Familien in Kamerun und Deutschland


Seminararbeit, 2001
18 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

I. EINLEITUNG

II. DATEN UND FAKTEN ÜBER KAMERUN

III. FAMILIENSTRUKTUREN IN KAMERUN
1. Frauen in Kamerun
2. Sozialisation in Kamerun
3. Studie zum mütterlichen Sozialisationsverhalten in Kamerun

IV. FAMILIENSTRUKTUREN IN DEUTSCHLAND
1. Berufstätige Mütter
2. Kindererziehung in Deutschland
3. Studien zu Erziehungszielen und Sozialisation
a) Emnid- Studie
b) Studie zu den Erziehungswerten im Generationenvergleich

V. FAZIT

VI. LITERATURLISTE

I. EINLEITUNG

Grundlage dieser Arbeit ist der Artikel „Mütterliches Sozialisationsverhalten in Kamerun. Kontinuität und Veränderung.“ von Therese M. Tchombe (In: Nauck, Bernhard 1997, S. 124 ff.).

Nach einer kurzen Einführung in Form von Hintergrunddaten über Kamerun beschreibe ich das Familiensystem und den Prozess der Sozialisation in diesem afrikanischen Land. Anschließend berufe ich mich auf eine, in Tchombes Text dargelegte Studie, welche sich mit den Zielen elterlichen Erziehungsverhaltens in Kamerun beschäftigt. Therese Tchombe weist in ihrem Artikel darauf hin, dass in der heutigen Erziehung in Kamerun eine Schwerpunktverschiebung stattgefunden habe und eindeutig mehr Wert auf die Bildung der Kinder gelegt werde als zuvor. Dies hängt untrennbar zusammen mit dem Wandel der Familienstrukturen und anderen gesellschaftlichen Einflüssen. Daher möchte ich in dieser Arbeit unter anderem näher auf den Wandel der Familienstrukturen in Kamerun eingehen. Da Mütter in Kamerun immer noch die Hauptrolle in der Erziehung der Kinder spielen, beschäftige ich mich hier überwiegend mit ihrer Funktion im Sozialisationsprozess und weniger mit der Rolle des Vaters. Besonders auffällig werden Veränderungen im mütterlichen

Sozialisationsverhalten, wenn man in diesem Zusammenhang auch die Entwicklung in den westlichen Ländern betrachtet. Deutschland und Kamerun, zwei von Familienstruktur und Sozialisationsprozess sehr unterschiedliche Länder und Kulturen, sollen in dieser Arbeit näher betrachtet werden. Ich versuche, die Entwicklung der Familie, bestimmte Sozialisationsverhaltensmuster und insbesondere die Erziehungsziele in zwei verschiedenen Kulturen zu beschreiben und gegenüberzustellen.

II. DATEN UND FAKTEN ÜBER KAMERUN

Kamerun ist im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern politisch relativ stabil. Dem ersten Präsidenten Kameruns, Ahmadou Babatora Ahidjo, gelang es, eine Einheit zu formen und auch für ein regelmäßiges wirtschaftliches Wachstum zu sorgen. Die landwirtschaftliche Produktion bildet die Grundlage Kameruns, auf welcher das Land es schaffte, sich zu einem der wohlhabendsten Länder des tropischen Afrika hochzuarbeiten. Die Geburtenrate liegt bei 39,3/ je 1000 Menschen (Weltdurchschnitt: 25,0) und die Todesrate bei 11.9/ je 1000 Menschen (Weltdurchschnitt: 9,3).

Wirtschaftliche und soziale Kennziffern:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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III. FAMILIENSTRUKTUREN IN KAMERUN

Der Wandel des afrikanischen Familienlebens im 20. Jahrhundert steht in engem Zusammenhang mit Kolonialpolitik und Christianisierung. Die koloniale Expansion Europas wirkte sich unter anderem auch tiefgreifend auf das Familienleben in Afrika aus. Unter den hochstrukturierten Familientypen Kameruns überwiegt der traditionell-autoritäre Familientyp. Man unterscheidet in: Kernfamilie, polygame Familie und Ein- Elternfamilie. Die Differenzierung in der Machtstruktur variiert in den jeweiligen Familientypen. In der Regel ist der Vater das Familienoberhaupt und die Mutter hat oft eine eher expressive Funktion. In polygamen Familien jedoch übernimmt die Mutter beide Funktionen (vgl.: Nauck 1997, S. 125).

Großfamilien sind in Kamerun weit verbreitet und umfassen in den ländlichen Gegenden häufig bis zu zehn Kinder. Die Familienverbände in den städtischen Gebieten sind in der Regel kleiner. Die Kinder werden fast ausschließlich von Frauen großgezogen. Die Väter nehmen einen größeren Einfluss auf die Berufs- bzw. Karrierewünsche, Heiratspläne und Eigentumsangelegenheiten ihrer Söhne.“

( http://www.erdkunde-online.de/0741.htm )

Es gilt weiterhin zu unterscheiden zwischen Familien, die sich auf traditionelle Normen und Werte berufen und Familien, die zwar auf „westlichen“ oder religiösen Konzepten beruhen, sich aber tradierter oder neu geschaffener Netzwerke bedienen. Überlieferte Werte werden in diesen Familien nicht einfach in neue Kontexte hineingefügt, sondern Tradition erhält auf diese Weise auch eine dynamisch- schöpferische, auf Neu- und Umgestaltung zielende Bedeutung (vgl.: Mitterauer 1997, S. 137).

1. Frauen in Kamerun

Durch die Stärkung patriarchischer Strukturen wurden Frauen in diskriminierender Weise in die Wirtschaft eingebunden, was eine Veränderung der Geschlechterbeziehungen und somit auch der Beziehungen innerhalb der Familien zum Nachteil von Frauen zur Folge hatte.

Das durchschnittliche Heiratsalter für Frauen in Kamerun liegt bei 19 Jahren; Männer heiraten im Schnitt mit 27 Jahren. In den ländlich geprägten Gegenden sind die Paare bei der Eheschließung jedoch häufig jünger. [1] In den Städten liegt das Heiratsalter meist über dem Durchschnitt. Die Gesetzgebung des Islam erlaubt den Männern die Eheschließung mit bis zu vier Frauen. Die Polygamie oder Vielweiberei ist auch heute noch in den ländlichen Gebieten weit verbreitet und durchaus üblich, nimmt aber wegen der großen mit ihr verbundenen wirtschaftlichen Belastungen immer mehr ab.

Die Frauen verbringen einen Großteil ihrer Zeit miteinander, vor allem in Familien mit polygamen Eheverhältnissen. Sie genießen in der Gesellschaft nur wenige Rechte und können von ihrem Ehemann verstoßen und zu ihrer Familie zurückgeschickt werden, wenn sie seine Erwartungen nicht erfüllen. Außerdem besitzen sie keinerlei Eigentumsrechte, verrichten jedoch den größten Teil der anfallenden Arbeiten, einschließlich der Bewirtschaftung der Felder. Mit dem In-Kraft-Treten der Ehe verlieren Frauen gleichzeitig ihre Bürgerrechte. Daher entscheiden sich berufstätige Frauen mit einem höheren Bildungsstand häufig gegen eine Heirat, ohne jedoch auf den Wunsch nach Kindern zu verzichten. Im Süden des Landes nehmen immer mehr Frauen das Ausbildungs- und Bildungsangebot wahr und treten in den Arbeitsmarkt ein; dies trifft jedoch weniger häufig für die weibliche Bevölkerung im nördlichen Landesteil zu ( http://www.erdkunde-online.de/0741.htm).

2. Sozialisation in Kamerun

„Die Sozialisation stellt den Prozess dar, durch den das Individuum an seine Umgebung angepasst und ein anerkanntes, kooperierendes und funktionierendes Mitglied der Gesellschaft wird.“ (Nauck 1997, S. 125)

Erziehungsverhalten verändert sich durch sozialen und kulturellen Wandel. Mütter werden in eine Generation hineingeboren und ihre sozialen Orientierungen und Vorstellungen werden dadurch geprägt. So entsteht das Wertesystem ihrer Generation. Die Bildung der Mutter wirkt sich in ihrem Verhalten, ihren Erziehungspraktiken und den Interaktionsformen aus. Sie tragen die Verantwortung für die Kontinuität zwischen den Generationen.

Zu den wichtigsten Aufgaben von Müttern in Kamerun in Zusammenhang mit der Erziehung zählt die Bewahrung und Weitergabe kultureller Werte. Man unterscheidet verschiedene Sozialisationsinstanzen wie Familie, Nachbarschaft, Schule, Gemeinde oder die Gesellschaft, wobei die Familie die primäre Sozialisationsinstanz ist.

„Der traditionelle Sozialisationseinstieg in Kamerun, wie überall in Afrika, heißt das Kind in einer warmen, offenen und mit Zuneigung erfüllten Kultur willkommen; ein Kind wird als ein besonderes Geschenk angesehen.“ (Nauck 1997, S. 126) Das Kleinkind wird ständig intensiv betreut und ihm gilt die ganze Aufmerksamkeit. Vielfach wird es durch Verwandte oder Hausangestellte beaufsichtigt, da die Frauen in Kamerun immer öfter berufstätig sind. Somit hat ein Kind mehrere Bezugspersonen. „In dieser sozialen Umgebung verläuft der Prozess der Identifikation wahrscheinlich diffuser und weniger festgelegt als in anderen Kulturen mit nur einer Bezugsperson.“ (Nauck 1997, S. 126)

In der Regel lebt das Kind in einer Großfamilie mit vielen Sozialisationsagenten wie Onkel, Tante, Großeltern, Geschwister, Cousinen usw.. Vetter und Cousinen werden als Geschwister betrachtet und bilden den Peerkontext. Der Schwerpunkt der elterlichen Erziehung wird in Kamerun auf Persönlichkeitsbildung gelegt. Körperliche Sanktionen (vermehrt durch Mütter als durch Väter) und auch das Lächerlichmachen werden als effektive Erziehungsmittel angesehen. Wenn es sich um verbale Anweisungen handelt, so erfolgen sie oft eingekleidet in Erzählungen, Sprichwörter, Rätsel, Sagen, Geschichten über Volk und Familie sowie in Gesängen. Das Kind wächst in einer häuslichen Umgebung auf und erwirbt dort die wichtigsten Merkmale seiner Persönlichkeit. Ab dem 5. Lebensjahr erfolgt die aktive Kontrolle von Interaktion durch Ältere. “Kinder sollen gesehen aber nicht gehört werden.“ (Nauck 1997, S. 126) Daher schreiten Erwachsene ein, wenn ein Kind seine Grenzen überschreitet und Unterhaltungen Älterer unterbricht. Die Eltern geben Anweisungen und Informationen an das Kind weiter.

Aufgabe einer Mutter ist es, die körperlichen, biologischen und psychologischen Bedürfnisse ihres Kindes zu befriedigen. Dies ist eine Universale im menschlichen Verhaltensrepertoire. Verhaltensmuster können jedoch komplex und variabel in ihrem interaktiven Stil und der emotionalen Tiefe sein. Effektives mütterliches Verhalten beinhaltet für die Entwicklung des kamerunischen Kindes wichtige Auslöser und Anreize bereitzustellen und dauerhafte Bindung, anregende Interaktionen, gute körperliche Pflege, Disziplin, Kontrolle und Vorbilder zu schaffen.

Die Erziehung des Kindes soll es auf ein Leben in der Gemeinschaft vorbereiten. Vater- und Mutterrolle ergänzen sich in der Sozialisation des Kindes. Dem Kind soll Sinn für Respekt, Autorität, Ehrgefühl, Würde, Solidarität und Gastfreundschaft vermittelt werden.

Die Erziehung ist vielmehr Charakterformung als reine Wissensvermittlung und ihr Sinn liegt in der Erlernung bestimmter Verhaltensweisen, die dem strengen Ehrenkodex und der hierarchischen Struktur der Familie in Kamerun entsprechen.

[...]


[1] Als weiterführende Literatur zum Thema „Frauen in Kamerun“ kann ich folgendes Buch empfehlen:

Makampe, Mireille (2001): Der Wille meines Vaters geschehe. Eine Frau aus Kamerun erzählt ihre Geschichte. Hamburg.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Familien in Kamerun und Deutschland
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Seminar: Interkulturelle Familienforschung
Note
2,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
18
Katalognummer
V20053
ISBN (eBook)
9783638240499
ISBN (Buch)
9783638778046
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Familien, Kamerun, Deutschland, Seminar, Interkulturelle, Familienforschung
Arbeit zitieren
Lenka Tucek (Autor), 2001, Familien in Kamerun und Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20053

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