Altes Testament Exegese Jesaja 42,1-9


Hausarbeit, 2011

16 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhalt

1. Annäherung an den Text

2. Übersetzungsvergleich

3. Sprachliche Gestalt des Textes
3.1. Aufbau und Gliederung
3.2. Abgrenzung
3.3. Stilistische Merkmale, auffällige Begriffe

4. Wort- und Sacherklärungen
4.1. Der Knecht
4.2. Das Recht
4.3. Der Bund
4.4. Die Weltstämme/Völker/Heiden/Ozeanküsten

5. Der Text in seinem Kontext

6. Historischer Kontext

7. Zusammenfassung

8. Literatur

1. Annäherung an den Text

Beim ersten Lesen ist mir vor allem aufgefallen, dass es sich um einen poetischen Text handelt, der ausdrucksstarke Bilder benutzt: z. B. das geknickte Rohr, den glimmenden Docht. Inhaltlich erschließt sich die Aussage des Textes nicht so ohne Weiteres: Wer spricht zu wem? Wer ist mit dem Knecht gemeint, und was genau ist seine Aufgabe? Welches Recht ist gemeint, und was genau bedeutet der Bund? Ab Vers 5 ist klar ersichtlich, dass es um den Gott Israels geht, den Schöpfergott, der seinen Knecht behütet, der der einzige Gott ist, allmächtig und allwissend. Das Jesajabuch steht im Zusammenhang mit dem babylonischen Exil. Viele Texte daraus werden zu Weihnachten gelesen. Das erste Gottesknechtlied ist in der Perikopenordnung[1] dem ersten Sonntag nach Epiphanias zugeordnet. In diesem Zusammenhang kenne ich die Deutung, dass Jesaja Leben und Sterben Jesu vorausgesagt habe, dass also das ganze Buch wie auch andere Teile des Ersten Testaments als prophetische Ankündigung des Messias Jesus zu verstehen sind. Demnach ist Jesus der Knecht. Aber diese Deutung ist eine speziell christliche Sicht.

2. Übersetzungsvergleich

Ich vergleiche die Lutherbibel von 1984 (Luther), die Bücher der Kündung(BdK) nach der Übersetzung von Buber Rosenzweig und die Elberfelder Bibel (Elberfelder).

Als erstes fällt auf, dass in der Übersetzung von Buber und Rosenzweig das Buch Jeschajahu (Jesaja v. Verf.) an einer anderen Stelle des Kanons steht. In den Büchern der Kündung sind die Propheten zusammen aufgeführt. Die Kanonisierung der Bibel zeigt, dass die Autoren unterschiedliche Wertungen vornahmen. Über die Hintergründe und historischen Gründe möchte ich hier nicht Stellung nehmen. Das Wort Knecht betont die Unterordnung, das hierarchische Verhältnis, Knechtschaft wird mit Rechtlosigkeit und Unterdrückung, vielleicht auch Leiden in Verbindung gebracht. Jedenfalls würden wir von heute aus sagen. Wir sind aber keine Knechte im umgangssprachlichen Gebrauch. Der Knecht wird anschließend als „Erwählter“ bezeichnet, ein Hinweis auf die Besonderheit des Verhältnisses. Der Unterschied zwischen „Geist“ (Luther und Elberfeld) und „Geisthauch“ (BdK[2] ) durchbricht die männliche Sprache: auch die von JHWH ausgehende Geistkraft kann weibliche Züge tragen – das Erste Testament verwendet an anderen Stellen auch weibliche Bilder für die göttliche Zuwendung zu den Menschen, z.B. JHWH als Gebärende.[3] Weniger auf eine männlich dominierte Vorstellungswelt bezogen ist auch der Ersatz von „Herr“ durch „Gott“.

In Vers 5 sagt die Elberfelder „Lebenshauch“ anstatt „Geist“ oder „Geisthauch“ als Übersetzung des hebräischen Wortes ruach. Es bedeutet beides: Atem und Geistkraft. Geist und Leben oder Geist und Atem hängen zusammen, der Geist ist vom lebendigen Körper nicht zu trennen.

Das Wort Seele (V1) bei Luther und in der Elberfelder ist eine Übersetzung des hebräischen Wortes nefesch, das auch die Bedeutung von Atem und Leben haben kann, außerdem Kehle und Person.[4]

In Vers 6, der auch vom Verhältnis Gott und Knecht spricht, steht bei Luther „ich halte dich bei der Hand und behüte dich“ – ein Bild, das an Eltern und Kind erinnert, ähnlich auch in der Elberfelder: “ich ergreife dich bei der Hand“, während bei Buber & Rosenzweig hier nichts der Gleichen aufgeführt ist. Wo Luther in Vers 1 und 6 von „Heiden“ spricht, steht in den BdK „Weltstämmen“ und in der Elberfelder „Nationen“. In Vers 4 heißt es bei Luther „bis er auf Erden das Recht aufrichte“, fast gleich lautend in der Elberfelder. Die BdK formulieren „führe er Recht hin“. Die erste Formulierung legt die Vorstellung nahe, dass das Recht vorher nicht da war, die zweite spricht nach meinem Verständnis von der richtigen Anwendung des Rechts.

In Vers 6 gibt es eine Differenz bei der Verknüpfung zwischen Bund und Volk: Luther sagt “Bund für das Volk“ – da geht die Bewegung vom Bund zum Volk, die Elberfelder sagt „Bund des Volkes“ – da geht die Bewegung vom Volk zum Bund, in den Büchern der Kündung ist nicht von einem Bund die Rede. Auch fehlen die Verse über die Blinden, die Gefangenen und Götzen. Handelt es sich hier um nachträgliche Einfügungen der Übersetzter, zur anschaulicheren Darstellung des leidenden Volkes? Ich konnte hier keine Erklärungen finden. Zur Einführung des Gottesknechtes ist die Übersetzung von Buber & Rosenzweig meines Erachtens ausreichend. Im Weiteren beziehe ich mich auf die Lutherübersetzung.

3. Sprachliche Gestalt des Textes

3.1. Aufbau und Gliederung

Der Text handelt von der Proklamation des Gottesknechts. Er enthält deutlich von einander unterschiedene Abschnitte. Die Verse 1-4 sind eine Einheit. Darin wird in wörtlicher Rede der Knecht – Eved - vorgestellt. Als Sprecher ist JHWH zu vermuten, wer angesprochen wird, bleibt offen. In Vers 5 wird JHWH als Sprecher vorgestellt, nur hier kommt ein Erzähler zu Wort. Insofern ist dieser Vers ein Kommentar zu dem ersten Abschnitt. Gott wird mit seinen Taten als Schöpfer gepriesen. Anschließend kommt wieder wörtliche Rede: JHWH spricht zum Knecht. Er spricht ihm noch einmal seine Erwählung zu und präzisiert den Auftrag. Spätestens in Vers 9, vielleicht auch schon in Vers 8, ist dann nicht mehr eine Einzelperson, sondern eine Personengruppe angesprochen. JHWH stellt sich selbst nun als der einzige Gott vor, der keine Götzen neben sich duldet und der den Gang der Geschichte kennt und offenbart.

[...]


[1] Perikopenbuch.

[2] Eigene Abkürzung für Bücher der Kündung, Buber&Rosenzweig

[3] Vgl. Sals 218ff

[4] Hauk, Friedrich und Schwinge

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Altes Testament Exegese Jesaja 42,1-9
Note
1,5
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V200083
ISBN (eBook)
9783656267232
ISBN (Buch)
9783656268093
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
altes, testament, exegese, jesaja
Arbeit zitieren
Dr. Rex-Oliver Funke (Autor), 2011, Altes Testament Exegese Jesaja 42,1-9, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200083

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