Niedriglöhne am deutschen Arbeitsmarkt

Eine Aufarbeitung relevanter Daten und Fakten


Hausarbeit, 2012
31 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Motivierende Aspekte zur Untersuchung der Niedriglohnentwicklung

2. Niedriglohnstrukturen in Deutschland

3. Historische und aktuelle Betrachtung von Einflussgrößen
3.1 Konjunktur
3.2 Liberalisierung des Arbeitsmarktes
3.3 Zeitarbeit
3.4 Mindestlöhne

4. Lohnsklaverei vs. Selbstverwirklichung – Wohin Niedriglöhne führen

5. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Niedriglohnanteil nach Wirtschaftsgruppen im Zeitverlauf

Abb. 2: Niedriglohnbeschäftigung nach Arbeitszeitform 2006

Abb. 3: Niedriglohnanteil nach Beschäftigungsgruppen

Abb. 4: Beschäftigungsstruktur: Hauswirtschaftliche Betreuer im Gastgewerbe

Abb. 5: Tarifbindung der Beschäftigten in West- und Ostdeutschland

Abb. 6: Tarifbindung und Existenz von Betriebsräten in Abhängigkeit zur Unternehmensgröße

Abb. 7: Niedriglohnrisiko von ausgewählten Beschäftigungsgruppen (Vollzeit, Jahr 2011)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Motivierende Aspekte zur Untersuchung der Niedriglohnentwicklung

Mit der Schlagezeile „ Der Brutto-Schock: Immer mehr Deutsche verdienen Niedriglöhne“[1] schnitt das Sensationsblatt Bild im Jahre 2010 ein wichtiges Thema für Arbeitnehmer in deutschen Betrieben an. Jedoch ist das Problem „Niedriglohn“ schon seit längerem ein wesentlicher Inhalt in Politik und Wirtschaft, zumal die realen Auswirkungen für viele Beschäftigte deutlich spürbar sind. Zudem häuften sich über die letzten Jahre auch Beiträge in anderen Medien. Beispiele wie der Schlecker -Skandal oder diverse Filmdokumentationen über die Arbeitsbedingungen von Niedriglohnarbeitern sind hier zu nennen.

Die folgenden Ausführungen und Betrachtungen zum Niedriglohn und anderen, damit zusammenhängenden Aspekten, erscheinen daher politisch, wirtschaftlich und auch gesellschaftlich berechtigt. Es gilt im Folgenden festzustellen, wo Niedriglöhne in Deutschland von besonderer Relevanz sind. Dazu sollen zuerst mögliche Beschäftigungsstrukturen im Bereich der Niedriglohnarbeit aufgedeckt und zugeordnet werden. Zu analysieren ist auch, ob manche Beschäftigte einem größeren Niedriglohnrisiko ausgesetzt sind. Besonders interessant ist hier die Frage, ob atypisch Beschäftigte eher für weniger Geld arbeiten, als die in Normalarbeitsverhältnissen beschäftigten Arbeitnehmer.

Im zweiten Teil dieser Arbeit sollen sowohl historische als auch aktuelle Ursachen sowie Einflussgrößen von Niedriglöhnen aufgezeigt werden. Zunächst wird ein kurzer Rückblick auf die geschichtliche Relevanz von Niedriglöhnen durchgeführt. In der Folge soll der Fokus aber auf kürzlich entstandenen Entwicklungen liegen. Hier stellt sich die Frage ob sowohl die konjunkturelle Lage, als auch die Liberalisierung des deutschen Arbeitsmarktes in Bezug auf Niedriglöhne grundsätzlich eine Rolle spielen. Zudem ist zu erwarten, dass sich weitere Einflussgrößen ergeben, die ebenfalls von Bedeutung sind. Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden anhand kurzer realer Fallbeispiele gestützt. Diese stammen vornehmlich aus dem Bereich des Hotel- und Gaststättengewerbes und dem Krankenhaussektor. Grund hierfür ist, dass für diese Branchen zahlreiche Untersuchungen in Bezug auf Reinigungskräfte mit niedrigem Einkommen vorliegen. In einzelnen Fällen bietet es sich jedoch an, auch Beispiele aus anderen Beschäftigungsbereichen zu integrieren. Letztendlich wird außerdem auf wichtige Aspekte wie Zeitarbeit und die Diskussion um Mindestlöhne einzugehen sein. Diese bilden zudem eine gute Grundlage, einen kurzen Ausblick auf die zukünftige Niedriglohnentwicklung zu gewähren und Prognosen bez. möglicher Neuerungen im Niedriglohnarbeitsbereich zu treffen.

2. Niedriglohnstrukturen in Deutschland

Wie einleitend bereits erwähnt, stellt sich die Frage in wie weit Niedriglohnempfänger kategorisiert werden können, sodass mutmaßlich vorhandene Strukturen bez. der Beschäftigten in der Niedriglohnarbeit und deren Charakteristika möglichst realitätsnah abbildbar sind. Dazu ist eine kurze Betrachtung von vorliegenden Fachtermini und Konzepten des Human Resource Managements (HRM) in Bezug auf existente Beschäftigungsformen notwendig. Grundsätzlich sind dem Personalmanagement zwei gegensätzliche Typen von Arbeitsverhältnissen bekannt. Dabei handelt es sich um sog. Normalarbeitsverhältnisse (NAV) und um atypische Arbeitsverhältnisse.[2] Der Vollständigkeit halber sei auf die Unterschiede beider Beschäftigungsformen im Folgenden kurz eingegangen.

Ganztägige und unbefristete Beschäftigungsverhältnisse werden als Normalarbeitsverhältnisse bezeichnet. Merkmale wie z. B. angemessenes Einkommen (als relative Größe) und die Weisungsgebundenheit von Arbeitnehmern an den Arbeitgeber sind ausschlaggebend.[3] Diese Definition kann aber um weitere Faktoren ergänzt werden. So können Charakteristika wie die Teilnahme am sozialen Sicherungsnetz und der Bindung an den vertragsstellenden Arbeitgeber (d. h. Übereinstimmung von Arbeits- und Beschäftigungsverhältnis) eingeschlossen werden. Dadurch ergibt sich ein noch spezifischeres Bild dieser Beschäftigungsform.[4]

In Abgrenzung zum Normalarbeitsverhältnis sind nun die atypischen Beschäftigungsformen zu nennen. Sie dienen vornehmlich zur Erhaltung der Flexibilität in Unternehmen und helfen z. B. Spitzenzeiten kostengünstig mit Personalanpassungen zu überbrücken. Im Gegensatz zu Normalarbeitsverhältnissen sind atypische Formen der Beschäftigung in vier relevante und weitergehende Kategorien zu untergliedern

1) Teilzeitarbeit stellt eine Beschäftigungsform dar, bei der die Wochenarbeitszeit und das entsprechende Entgelt deutlich geringer sind als in den NAV.
2) Geringfügige Beschäftigung kennzeichnet sich durch sehr geringe Lohnnebenkosten, die ausschließlich vom Arbeitgeber zu tragen sind. Zudem ist eine klar definierte Einkommensgrenze vorgeschrieben.
3) Befristete Beschäftigung unterscheidet sich von NAV durch die Beendigung des Arbeitsverhältnisses nach Ablauf einer vertraglich und „ ex ante “ vereinbarten Frist.
4) Leiharbeit liegt vor, wenn Arbeits- und Beschäftigungsverhältnis auseinanderfallen und eine trilaterale Beziehung zu erkennen ist, an der Verleihunternehmen, Arbeitnehmer und das entleihende Unternehmen beteiligt sind.[5]

Da die jeweiligen Definitionen zu den unterschiedlichen Beschäftigungsformen nur wenig Aussagekraft bez. angemessener Entlohnung enthalten, ist an dieser Stelle eine Gegenüberstellung mit dem Begriff des Niedriglohns notwendig. Ohne ausreichende empirische Überprüfung kann allerdings kaum eine sachkundige Aussage getroffen werden, bei der Klarheit über die Zuordnung von Niedriglohnverhältnissen zum relevanten Beschäftigungsverhältnis besteht. So ist nicht grundsätzlich anzunehmen, dass Niedriglöhne ausschließlich in den dargelegten atypischen Beschäftigungsformen auftreten. Selbst wenn NAV als „entsprechend entlohnte Arbeitsverhältnisse[6] “ definiert werden, so ist jedoch noch keine Aussage über die Lohngerechtigkeit bzw. die Lohnhöhe im subjektiven als auch im objektiven Sinne getroffen worden. Um in diesem Punkt eindeutige Analysen zu ermöglichen, müssen empirische Studien zur Struktur der Beschäftigung im jeweiligen Arbeitsverhältnis zu Rate gezogen werden. Dabei gilt es herauszufinden und zu bestätigen, ob Niedriglohnarbeit auf ein bestimmtes Beschäftigungsverhältnis („NAV“ oder „atypische Beschäftigung“) fokussiert ist. Forschung, die sich mit der Beschäftigungsstruktur im Niedriglohnsektor befasst, wurde innerhalb Deutschlands in ansehnlichem Umfang in den letzten Jahren durchgeführt. Somit ist die notwendige Grundlage, auf der alle weiteren Aussagen bez. der Niedriglöhne basieren, bereits vorhanden.[7]

Den hier betrachteten deutschen Studien liegt ein einheitliches Verständnis bez. des Niedriglohnes zugrunde. So wird der Niedriglohn als international vergleichbarer Lohn angegeben, der bei 2/3 des jeweiligen nationalen Medianlohnes (d. h. gezahltem Bruttolohn) liegt.[8] Die nötigen Daten werden in Deutschland aus Datenbanken der Bundesagentur für Arbeit (BA) und des Sozio-Ökonomischen Panels (SOEP) gewonnen. Diese Gemeinsamkeit in der Datenerhebung ist von wesentlicher Bedeutung für die Vergleichbarkeit und sachgemäße Auswertung der vorliegenden Untersuchungen. Angaben der BA beziehen sich jedoch nur auf die Gruppe der Vollzeitbeschäftigten und sind auf die Betrachtung des monatlich gezahlten Arbeitsentgelts beschränkt. Daher werden über das SOEP ergänzend Daten über andere Beschäftigungsformen wie Teilzeit, Minijobs und ähnliche abhängige Beschäftigungsformen hinzugefügt. Dadurch ist auch die Berechnung von Stundenlöhnen möglich. Als nachteilig erweist sich jedoch, dass hier kleinere Fallzahlen die Repräsentativität des Datensatzes einschränken.[9]

Ergebnisse, der innerhalb Deutschlands, auf Basis der oben genannten Datensätze durchgeführten Studien belegen, dass gewisse Strukturen im Niedriglohnsektor erkennbar sind. Zum einen ist der Niedriglohnanteil deutschland- und branchenweit allgemein in den Vergleichsperioden ab 1995 erkennbar angestiegen.[10] Berechnungen die bereits für das Jahr 2004 durchgeführt wurden, ergeben einen branchenübergreifenden Niedriglohnanteil von 20,8 Prozent (Ost-Westverteilung: 20,5 Prozent West und 22,5 Prozent Ost) und eine branchenübergreifende Niedriglohnschwelle bei 9,83€ in West- und 7,15€ in Ostdeutschland.[11] Zum anderen sind klare Strukturen bez. der besonders stark vom Niedriglohn betroffenen Branchen im Hinblick auf die Zusammensetzung der Belegschaften ersichtlich.[12]

Die drei folgenden Abbildungen geben einen Überblick über die Veränderung der Niedriglohnanteile im Zeitvergleich zwischen 1995 und 2006. Dabei werden einzelne Strukturen im Niedriglohnsektor aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet, um diese in der Folge zu einem möglichst realitätsnahen Gesamtbild zusammenzufügen. Somit können dann Aussagen über ggf. vorhandene Beschäftigungsstrukturen getroffen werden. Eine wichtige Beobachtungsgröße bei der Betrachtung von Niedriglohnarbeit ist der Tätigkeitsbereich. Um zu erkennen welche Beschäftigten besonders von Niedriglöhnen betroffen sind, muss eine sinnvolle Trennung von Arbeitsfeldern durchgeführt werden.
Abb. 1 unterteilt den Arbeitsmarkt in Branchenbereiche, anhand derer die jeweiligen Niedriglohnanteile ersichtlich sind. Grundlage sind die Daten des SOEP.[13]

Die berechneten Anteilswerte verdeutlichen, dass kein Wirtschaftssektor zwischen 1995 und 2006 von einem Anstieg der Niedriglöhne verschont geblieben ist. Allerdings ist auch deutlich erkennbar, welche Sektoren einen besonders hohen Anstieg bez. der Niedriglohnarbeit zu verzeichnen haben. Ebenfalls zu beobachten ist ein massiver Anstieg der Beschäftigung im Dienstleistungsbereich, welcher sich durch einen vergleichsweise hohen Anteil an Niedriglohnarbeit kennzeichnen lässt. Diese Entwicklung deckt sich mit der Beobachtung, dass der primäre (Landwirtschaft), sowie der sekundäre Sektor (produzierendes Gewerbe, Industrie) rückläufig sind, und der Fokus auf dem tertiären Sektor (Dienstleistungssektor) liegt.[14]

Abb. 1: Niedriglohnanteil nach Wirtschaftsgruppen im Zeitverlauf

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Kalina, Thorsten; Weinkopf, Claudia (2008), S. 453.

Abb. 2 stellt Niedriglohnbeschäftigung in Bezug zu drei relevanten Arbeitszeitmodellen dar, die anhand des SOEP-Datensatzes ermittelt werden können. Dabei ist festzustellen, dass nicht nur der Anteil an Niedriglohnarbeit in den Bereichen Vollzeit, Teilzeit und Minijobs im Zeitverlauf angestiegen ist. Auch ist der Anteil niedrig bezahlter, und dadurch flexiblerer Beschäftigungsformen wie Teilzeit oder Minijob in den letzten zehn Jahren signifikant angestiegen.[15]

Abb. 2: Niedriglohnbeschäftigung nach Arbeitszeitform 2006

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung Kalina, Thorsten; Weinkopf, Claudia (2010), S. 456.

Ergänzend bietet der SOEP-Datensatz nun die Möglichkeit Kenngrößen wie Qualifikation, Geschlecht, Alter und Nationalität mit Niedriglöhnen in Beziehung zu setzen. Aus den empirischen Daten (siehe Abb. 3, nächste Seite) wird ersichtlich, dass einige homogene Beschäftigtengruppen im Zeitverlauf häufiger im Niedriglohnsektor vertreten sind, als andere. Dazu zählen Arbeitnehmer mit niedrigem Qualifikationsniveau, Frauen, junge Beschäftige und ausländische Arbeitnehmer.[16] Somit wird allgemein nicht nur ein Anstieg in der Niedriglohnbeschäftigung festgestellt, sondern auch eine bestimmte Gruppe von hauptsächlich betroffenen Beschäftigten identifiziert.[17]

[...]


[1] Vgl. Bild.de (2010).

[2] Vgl. Keller, Berndt; Seifert, Hartmut (2009), S. 40.

[3] Vgl. ebenda, S. 40.

[4] Vgl. Institut der deutschen Wirtschaft Köln (2009), S. 2.

[5] Vgl. Keller, Berndt; Seifert, Hartmut (2009), S. 40.

[6] Vgl. ebenda, S. 40.

[7] Vgl. Kalina, Thorsten; Weinkopf, Claudia (2008), S. 448.

[8] Vgl. Rhein, Thomas; Gartner, Hermann; Krug, Gerhard (2005), S. 3.

[9] Vgl. Kalina, Thorsten; Weinkopf, Claudia (2008), S. 449.

[10] Vgl. Bosch, Gerhard; Kalina, Thorsten (2007), S. 20.

[11] Vgl. ebenda, S. 37.

[12] Vgl. Kalina, Thorsten; Weinkopf, Claudia (2008), S. 453.

[13] Vgl. ebenda, S. 453.

[14] Vgl. Giarini, Orio; Liedtke, Patrick M. (1998), S. 38 f.

[15] Vgl. Kalina, Thorsten; Weinkopf, Claudia (2008), S. 453.

[16] Vgl. ebenda, S. 454.

[17] Vgl. ebenda, S. 449.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Niedriglöhne am deutschen Arbeitsmarkt
Untertitel
Eine Aufarbeitung relevanter Daten und Fakten
Hochschule
Universität Trier
Autor
Jahr
2012
Seiten
31
Katalognummer
V200372
ISBN (eBook)
9783656268796
ISBN (Buch)
9783656269168
Dateigröße
656 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
niedriglohn, niedriglöhne, niedriglöhne in deutschland, mindestlohn, definition niedriglohn, niedriglohn deutschland, niedriglohn definition, niedriglohn in deutschland, niedriglöhner, niedriglohn job, niedrig lohn, niedriglöhne deutschland, eine million verdienen, ac ht, die woche zeitung
Arbeit zitieren
Markus Zang (Autor), 2012, Niedriglöhne am deutschen Arbeitsmarkt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200372

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Niedriglöhne am deutschen Arbeitsmarkt


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden