Moderne Anforderungen an Erwerbstätige


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

17 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

1. Historischer Überblick

2. Die sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen der Arbeit
2.1. Ökonomischer Wandel
2.2. Der Wertewandel
2.3. Die Subjektivierung von Arbeit

3. Neue Arbeitsformen und empirisches Feld

4. Unternehmer - ihrer – selbst

5. Chancen und Risiken

Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

„Leistungspotenziale der Arbeitskräfte können in neuer Qualität

und Intensität genutzt werden, weil sie im Rahmen selbstorganisierten

Arbeitens von den Subjekten selbst mobilisiert und freiwillig eingebracht werden.“

(H.J. Pongratz6 2008:469)

Einführung

Die technologische und wirtschaftliche Entwicklung auf den Weltmärkten hat brisante Veränderungen in der Arbeitswelt ausgelöst. In diesem Zusammenhang spricht Ralph Sichler vom Ende der Industriegesellschaft und vom Übergang zur Wissensgesellschaft, wo die Autonomie des einzelnen Akteures eine wesentliche Rolle spielt:

„Sowohl in ihrer Arbeit als auch in Bezug auf ihre Arbeit beanspruchen heute viele Menschen einen großen Freiraum. Sie wollen selbst entscheiden, wann sie welche Arbeiten mit welchen Mitteln erledigen. Und sie wollen die zeitliche Anordnung von Arbeitszeiten und Freizeiten möglichst selbstständig regeln.“(Ralph Sichler8 2006:39)

Mit dem Wandel der Anforderungen an Erwerbstätige ändert sich der Verlauf ihrer Erwerbsbiographie. Ralph Sichler zufolge wird die traditionelle Erwerbsbiographie heutzutage durch die sogenannte fragmentierte Erwerbsbiographie ersetzt. Die typischen Lebensabschnitte wie Ausbildung, Erwerbstätigkeit und Ruhestand werden mit diversen berufspraktischen Tätigkeiten, Zusatzqualifizierungen, Umschulungen, Teil- oder Nicht-Erwerbstätigkeit vervollständigt.

Der Globalisierungsprozess bringt einen hohen Konkurrenzdruck mit sich, der einen großen Einfluss auf die Gestaltung sowohl des Arbeitslebens als auch auf die Gestaltung des Privatlebens ausübt. Die Prozesse der Dezentralisierung und der Individualisierung erfordern möglichst flexible Arbeitsformen in den Organisationsstrukturen. Somit ändert sich auch das klassische Bild des Mitarbeiters. In meiner Arbeit versuche ich folgende Frage zu beantworten: inwiefern werden die Anforderungen an Erwerbstätige vom Markt beeinflusst und welche Chancen und Risiken sind damit verbunden. Im Weiteren werde ich mich mit der These vom Arbeitskraftunternehmer als neuem Leittypus der Erwerbsarbeit von Voß und Pongratz auseinandersetzen und empirische Studien zu dieser These analysieren.

1. Historischer Überblick

Laut Voß und Pongratz werden drei Typen der Arbeitskraft im Laufe des industriellen Kapitalismus unterschieden:

1. Der proletarisierte Lohnarbeiter der Frühindustrialisierung:

In dieser Phase war die Arbeitskraft vorwiegend von den bäuerlich-handwerklichen Fähigkeiten geprägt und hatte gering entwickelte fachliche Qualifikationen. Betriebe kauften „rohe“ Arbeitskraft ein, die minimal entlohnt wurde und über keine soziale Sicherung verfügte.

2. Der verberuflichte Arbeitnehmer des Fordismus:

Auf der fortgeschrittenen Etappe der Industrialisierung dominierte eine neue Form von Arbeitskraft, die sich durch stetige Bildung und traditionelle Fachqualifikationen charakterisierte. Fleiß, Ordnung und Pünktlichkeit wurden zu Hauptmaximen am Arbeitsplatz, die durch psychosoziale Führungstechniken kontrolliert wurden. Im Unterschied zu dem proletarisierten Lohnarbeiter bekam der verberuflichte Arbeitnehmer die soziale Absicherung, die Arbeitsteilung der Geschlechter und steigende Löhne bei sinkenden Arbeitszeiten.

3. Der verbetrieblichte Arbeitskraftunternehmer des Postfordismus:

Das neue Modell der Arbeitskraft – der Arbeitskraftunternehmer wurde von Voß und Pongratz geprägt und geht davon aus:

„dass die Erwerbstätigen zunehmend unternehmerisch mit ihrer eigenen Arbeitskraft umgehen müssen.“ (Thomas Matys5 2006:139)

Diese These vom Arbeitskraftunternehmer entspricht damit den modernen Forderungen der Betriebe, die:

„statt auf Anweisung reagierender Arbeit-Nehmer zunehmend selbstständig agierende Auftrag-Nehmer suchen, die bereit sind, sich bei jeder Aufgabe von neuem zu beweisen.“ (Thomas Matys5 2006:139)

Mit dem Übergang vom Arbeitnehmer zum Arbeitskraftunternehmer tritt die lebenslange und selbstverständliche Bindung an das Unternehmen offenbar zurück. Dieser Wandel ist durch drei Dimensionen gekennzeichnet, auf die ich im nächsten Abschnitt genauer eingehen werde.

2. Die sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen der Arbeit

Heinz-Jürgen Dünzl nennt drei Dimensionen der veränderten sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen der Arbeit, die den neuen Typus der Arbeitskraft- der Arbeitskraftunternehmer begünstigt haben:

2.1. Ökonomischer Wandel:

Der ökonomische Wandel ist sehr eng mit dem Begriff der wirtschaftlichen Globalisierung verbunden. Im Anschluss an Jäger versteht Heinz-Jürgen Dünzel unter der wirtschaftlichen Globalisierung:

„die weltweite Vernetzung ökonomischer Aktivitäten, d.h. die Ausdehnung und die Vernetzung der Märkte, sowie die Internationalisierung der industriellen Produktion und der finanz-und unternehmensbezogenen Dienstleistungen. Als Triebkräfte dieser Entwicklung gelten insbesondere politische Deregulierungsmaßnahmen, technologischer Fortschritt, sinkende Transportkosten und Lohngefälle, sowie geänderte Investitionsstrategien der Unternehmen“ (Heinz-Jürgen Dünzl2 2010: 63)

Im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Globalisierung spricht man über die Entgrenzung der Unternehmensorganisation. Der internationale Wettbewerb sorgt dafür, dass sich Organisationsstrukturen neu entwickeln. Die innere Organisationstruktur wird dabei dezentralisiert. Dieter Sauer zufolge bezeichnet die Dezentralisierung:

„die organisatorische Seite der Desintegration hierarchisch strukturierter Unternehmenskomplexe: die Verringerung der Leistungsstufe, die Verlagerung von Kompetenzen zentraler Instanzen auf ausführende Stellen, die Stärkung der Autonomie und Eigenverantwortung von Organisationseinheiten.“ (Dieter Sauer7 2010:553)

Neben der Dezentralisierung gehört auch die Vermarktlichung zu dem zentralen Prinzip der modernen Unternehmen, die in Anlehnung an Dieter Sauer meint:

„die Seite der Koordination und Steuerung durch den Markt. Sie umgreift zwei Momente: Einerseits öffnet sich das Unternehmen gegenüber dem Markt durch eine möglichst unmittelbare Anbindung der dezentralisierten Organisationseinheiten an die Marktentwicklungen. Andererseits nimmt sich das Unternehmen Markt- und Konkurrenzmechanismen in der internen Organisation zum Vorbild.“ (Dieter Sauer7 2010:553)

Solch eine Neuausrichtung des modernen Unternehmens führt zur zwangsmäßigen Anpassung der Beschäftigten an die permanent sich verändernden Arbeitsanforderungen auf dem Markt. Die Erwerbstätige müssen sich selbst auf dem Arbeitsmarkt gut „verkaufen“ können, um weiterhin erfolgreich im Beruf zu bleiben.

Die nächste Dimension, die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt hervorgerufen hat, ist laut Heinz-Jürgen Dünzl:

2.2. Der Wertewandel:

Der Wertewandel hängt eng mit dem Begriff der Individualisierung zusammen. Unter Bezug auf Beck beschreibt Ralph Sichler die Individualisierung als Phänomen:

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Moderne Anforderungen an Erwerbstätige
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V200141
ISBN (eBook)
9783656263883
ISBN (Buch)
9783656264200
Dateigröße
401 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
möglich bis zur Veröffentlichung
Arbeit zitieren
Olga U. (Autor), 2011, Moderne Anforderungen an Erwerbstätige, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200141

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