1983 S. 152) führen die Effekte der Säule zu dem sogenannten mimetischen Isomorphismus, dem „ [ … ] Bestreben, dem Selbstverständlichen zu entsprechen

[ … ] “ (Kieser 2006, S. 381). Im Kontext des mimetischen Isomorphismus ahmen Organisationen andere, in ihrem sozialen System gelegene, Akteure nach. Dadurch können sie Unsicherheiten reduzieren und einen etwaigen Legitimitätsverlust vermeiden (vgl. Braun 2005, S. 7). Im soziologischen Sinne ist Isomorphismus die Angleichung von Organisationen, z.B. aufgrund gesetzlicher Vorgaben oder gesellschaftlicher Normen. Das Zusammenspiel der beschriebenen Faktoren des Isomorphismus durch Zwang, des normativen Isomorphismus und des mimetischen Isomorphismus mit den drei Säulen von Institutionen ist ein verbreiteter Ansatz der Institutionenforschung (vgl. Braun 2005, S. 5f.). Durch Isomorphismus, also das Bestreben zur Angleichung, entstehen und verbreiten sich Standards.

Isomorphie durch Zwang kann eine Diffusion auslösen, indem durch einflussreiche Akteure oder Organisationen ein Standard verpflichtend oder de facto verpflichtend wird. Hierbei spielen insbesondere globale Wertschöpfungsketten eine Rolle, entlang derer sich Standards ausbreiten können. Zulieferbetriebe müssen oftmals die Standards großer Unternehmen übernehmen, auch wenn keine rechtliche Pflicht am jeweiligen Standort herrscht (vgl. Braun 2005, S. 21f.).

Normative Isomorphie fördert die Diffusion, indem der sich verbreitende Standard zunehmend zur üblichen Praxis (Best Practice) wird. Primär normative Standards dienen der Definition des Zustandes und Methodik eines (Fach-)Gebietes durch deren Mitglieder (vgl. Scott 2008, S. 136). Teilweise kann ein normativer Standard sogar de facto zur Pflicht werden, wie z.B. Falle des ISO 9000 Standards geschehen. Der Qualitätsmanagement-Standard ist für transnational agierende Unternehmen ein marktüblicher Standard geworden, welcher Unternehmen für den globalen Markt qualifiziert (vgl. Delmas 2002, S. 93).

Kognitive Mechanismen der Verbreitung basieren, ebenso wie normative, auf den Beziehungen von Akteuren eines Netzwerkes untereinander. Aufgrund der subtileren, diffusen Natur kognitiv-kultureller Institutionen, sind diese jedoch schwerer messbar. Fest steht, dass kognitive Mechanismen darauf beruhen, dass Akteure einen kulturellen Rahmen teilen, der innerhalb der Gruppe vorausgesetzt wird (vgl. Braun 2005, S. 22). Die Voraussetzung eines Standards im kognitiven Bereich wird durch eine bereits vorhandene Verbreitung des Standards verstärkt, ein zunehmender Nachahmungseffekt entsteht (vgl. Braun 2005, S. 22). Räumliche Unterschiede, wie Ländergrenzen, beeinflussen ebenfalls die Diffusion auf kognitiver Ebene (vgl. Braun 2005, S. 22f.). Normative und kognitive Elemente einer institutionellen Umgebung führen oft zu einer Reduzierung der Auswahlmöglichkeiten, da viele Optionen von vornherein ausgeschlossen werden, da sie nicht im institutionellen Kontext angemessen oder passend erscheinen. Vor allem bei begrenztem Wissen und einer Vielzahl an Alternativen greifen die beiden Mechanismen, um Unsicherheiten bei der Entscheidungsfindung zu verringern, indem unbekannte, fremde oder nicht etablierte Möglichkeiten von vorneherein ausgeschlossen werden (vgl. Delmas 2002, S. 97f.).

Der in der normativen Säule verankerte und entstehende normative Isomorphismus entspringt dem Wunsch, gesellschaftlichen Normen und Werten zu entsprechen und somit Legitimität zu erfahren. Die Legitimität (legitimacy) einer Organisation ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg von Institutionen. Neben den materiellen, technischen und informationellen Grundvoraussetzungen, benötigt eine Organisation soziale Akzeptanz und Glaubwürdigkeit (vgl. Scott 2008, S. 59, nach Scott et al. 2000, S. 237). Scott zitiert hierzu (vgl. Scott 2008, S. 59) eine Definition nach Suchman, welcher Legitimität folgendermaßen definiert:

„ Legitimacy is a generalized perception or assumption that the actions of an entity are desirable, proper or appropriate within some socially constructed system of norms, values, beliefs and definitions. “ (Suchmann 1995, S. 574)

Legitimität stellt also die allgemeine Position einer Institution oder Organisation im Rahmen eines sozialen Systems dar, wobei dieser institutionelle Rahmen für Individuen die Evaluationsgrundlage für Legitimität bildet. Differenzierter kann Legitimität unter dem Gesichtspunkt der drei Säulen von Institutionen betrachtet werden (vgl. Scott 2008, S. 61):

Im regulativen Bereich zeichnen sich legitimierte Organisationen durch Regelkonformität aus, Sie befolgen die legalen und quasilegalen Anforderungen.

Die normativen Grundlagen der Legitimierung sind mit höherer Wahrscheinlichkeit von der Organisation verinnerlicht. Sie haben neben der externen Wirkung auch interne Effekte.

Die kulturell-kognitiven Aspekte der Legitimität sind vor allem mit vorausgesetztem Verständnis von Institutionen verbunden.

Die drei Dimensionen von Legitimität müssen von Organisationen nicht erfüllt werden, um ihr Bestehen zu ermöglichen. Sie können sogar in Konflikt zueinander stehen. Die Legitimierung einer Organisation erfolgt immer durch die mit ihr verbundenen Akteure. Die jeweils vorherrschende institutionelle Prägung definiert auch die Erfordernisse für eine Legitimierung. Je nach Ausprägung der Akteure einer Branche oder eines Aufgabenfeldes ergeben sich andere Anforderungen, welche zur Legitimierung der Organisation innerhalb des spezifischen sozialen Umfeldes nötig sind (vgl. Scott 2008, S. 61f.).

3.2 Diffusion von Institutionen

Institutionen verbreiten sich über verschiedene Träger. Heute bieten die Möglichkeiten der Informations- und Kommunikationstechnologie eine Vielzahl an Optionen, wie sich eine Institution verbreiten kann (vgl. Scott 2008, S. 79ff). Vor der Erfindung der Schrift wurden Institutionen mündlich übertragen, wodurch eine Diffusion erschwert wurde. Die Übertragung war durch die Kontakte zwischen Wissenden und Unwissenden limitiert, eine Verfälschung durch die persönliche, mündliche Weitergabe war möglich. Durch die moderne Kommunikation ist es möglich, nahezu jede Information an jeden beliebigen Ort in der benötigten Kodifizierung (zum Beispiel Sprache, Werte und Normen) zu senden. Trotz der Vereinfachung der Kommunikation wird eine Institution zwischen Akteuren übertragen, welche unterschiedliche institutionelle Voraussetzungen aufweisen. Diese Unterschiede können die Entscheidung, eine Institution zu implementieren, beeinflussen.

Das Ausmaß der Diffusion von Institutionen wird oftmals als Indikator für die zunehmende Bedeutung dieser institutionellen Struktur gesehen (vgl. Scott 2008, S. 132). Die Diffusion wird auch als eine Übernahme oder Einbindung in bestehende Organisationen betrachtet. Es wird oftmals zwischen einer frühen und einer späten Aneignung von Institutionen unterschieden, da beide unterschiedlichen Prinzipien folgen. Zum einen durch die sich verändernde Stärke der einzubindenden Institution, zum anderen durch die variierenden Charakteristika der einbindenden Organisationen (vgl. Scott 2008, S. 132f.). Die Eigenschaften von frühen Anwendern („ Early Adopters “) sind nach Scott (2008, S. 164) oftmals folgende:

- Es handelt sich um große Organisationen.
- Sie haben ausreichende Ressourcen.
- Sie sind sichtbarer für externe Beobachter wie die Öffentlichkeit oder Regierung, dadurch ist eher Einfluss durch institutionellen Druck gegeben.
- Hauptsächlich regulativer Druck, aber auch normative Einflüsse wirken auf Sie ein.

Neben den Attributen der Organisation sind die Verbindungen zu anderen Organisationen starke Einflussfaktoren für die Verbreitung. Organisationen mit Verbindungen zu anderen unterhalten Beziehungen und tauschen Informationen aus. Ein besonderer Fall sind Organisationen, die als ähnlich der eigenen wahrgenommen werden, z.B. Konkurrenten in einer Branche. Oftmals übt eine Übernahme einer Institution durch eine ähnliche Organisation einen Reiz aus, diese Institution ebenfalls zu übernehmen (vgl. Scott 2008, S. 163ff).

Diese Imitation anderer Organisationen ist besonders ausgeprägt bei folgenden Merkmalen der Organisation (vgl. Scott 2008, S. 166):

- Räumlich nahegelegene Organisationen werden öfter imitiert.
- Organisation mit Ähnlichkeiten zur eigenen Organisation.
- Organisation mit enger Verknüpfung zur eigenen Organisation, z.B. durch Kapitalverflechtung, gemeinsame Ressourcen, personelle Überschneidungen des Vorstands/Aufsichtsrats.
- Organisation mit hohem Status oder Prestige.
- Organisation wird als erfolgreicher wahrgenommen.

Die Verbreitung einer Institution ist auch eine Form des institutionellen Wandels, ein zusammenwirkender oder konvergenter Wandel, welcher bestehende Muster verstärkt und verbreitet (vgl. Scott 2008, S. 133). Meist werden die Wirkungsebenen der Diffusion mithilfe von Isomorphismus durch Zwang, normativem Isomorphismus und mimetischem Isomorphismus betrachtet. Die drei den jeweiligen Säulen zuzuordnenden Kräfte ermöglichen eine Untersuchung der Motive auf Basis der Drei-Säulen-Theorie (vgl. Scott 2008, S. 133). Die Institutionen, welche eine Rolle bei der Diffusion spielen, sind vielfältig, in neueren Forschungen ist jedoch der Träger der Institution in den Fokus gerückt. Der Träger oder Übermittler (engl. Carrier) als Intermediär beeinflusst die Institution sowohl durch den gewählten Übertragungsweg als auch die eigene Modifizierung, Überarbeitung und Übersetzung, welche den Inhalt während der Übermittlung verändert. Ebenso wie der Träger verändert aber auch der Empfänger den Inhalt der Information. Scott zitiert hierzu Latour (vgl. Scott 2008, S. 133 zit. nach Latour 1986, S.267):

“ The spread in time and space of anything - claims, orders, artifacts, goods - is in the hands of people; each of these people may act in different ways, letting the token drop, or modifying it, or deflecting it, or betraying it, or adding it, appropriating it. ” (Latour 1986, S.267)

Standards weisen in der institutionellen Sichtweise ihrer Diffusion ähnliche Merkmale auf wie der Diffusionsprozess von Institutionen allgemein. Die Eigenschaften und Diffusionsmuster von international verwendeten Standards werden im Folgenden erläutert.

3.3 Internationale Standards

Durch die Globalisierung gewinnen internationale Standards zunehmend an Bedeutung, da sie eine allgemein verständliche und einheitliche Palette von messbaren Indikatoren auf internationaler Ebene bereitstellen. Dadurch verbessern sie die Handelsbeziehungen und die Effizienz der Märkte wird gefördert (vgl. Braun 2005, S. 4). Durch die Vereinheitlichung der Informationsübertragung verringern Standards Transaktionskosten. Die Nachfrage nach Standardisierung hat mit der Zunahme der globalen Handelsströme und Wertschöpfungsketten stetig zugenommen (vgl. Nadvi & Wältring 2002, S. 3). Die Verbreitung internationaler Standards ist ein Prozess, welcher Wirtschaftsaktivitäten reguliert und definiert, und somit eine Form der Institutionalisierung (Institution building) auf globaler Ebene darstellt (vgl. Braun 2005, S. 23f.).

Historisch wurden zu Beginn auf nationaler Ebene Standards entwickelt, im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts wurden Standards jedoch zunehmend internationalisiert. Die bedeutendsten Organisationen für weltweite Standards sind die Internationale Organisation für Normung (ISO), die Internationale Elektrotechnische Kommission (IEC) und die Internationale Fernmeldeunion (ITU) (vgl. Braun 2005, S.3). Diese drei Organisationen bilden die World Standards Cooperation (WSC). Aktuell sind 163 Länder der ISO beigetreten (vgl. ISO 2010), dadurch haben die Standards der WSC quasi weltweite Gültigkeit. Allein durch die ISO wurden mehr als 18.500 Standards veröffentlicht (vgl. ISO 2010). Täglich kommen etwa zwei neue Standards hinzu (vgl. Schneider 2005). Das Resultat sind weltweit geltende Regeln, von einer „ [ … ] Testmethode für die Bestimmung der Maschengr öß e bei Fischnetzen [ … ] “ (ISO 16663) bis hin zur ISO Norm 9000ff welche Mindestanforderungen an ein Qualitätsmanagement-System von Organisationen stellt (vgl. Schneider 2005). Akteure, welche besonderes Interesse an der Verbreitung von Standards haben, sind internationale Nichtregierungsorganisationen (NGO), transnationale Unternehmen und Organisationen der Vereinten Nationen (UN) (vgl. Nadvi & Wältring 2002, S. 3). Die meisten Standards sind freiwillig, de facto sind viele jedoch verpflichtend und eine Nichteinhaltung kann negative wirtschaftliche Konsequenzen zur Folge haben (siehe Kapitel 3.1). Die Einigung auf gültige und anerkannte Standards ist oft durch den Wettbewerb mehrerer Alternativen geprägt (vgl. Scott 2008, S. 137).

Mittlerweile existiert eine Vielzahl verschiedener Standards, welche zum Teil erhebliche Unterschiede aufweisen. Eine Typisierung von Standards muss aufgrund der vorhandenen Komplexität auf mehreren Ebenen erfolgen (siehe Tabelle 2). Zwei grundlegenden Typen von Standards sind Kompatibilitätsstandards und Qualitätsstandards. Kompatibilitätsstandards sind Vorgaben, die eine Verwendung unterschiedlicher Produkte verschiedener Hersteller miteinander erlauben (vgl. Braun 2005, S. 9f.). Ein Beispiel hierfür ist etwa die Digital Versatile Disk (DVD), Internetprotokolle oder Steckdosen. Durch die Standardisierung sind sie kompatibel zu anderen Produkten. Die durch die massenhafte Verbreitung entstehenden Netzwerkeffekte können jedoch auch zu einer Verhinderung oder Verzögerung von Innovationen führen. Ein populäres Beispiel hierfür ist die QWERTZ-Tastatur (im englischen Sprachraum QWERTY-Tastatur) deren Tastenanordnung aus dem 19. Jahrhundert stammt und aus heutiger Sicht als überholt gilt (vgl. Braun 2005, S. 9f.).

Qualitätsstandards sind weniger von den beschriebenen Netzwerkeffekten betroffen. Sie definieren Kriterien der Sicherheit, Qualität, Verpackung oder auch Abmessungen und Gewicht von Gütern. Jedoch laufen auch Qualitätsstandards Gefahr, nach einiger Zeit veraltete Technologien als Standard zu definieren (vgl. Braun 2005, S. 9f.). Ein Nachteil beider Typen von Standards, sowohl Kompatibilitäts- als auch Qualitätsstandards, ist die Bewertung anhand vergangener Erfahrungswerte, anstatt den Innovationsprozess selbst zu gestalten (vgl. Braun 2005, S. 10). Zusätzlich zu den beschriebenen Unterscheidungen von Kompatibilitäts- und Qualitätsstandards gibt es die Unterscheidung zwischen Standard, Code und Label (vgl. Nadvi & Wältring 2002, S. 7). Labels und Codes sind eine Unterkategorie von Standards. Labels bieten die Möglichkeit, Produktinformationen schnell und einfach zu vermitteln. Es kann sich um die Zusammensetzung, Herkunft, Qualität, Zusammensetzung, Design oder Konzeption handeln. Meist sind Labels branchenspezifisch und auf einzelne Themen gerichtet.

Eine detailliertere Typisierung globaler Standards wurde durch Nadvi & Wältring 2002 entwickelt. Hiernach wird ein Standard anhand des Anwendungsbereiches, der Form, der Abdeckung, den Schlüsselakteuren, dem Zertifizierungsprozess und den regulatorischen Auswirkungen klassifiziert (siehe Tabelle 2).

Tabelle 2: Typologien Globaler Standards

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Übersetzt nach Nadvi/Wältring 2002, S. 11

Neben dieser Typologie der Standards auf statischer Ebene unterscheiden Nadvi & Wältring (2002) die Generation eines Standards (siehe Tabelle 3). Die Akteure und treibenden Kräfte von Standards, sowie die Auswirkungen und der Zertifizierungsprozess verändern sich über die Zeit. So sind Standards der ersten Generation meist firmeninterne Standards, welche Wertschöpfungsketten innerhalb eines Unternehmens und gegebenenfalls der Zulieferer organisieren und optimieren. Durch transnationale Unternehmen (TNC) verbreiten sich diese Standards global innerhalb von Wertschöpfungsketten und über Handelsbeziehungen. Standards wie das LEED Zertifikat gehören zur vierten Generation von Standards und stellen eine relativ neue Entwicklung dar (vgl. Nadvi & Wältring 2002, S. 28). Sie sind durch NGOs initiiert, sind meist international innerhalb spezifischer Branchen verbreitet und werden durch unabhängige Dritte kontrolliert und überwacht. Die beteiligten Akteure sind neben NGOs Branchenverbände, Akteure der Privatwirtschaft, Regierungen und internationale Organisationen (vgl. Nadvi & Wältring 2002, S. 26). Durch diese komplexen Grundvoraussetzungen erfordern Standards der vierten Generation ständige Vermittlung zwischen den NGOs und den die Standards anwendenden Branchen (vgl. Nadvi & Wältring 2002, S. 21ff).

Branchenspezifische Akteure erkennen zunehmend die Vorteile von Standards der vierten Generation, welche durch die externe Zertifizierung durch NGOs den Anwendern erhöhte Legitimität bieten, einen positiven Marketingeffekt aufweisen oder z.B. eine Möglichkeit der Differenzierung des Produktes in eine attraktive Nische ermöglichen. Aus Perspektive der NGOs bietet diese Zusammenarbeit über Standards eine Möglichkeit, eigene Ziele über Kooperation statt Konfrontation umzusetzen (vgl. Nadvi & Wältring 2002, S. 29).

Tabelle 3: Verschiedene Generationen von Standards

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Übersetzt und verändert nach Nadvi 2002, S. 23

Nach Braun (2006, S. 7f.) entstehen Standards im Wesentlichen auf drei verschiedenen Wegen:

- durch formelle, behördliche Prozesse (wie z.B. Sicherheitsbestimmungen),
- durch Marktprozesse (wie. z.B. Standards, die durch den Markterfolg erst zu solchen werden, wie etwa die DVD),
- über freiwillige Konsensentscheidungen beteiligter Akteure.

Im Falle von Standards der vierten Generation findet die Entwicklung meist durch Konsensentscheidungen der beteiligten Akteure statt. Konsensentscheidungen entstehen meist nach einer Koordination der wichtigsten Akteure einer Branche oder eines Bereichs (vgl. Nadvi & Wältring 2002, S. 28f.).

Die zunehmenden internationalen Standards sind Institutionen, da Sie als freiwillige oder verpflichtende Regelwerke eine globale Normierung von Gütern und Prozessen zum Ziel haben (vgl. Braun 2005, S. 7ff). Der Austausch zwischen Organisationen wird durch Standards kodifiziert, routiniert und vereinfacht. Sie dienen als Verbindung zwischen Organisationen mit naturbedingt unterschiedlichen institutionellen Ausprägungen (vgl. Braun 2005, S. 4ff). Ihre Verbreitung kann somit als Beispiel für institutionelle Evolution gesehen werden (vgl. Braun 2005, S. 4).

Standards in ihrer Form als globale Institutionen wurden von Braun anhand des ISO 9000 und ISO 14000 Management Standards untersucht (vgl. Braun 2005). Beide Standards bilden heute einen weltweiten Konsens über „ Good Management Practice “ (Braun 2005, S. 23), gute Unternehmenspraktiken. Globale Standards werden eingesetzt, um organisationsinterne Aspekte zu verbessern, ebenso wie um Legitimität gegenüber Kunden und Geschäftspartnern zu erwerben (vgl. Braun 2005 S. 23f.). Der Standard bildet somit ein unternehmensextern bestätigtes Qualitätsmerkmal, welches sowohl externe Wirkungen erzeugt, wie etwa positive Effekte gegenüber Kontakten aufgrund der Akkreditierung durch unabhängige Dritte, als auch interne positive Wirkungen wie neue Einflüsse und die Übernahme bereits erprobter Praktiken, bewirkt.

Regulative Mechanismen wirken bei Standards, in dem sie durch einflussreiche Akteure etabliert werden und eine Nichtbeachtung sanktioniert wird (vgl. Braun 2005, S. 20-21). Sie können beispielsweise innerhalb eines bestimmten Raumes gesetzlich verpflichtend werden.

Auf normativer Ebene können Standards im besten Fall zur gängigen Praxis einer Branche werden. Diese Standards können Legitimität gegenüber Zulieferern, Kunden und anderen in Kontakt stehenden Organisationen schaffen, indem sie die Qualität oder Güte der Organisation durch Dritte belegen. Moderne Beispiele für normative Standards entwickelnde Organisationen sind Berufs- und Handelsverbände. Durch diese Organisationen wird kooperierenden Organisationen Legitimierung geboten, etwa durch Akkreditierungsmaßnahmen. Diese werden durch private Organisationen an private Organisationen vergeben, stellen teilweise jedoch einen de facto verpflichtenden Standard dar (vgl. Scott 2008, S. 136). Scott zieht hierzu eine Studie von Ruef & Scott (vgl. Ruef & Scott 1998) heran, welche den positiven Einfluss einer Akkreditierung von Krankenhäusern in den USA empirisch belegte. Krankenhäuser mit Akkreditierung hatten demzufolge weit höhere Chancen, auf dem Markt zu bestehen, als Krankenhäuser ohne Akkreditierung. Auf kognitiver Ebene wirkende Standards betreffen oftmals die mit dem Standard verbundenen Werte. Kognitive Institutionen werden unter den Akteuren meist vorausgesetzt und sind eher kultureller Natur. Dadurch sind sie schwer zu definieren. Auf kulturell-kognitiver Ebene können Standards gegenüber verbundenen Akteuren Nähe schaffen (vgl. Braun 2005, S. 22f.). Durch einen Standard kann die Nähe zu einem Wertesystem ausgedrückt werden. Die vorherrschende Mentalität eines Landes oder einer Region kann die dortigen Entscheidungsträger und Akteure in ihrer Entscheidung beeinflussen. Beispielsweise werden Management-Standards in Japan, Deutschland oder Frankreich aufgrund der dortigen Unternehmenskultur tendenziell häufig angewendet (vgl. Braun 2005, S. 22f.). Auch auf der kognitiven Ebene kann so Legitimität geschaffen werden. Durch die Etablierung z.B. von hohen Corporate Social Responsibility (CSR) Standards, kann neben der Legitimation auf regulativer und normativer Ebene auch eine kulturell-kognitive Legitimation von (potentiellen) Arbeitnehmern erfolgen. Durch den Standard erkennen diese die Organisation als Firma mit hohem Verantwortungsbewusstsein an, welche moralisch und vernünftig in ihrer Umwelt und intern agiert und die gesellschaftlich verbreiteten Anschauungen teilt (vgl. Scott 2008, S. 59ff). Standards und Normen sind meist technische oder prozedurale Regelwerke, welche klare Vorgaben treffen. Auch wenn diese nicht im Vordergrund von Standards stehen, so werden durch die Regelwerke auch kognitiv- kulturelle Aspekte berührt und somit die kognitive Säule mit einbezogen (vgl. Braun 2005, S. 22f.).

Die vorhandene Institutionalisierung beeinflusst die Mechanismen, die bei der Verbreitung von Standards wirken. Staatliche Standards regulieren über Isomorphismus durch Zwang Teile des Bereiches des nachhaltigen Bauens sowie die verwendeten Standards und Normen. Trotz regulativer Institutionen existieren jedoch normative Standards wie LEED, welche sich über normativen Isomorphismus in der Wirtschaft verbreiten und sich zu de facto Standards entwickeln. Wie sich konkurrierende regulative und normative Institutionen innerhalb von Staaten verhalten, ist ein für die Verbreitung von LEED entscheidender Faktor, da es in vielen Ländern regulative Institutionen gibt, welche Aspekte des nachhaltigen Bauens regeln. Der Einfluss des zunehmend global agierenden Marktes ist hierbei eine mögliche Einflussgröße, welche potentiell länderübergreifend die institutionelle Landschaft prägt. (vgl. Busch et al. 2007, S. 164).

3.4 Diffusion internationaler Standards

Es entstehen zunehmend privatwirtschaftlich oder durch NGOs initiierte, sich global verbreitende Standards (vgl. Braun 2005, S. 4). Diese Entwicklung wird durch die zunehmende Verflechtung der Weltwirtschaft durch globale Wertschöpfungsketten, der wachsenden Bedeutung transnationaler Unternehmen sowie dem wirtschaftlichen Aufschwung vieler Entwicklungs- und Schwellenländern (Albuquerque et al. 2007, S. 467). Durch diese weltwirtschaftlichen Entwicklungen verbreiten sich auch privatwirtschaftliche oder durch NGOs initiierte Standards innerhalb von Branchen und über Ländergrenzen hinweg (vgl. Braun 2005, S. 4).

Freiwillige Standards verbreiten sich über Akteure, welche mit ihm in Kontakt kommen und entscheiden, dass die Verwendung des Standards in ihrem Nutzen die Kosten der Einführung überwiegt. In der Praxis verbreiten sich Innovationen wie neue Standards nicht gleichmäßig. Oftmals vergehen Jahre, bis eine breite Anwendung stattfindet, obwohl die Verwendung mit Vorteilen verbunden ist (vgl. Rogers 2003, S. 1). Das idealtypische Muster der erfolgreichen Diffusion einer Innovation gleicht dem einer S-Kurve (siehe Abbildung 2). Zu Beginn wird eine Innovation von den Erfindern und frühen Anwendern (Innovators and Early Adopters) verwendet. Diese Akteure, welche sich früh und trotz der Unsicherheit, die eine Innovation, die noch nicht Erfolg am Markt hat, für die Innovation entschieden haben erzeugen das erste Wachstum. Sie werden gefolgt von der frühen und späten Mehrheit (Early Majority and Late Majority), welche einen Großteil des Wachstums stellen. Nachdem sich eine Innovation bewährt hat, verwenden die beiden Gruppen diese unter deutlich gesunkener Unsicherheit, ob die Innovation Erfolg hat und einen Mehrwert bietet. Nachdem der Großteil des potentiellen Marktes sich für eine Innovation entschieden hat, schwächt sich das Wachstum deutlich ab. Zugewinne sind innerhalb der Gruppe der späten Anwender (Late Adopters or Laggards) deutlich langsamer, die Wachstumskurve flacht dadurch ab (vgl. Rogers, S. 22f.). Anders als die idealtypische Kurve des Lebenszyklusmodells ist die Diffusionskurve kumulativ. Sie beschreibt die gesamte Durchdringung eines Marktes durch eine Innovation. Ein Standard ist ein spezieller Typ von Innovation, dennoch kann die Verbreitung eines erfolgreichen Standards ein klassisches Diffusionsmuster aufweisen. Ein Beispiel hierfür ist die Diffusion des Energy Star Standards in den USA, welcher eine klassische S-förmige Kurve aufweist (vgl. Kok et al. 2010a, S. 8). Ein Verlaufsmuster der Entwicklung von LEED kann Rückschlüsse zulassen, in welcher Phase der Diffusion sich das Zertifikat befindet.

Abbildung 2: Idealtypische Diffusionskurven nach Rogers

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Innovationen können einen unterschiedlichen Verlauf aufweisen. Bei einer vollständigen

Diffusion über alle Marktteilnehmer wird die Innovation zunächst von Early Adopters übernommen. Bei Erreichen einer kritischen Masse beginnt in der folgenden Take-Off Phase ein Anstieg des Diffusionstempos. Nach einem starken Wachstum flacht die Diffusion ab. Late Adopters übernehmen die Innovation langsam. Quelle: Verändert nach Rogers 2003, S.11

Der Prozess der Diffusion findet über Kommunikationskanäle zwischen Akteuren eines sozialen Systems statt. Ein Standard wie LEED benötigt innerhalb eines solchen Systems Akteure, welche eine Verbreitung direkt oder indirekt fördern, indem Sie ihn kommunizieren (vgl. Roger 2003, S. 5f.). Auf der Ebene des einzelnen Akteurs ist es wichtig, dass der Nutzen die entstehenden Kosten überwiegt. Firmen übernehmen Standards, um interne Prozesse zu optimieren und um Legitimität bei Kunden und Zulieferern auf internationalen und globalen Märkten zu erhalten (vgl. Braun 2005, S. 19). Durch eine massenhafte Verbreitung eines Standards kann ein de facto Regime entstehen, welches Isomorphismus durch Zwang oder normativen Isomorphismus über Ländergrenzen und politische Entscheidungen hinweg ausübt (vgl. Busch et al. 2005, S. 165).

Nach Braun sind bei der Verbreitung von Standards einflussreiche Organisationen ein wichtiger Faktor. Hierunter fallen Regierungsorganisationen, multinationale Konzerne und prestigeträchtige Unternehmen (High Prestige Organizations) (vgl. Braun 2005 S. 23f.).

Nach Braun (2006, S. 19, zit. nach Roberts, Greenwood 1997) ist es wahrscheinlich, dass für die Übernahme eines Standards eine Kombination aus rationalem Kosten- Nutzen Kalkül und Isomorphismus vorliegt. Eine komplett auf rationaler Entscheidungsfindung basierende Adaption eines Standards ist aus mehreren Gründen nicht sehr wahrscheinlich. Oft existieren konkurrierende Standards, es setzen sich jedoch nur einer oder einige durch. Auf den vermeintlich besten Standard zu setzen, birgt jedoch auch das Risiko, dass dieser sich nicht durchsetzt, was einen rationalen Vorteil zu einem solchen Nachteil wandeln kann. Des Weiteren sind häufig die Kosten-Nutzen Vorteile nicht ausreichend empirisch hinterlegt, um wirklich rationale Entscheidungen zu ermöglichen.

Ferner ist es durch wachsende Unsicherheit und die Zunahme an Informationen oftmals für Unternehmen einfacher, bestehende, erfolgreiche und akzeptierte Standards zu wählen, anstatt eine komplette Evaluation aller Möglichkeiten durchzuführen (vgl. Braun 2005, S. 19f.). Durch Netzwerkeffekte wird ein Standard mit steigender Nutzerzahl attraktiver und generiert dadurch wiederum neue Nutzer. Eine zunehmende Verbreitung unter Wirtschaftsakteuren sorgt für eine Abnahme der organisatorischen und räumlichen Fragmentierung von Märkten durch die zunehmende Globalisierung von Waren- und Produktionsketten und Unternehmensnetzwerken (vgl. Braun 2005 S. 23f.). Ein positiver Effekt für die Teilnehmer ist bei massenhafter Verbreitung wahrscheinlich.

Ähnliche Ergebnisse ergab eine raumzeitliche Analyse der Diffusion von ISO 9000 und ISO 14000 durch Albuquerque et al. (2007). Die Unternehmen üben einen Druck auf die Zulieferer aus, ISO Standards zu übernehmen. Durch diesen Druck entschließen sich auch nicht direkt in Kontakt stehende Akteure zu einer Zertifizierung, um einer potentiellen Handelsbarriere zu entgehen (vgl. Corbett et al. 2006, S. 346). Eine weitere Beobachtung ist, das entwickelte Länder hierbei oft als Referenz für andere, ökonomisch schwächere Staaten fungieren (vgl. Braun 2005, S. 23).

Braun weist auf die multikausale Natur der Verbreitung hin. Es handelt sich oftmals um evolutionäre Prozesse, early adopters spielen z.B. eine Rolle für zukünftige Verbreitungsmuster (vgl. Braun 2005, S. 24). Nationalstaatliche Charakteristika spielen eine ebenso große Rolle bei der Übernahme von Standards. Auch werden Standards nicht in allen Organisationen im gleichen Umfang oder Ausmaß übernommen, vielmehr ist folgendes zu vermuten: „[…] one standard is definitely not one standard [ … ] “ (Storz 2003, S. 15). Demnach werden Standards durch die jeweilige Interpretation der Organisation verändert, da sie in bestehende Strukturen eingebunden werden müssen (vgl. Braun 2005, S. 24). Der gleiche Standard kann dadurch unterschiedlich interpretiert werden und sich somit individuell verändern.

Die Verbreitung ist demnach durch den institutionellen und kulturellen Kontext von Organisationen beeinflusst. Wenn in diesem Kontext von einer Organisation das Verhalten einer institutionell nahestehenden Organisation sozial und wirtschaftlich als positiv bewertet wird, kann dies zu einer Nachahmung des Verhaltens führen. Dieses nachahmende Verhalten führt zu organisatorischer Isomorphie, welche in die verschiedenen Kategorien des Isomorphismus unterteilt werden kann (vgl. Braun 2005, S. 20).

Die Anreize für Organisationen, freiwillige und speziell ökologische oder soziale Standards zu übernehmen, können vielfältiger Natur sein. Der eigene Ruf, Risikomanagement, Mitarbeitergewinnung und -motivation, Kapitalbeschaffung oder Innovationen (vgl. Wirl & Noll 2007, S. 276). Grundlegend sind ähnliche Verbreitungsmuster wie bei anderen Standards zu erwarten, wobei einige potentielle Unterschiede jedoch identifiziert werden können.

Delmas (2002, S. 93) identifiziert institutionelle Faktoren bei der Diffusion freiwilliger ökologischer Standards als potentiell überdurchschnittlich einflussreich. Im ökologischen Bereich existieren oftmals Gesetze, welche von Land zu Land variieren. Die lokale Gesetzeslage kann also mit dem Inhalt ökologischer Standards kollidieren. Potentiell entstehen durch den Abgleich der Gesetzeswerke und dem freiwilligen normativen Standard hohe Transaktionskosten, welche es zu berücksichtigen gilt. Dadurch ist die institutionelle Umgebung, in der eine Organisation sich für oder gegen einen Standard entscheidet, bedeutender als bei anderen Standards. Bei einer Untersuchung der Verbreitung des ISO 14001 Standards, einer Umweltmanagementnorm, hat Delmas (2002, S. 114) festgestellt, dass Regierungen einen großen Anteil an der Verbreitung eines ökologischen Standards haben können. Durch das Signal zur Unterstützung können sie die institutionelle Umgebung des Standards auf normativer und regulativer Ebene beeinflussen. Durch die Unterstützung der europäischen Regierungen erlangte der Standard in Europa eine gute Reputation, da er von Beginn an durch die Regierungen der EU legitimiert wurde. In den USA, wo eine Förderung des Standards durch die Regierung nicht stattfand, war die Zahl der den Standard übernehmenden Unternehmen geringer. Außerdem können Regierungen Informationen bereitstellen und so für Interessenten Suchkosten verringern (vgl. Delmas 2002, S. 101ff). Standards mit Bezug auf gesellschaftliche Themen, wie z.B. Umweltstandards, sind in ihrer Verbreitung wahrscheinlich stärker kulturell beeinflusst (Albuquerque et al. 2007, S. 467).

Delmas (2002, S. 103ff) stellte aufgrund seiner Beobachtungen fernerhin die These auf, das die Herkunft des Unternehmens eine Rolle bei der Übernahme von Standards spielt. Etwa 31% der ISO 14001 zertifizierten Firmen in den USA hatten zum Zeitpunkt der Erhebung ihren Stammsitz außerhalb des Landes, die meisten in Japan und Europa. Dies führt zu der These, dass Unternehmen in ihrem Ursprungsland verbreitete Standards in globalen Expansionsstandorten übernehmen und somit durch das Wachstum einer Organisation zur Diffusion beitragen. Dies würde bedeuten, dass tendenziell auch im Falle von ökologischen Standards normative und kognitive Mechanismen eine Rolle spielen. Die Einflussfaktoren der Diffusion freiwilliger Standards gestalten sich somit vielschichtig. Die Identifikation mögliche Faktoren, welche die Verbreitung von LEED beeinflussen erfordert daher zunächst eine nähere Betrachtung der Rahmenbedingungen von Green Buildings.

4 Green Buildings

Es gibt eine Reihe Bezeichnungen für Gebäude, welche grüne Baukonzepte beinhalten. Der Begriff Green Buildings ist in der Literatur nicht einheitlich definiert und es gibt oftmals unterschiedliche Interpretationen in verschiedenen beteiligten Fachkreisen (vgl. Zimmermann 2008, S. 2). Insbesondere die Begriffe Nachhaltig und Green weisen im Baubereich eine Unschärfe in der Unterteilung auf (vgl. Nelson et al. 2010, S. 4). Green Buildings zeichnen sich durch hohe Energieeffizienz, reduzierten Wasser- und Materialverbrauch sowie verbesserte Gesundheits- und Umweltbedingungen aus (UNEP 2011a, S. 338, zit. nach Laustsen 2008, S. 73). Green Buildings greifen vor allem ökologische und gesundheitliche Aspekte des nachhaltigen Bauens auf (siehe Abbildung 3).

Abbildung 3: Aspekte verschiedener nachhaltiger Gebäudekonzepte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es gibt unterschiedlichen Varianten nachhaltiger Gebäudekonzepte. Diese können in den Aspekten, welche Nachhaltigkeitsaspekte aufgreifen, unterschieden werden. Quelle: Nelson et al. 2010, S. 4 nach Lützkendorf 2009

Gebäude können von Beginn an anhand dieser Kriterien entworfen werden, dementgegen gibt es auch die Möglichkeit, bestehende Gebäude nachzurüsten. Da Gebäudebestände sich generell relativ langsam erneuern und insbesondere in Ländern, die kein hohes Neubauaufkommen aufgrund des bestehenden Baubestandes aufweisen, sind diese Maßnahmen von Bedeutung (vgl. Huovila et al. 2009, S. 14). Der größte Anteil an CO² Einsparungen des Gebäudebestandes bis 2030 ist durch das Nachrüsten oder Renovieren von Gebäuden anhand von Nachhaltigkeitskriterien zu erwarten (vgl. Levine et al. 2007, S. 389).

Durch die lange Lebensspanne von Gebäuden entstehen rund 80% des Energieverbrauchs durch das Beheizen, das Kühlen, Ventilation, Beleuchtung und andere verwendete Geräte oder Applikationen (vgl. Huovila et al. 2009, S. 6). Die größten Einsparpotentiale ergeben sich, wenn zu Beginn des Lebenszyklus, während der Planungsphase des Gebäudes, bereits Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt werden (siehe Abbildung 4).

Abbildung 4: Phasen des Lebenszyklus von Gebäuden

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Nachhaltigkeit eines Gebäudes kann über den gesamten Lebenszyklus betrachtet werden. Quelle: Eigene Übersetzung nach Huovila et al. 2009, S. 11 nach Graham 2003

Die Technologien für nachhaltiges Bauen werden in Gebäuden in Form vieler, zusammenwirkender Maßnahmen eingesetzt. Die bei Bau und Planung zu beachtenden Grundsätze der Nachhaltigkeit sind ökologischer, ökonomischer und soziokultureller Dimension (vgl. BMVBS 2011b, S. 14ff).

Die ökologische Qualität des nachhaltigen Bauens hat den Schutz der natürlichen Ressourcen und des Ökosystems zum Ziel (vgl. BMVBS 2011b, S. 18). Green Buildings orientieren sich in erster Linie an der ökologischen Dimension (siehe Abbildung 3). Aspekte sind vor allem Maßnahmen der Senkung des Ressourcen- und Energieverbrauches von Gebäuden. Hierzu existiert eine Vielzahl an Technologien (vgl. Levine et al. 2007, S. 392ff, siehe Abbildung 5). Um die Energiekosten für das Beheizen und Kühlen von Gebäuden zu reduzieren, werden Gebäude isoliert. Dies schützt Gebäude vor dem Eindringen von Außenluft und steuert den Angleich der Temperatur durch Dämmmaterialien (vgl. Levine et al. 2007, S. 394). Die Energieeffizienz der Geräte, die für den Betrieb von Gebäuden verwendet werden, kann verbessert werden (vgl. Levine et al. 2007, S. 394). Regenerative Energiequellen wie Solarenergie, Solarthermie, Geothermie und Wärmetauschanlagen können den Betrieb von Gebäuden nachhaltig und ohne CO2- Emissionen unterstützen (vgl. Levine et al. 2007, S. 394). Durch die Wiederverwendung von Grauwasser und die Gewinnung von Regenwasser sind weitere Einsparungen möglich (vgl. UNEP 2011a, S. 352). Die verwendeten Materialien sind zu einem hohen Anteil wiederverwertbar oder umweltfreundlich entsorgbar.

Die ökonomische Dimension des nachhaltigen Bauens zielt das eingesetzte Kapital und die Werte von Green Buildings ab (vgl. BMVBS 2011b, S. 22ff). Ziele sind die Optimierung von Lebenszykluskosten, die Erhöhung der Ressourcenproduktivität durch Prinzipien der Wirtschaftlichkeit sowie der Erhalt von Kapital und Gebäudewert (vgl. BMVBS 2011b, S. 22). Maßnahmen einer Optimierung sollten sich demzufolge stets an ökonomischen Nachhaltigkeitsaspekten messen lassen, zum Beispiel durch Lebenszykluskostenanalysen oder Bewertungsverfahren, welche Nachhaltigkeit mit einbeziehen (vgl. BMVBS 2011b, S. 22ff).

Die soziokulturelle und funktionale Qualität des nachhaltigen Bauens bezieht sich auf Faktoren, welche Einfluss auf die soziokulturelle Identität des Menschen besitzen (vgl. BMVBS 2011b, S. 28). Die Ziele sind die Funktionalität, Gestaltungsqualität sowie die Bewahrung von Gesundheit, Sicherheit und Behaglichkeit von Gebäuden (vgl. BMVBS 2011b, S. 28). Maßnahmen zur Gewährleistung der Zielerfüllung sind unter anderem die Abstimmung von Gesamtentwurfskonzept, Raumaufteilung, Innenarchitektur, infrastrukturelle Zugänglichkeit sowie die Ver- und Entsorgung (vgl. BMVBS 2011b, S. 29). Beispielsweise kann die Arbeitsplatzqualität kann gegenüber konventionellen Gebäuden durch bessere Belüftung, Beleuchtung, Raumakustik und die Verwendung gesundheitsschonender Baumaterialien gesteigert werden (vgl. Lockwood 2006, S. 1f.).

Abbildung 5: Schematische Abbildung von Green Buildings

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung einiger Kernkomponenten von üblichen Technologien und Planungsaspekten von Green Buildings. Quelle: New England Metal Roof 2011

Die in den Gebäuden verwendeten Technologien für energiesparendes Bauen (siehe Abbildung 5) sind weltweit verfügbar und anwendbar. Neben ökologischen Aspekten sind viele Energiesparmaßnahmen auch mit Kosteneinsparungen über die gesamte Lebensspanne des Bauwerks verbunden. Baumaßnahmen für Green Buildings sind nicht nur in Form von Hochtechnologiekomponenten am Bau in Industrieländern, sondern auch in anderer Form in Entwicklungs- und Schwellenländern verfügbar (Huovila et al. 2009, S. 6).

Barrieren für die Implementierung neuer ökologischer und energiesparender Technologien sind jedoch vielfältig. Ökonomische und finanzielle Aspekte wie Opportunitätskosten, Marktversagen oder eine spezielle Branchenstruktur können Hindernisse darstellen (vgl. UNEP 2011a, S. 361). Ebenso existieren politische und strukturelle Hindernisse, organisatorisch oder durch die Limitierung von Informationen und Kapazitäten bedingt (vgl. UNEP 2011a, S. 361). Oftmals fehlt vor Ort das Fachwissen, um Verbesserungsmaßnahmen durchzuführen (Huovila et al. 2009, S. 6). Häufig sind auch die Vorteile von Green Buildings nicht ausreichend bekannt. Das Fehlen von Indikatoren, welche die Qualität der Nachhaltigkeit eines Gebäudes messen, ist ein weiterer Aspekt, der sich negativ auf die Verbreitung auswirkt (vgl. Huovila et al. 2009, S. 14f.).

Die Verbreitung von nachhaltigen Gebäuden und somit auch Green Buildings ist ein Ziel vieler Regierungsorganisationen. Diese Zielsetzung wird durch politische Maßnahmen verfolgt, welche auf verschiedenen Regierungsebenen stattfinden.

4.1 Politische Rahmenbedingungen

Die Nachhaltigkeit im Bausektor wird durch Regierungen und Regierungsorganisationen vorangetrieben. Durch den hohen Anteil an CO2 Emissionen am Gesamtaufkommen ist der Gebäudesektor in den Fokus vieler Regierungen geraten, wenn es um die Durchsetzung der festgelegten Klimaziele geht. Politische Ziele und Maßnahmen zur Regulierung des Bausektors und der Förderung von grünen Gebäuden werden auf verschiedenen Ebenen verfolgt.

Auf länderübergreifender Ebene ist das Kyoto-Protokoll, welches gegenwärtig durch 192 Länder ratifiziert wurde, das bedeutendste Abkommen (vgl. Nelson et al. 2010, S. 7f.). Neben dem Kyoto Protokoll sind aktuell das UN-Rahmenübereinkommen über Klimaänderungen und das Montrealer Protokoll zum Schutz der Ozonschicht die relevantesten internationalen Abkommen (vgl. BMVBS 2011a, S. 3). In der Europäischen Union (EU) findet ebenfalls eine staatenübergreifende Einflussnahme auf das nachhaltige Bauen statt. Im Rahmen der Leitmarktinitiative für nachhaltiges Bauen wird auf EU Ebene an Strategien und Richtlinien für den Bausektor gearbeitet. Die Europäische Richtlinie für energieeffiziente Gebäude (EPBD) und die Bauproduktrichtlinie (CPD) sind auf europäischer Ebene Richtlinien mit direktem Bezug zum nachhaltigen Bauen (vgl. BMVBS 2011a, S. 4).

Neben den durch Regierungen und deren übergeordneten Organisationen beschlossenen Regelungen existieren eine Reihe von unverbindlichen internationalen Standards und Normen. Von den durch die Internationale Organisation für Normung (ISO) und das Technische Komitee (TC) entwickelten Standards und Normen befassen sich 59 mit Nachhaltigkeitsaspekten am Bau. Teilweise wurden diese Normen bereits in verbindliche EU-Richtlinien übernommen (vgl. BMVBS 2011a, S. 4).

Inhaltlich werden durch die Politik auf nationaler und lokaler Ebene zunehmend Umwelttechnologien am Bau durch einen Maßnahmenkatalog aus regulierenden Gesetzen, Anreizsystemen oder die Unterstützung freiwilliger Beteiligung gefördert (siehe Tabelle 10). Meist werden zudem gesetzlich verpflichtende Mindeststandards eingeführt, die es zu unterschreiten gilt (siehe Abbildung 6). Teilweise werden die Maßnahmen von den genannten, übergeordneten Regelwerken in nationales oder lokales Recht übernommen, teilweise werden eigene Gesetze entwickelt. In der EU wird meist eine Mischung an staatlichen Möglichkeiten der Einflussnahme eingesetzt (vgl. Nelson et al. 2010, S. 7). Die Regulierungsmaßnahmen für Gebäude betreffen z.B. Bauvorschriften oder das Ausstellen von Energieausweisen, welche Transparenz schaffen (siehe Tabelle 10). Über Steuern und Umweltrichtlinien werden Nachhaltigkeitsaspekte gefördert und Nichtbeachtung sanktioniert. Außerdem senden Regierungsorganisationen durch die Übernahme von Nachhaltigkeitsstandards oder den organisationseigenen Bau nachhaltiger Gebäude oft positive Signale an den Markt, welche die Legitimation nachhaltiger Gebäude stärkt und eine Nachfrage erzeugt. Ein Effekt der staatlichen Nachfrage ist die Erlernung des benötigten Fachwissen durch Bauträger und andere beteiligte Akteure (vgl. Nelson et al. 2010, S. 7f.).

Abbildung 6: Entwicklung energiesparender Gebäude.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die roten Linien zeigen die gesetzlichen energetischen Mindestvoraussetzungen von Gebäuden in Deutschland. Die graue Linie zeigt die Baupraxis, die Grenzwerte permanent unterschreitet und sich gegen Null annähert. Die blaue Kurve zeigt die technisch mögliche Energieeffizienz von Gebäuden. Quelle: Fraunhofer Institut für Bauphysik, DEGI Research 2008

Gesetze, Richtlinien, Normen und Standards und andere Regelungen bilden auf nationaler Ebene ein Geflecht, das nachhaltiges Bauen steuert und fördert. In Industrieländern sind die strengsten und dichtesten Regularien zu finden, aber auch Schwellen- und Entwicklungsländer entwickeln zunehmend Instrumente zur Regulierung (vgl. Huovila et al. 2009, S. 23). Insgesamt ist eine Zunahme der institutionellen Regulierung durch Regierungsorganisationen auf dem Bereich des Green Building erkennbar:

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Ende der Leseprobe aus 165 Seiten

Details

Titel
Die globale Verbreitung von LEED: Der Erfolg freiwilliger Standards im Green Building Sektor
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Fachbereich Geographie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
165
Katalognummer
V199932
ISBN (eBook)
9783656292234
ISBN (Buch)
9783656294719
Dateigröße
9816 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine hauptsächlich quantitative Arbeit mit Fokus auf Verbreitungsmuster des LEED Standards. Andere Gebäudestandards sowie freiwillige Standards allgemein werden untersucht und aus institutioneller Perspektive betrachtet.
Schlagworte
LEED, Green Building, Standards, Geographie, GIS, Wirtschaftsgeographie, Stadtgeographie, Verbreitung, Diffusion, DGNB, BREEAM
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Nils Räder (Autor), 2011, Die globale Verbreitung von LEED: Der Erfolg freiwilliger Standards im Green Building Sektor, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199932

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