Während seiner fünfjährigen Reise traf Humboldt auf Vertreter aller Schichten und Klassen der lateinamerikanischen Kolonialgesellschaft. Wenngleich Humboldt in erster Linie Beziehungen zu den Angehörigen der weißen Oberschicht pflegte finden sich in seinem Reisejournal auch Hinweise auf Kontakte mit Menschen aus den unteren Bevölkerungsschichten, zu denen neben den Indios auch Zamben, Mestizen und Mulatten, sowie freie und versklavte Schwarze zählten. Die vorliegende Arbeit liefert Einblick in die Natur diese Kontakte geben, wie sie von Humboldt beurteilt wurden und in welchem Ausmaß sie sich in seiner Berichterstattung niedergeschlagen haben. Besonderes Augenmerk wird dabei auf Begegnungen mit der indigenen Bevölkerung gerichtet.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Kenntnisse indigener Sprachen und der Sprachgebrauch Alexander von Humboldts
III. Rassistische Residuen in der Berichterstattung Alexander von Humboldts
IV. Der Indianer als Fabelwesen in der Berichterstattung Humboldts
V. Alexander von Humboldt und sein Umgang mit indianischen Bediensteten
VI. Indianische Gastgeber Alexander von Humboldts
VII. Schlußbetrachtung
VIII. Literatur
VIII.1 Primärliteratur
VIII.2. Sekundärliteratur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Natur der Kontakte Alexander von Humboldts zu Angehörigen der kolonialen Unterschicht während seiner amerikanischen Forschungsreise (1799–1804). Dabei wird analysiert, wie Humboldt diese Begegnungen beurteilte und in welchem Maße sie Eingang in seine schriftliche Berichterstattung fanden, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der indigenen Bevölkerung liegt.
- Humboldts Sprachgebrauch und Kenntnisse indigener Sprachen
- Rassistische Stereotype und die Reflexion von Aufklärungsidealen
- Das Bild des Indios als Fabelwesen in den Reiseberichten
- Umgang mit indianischen Bediensteten und deren Rolle für die Expedition
- Die Begegnung mit indianischen Gastgebern und deren häuslichem Leben
Auszug aus dem Buch
IV. Der Indianer als Fabelwesen in der Berichterstattung Humboldts
Humboldts Forschungsreise nach Amerika zeichnet sich vor allem durch ihre philosophische Zielsetzung aus. Seiner „Kosmos-Idee“ entsprechend, strebte er eine ganzheitliche Beschreibung der von ihm bereisten Gebiete an, die neben geographischen, mineralogischen und botanischen Aspekten auch „das menschliche Leben und damit die Geschichte“ derselben umfassen sollte. Trotz Humboldts vielfach bekundeter Absicht, sich intensiv dem „[...] Studium der verschiedenen Menschen-Racen [...], der Indianer und besonders der Wilden“ zu widmen, nehmen jedoch sowohl in seinen Reisetagebüchern als auch in seinen Briefen ethnologische Betrachtungen gegenüber den naturwissenschaftlichen Beschreibungen einen vergleichsweise geringen Raum ein.
Bei den Berichten von seinen Begegnungen mit Angehörigen der autochtochtonen Bevölkerung fällt auf, daß es oftmals das Extreme, „Exotische“ und auf den europäischen Betrachter befremdlich Wirkende ist, das Humboldt besonders herausstreicht. Drei Beispiele seien hier stellvertretend angeführt:
„(Wir) gelangten [...] zu den Indios Guaicas, eine Art Zwergnazion, kaum 4 Fuß hoch und sehr weiß, nicht kupferbraun, aber tapfere Zwerge berühmt durch die vergifteten Pfeile.“
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, wie Humboldt seine Kontakte zur kolonialen Unterschicht wahrnahm und bewertete.
II. Die Kenntnisse indigener Sprachen und der Sprachgebrauch Alexander von Humboldts: Es wird analysiert, wie Humboldt durch den direkten Umgang mit Indios indigene Begriffe in seinen Sprachgebrauch aufnahm.
III. Rassistische Residuen in der Berichterstattung Alexander von Humboldts: Dieses Kapitel untersucht den Widerspruch zwischen Humboldts antirassistischer Einstellung und der Verwendung latenter rassistischer Stereotype.
IV. Der Indianer als Fabelwesen in der Berichterstattung Humboldts: Hier wird beleuchtet, wie Humboldt die indigene Bevölkerung oft als exotische Phänomene beschrieb, teilweise basierend auf Informationen aus zweiter Hand.
V. Alexander von Humboldt und sein Umgang mit indianischen Bediensteten: Die Bedeutung der indigenen Arbeitskräfte für den Erfolg der Expedition und Humboldts ambivalente Haltung als Dienstherr werden dargestellt.
VI. Indianische Gastgeber Alexander von Humboldts: Das Kapitel beschreibt Humboldts Unterkünfte bei indianischen Familien und die Seltenheit tieferer Einblicke in deren häusliches Leben.
VII. Schlußbetrachtung: Die Arbeit resümiert, dass Begegnungen mit der Unterschicht in Humboldts Werk marginal bleiben und sein Indianerbild von zeitgenössischen Vorurteilen geprägt war.
VIII. Literatur: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Alexander von Humboldt, Lateinamerika, Forschungsreise, koloniale Unterschicht, indigene Bevölkerung, Reiseberichte, Rassismus, Sprachgebrauch, Exotik, Sklaverei, Indios, Interkulturelle Begegnung, Ethnologie, Kolonialgesellschaft, Forschungsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Alltagsbegegnungen Alexander von Humboldts mit Menschen der kolonialen Unterschicht, insbesondere Indios, während seiner Forschungsreise in Amerika.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die sprachliche Integration indigener Begriffe, Humboldts Haltung gegenüber anderen Ethnien, den Umgang mit Bediensteten und die Darstellung der indigenen Kultur in seinen Reiseberichten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Einblicke in die Natur dieser Kontakte zu geben, Humboldts Urteile zu analysieren und festzustellen, in welchem Ausmaß diese Begegnungen seine Berichterstattung prägten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Analyse von Humboldts eigenen Reiseberichten und amerikanischen Briefen sowie auf ausgewählte Sekundärliteratur zu diesem speziellen Thema.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Aspekte wie Sprache, rassistische Residuen, die Darstellung als „exotisches“ Fabelwesen, den Umgang mit indianischen Arbeitskräften und Gastgebern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Humboldt, Forschungsreise, Kolonialgesellschaft, Unterschicht, Indios, Ethnologie und Eurozentrismus.
Wie bewertete Humboldt den kulturellen Status der indigenen Bevölkerung?
Humboldt sah die indigene Kultur nicht generell als „Unkultur“, blieb jedoch bei seiner Wahrnehmung oft einem Ideal des „edlen Wilden“ verhaftet und ordnete ethnologische Themen seinen wissenschaftlichen Zielen unter.
Welche Rolle spielten die indianischen Begleiter für Humboldt?
Obwohl sie für den Erfolg der Expedition (als Träger, Dolmetscher oder Führer) unerlässlich waren, finden sie in seinen Berichten meist nur periphere Erwähnung als anonymisierte Funktionsträger.
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- Anita Breuer (Author), 2002, Alltagsbegegnungen Alexander von Humboldts mit Angehörigen der kolonialen Unterschicht während seiner amerikanischen Forschungsreise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20011