In der Arbeit wird das „größte Projekt der Welt“ des Münchner Architekten Herman Sörgel erläutert: Das „Atlantropa“-Projekt. Seine Pläne beinhalteten einen Zusammenschluss des europäischen und des afrikanischen Kontinents zu einem wirtschaftlichen und politischen Großraum. Zunächst sah das Projekt die Erschließung des Mittelmeerraumes und Nordafrikas vor, um Siedlungsmöglichkeiten für Weiße und kultivierbares Land zu gewinnen. Später zog S. auch Zentralafrika in seine Planungen mit ein. Die Erschließung sollte durch die Absenkung des Mittelmeerspiegels und den dadurch ermöglichten Bau von Dämmen vollzogen werden, um beide Kontinente auf dem Landweg zu verbinden.
Im Folgenden werden weniger die technischen Vorgänge des Projekts, sondern die geographischen, wirtschaftlichen und sozial-politischen Auswirkungen auf Europa und insbesondere auf den afrikanischen Kontinent im Vordergrund stehen. Die geographischen Auswirkungen und die wirtschaftlich-politische Bedeutung des Projekts bezüglich Europas lassen sich relativ leicht darstellen, während gleiches für Afrika nicht ganz zutrifft. Europa stand immer im Mittelpunkt, während der Kontinent Afrika zwar klimatisch und räumlich eine Rolle für das Projekt spielte, ansonsten jedoch keine große Beachtung fand. Während für Europa Lösungen zum Erhalt von Landstrichen geplant wurden und es um das Wohl der Europäer ging, wurde der Natur und Bevölkerung Afrikas keine große Aufmerksamkeit geschenkt. Deshalb tauchten in den „Atlantropa“-Texten auch keinerlei Äußerungen bezüglich der Konsequenzen für Land und Leute Afrikas auf. Es stellt sich die Frage, inwiefern Afrika bei einer Verwirklichung von „Atlantropa“ von diesem Projekt wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich profitiert hätte. Wenn in den Plänen der europäische Kontinent von so großer Bedeutung war, ging es Sörgel und den Europäern nicht vielmehr um den Selbsterhalt und die Stärkung des eigenen Kontinents, als um ein Entwicklungsprojekt wirtschaftlicher und politischer Art für Afrika?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Großprojekt „Atlantropa“
2.1 Sein Schöpfer Herman Sörgel
2.2 Idee und Anfänge des Projekts
3. „Atlantropa“ und Europa
3.1 Die Erschließung Europas
3.2 Auswirkungen der Erschließung für Europa
3.3 Bedeutung „Atlantropas“ für Europa
4. „Atlantropa“ und Afrika
4.1 Die Erschließung Afrikas
4.2 Auswirkungen der Erschließung für Afrika
4.3 Bedeutung „Atlantropas“ für Afrika
5. Das Ende „Atlantropas“
6. Schlusswort
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit analysiert das utopische Projekt „Atlantropa“ des Architekten Herman Sörgel, welches durch die Absenkung des Mittelmeerspiegels eine Landverbindung zwischen Europa und Afrika schaffen wollte. Ziel ist es, die geopolitischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen dieses Vorhabens zu untersuchen sowie die rassistischen Implikationen und die Instrumentalisierung Afrikas als „geopolitisches Ventil“ zur Stärkung Europas kritisch zu hinterfragen.
- Biographische Einordnung von Herman Sörgel und Entstehung der Projektvision
- Technische Vision der Mittelmeerabsenkung und Auswirkungen auf europäische Küstenstädte
- Wirtschaftliche Motivation zur europäischen Krisenbewältigung nach dem Ersten Weltkrieg
- Kritische Analyse der rassistischen Komponenten und der fehlenden Berücksichtigung afrikanischer Interessen
- Gründe für das Scheitern des Projekts nach dem Zweiten Weltkrieg
Auszug aus dem Buch
Die Erschließung Europas
Die Veränderungen sollten sich von Gibraltar bis nach Palästina, von Norditalien bis in die Sahara, später bis nach Zentralafrika erstrecken. Neben dem gesamten Mittelmeerraum sollte auch der afrikanische Kontinent erschlossen werden, auf den im einzelnen noch eingegangen wird.
Bei Gibraltar sollte ein Damm mit dem größten Wasserkraftwerk „Atlantropas“ entstehen. Auf einer Breite von 14 Kilometern und mit einer Staumauer von 300 Metern Höhe sollte das Wasser aus dem Atlantik gehindert werden, ins Mittelmeer zu fließen. Dafür benötigte Sörgel einen hohen Materialaufwand. Die Ingenieure, die ihn in bauwassertechnischen Fragen berieten, sahen die Verwirklichung technisch machbar. Wie Sörgel betrachteten sie „Atlantropa“ nicht als Utopie und wollten an der Realisierung aktiv teilnehmen. Der Gibraltardamm sollte zum einen den Verdunstungsprozess vorantreiben und zum anderen die beiden Kontinente Europa und Afrika verbinden. In der Nähe des Dammes wäre ein Symbolbau entstanden, der als Wahrzeichen „Atlantropas“ galt. Er sollte das damals im Bau befindliche Empire State Building um 70 Meter überragen. Damit wäre deutlich gemacht worden, dass „Atlantropa“ als starker Superkontinent Amerika gegenübersteht, d.h. auf wirtschaftlicher sowie politischer Ebene konkurrenzfähig ist. Das Gebäude sollte in Friedenszeiten als Aussichtsturm genutzt werden und im Falle einer kriegerischen Auseinandersetzung Geschütze und Luftabwehranlagen tragen, um vor Angriffen zu schützen. Damm und Kraftwerk sollten als Westportal „Atlantropas“ fungieren und von Schiffen passierbar sein. Somit wäre die Schifffahrt weiterhin gesichert und neue wirtschaftliche Verkehrswege erschlossen worden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Projekt Atlantropa und die Fragestellung nach dem Nutzen für Afrika.
2. Das Großprojekt „Atlantropa“: Vorstellung des Architekten Herman Sörgel sowie der technischen und ideellen Grundlagen des Projekts.
3. „Atlantropa“ und Europa: Analyse der technischen Pläne für Europa sowie der ökonomischen und politischen Motive hinter dem europäischen Zusammenschluss.
4. „Atlantropa“ und Afrika: Untersuchung der geplanten Eingriffe in den afrikanischen Kontinent und der damit verbundenen sozio-politischen sowie rassistischen Konsequenzen.
5. Das Ende „Atlantropas“: Darlegung der Ursachen für das Scheitern des Projekts unter Berücksichtigung weltpolitischer Veränderungen.
6. Schlusswort: Zusammenfassende Bewertung der rassistischen Ideologie Sörgels und der Instrumentalisierung Afrikas als Mittel zum Zweck.
Schlüsselwörter
Atlantropa, Herman Sörgel, Mittelmeerabsenkung, Geopolitik, Europäische Föderation, Afrika, Kolonialismus, Lebensraum, Wasserkraft, Infrastruktur, Rassismus, 20. Jahrhundert, Großprojekt, Wirtschaftseinheit, Infrastrukturplanung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem „Atlantropa“-Projekt, einem gigantischen architektonisch-technischen Vorhaben des Architekten Herman Sörgel, das Europa und Afrika durch eine massive Absenkung des Mittelmeerspiegels physisch und wirtschaftlich vereinen sollte.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die technischen Entwürfe, die wirtschaftlichen Erwartungen zur Krisenbewältigung in Europa, die massiven geografischen Veränderungen sowie die sozio-politische und rassistische Haltung des Autors gegenüber dem afrikanischen Kontinent.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, inwiefern der afrikanische Kontinent von diesem Projekt tatsächlich profitiert hätte und ob der "Schwarze Kontinent" lediglich als Mittel zur Stärkung der europäischen Machtposition missbraucht werden sollte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Analyse von Sörgels Originaltexten, zeitgenössischen Presseberichten und sekundärwissenschaftlicher Literatur zur Geschichte der Technik und Geopolitik des 20. Jahrhunderts.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Pläne für Europa, die spezifischen Erschließungsprojekte für Afrika sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der rassistischen Komponente, die den afrikanischen Bevölkerungsgruppen ihre Lebensgrundlage zugunsten europäischer Interessen entzogen hätte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Atlantropa, Geopolitik, Lebensraum, Mittelmeerabsenkung, Rassismus und Herman Sörgel.
Warum sah Sörgel Afrika explizit als „geopolitisches Ventil“?
Für Sörgel diente Afrika als Ausgleichsfläche für die Überbevölkerung in Europa sowie als Rohstofflieferant und Absatzmarkt, um die Eigenständigkeit Europas gegenüber den aufstrebenden Mächten Amerika und Asien zu sichern.
Inwiefern beeinflusste das politische Klima der 1930er Jahre das Projekt?
Das Projekt entstand in der wirtschaftlich schwierigen Zeit der Weimarer Republik und versprach durch Großprojekte die Überwindung von Arbeitslosigkeit und wirtschaftlichem Rückstand, geriet jedoch später in Konflikt mit den spezifischen Expansionsplänen des Nationalsozialismus.
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- Anne Sophie Günzel (Author), 2003, Das "Atlantropa"-Projekt. Erschließung Europas und Afrikas, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20022