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Architektur und Hauptstadtplanung in der stalinistischen Sowjetunion am Beispiel Moskaus

Title: Architektur und Hauptstadtplanung in der stalinistischen Sowjetunion am Beispiel Moskaus

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 34 Pages , Grade: Gut plus

Autor:in: Marc Zivojinovic (Author)

History - Asia
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Die Darstellung beschränkt sich hierbei räumlich auf das Beispiel Moskaus, da sich dort – vor allem wegen der exponierten Rolle als (rote) Hauptstadt – alle wesentlichen Merkmale der stalinistischen Verflechtungen zwischen Architektur und Propaganda exemplarisch belegen lassen. Als zeitlicher Rahmen ist die Zwischenkriegszeit vorgegeben. Nach einigen Bemerkungen zum derzeitigen Forschungsstand, wird der Frage nachzugehen sein, wie stalinistische Architektur definiert werden kann und welche Spezifika in ihr zum Ausdruck kommen. Dabei können im Wesentlichen zwischen zwei Phasen in der architektonischen Debatte der Zwischenkriegszeit, analog zur denen der bildenden Kunst, unterschieden werden. Die erste Phase, die als avantgardistisch bzw. pluralistisch bezeichnet werden kann, ist durch das Ringen der verschiedenen Architekturströmungen in den 20er Jahren, bei dem die Vertreter moderner, konstruktivistischer Vorstellungen unterlagen, gekennzeichnet.
In der sich anschließenden Unifizierungsphase kam die Verengung der Diskussionsmöglichkeiten durch den Primat des Sozialistischen Realismus als Voraussetzung für die Durchsetzung eines einheitlichen sowjetischen Stils zum tragen. Die Beobachtungen werden darauf folgend anhand von drei Beispielen konkretisiert, die für die stalinistische Architektur in Moskau von herausragender Bedeutung sind. Zunächst wird in diesem Zusammenhang auf den Wettbewerb um den Palast der Sowjets eingegangen, mit dem die Suche nach dem sowjetischen Stil zu Ende gebracht wurde. Daraufhin sollen die Rolle Moskaus als „rote Hauptstadt“ und die vorgenommenen bzw. projektierten Veränderungen, die aus dem Generalplan zur Stadterneuerung Moskaus von 1935 resultierten, illustriert werden. Als letztes Beispiel verdeutlicht die Kampagne, die den Bau der Moskauer Metro begleitete, das Instrumentarium und die Funktionsweise der sowjetischen Propaganda und ihre Rezeption.
Die der Betrachtung übergeordnete Frage nach dem Wesen der stalinistischen Architektur soll nicht das ästhetische Für und Wider abwägen, sondern vielmehr zeigen, wie sich die sowjetische Staatsmacht der Architektur mittels des propagandistischen Vehikels gezielt bediente und welche Effekte damit erzielt werden sollten und wurden, wobei auch auf die Außenwirkung der Propaganda zur Selbstdarstellung des Sowjetstaates gegenüber dem Ausland eingegangen wird.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1.0. Einleitung

1.1. Forschungsstand

1.2. Definitionsansätze zur stalinistischen Architektur

2.1.Die pluralistische Periode: Kräftemessen zwischen Modernisten und Traditionalisten

2.2. Der Weg zur Unifizierung und die Erfindung des sozialistischen Realismus

3.1. Der Wettbewerb um den Palast der Sowjets: Endgültige Bestimmung des stalinistischen Stils

3.2. Moskau – Die Rote Metropole und der Generalplan zur Stadterneuerung

3.3. Der Bau der Metro als Propagandafeldzug

4.0. Schlussbemerkung

5.0 Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die enge Verflechtung von stalinistischer Architektur und sowjetischer Propaganda im Moskau der Zwischenkriegszeit. Das primäre Ziel besteht darin aufzuzeigen, wie das Regime architektonische Großprojekte als Mittel zur politischen Legitimation, zur Selbstdarstellung nach außen und zur Verfestigung totalitärer Herrschaftsstrukturen gezielt instrumentalisierte.

  • Entwicklung und Definition der stalinistischen Architektur zwischen Pluralismus und Unifizierung.
  • Die architektonische Inszenierung von Macht am Beispiel des (nicht realisierten) Palastes der Sowjets.
  • Die städtebauliche Neugestaltung Moskaus als „rote Hauptstadt“ durch den Generalplan von 1935.
  • Die Rolle der Moskauer Metro als zentrales Propagandainstrument und Prestigeobjekt.
  • Techniken der Massenbeeinflussung und Mobilisierung innerhalb des stalinistischen Systems.

Auszug aus dem Buch

3.1. Der Wettbewerb um den Palast der Sowjets: Endgültige Bestimmung des stalinistischen Stils

Wie bereits gezeigt wurde, war es der stalinistischen Führungselite gelungen, die architektonische Diskussion einzuengen und den sozialistischen Realismus als einzig verbindliche Doktrin auch für die Architektur vorzuschreiben. Die Ungenauigkeit der Definition resultierte scheinbar daraus, dass ein einheitlicher sowjetischer Stil bereits postuliert wurde, noch ehe er gefunden bzw. anerkannt worden war.

Der Wettbewerb um den Palast der Sowjets, der zwischen 1931 und 1933 in vier Runden ausgetragen wurde, hatte demnach praktisch die Aufgabe, den sowjetischen Stil zu definieren. Das Vorhaben war das gigantischste architektonische Projekt, das nach der Revolution in Moskau angegangen wurde und besaß demnach größtes politisches Gewicht, zumal es als „Oberstes Gebäude“ das formell höchste Staatsgremium beherbergen sollte.

Pläne zu dem Bau eines monumentalen Palastes im Moskau waren nach der Revolution immer wieder diskutiert worden und 1923 war bereits ein Wettbewerb für den „Palast der Arbeit“, wie das Gebäude zu dieser Zeit noch genannt werden sollte, durchgeführt worden. Daraufhin war es jedoch einige Jahre still um das Vorhaben geworden.

Um dem Projekt einen neuen Schub zu geben, wurden 1931 verschiedene Kommissionen gegründet, die mit der Durchführung des Projekts beauftragt wurden (Baukommission, Verwaltungskommission, Technische Kommission).

In der ersten Wettbewerbsrunde sollten die Kriterien für die eigentliche Entscheidung festgesetzt werden, wozu auch der Standort gehörte. Zwölf Aufträge wurden an die verschiedenen Architektengruppen und einige Einzelpersonen vergeben. Bemerkenswert ist, dass die eingegangenen Entwürfe im August 1931 zunächst im Historischen Museum Moskaus der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und später in einer Autofabrik in der Umgebung der Belegschaft zur Beurteilung vorgestellt wurden, wo sie von ca. 2.500 Werksangehörigen begutachtet wurden.

Zusammenfassung der Kapitel

1.0. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der stalinistischen Architektur in Moskau ein und erläutert die Zielsetzung sowie den zeitlichen Rahmen der Untersuchung.

1.1. Forschungsstand: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die bestehende geschichtswissenschaftliche Literatur und den bisherigen Kenntnisstand zur stalinistischen Architektur.

1.2. Definitionsansätze zur stalinistischen Architektur: Hier werden theoretische Ansätze zur Definition des stalinistischen Baustils erörtert und sein Verhältnis zur totalitären Herrschaft Stalins analysiert.

2.1.Die pluralistische Periode: Kräftemessen zwischen Modernisten und Traditionalisten: Das Kapitel beleuchtet das Spannungsfeld und die ideologischen Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Architekturströmungen in den 1920er Jahren.

2.2. Der Weg zur Unifizierung und die Erfindung des sozialistischen Realismus: Hier wird der Prozess der ideologischen Gleichschaltung der Architektur und die Durchsetzung des sozialistischen Realismus als verbindliche Norm beschrieben.

3.1. Der Wettbewerb um den Palast der Sowjets: Endgültige Bestimmung des stalinistischen Stils: Dieses Kapitel analysiert das Palast-Projekt als entscheidendes Instrument zur stilistischen Festlegung und als architektonisches Machtsymbol.

3.2. Moskau – Die Rote Metropole und der Generalplan zur Stadterneuerung: Der Fokus liegt hier auf der städtebaulichen Umgestaltung Moskaus zur „roten Hauptstadt“ durch den Generalplan von 1935.

3.3. Der Bau der Metro als Propagandafeldzug: Hier wird detailliert dargestellt, wie der U-Bahn-Bau als Propagandamittel zur Begeisterung der Massen und zur Demonstration sowjetischer Stärke genutzt wurde.

4.0. Schlussbemerkung: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse über die Instrumentalisierung der Architektur durch die stalinistische Propagandamaschinerie zusammen.

5.0 Literaturverzeichnis: Auflistung der im Rahmen der Arbeit verwendeten Quellen und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Stalinistische Architektur, Sowjetunion, Moskau, Propaganda, Sozialistischer Realismus, Palast der Sowjets, Generalplan 1935, Metrobau, Metrostroj, Totalitarismus, Stadtplanung, Machtapparat, Zwischenkriegszeit, Architekturgeschichte, Personenkult.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Architektur und Stadtplanung in der stalinistischen Sowjetunion zwischen den Weltkriegen, wobei der Fokus exemplarisch auf der Stadt Moskau liegt.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind der architektonische Wandel vom avantgardistischen Pluralismus zum stalinistischen Stil, die Nutzung von Bauprojekten als Propagandainstrumente sowie die städtebauliche Transformation Moskaus zur sowjetischen Vorzeigemetropole.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie das sowjetische Machtsystem Architektur gezielt einsetzte, um die Bevölkerung zu beeinflussen, den eigenen Führungsanspruch zu legitimieren und nach außen hin Stärke zu demonstrieren.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung zeitgenössischer Publikationen, Dokumente und fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?

Der Hauptteil analysiert konkret den Wettbewerb um den Palast der Sowjets, den Generalplan zur Stadterneuerung von 1935 und den Bau der Moskauer Metro als Propagandafeldzug.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Schlagworte sind stalinistische Architektur, Propaganda, Sozialistischer Realismus, Metrobau und totale Herrschaft.

Welche Rolle spielte der „Palast der Sowjets“ für den stalinistischen Baustil?

Das Projekt diente als architektonischer „Fixpunkt“ und als Instrument, um die Suche nach einem spezifisch sowjetischen, neoklassizistisch orientierten Stil gewaltsam zu beenden und den Modernismus zu verdrängen.

Inwiefern wurde die Bevölkerung in die Propaganda einbezogen?

Dies geschah unter anderem durch die Organisation von „Subotniks“ (unbezahlte Samstagsarbeit), Exkursionen zu Baustellen sowie eine massive Medienkampagne, die dem Bürger das Gefühl einer aktiven persönlichen Teilnahme an den Großprojekten vermitteln sollte.

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Details

Title
Architektur und Hauptstadtplanung in der stalinistischen Sowjetunion am Beispiel Moskaus
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"  (Institut für osteuropäische Geschichte)
Course
Die Selbstdarstellung der Diktaturen in der Zwischenkriegszeit
Grade
Gut plus
Author
Marc Zivojinovic (Author)
Publication Year
2003
Pages
34
Catalog Number
V20026
ISBN (eBook)
9783638240284
ISBN (Book)
9783656899761
Language
German
Tags
Architektur Hauptstadtplanung Sowjetunion Beispiel Moskaus Selbstdarstellung Diktaturen Zwischenkriegszeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marc Zivojinovic (Author), 2003, Architektur und Hauptstadtplanung in der stalinistischen Sowjetunion am Beispiel Moskaus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20026
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