Die geschlossene und offene Form des Dramas

Eine Darstellung des offenen sowie geschlossenen Dramas unter besonderer Beachtung der sprachlichen Merkmale des offenen Dramas anhand eines Beispiels


Hausarbeit, 2012
12 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die geschlossene und offene Form des Dramas
2.1 Allgemeine Definition des Dramas
2.2 Die geschlossene Form des Dramas
2.3 Die offene Form des Dramas

3. Merkmale der Sprache im offenen Drama anhand eines Beispiels

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die literarische Gattung des Dramas, welche sich nicht nur strukturell von der Lyrik und der Epik unterscheidet, kann als eine ganz andere Art der Hervorbringung von Fiktionalität angesehen werden. Um die wichtigsten Merkmale und Elemente dieser Gattung daher komprimiert zu erläutern, wird in dieser Arbeit ein kurzer Überblick hinsichtlich charakteristischer Eigenschaften gegeben.

Der Fokus dieser Arbeit liegt dabei auf den Untersuchungen von Volker Klotz, der sich ausgiebig mit der geschlossenen und offenen Dramenform beschäftigt hat, sowie den Ausarbeitungen von Benedikt Jeßing, Ralph Köhnen und Günter Waldmann.

Bei der Betrachtung dieser Thematik wird in der vorliegenden Arbeit das Augenmerk auf die geschlossene sowie die offene Form des Dramas gerichtet. Zuerst wird daher eine allgemeine Definition des Dramenbegriffs gegeben, um danach genauer auf die gegensätzlichen Formen und ihre Merkmale hinsichtlich der Handlung, der Zeit, des Ortes, der Personen und der Sprache einzugehen.

Zur Verdeutlichung dient dann der Auszug einer Szene aus Georg Büchners „Woyzeck“, welches ein Paradebeispiel für die offene Form des Dramas darstellt und in dieser Arbeit im Hinblick auf die sprachlichen Merkmale der in diesem Ausschnitt agierenden Personen näher betrachtet wird.

Ziel dieser Arbeit ist es, die literarische Gattung des Dramas unter dem besonderen Aspekt der geschlossenen und offenen Form zu untersuchen und dies mit einem Beispiel eines offenen Dramas anhand der sprachlichen Charakteristiken zu manifestieren.

2. Die geschlossene und offene Form des Dramas

2.1 Allgemeine Definition des Dramas

„Der Begriff ›Drama‹ leitet sich vom griechischen Wort dráma ›Handlung; Schauspiel‹ ab und bezeichnet eine literarische Form, in der eine zusammenhängende Handlungsfolge von Figuren durch Rede und Gegenrede auf einer Bühne präsentiert wird.“ (Becker/ Hummel/ Sander, S. 148). Im Drama wird die Handlung nicht, wie bei der epischen Berichtform, im Nachhinein erzählt oder von einer Erzählerinstanz vermittelt, sondern als gegenwärtiges Ereignis präsentiert, das sich auf einer begrenzten Bühnenplattform vollzieht (Ebd., S. 148). Da die Handlung, welche sich auf einen Konflikt zuspitzt, stets durch reale Personen (Schauspieler) verwirklicht wird, sind Dramentexte strukturell so verfasst, dass sie auf ihre Bühnenaufführung zielen (vgl. Waldmann, S. 181). Dabei besteht ein geschriebenes Drama aus dem Haupttext, welcher ausschließlich die von den Personen auszusprechenden Sätze umfasst, sowie aus dem Nebentext, der Bühnen- und Regieanweisungen beinhaltet wie Titel, Motto, Widmung, Vorwort, Personenverzeichnis oder Akt- und Szeneneinteilungen und im Schauspiel als Text wegfällt (vgl. Ingarden, S. 220-222/ Pfister, S. 35 ff.).

Die in den Haupttexten dargestellte dramatische Rede erfolgt im Dialog, welcher aus einer abwechselnd geführten Rede und Gegenrede von zwei oder mehreren Personen besteht, oder aber im Monolog, wobei zwischen mehreren Arten unterschieden werden muss (vgl. Jeßing/ Köhnen, S. 103). Der technische Monolog wird daher zur Verbindung verschiedener Auftritte eingesetzt, während der epische Monolog zur Mitteilung nicht darstellbarer oder dargestellter Vorgänge verwendet wird. Des Weiteren wird zur Darstellung des Innen- und Gefühlslebens der lyrische Monolog gebraucht, zur Betrachtung oder Kommentierung einer Situation durch eine Figur der Reflexionsmonolog und auf dem Höhepunkt der Verwicklungen wird der dramatische Monolog herangezogen, der zur Entscheidung der jeweiligen Handlung führt (vgl. Kayser, S. 200). Eine Sonderform bildet das sogenannte Beiseitesprechen, wobei ein Darsteller seine Gedanken für das Publikum hörbar äußert, es aber gegenüber den Mitspielern durch Sprechen in eine andere Richtung verschweigt (vgl. Jeßing/ Köhnen, S. 103).

Im Gegensatz zum klassischen griechischen Drama, welches höchstens gelegentlich in drei bis fünf Teile eingeteilt worden war, ist das heutige Drama außerdem in Akte und Szenen eingeteilt, wobei ein Akt einen größeren, in sich geschlossenen Handlungsabschnitt beschreibt, der aus den Szenen, also den kleinsten Aufbaueinheiten, besteht, die meist mit dem Auf- oder Abtreten einer Figur zusammen hängen (Ebd., S. 102).

2.2 Die geschlossene Form des Dramas

Das geschlossene Drama hat eine in sich geschlossene Handlung, die durch Einheit und Ganzheit charakterisiert ist, sodass stets eine eindeutige Haupthandlung vorliegt, welche kontinuierlich durchgeführt wird (vgl. Klotz, S. 25). Da ebenfalls eine Einheit der Zeit sowie des Ortes vorliegt, bilden diese beiden Faktoren nur den Rahmen des Geschehens und lassen folglich weder Zeitsprünge noch dramatisch wirksame Ortswechsel zu.[1]

Die Einzelteile des geschlossenen Dramas sind in ein kausallogisch begründetes, homogenes Ganzes gebunden, deren Abfolge nicht vertauschbar ist (vgl. Jeßing/ Köhnen, S. 102). Ist neben der Haupthandlung eine Nebenhandlung vorhanden, bedeutet dies „ eine Akzentverlagerung von der Einheit zur Ganzheit“ (Klotz, S. 25), sodass die niemals Autonomie gewinnende Nebenhandlung der Haupthandlung durch Erklärung oder Vermittlung neuer Aspekte dient und somit für diese notwendig ist.

Dabei ist das geschlossene Drama, nach Gustav Freytag[2], in fünf Akte eingeteilt, wobei der erste Akt eine Einleitung (Exposition) mit für den Zuschauer wichtigen Hintergrundinformationen darstellt, der durch das erregende Moment zum zweiten Akt überleitet, in dem die Handlung durch ein wichtiges Ereignis oder eine bedeutsame Entscheidung des Helden gesteigert und die Verwicklung in Gang gebracht wird. Im dritten Akt kommt es dann zum Höhepunkt (Klimax), wonach sich im vierten Akt durch das tragische Moment eine fallende Handlung entwickelt, die zur Umkehr der Handlung (Peripetie) führt. Im fünften und letzten Akt liegt dann das Moment der letzten Spannung vor, das sich bei einer Komödie beispielsweise in der Verzögerung des glücklichen Ausgangs der Handlung äußern würde und in der Tragödie durch die Verzögerung des Untergangs des Helden, wodurch es schließlich zur Katastrophe (Dénouement) kommt, die bei einer Komödie wiederum die Auflösung sowie das glückliche Ende des Konflikts bedeuten würde und bei einer Tragödie der Untergang des Helden als Lösung des Konflikts (vgl. Hermes, S. 122).

Das geschlossene Drama weist also eine einheitliche Haupthandlung auf, die in hohem Handlungstempo konsequent durchgeführt wird, wobei das Personeninventar überschaubar sowie nach Kontrast- und Korrespondenzfiguren klar strukturiert ist. In der Tragödie sind die Hauptfiguren daher nur von hoher Herkunft zwecks der gesteigerten Fallhöhe im tragischen Verlauf, während sie in der Komödie nur von niederem Stand sind (vgl. Jeßing/ Köhnen, S. 104). Ebenfalls kann von einer hierarchischen Komposition gesprochen werden, da Figuren, Schauplätze und Szenen jeweils ihre Funktion vom Handlungsganzen her empfangen (vgl. Hermes, S. 123). Kennzeichnend ist hierbei die gehobene und typisierende Sprache, sowie das Einhalten von Reim und Rhythmus, wobei der Dialog als Rededuell (Stichomythie[3] ) eingesetzt wird (vgl. Jeßing/ Köhnen, S. 103). Zwischen den Szenen gibt es keine Lücken, sodass zwar eine Veränderung der Personenanzahl den Szenenwechsel ausmacht, jedoch nie völlig andere Personen plötzlich auftreten, wodurch immer mindestens eine Person auf der Bühne bleibt, während neue hinzukommen (vgl. Klotz, S. 27).

[...]


[1] Vgl. hierzu Kapitel II Zeit und Kapitel III Raum aus Klotz

[2] Vgl. hierzu Freytag, Gustav (1862): Technik des Dramas.

[3] Vgl. Klotz, S. 73

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die geschlossene und offene Form des Dramas
Untertitel
Eine Darstellung des offenen sowie geschlossenen Dramas unter besonderer Beachtung der sprachlichen Merkmale des offenen Dramas anhand eines Beispiels
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Literarische Gattungen / Literaturtheorien und Methoden
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
12
Katalognummer
V200569
ISBN (eBook)
9783656266228
ISBN (Buch)
9783656268079
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Drama, offene, geschlossene, Form, Definition, Literatur, Literarische Gattungen, Gattung, Dramatik, Woyzeck, Schauspiel, Theater, Georg Büchner, Büchner
Arbeit zitieren
Jana Schäfer (Autor), 2012, Die geschlossene und offene Form des Dramas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200569

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