Postmodern Predigen

Eine praktisch-theologische Reflexion einer am postmodernen Rezipienten orientierten Predigt unter Berücksichtungung von neutestamentlichen und historischen Gesichtspunkten


Examensarbeit, 2012

87 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhalt

1 EINLEITUNG

2 GRUNDLAGEN ZUR PREDIGT
2.1 WIE LÄSST SICH ÄPREDIGT“ DEFINIEREN?
2.2 GOTTESDIENSTSITUATION UND PREDIGT
2.3 PREDIGT IM NT
2.3.1 Wortstudien zum Thema „Predigt“
2.3.2 Der „Predigtbefehl“
2.3.3 Die Predigt zur Zeit des neuen Testaments
2.4 ASPEKTE DER PREDIGTTHEORIE BIS ZUM BEGINN DER POSTMODERNE
2.4.1 Predigt bei Luther
2.4.2 Die Predigt in der Moderne
2.4.3 Die Empirische Wendung als Übergang zur Postmoderne
2.5 MISSIOLOGISCHE FRAGESTELLUNGEN ZUR PREDIGT

3 DIE POSTMODERNE LEBENSWELT
3.1 DIE GESELLSCHAFTLICHE SITUATION WAHRNEHMEN
3.2 DIE POSTMODERNE
3.2.1 Postmoderne - ein umstrittener Begriff
3.2.2 Moderne und Postmoderne
3.2.3 Begriffsgeschichte der Postmoderne
3.2.4 Die Diskussion um die Postmoderne in der Philosophie
3.2.5 Kritik
3.3 GESELLSCHAFTLICHE ENTWICKLUNGEN IN DER POSTMODERNE
3.3.1 Individualisierung
3.3.2 Pluralisierung
3.3.3 Globalisierung
3.3.4 Multimediale Gesellschaft
3.4 DIE SITUATION VOR ORT WAHRNEHMEN
3.4.1 Millieustudien zur Beschreibung gesellschaftlicher Wirklichkeit
3.4.2 Den Predigthörer finden
3.5 KONSEQUENZEN FÜR DIE PREDIGT

4 ENTWICKLUNGEN ZU EINER POSTMODERNEN PREDIGT
4.1 KONSTRUKTIVISTISCHE EINFLÜSSE
4.1.1 Konstruktivistische Pädagogik
4.1.2 Konstruktivistische Medientheorie
4.2 DER PARADIGMENWECHSEL ZUR REZEPTIONSÄSTHETIK
4.2.1 Die Theorie der Rezeptionsästhetik
4.2.2 Die Theorie des offenen Kunstwerkes
4.2.3 Exkurs: Der implizierte Hörer
4.3 PLURALITÄT UND DER WAHRHEITSANSPRUCH DES EVANGELIUMS
4.3.1 Engemann und die Semiotik
4.3.2 Grözinger und der plurale Kanon
4.3.3 Gehring und die dynamische Begegnung mit Gott
4.3.4 Herbst und der christologische Singular
4.3.5 Wanke und das Mitgehen zur Horizonterweiterung
4.3.6 Schlussfolgerungen

5 ANSÄTZE ZUR POSTMODERNEN PREDIGT
5.1 AUSWAHL VON ANSÄTZEN
5.2 DER BIBLIOLOG NACH UTA POHL-PATALONG
5.3 DRAMATURGISCHE HOMILETIK NACH NICOL
5.4 HERBST UND SEIN PLÄDOYER FÜR EINE HOMILETIK IN DER POSTMODERNE
5.5 DISKUSSION
5.5.1 Zum Bibliolog nach Uta Pohl-Patalong
5.5.2 Zur dramaturgischen Homiletik nach Nicol
5.5.3 Zum Plädoyer für eine Homiletik in der Postmoderne nach Herbst

6 EIGENER ANSATZ ZUR POSTMODERNEN PREDIGT
6.1 DER PREDIGER IM GESPRÄCH MIT DEM FREMDEN GAST UND DEM ALTEN FREUND
6.2 PREDIGTFORM UND INHALT
6.3 PREDIGT UND DAS WIRKEN DES HEILIGEN GEISTES

7 ZUSAMMENFASSUNG

8 LITERATURVERZEICHNIS

9 ANHANG

1 Einleitung

ÄWer predigt, predigt jemanden. Niemandem kann keiner predigen.“1 Dieses Zitat stellt sehr prägnant heraus, dass an der Predigt immer zwei Parteien beteiligt sind: der Prediger2 und der Predigthörer3. In tausenden von Gottesdiensten wird Sonntag für Sonntag zu Menschen gepredigt. Doch was bringt das viele Predigen, wenn die Botschaft bei den Menschen nicht mehr ankommt? In den letzten Jahrzehnten hat man verstärkt festgestellt, dass unsere Gesellschaft im Umbruch ist. In der Wissenschaft ist zum Beispiel die Rede von Individualisierung, Pluralisierung, Globalisierung und Postmoderne. Verschiedene gesellschaftliche Phänomene verändern somit nicht nur die Gesellschaft als Ganzes, sondern auch die Lebenswelt der einzelnen Menschen. Dies wirft die Frage auf, wie die Predigt heute beschaffen sein muss, um den Menschen das Evangelium4 zu vermitteln. Ist die Methode der Predigt als Wortverkündigung im Multimedialzeitalter noch angemessen oder müssen wir das Konzept der Predigt komplett neu überdenken?5 Diese Fragen stellen zugleich die zentralen Fragestellungen der vorliegenden Arbeit dar.6

Unter Berücksichtigung von neutestamentlichen und historischen Fragestellungen wird zunächst in einem ersten Teil nach dem Wesen der Predigt gefragt. Eine Begriffsklärung und die Redekomplexe des Neuen Testaments stehen dabei zunächst im Fokus. Des Weiteren werden Auszüge der Geschichte der Predigt dargestellt und untersucht. Besonders die jüngere Missionstheologie hat sich mit den Themen Evangelium und Kultur beschäftigt, daher sollen hier auch einige dieser Paradigmen und Fragestellungen angesprochen werden.

Im zweiten Teil geht es um den gesellschaftlichen Kontext der Predigt und die Klärung des Begriffs der Postmoderne. Die Begriffsgeschichte, verschiedene Ansätze und deren Kritik werden dabei untersucht. Die Situation der Predigt in der Postmoderne erfordert es des Weiteren, sich mit den ÄLebenswelten“ der Menschen, zu denen gepredigt werden soll, auseinanderzusetzen.7 Um diese näher zu bestimmen, werden verschiedene aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen dargestellt. Schließlich werden die daraus resultierenden Konsequenzen für die Predigt aufgezeigt.

Die Entwicklungen hin zu einer postmodernen Predigt werden im dritten Teil näher betrachtet. Dabei werden konstruktivistische und rezeptionsästhetische sowie andere Einflüsse erläutert. Die Fragestellung nach Pluralität und dem Wahrheitsanspruch des Evangeliums wird danach kurz bearbeitet. Im vierten Teil werden drei aktuelle homiletische Ansätze zur Predigt in der Postmoderne dargestellt und bewertet. Diese sind der Bibiolog von Pohl-Patalong, die dramaturgische Homiletik von Nicol und das Plädoyer für Homiletik in der Postmoderne von Herbst.

In einem letzten Schritt wird dann ein eigener Ansatz zur Predigtpraxis in der Postmoderne entwickelt und die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit abschließend zusammengefasst.

Unser Wissen bleibt Stückwerk!8 So kann ich diese Arbeit zum Thema der postmodernen Predigt dem Leser nur als ein Dokument präsentieren, das einen Prozess darstellt und darum beten, dass Gott uns Predigern in unserer Ergänzungsbedürfigkeit und Schwachheit bei dem großen Verkündigungsauftrag seinen Segen gibt und dass er selbst mit seinem Heiligen Geist das Wunder möglich macht, als Menschen von Gott zu sprechen.

2 Grundlagen zur Predigt

2.1 Wie lässt sich „Predigt“ definieren?

Der deutsche Begriff ÄPredigt“ kommt vom lateinischen Begriff predicare (laut sagen, öffentlich bekannt machen).9 Der Begriff hat sich vor allem durch Luther verbreitet.10 Er wurde später bei der Übersetzung verwendet, wenn Ä[] eine Rede vor einer größeren Menschenmenge als auf Umkehr zielendes Zeugnis gehalten wurde.“11 Im NT gibt es eine Reihe von Begriffen, um die Predigt zu beschreiben. Einen eigenen Begriff für die Predigt, wie sie heute im Rahmen des Gottesdienstes praktiziert wird, lässt sich jedoch nicht finden.12 Das deutsche Wort Äpredigen“ weist in der heutigen deutschen Sprache immer auf die Kirche hin.13 Es wird in der Alltagssprache jedoch auch verwendet, um auszudrücken, dass eine Person nicht zu unterbrechen ist oder auf andere Menschen intensiv einredet.14

Der Versuch ÄPredigt“ in wenigen Sätzen zu erfassen und damit zu definieren, ist herausfordernd. Nembach stellt chronologisch geordnet 19 Definitionen von Predigt aus Vergangenheit und Gegenwart zusammen.15 Davon sind einige Definitionen kurz gehalten, die meisten dagegen sind jedoch ausführlich.16 Es scheint, als ob jeder Autor eine eigene Definition von Predigt aufstellt.17 Der Versuch, sich auf eine Definition von Predigt zu einigen oder Definitionen zusammenzufassen, ist aufgrund der Vielzahl von Ansätzen und der großen Unterschiede zwischen ihnen nahezu unmöglich.18 Genau so schwer wie der

Entwurf einer eindeutigen Definition von Predigt, so herausfordernd ist zugleich die Abgrenzung, was Predigt nicht bedeutet. Neue Entwürfe einer Predigt-Theorie verzichten deshalb auf eine eigenständige systematisch-theologische Bestimmung des Wesens der Predigt. Stattdessen wird die Predigt in der Theorie der Verkündigung verortet.19

Bereits Martin Luther nutzte den Begriff der Predigt über die gottesdienstliche Rede hinaus auf vielfältige Weise.20 Bohren weigert sich sogar, eine Definition der Predigt aufzustellen, um die Predigt nicht einzugrenzen, da sie auch den Aspekt des Wunders beinhalted. Er bezieht sich dagegen lieber auf das Gegebene, anstatt eine abstrakte Predigtdefinition zu entwickeln.21 Nembach stellt in seiner Analyse der Definitionen die These auf, dass sich zwei Tendenzen in den Predigtdefinitionen zeigen, die jeweils wechselseitig im Vordergrund stehen: die Orientierung am Wort des Evangeliums und die Orientierung am Menschen.22 Weyel bringt diese beiden Aspekte in einer Aufgabenbeschreibung der Predigt auf den Punkt: Aufgabe der Predigt (im evangelischen Gottesdienst) ist es, Ä[] den christlichen Glauben als adressatenbezogene und aktuelle Ansprache zum Ausdruck zu bringen, [].“23 Der Predigt ist deshalb durch ihre Orientierung am Evangelium und am Adressaten bereits in ihrem Wesen eine Herausforderung zu eigen, die dazu auffordert, sich mit der zu predigenden Botschaft und mit den Adressaten eingehend zu beschäftigen. Trotz den Schwierigkeiten, die Predigt zu definieren, ist sie eine biblische, historische und in den Gemeinden praktizierte Tatsache, deren Bedeutungsbreite und Form im Folgenden näher erschlossen werden soll.

2.2 Gottesdienstsituation und Predigt

Die Predigt und ihre Funktion im Gottesdienst sowie die Beziehung zwischen Predigt und Liturgie war in den vergangenen 15 Jahren verstärkt Forschungsgegenstand der Praktischen Theologie.24 Nach Erkenntnissen der Liturgiewissenschaft ist der Gottesdienst durch verschiedene Rollen und Gesten bestimmt. Dabei ist das Predigen ein spezifisches Körpergeschehen, das sich von anderen Körpergeschehen im liturgischen Gesamtverlauf prägnant unterscheidet.25 Die Predigt lässt sich deshalb nur durch die Tatsache, dass sie ein Bestandteil des Gottesdienstes ist, von anderen Formen der Kommunikation in der Kirche unterscheiden.26 Der Kontext der Predigt als Element des Gottesdienstes ist daher für den Entwurf des Predigtbegriffs notwendig.

Im Gottesdienst hat die Predigt in den meisten Kirchen eine zentrale Position, dennoch bleibt sie nur ein Teil des Gottesdienstes und ist dadurch mitbestimmt vom gesamten Gottesdienstgeschehen.27 Als zentrale Aspekte des Gottesdienstes sieht Lange28 folgende Punkte:

1. Der Gottesdienst hat seit Jahrhunderten eine zentrale Bedeutung für die Kirche. Er stellt die Hauptversammlung der örtlichen Gemeinde dar und ist somit für die Kirche zu einer ÄInstitution“ geworden.29
2. In seiner Gestaltung ist der Gottesdienst vielfach durch Tradition und Veränderung geprägt.30 Dieser Zusammenhang setzt der Predigt enge Grenzen in Bezug auf den Redestil und die Form.
3. Die Zusammensetzung des Gottesdienstes, welche Menschen verschiedenen Alters, verschiedener Generationen und zum Teil auch verschiedener Nationalitäten31 umfasst, macht nach Lange, die Situation für den Prediger unübersichtlich.

Die Predigtsituation hat jedoch erheblichen Einfluss auf die jeweilige Predigt, denn sie bestimmt den Ablauf und das Gelingen der Kommunikation entscheidend mit.32 Nach Grözinger kann ein gut gestalteter Gottesdienst die Wirkung der Predigt erhöhen oder vernichten.33

Soll ein Gottesdienst, der eine Kommunikationsveranstaltung ist, den Menschen ganzheitlich ansprechen, so muss er dabei auch die verschiedenen Kommunikationsbedürfnisse der Adressaten berücksichtigen. Aus diesem Grund ist es notwendig bei der Gottesdienstvorbereitung die verschiedenen Kommunikationsstile zu berücksichtigen. Somit werden die Predigt und der Prediger von der Pflicht entlastet, das gesamte Spektrum der Kommunikationsbedürfnisse in der Predigt abdecken zu müssen. Besonders in einem Gottesdienst, in dem die verschiedenen liturgischen Elemente sich auf einander beziehen, können nach Engemann die verschiedenen Kommunikationsaspekte zum Tragen kommen.34

Über die Situation der Liturgie, des Gottesdienstes und der Predigt in Freikirchen schreibt Nösser. Er postuliert, dass es in den Freikirchen eine zur Identität gehörende Abschaffung der Unterscheidung zwischen Laien und Klerikern gibt und sieht darin Konsequenzen für das Verhältnis von Liturgie und Predigt begründet.35 So wird zum Beispiel in Freikirchen die Planung der Predigt und der Liturgie in den meisten Fällen nicht nur von einer Person vorgenommen, sondern von zwei Personen. Diese sind zumeist der Prediger und der Gottesdienstleiter. Ergänzend könnte man heute noch den Lobpreisleiter als dritte, an der Gottesdienstplanung beteiligte Person ansehen. Auch wenn diese spezielle Form die Chance für eine gründliche Gestaltung des Gottesdienstes bietet, könnte es nach Nösser auch ein Grund dafür sein, dass in Freikirchen die Liturgie nur als Rahmen für die Predigt verstanden wird und die Predigt eine übergroße Dominanz im freikirchlichen Gottesdienst bekommen hat. Selbst wenn ähnliche Tendenzen auch in den protestantischen Kirchen existieren, führte dies in den Freikirchen zu einer "Desensibilisierung" der Bedeutung der liturgischen Gestaltung des Gottesdienstes. Nösser schreibt dazu: "Die hier beschriebene Tendenz ist so auffällig, dass ich sie als Fehlentwicklung innerhalb unseres freikirchlichen Mühens um den Gottesdienst beschreiben möchten."36 Nösser schlägt zur Verbesserung dieser Situation jedoch keine Abwertung der Predigt vor, sondern eine neue Einordnung der Predigt in den Rahmen der gottesdienstlichen Liturgie und die erneute Zusammenarbeit von Predigt und Liturgie um den ganzen Menschen im Gottesdienst zur Anbetung Gottes zu führen.

Nösser schreibt des Weiteren über den Versuch, den freikirchlichen Gottesdienst für möglichst jeden Besucher ansprechend zu gestalten.37 Besonders auf den öffentlichen und familiären Charakter des Gottesdienstes weist er hin. Diese sieht er den Wesensmerkmalen des Gottesdienstes zugehörig. Er geht davon aus, dass in vielen Freikirchen der Gottesdienst durch eine sehr familiäre Gestaltung seinen öffentlichen Charakter verloren hat. Aus diesem Grund versuchen einige Freikirchen in besonderen "Gästegottesdiensten" eine für die Öffentlichkeit akzeptable Form des Gottesdienstes zu etablieren.38 Ausgehend von dem Trend öffentliche und private Gottesdienste zu trennen, schreibt er über den sehr familiären Gottesdienst in den Freikirchen:

ÄIm Grunde rechnet dieser Trend bereits damit, dass der Gemeindegottesdienst zu einer »esoterischen« Clubveranstaltung geworden ist, die nicht mehr ohne Erklärung verständlich ist. Zudem wird bei diesem Modell fast vorausgesetzt, dass Gläubige und Ungläubige in einer anderen Wirklichkeit leben und unterschiedliche Sprachen sprechen.“39 Einen Lösungsansatz für diese Problematik sieht er in der Gestaltung von Gottesdiensten, die gleichermaßen für die eigenen Mitglieder und für Gäste von außen entworfen werden.

2.3 Predigt im NT

2.3.1 Wortstudien zum Thema „Predigt“

Im NT erscheinen vielfältige Formen der Verkündigung von Evangelium.40 Die Unterscheidung von Predigt und Nicht-Predigt im NT bereitet daher Schwierigkeiten.41 Nach Engemann lässt sich vom NT her kein einheitliches Bild der christlichen Predigt rekonstruieren.42 Das Neue Testament kennt eine Vielzahl von Predigtformen und nutzt viele verschiedene Begriffe.43 Entsprechend werden im NT bis zu 100 Worte angegeben, die für unterschiedliche Formen der Predigt stehen.44 Die neuere Predigtforschung versucht deshalb nicht, einen unklaren Predigtbegriff in die Bibel hineinzulesen. Bohren lehnt eine Begriffsdefinition und damit eine ÄReduzierung“ der Predigt aufgrund des Befundes im NT sogar direkt ab.45 Es interessieren deshalb vielmehr die vielfältig in der Bibel anzutreffenden Formen der Predigt und deren durch Synagogengottesdienste, rhetorische Redemuster oder philosophische Argumentationsmuster begründeten Gattungen.46 Im Folgenden werden dazu ausgewählte Worte näher untersucht, um verschiedene Aspekte des Predigtbegriffs näher darzustellen.47 Gemeinsam ist diesen Wörtern, dass sie einen Mitteilungsvorgang beschreiben.

Das Verb įιįάσκω kommt 97x im NT vor, am häufigsten davon in den Evangelien (Mt 14x; Mk 17x; Lk 17x; Joh 10x) und der Apostelgeschichte (16x).48 Bauer gibt als Grundbedeutung lehren an.49 Es wird häufig in Bezug auf Jesus verwendet und beschreibt später vor allem die Tätigkeit seiner Jünger. Das Substantiv įιįάσκαλος, οσ wird 59x angegeben und ist davon ca. 50x auf Jesus bezogen. Es bezeichnet aber auch ein Dienst in der Gemeinde.50 Bauer gibt dafür die Grundbedeutung Lehrer an.51 Das Verb hat an allen Stellen den Sinn von lehren und mit Benennung des Adressaten im Akkusativ bedeutet es belehren oder unterweisen.52 Die Worte εὐαγγελίδω (Lk 20,1; Apg 5,42; 15,35) und κεπύζζω (Mt 4,23; 9,35; 11,1; Apg 28,31) werden gelegentlich parallel zu διδάζκω verwendet.53 Vor allem bei Lukas ist kein wesentlicher Unterschied zwischen κεπύζζω und διδάζκω zu erkennen (vgl. Lk 4,44 mit Lk 4,31, sowie Apg 28,31). Im Johannesevangelium bezeichnet es sogar seine Verkündigung im Allgemeinen (Joh 6,59; 7,28).54 Als die Empfänger der Belehrung werden im NT verschiedene Personengruppen angegeben.55 Jesus wird im NT häufig als Lehrer bezeichnet. Besonders an seinen Lehren in der Synagoge ist ein Zusammenhang zwischen der Lehrtätigkeit Jesu und der jüdischen Tradition erkennbar.56 Die Lehrtätigkeit in der Gemeinde wird in den Evangelien nur bei Mt mit διδάζκω beschrieben (23,8; 28,20 und 5,19). In Apg und der Briefliteratur kommen Verb und Substantiv dagegen häufig vor. In der Apg werden sie auch für die missionarische Verkündigung verwendet. Paulus hat διδάζκω hauptsächlich im Bedeutungsspektrum von Belehrung und Lehre genutzt. Das Substantiv wird in den Briefen neben anderen Funktionen und Ämtern der Gemeinde aufgeführt (1. Kor 12,28f, Eph 4,11, Röm 12,7). Die Verwendung in Lk 12,12 und Joh 14,26 weist zudem auf den Heiligen Geist als den Lehrer hin.57

Das Wort ὁμιλέω wird im NT nur im Lukanischen Doppelwerk verwendet (Lk 2x; Apg 2x) und kommt insgesamt 4x im NT vor.58 Bauer gibt dafür die Grundbedeutung reden, sich besprechen, anreden an.59 Der Aspekt des Redens erscheint jedoch nebensächlich, vielmehr wird der Aspekt der Gemeinschaft und des sozialen Umgangs bei der Kommunikation durch Sprache betont.60

Das Verb κηρύσσω kommt 61x im NT vor, am häufigsten in den synoptischen Evangelien (Mt 9x; Mk 14x; Lk 9x) und der Apostelgeschichte (8x). In den johanneischen Schrifen wird es nicht verwendet, jedoch kommt es im Römerbrief und in beiden Korintherbriefen jeweils 4x vor.61 In seiner Grundform bedeutet κεπύζζω verkündigen. Κήπςγμα kommt im NT insgesamt 9x vor, in allen synoptischen Evangelien und am häufigsten im 1. Kor (3x) in seiner Grundform bedeutet es Verkündigung.62 κῆπςξ kommt insgesamt 3x vor (1. Tim 2,7; 2. Tim 1,11; 2 Petr 2,5) und bedeutet in der Grundform Verkündiger.63 Das Substantiv κῆπςξ bezeichnete ursprünglich eine Person, die im Auftrag des Staates oder eines Fürsten eine ihrer übertragenen Nachricht mit deutlich vernehmbarer Stimme bekannt machte. Aus dieser Tätigkeit wurde später das Verb κεπύζζω gebildet, welches aber viel seltener vorkommt.64 Die zu verkündigende Botschaft und auch das Phänomen der κεπύζζω wurde κήπςγμα genannt.65 Dementsprechend hängt die genaue Bedeutung der Vokabeln von der jeweiligen Funktion des κῆπςξ ab.66 Zur Zeit des NT wurde das Amt des κῆπςξ jedoch auch als das Amt der stoischen Philosophen gesehen, die Boten der Götter waren. Sie zogen herum und wachten über die Einhaltung der moralischen Normen.67 Gegenstand der Verkündigung ist im NT ηὸ εὐαγγέλιον bzw. Χπιζηόρ, Ἰεζοῦρ. Johannes der Täufer verkündigt nach Mk 1,4 Äβάπηιζμα μεηανοίαρ εἰρ ἄθεζιν ἁμαπηιῶν.“ Und bei Lukas ist βαζιλεία Inhalt der Verkündigung, wie sie auch für Mt den Inhalt des Evangeliums darstellt.68 Der heute verwendete Begriff ÄKerygma“ lässt sich jedoch aus dem NT nur am Rande ableiten. Er wurde erst viel später für die Lehre der Kirche genutzt.69 Er steht im NT in Bezug zu einer Reihe von Begriffen der Mitteilung und Kommunikation, die eine bestimmten Modus beschreiben, jedoch Inhaltlich flexibel gebraucht werden können.70 ÄDie große Breite des im NT verwendeten Wortschatzes deutet darauf hin, daß [sic] keines der Verben ein klares Übergewicht gewonnen hat oder gar zum term. Techn. werden konnte.“71 Auf die Frage nach der besonderen Nuance von κεπύζζω antwortet Coenen: ÄDas Verb charakterisiert also das jeweilige konkrete Ausrufen der Botschaft bes. hinsichtlich des damit erhobenen Anspruchs und ihrer rechtsverbindlich eine neue Ordnung setzende Kraft.“72 Dazu gehört auch das Informieren, jedoch ist mit κεπύζζω mehr als nur Informationsvermittlung bezeichnet.

Das Verb ἀκούω kommt im NT 430x vor, am häufigsten in den Evangelien und der Apostelgeschichte (89x).73 Es bedeutet allgemein hören oder auch erfahren.74 Das Substantiv ἀκοή, ῆς kommt im NT 24x vor, am häufigsten in Mt (4x).75 Geläufige Übersetzungen sind: Hören, Gehör, Kunde, Predigt.76 Es bezeichnet auch die Hörfähigkeit und den Akt des Hörens sowie die Kunde, den Ruf, das Gerücht.77 Für die Bedeutung Mitteilung, Predigt gibt Schneider die Stellen Joh 12,38; Röm 10, 16.17; Gal 3,2.5; 1 Thess 2,13; Hebr 4,2 an.78 Es existieren dazu zahlreiche abgeleitete Komposita.79 Für das NT gibt Kittel das Hören als die wesentliche Form der Aneignung der "göttlichen Offenbarung" an.80 In den griechischen Mysterien und der Gnosis waren die Phänomene des Schauens weitaus wichtiger als die des Hörens.81 Kittel geht von einer Prävalenz des Hörens in der biblischen Religion aus, da das Schauen durch das Bildnisverbot nicht gestattet war.82 In der apostolischen Zeit wird ἀκοή zum Ä[] termius technicus für die Predigt, ohne die kein Glaube entsteht, []“83. Auf den wichtigen Zusammenhang von Hören und

Gehorsam weisen Schneider und Kittel unter Rückgriff auf die Verwendung von ἀκοή als Predigt hin.84 Die deutsche Übersetzung mit dem Wort ÄPredigt“ bringt dabei leider das entscheidende Element, den Gehorsam, nicht zum Ausdruck. Predigt wird dann unwirksam, wenn sie nicht mit tätigem Glauben verbunden ist.85

2.3.2 Der „Predigtbefehl“

Die Mitteilung des Evangeliums ist Aufgabe und Ausdruck des Glaubens an Jesus Christus.86 Jesus selbst predigte den Menschen.87 Bereits noch zu seiner irdischen Zeit sandte Jesus Jünger aus, um in Israel zu predigen.88 Sie sollten, so wie er selbst, die anbrechende Herrschaft Gottes und den Menschen das Heil verkünden (Mk 3,14; 5,7.12; Mt 10,7; Lk 9,2.6,60; 10,9).89 In allen vier Evangelien und in der Apostelgeschichte ist der ÄMissionsauftrag“ überliefert (Mt 28,18-20; Mk 16,15; Lk 24,46-48; Joh 20,21; Apg 1,8).90 Nach Jesu Auferstehung verkündigten die Jünger Jesus als den Vermittler des Heils91 (vgl. 1 Kor 15,1-11; Apg 4,12; 13,38f).92 Den Auftrag zum Lehren und den Auftrag zum Missionieren sieht Kunzmann ausgehend von einer biblisch theologischen Untersuchung als Kernaufträge der Gemeinde.93 Zur Umsetzung dieser Aufträge ist die Gemeinde berufen, deren Existenz allein bereits schon eine Form der Verkündigung darstellt.94 Aufgrund des biblischen Zeugnisses kann man deshalb sagen, dass die Gemeinde einen Verkündigungs- bzw. Predigtauftrag hat.95 Getrieben von diesem Auftrag, dem Vorbild Jesu und der Kraft des Heiligen Geistes zogen die ersten Jünger in die Welt, um Christus in Wort und Tat bekannt zu machen.96

2.3.3 Die Predigt zur Zeit des neuen Testaments

Der christliche Gottesdienst wurde stark vom jüdischen Synagogengottesdienst beeinflusst. Zwei Elemente der jüdischen Predigt charakterisieren die Predigt auch heute noch: die Bindung der Predigt an ein gegebenes Wort und an die vesammelte Gemeinde.97 Lehre in den ersten christlichen Gemeinden geschah noch ohne die Textgrundlage des NT, sondern aufgrund von geprägten Formen, Redetraditionen und alttestamentlichen Bezügen.98 Entsprechend ihrer Zielsetzung haben die Autoren des neuen Testaments ihren Stoff angeordnet und Themen ausgewählt, welche dann verschriftlicht wurden.99 So sind zum Beispiel die Reden in den Evangelien an der Führung des Lesers orientiert.100 Die überlieferten Reden wurden in diesem Prozess wahrscheinlich gekürzt und für die schriftliche Form zusammengefasst.101 Deshalb lassen sich Rückschlüsse auf die ist die Predigt als Gottesdienstliche Rede deshalb mehr Folge und Form des Missions- bzw. Lehrauftrages der Gemeinde als ein eigenständiger Auftrag an sich. eigentlichen Reden nur in und durch die von den Textproduzenten geordneten und verschriftlichten Redepassagen, so wie wir sie heute im NT vorfinden, machen.102

Im Neuen Testament ist keine einheitliche Lehr- bzw. Predigtform dargestellt.103 Das Predigtgeschehen der Urchristen und deren Folgen sind besonders in der Apostelgeschichte durch Lukas bezeugt. Die Jerusalemer Gemeinde hielt nach Apg 2,42 an der Lehre der Apostel fest.104 Die Lehre der Apostel bezieht sich auf die Verkündigung zur Gemeinde nach innen und in der missionarischen Verkündigung nach außen.105 Deren Kernbotschaft war am Kreuzesgeschehen und der Auferstehung mit dem Ruf zur Umkehr orientiert.106 In seiner Untersuchung der urchristlichen Mission kommt Schnabel zu dem Schluss, dass die Evangeliumsproklamation der zentrale Vorgang der Missionsarbeit ist. Dies wird auch in der Prioritätensetzung der Jerusalemer Apostel deutlich, da sie Aufgaben delegierten, um mehr Zeit für die Verkündigung zu haben (Apg 6,2.4).107 Aus der Apostelgeschichte lässt sich auch erkennen, dass die ersten Christen in der missionarischen Verkündigung besonders auf die religiösen Ansichten der Menschen, denen sie begegneten, eingegangen sind.108

Berger sieht eine Gemeinsamkeit in den Reden der Apostelgeschichte. Am Anfang der Rede wird eine gemeinsame Grundlage zwischen Sprecher und Hörer geschaffen.109 Trotz allem Eingehen auf den Hörer behielten die Sprecher im NT dennoch die strittigen und skandalösen Elemente des Evangeliums in ihrer Verkündigung bei, ohne diese für ihre Zuhörer zu entfernen.110

2.4 Aspekte der Predigttheorie bis zum Beginn der Postmoderne

Die Geschichte der Predigt lässt sich schwer darstellen, da wenige Predigten so überliefert wurden, wie sie gehalten wurden.111 Über die Jahrhunderte gab es jedoch verschiedene Tendenzen und Anliegen, welche die Predigt beeinflusst haben.112 Einige dieser Entwicklungen sind für das heutige Predigtverständnis besonders prägend gewesen. Auszugsweise sollen daher im Folgenden einige Entwicklungen dargestellt werden.

2.4.1 Predigt bei Luther

Die Reformation führte zu einem Aufblühen der Predigt.113 Entscheidend beinflusst hat Martin Luther diesen Prozess.114 Seine Predigtform war die einer schriftauslegenden Predigt.115 Nach Engemann schließt sein Predigtverständnis

Menschen, denen sie begegnet sind, eingingen - auf die traditionellen, von den heiligen Schriften geprägten Ansichten der Juden in den örtlichen Synagogen (Apg 13,16-41) genauso wie auf den volkstümlichen Aberglauben der Einwohner Lykaoniens (14,8-20) oder die natürliche Theologie der stoischen und epikureischen Philosophen Athens (17,16-34)." die grundlegenden Einsichten der reformatorischen Theologie ein.116 Von Luther existiert jedoch keine systematisch abgeschlossene Homiletik.117 Die Predigt stand für die Reformatoren im Zentrum des kirchlichen Handelns. Dies hatte theologische Gründe, denn durch den Zusammenhang von Wort und Glaube bekam die Predigt eine soteriologische Funktion.118 Die Predigt hatte in den Kirchen der Reformation deshalb eine heilsvermittelnde Funktion119 und war zusammen mit den Flugschriften das wichtigste Verbreitungsmittel der reformatorischen Lehre.120 Da die Predigt für Luther eine Fortsetzung des Heilsgeschehens in dieser Welt war, sollte die Predigt dem Hörer jedes Mal neu die im Christusgeschehen gegebenen Möglichkeiten eröffnen.121 Christus war für Luther der eigentliche Gegenstand der Predigt, da er für ihn auch die Mitte der Schrift bildete.122 Ausgehend von ÄGesetz und Evangelium“ soll die Predigt den Menschen in seiner gesamten Existenz ansprechen.123 ÄDie Befreiung und Stärkung des Gewissens“124 als der dritte Aspekt von Luthers Predigtkonzept wird häufig übersehen.125 Engemann126 stellt Luthers Predigtkonzept so dar:

ÄLuthers homiletische Grundideen laufen auf eine Predigt hinaus, die in einem ÄBußfertig“ macht und dankbar werden lässt für Gottes Güte - und die darüber hinaus zu entfalten vermag, was es für den konkreten Einzelnen heißt, sich auf ein Leben aus Glauben einzulassen.“ [Hervorhebungen übernommen, J.S.]

Luthers Predigtinhalt hingegen war zumeist nicht von der Gemeindesituation bestimmt.127 Der Hörer wurde durch die Form und die Verständlichkeit der Sprache in Luthers Predigten berücksichtigt.128 Kwon schreibt dazu: "Luther betont bekanntermaßen das auf den Hörer bezogene Predigen."129 Die Kirche verstand Luther auch als creatura verbi, Geschöpf des Wortes Gottes. Die Folgen dieses Verständnisses waren die Konstituierung der Kirche als Wortgemeinschaft, der Auftrag der Kirche zur Verkündigung und die starke Außenwahrnehmung der Kirche als Ort der Predigt.130 Später wurde im Jahr 1530 in der Confessio Augustana im Artikel 28 festgelegt, dass die Kirchenleitung durch die Predigt zu geschehen habe. Auch nach der Reformation sind viele großen Veränderungen im Selbstverständnis der Kirche durch "[...] durch Reformen der Predigt ausgelöst oder begleitet worden."131

2.4.2 Die Predigt in der Moderne

Im 20. Jahrhundert gab es in der Predigttheorie umfangreiche Entwicklungen, die den gegenwärtigen Stand der Forschung noch beeinflussen.132 Schütz stellt eine Vielzahl von verschiedenen Predigtformen überblicksartig dar. Für die Weiterentwicklung der Predigttheorie werden folgende Ansätze aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhundert als wichtig erarchtet: die konfessionell lutherische Predigt, die praktisch orientierte Predigt, die liberale Predigt und die Predigt in der dialektischen Theologie.133 Sie sollen im Folgenden kurz erläutert werden.

Die konfessionell lutherische Predigt wurde charakterisiert durch ihre schlichte und knappe Form. Ein weiteres Kennzeichen ist die Zurückhaltung gegenüber den aktuellen Zeitereignissen und den Anforderungen der Gemeinde. Biblische Aussagen wurden liturgisch feierlich verkündigt.134

Die praktisch orientierte Predigt war durch das Festhalten an konservativen geistlichen und politischen Auffassungen geprägt. Diese wurden textgebunden und mit wenig Bezug auf moderne theologische Strömungen oder auf Dogmatik verkündigt. Sie war häuptsächlich an Glaubenerfahrungen und deren Bewährung im Leben orientiert.135 Der Sozialismus, die Industrialisierung und die Arbeiterbewegung kamen in den Predigten dabei für Schütz erstaunlich wenig vor.136

Die liberale Predigt entwickelte sich im Kontext der liberalen Theologie und versuchte, in einer großen Spannbreite, eine zeitgemäße, an der Lebenswelt der Adressaten orientierte religiöse Verkündigung zu betreiben.137 Sie übernahm die für ihre Zeit bedeutsamen wissenschaftlichen Erkenntnisse und wollte damit ein modernitätsfähiges Christentum prägen.138 Die Liberale Theologie war jedoch mit dem Kulturprotestantismus verbunden. Diese Anknüpfung am Alltag der Menschen in der industriellen Moderne wurde in der liberalen Theologie als "moderne Predigt" verstanden.139 Durch ihre Wissenschaftsorientierung versuchte sie sich von der Weltgeschichte und den Zeitereignissen zu lösen und sittliche Aussagen der Bibel zu verkündigen.140

Das Predigtprogramm der dialektischen Theologie war eine Gegenbewegung zur nationalreligiösen Gegenwartsdeutung der »modernen Predigt«. Dabei führte sie von einer Situations- zu einer Textgemäßheit, von einer modernistisch geprägten Predigt zu einer theo- bzw. christozentrisch geprägten Predigt.141 Die Debatte der dialektischen mit der liberalen Theologie drehte sich dennoch hauptsächlich um den Inhalt der Predigt. So wurde vor allem diskutiert, ob die Predigt direkte Rede von Gott sei oder ob in ihr nur über Religion und religiöse Erfahrungen gesprochen wird.142 Theologische Gründe waren in dieser Entwicklung nicht allein ausschlaggebend, sondern es ging dabei Ä[] auch schlicht um Stile und Generationen.“143 Predigt in der dialektischen Theologie kommt vom Gedanken der absoluten Transzendenz Gottes und des qualitativen Unterschiedes von Gott und der Welt. Aus diesem Grund besteht hier die Tendenz den Hörerbezug zu ignorieren.144 Obwohl von dialektischen Theologen die Verwendung von Rhetorik in der Predigt abgelehnt wurde, wurde sie jedoch gleichzeitig genutzt.145 Durch die starke Prägung der dialektischen Theologie orientierte sich die Praktische Theologie bis in die 1960 er Jahre an der Homiletik als ÄLeitwissenschaft“.146

2.4.3 Die Empirische Wendung als Übergang zur Postmoderne

In den 1970er Jahren kam es in der praktischen Theologie zu einer Orientierung an den Kommunikationswissenschaften. Zuvor hatte sich die praktische Theologie hauptsächlich an den Prinzipien der Dogmatik orientiert. Diese Entwicklung wird rückblickend als Prozess der Äempirischen Wendung“ bezeichnet.147 Dabei ging es vor allem darum, den Wirklichkeitsbezug in der praktischen Theologie neu einzubeziehen.148 Es war der Theologe Ernst Lange, der als einer der ersten einen Alltagsbezug in der Predigt forderte. Dieser sollte nicht nur den Text, sondern auch verstärkt die Situation der Hörer analysieren.149 Grözinger sieht die Entwicklung hin zu einer am Hörer orientierten Predigt als Zeichen einer homiletischen Krise.150 Nach Langes Verständnis151 ist der Text jedoch nicht nur eine Ergänzung zum Hörerbezug, sondern Text und Hörerbezug bedingen einander. Der Hörer benötigt demnach den Text als kritisches Gegenüber zu seinem Leben. Entsprechend wird auch der Text erst in der Situation der Zuhörer relevant. Methoden der Exegese verwendet er auch für die Predigt.152 Der Prediger hat dabei die Aufgabe die Situation des Textes und der Hörer zu erfassen.

Die Theorie von Lange war für die Entwicklung der deutschen evangelischen Homiletik sehr ausschlaggebend. Einige der von ihm geprägten Begriffe sind heute sogar zu Grundbegriffen der praktischen Theologie geworden.153 Weiterhin kam es zu einer Einbeziehung von Human-, Geistes- und Gesellschaftswissenschaften in die praktische Theologie.154 Hans Dieter Bastian plädierte beispielsweise für eine Übernahme des (an den Kommunikationswissenschaften orientierten) kybernetischen Kommunikationsmodells in die praktische Theologie.155 Des Weiteren führt Engemann aus, dass die Entwicklung in den Teildisziplinen der Praktischen Theologie in den vergangenen 50 Jahren sehr stark von den aus den Sozialwissenschaften gewonnenen Erkenntnissen abhing und ohne diesen Dialog mit den Sozialwissenschaften nicht denkbar gewesen wäre.156

[...]


1 Bohren 1972: S. 443

2 Zur Vereinfachung der Darstellung und zur besseren Lesbarkeit wird die weibliche Form unterschlagen. In jeden Fall ist jedoch implizit auch die entsprechende weibliche Person gemeint.

3 Im Folgenden werden die Worte Rezipient, Predigthörer, Hörer, Teilnehmer, Gottesdienstbesucher, Zuschauer als Synonyme verwendet.

4 Im Folgenden werden die Begriffe ÄEvangelium“ und Äbiblische Botschaft“ häufig synonym verwendet und sollen den Gehalt der Botschaft der Bibel bezeichnen.

5 Eisenhut bemerkt dazu: "Eben vor allem, die Art und Weise zu kommunizieren hat sich in der Postmoderne sehr verändert. Wenn man unter postmodernen Zeichen Jesus, als den Christus verkündigen will, so glaube ich, hat das Konzept Predigt ausgedient." Eisenhut 29.4.2005

6 Diese Fragestellung wird unter Berücksichtigung der Predigt im Hauptgottesdienst einer Freikirche im deutschen Sprachraum bearbeitet. Über die Gottesdienstsituation den den Großkirchen schreibt Winkler Februar 2006: S. 35 dass nur ein geringer Teil der Kirchenmitglieder regelmäßig am Gottesdienst teilnimmt. In den Freikirchen ist diese Situation zumeist noch anders. Dies sollte im Folgenden berücksichtigt werden.

7 Bodo Flaig formuliert: "Nur wer versteht, was Menschen bewegt, kann sie auch bewegen." Sinus-Institut Heidelberg 2011: S. 1

8 Vgl. 1. Korinther 13,12, Rudolf Bohren, ein langjähriger Professor für Homiletik, drückte es so aus: "Zur Freude und zum Leiden an der Predigt gehört das Bewusstsein hier immer Lehrling und Anfänger zu bleiben." Gefunden bei: Kegler 2011

9 So Zerfass 2009: Sp. 525 und Coenen 2005: S. 1771

10 Coenen 2005: S. 1771 weist darauf hin, dass Luther die beiden Verben Äpredigen“ und Äverkündigen“ etwa gleich häufig genutzt hat.

11 Coenen 2005: S. 1771

12 Giebel 2009: S. 196. Er schließt daraus: ÄWir dürfen deswegen nicht unseren Maßstab von Predigt anlegen. Es wird vielmehr zu untersuchen sein, wo und wie es im Neuen Testament um die Verkündigung geht.“ Engemann 2011: S. 434 schreibt dazu: "Im Neuen Testament gibt es für das, was wir heute unter Predigt bzw. Predigen verstehen, keinen adäquaten Fachausdruck." Verschiedene Aspekte der Predigt im NT werden unter 2.3 Predigt im NT behandelt.

13 Vgl. Coenen 2005: S. 1771. Grözinger 2008a: S. 9 weist auf den explizit, mit dem Gottesdienst verbundenen Gebrauch des Wortes ÄPredigt“ - vor allem durch die Medien - hin.

14 Vgl. Coenen 2005: S. 1770

15 Vgl. Nembach 1996: S. 123 ff

16 Vgl. Nembach 1996: S. 123ff

17 M. E. weist nahezu jeder Autor bzw. jedes Lehrbuch zur Homiletik eine andere Definition von dem auf, was unter Predigt zu verstehen ist. Selbst eine einheitliche Gliederung des Stoffes der Homiletik lässt sich in den Lehrbüchern nicht finden. Winkler Februar 2006: S. 27-29 beschreibt das Problem der Gliederung auch für die Praktische Theologie insgesamt und stellt dazu einige aktuelle Ansätze dar.

18 Hinzu kommt, dass eine Zusammenfassung wieder selbst eine Metadefinition wäre. Nembach 1996: S. 129-130 stellt dies eindrücklich dar.

19 Vgl. Zerfass 2009: Sp. 525

20 Weyel 2007: S. 627 gibt hier an, dass bereits Martin Luther in seiner Bibelübersetzung die Worte ÄPredigt“ und Äpredigen“ in vielfältiger Weise verwendet und dies auf ein mehrschichtiges Bedeutungsspektrum hinweist.

21 Bohren 1972: S. 52 schreibt: "Die Faktizität des Predigtgeschehens läßt [sic] es geraten erscheinen, auf eine Definition zu verzichten." Und: "Das »Unwissenschaftliche« ist hier sachlicher als eine Wissenschaftlichkeit, die sich in Abstraktion verliert."

22 Vgl. Nembach 1996: S. 130. Deeg stellt einen ähnlichen Zusammenhang, der sich historisch entwickelt hat, in einer Schaugrafik dar. Die Predigt erscheint darin als eine Wellenbewegung, welche sich historisch zwischen der Orientierung an der biblischer Botschaft und der Orientierung an Lebenswirklichkeit der Menschen in der Geschichte entfaltet. Deeg: S. 1

23 Weyel 2007: S. 627

24 Vgl. Engemann 2011: S. 326. Heute werden dabei auch Fragen nach der Verbindung von Mission und Gottesdienst bearbeitet. Neuere Diskussionen zum "missionarischen Gottesdienst" werden bei Zimmermann Januar 2008: S. 15-19 dargestellt.

25 Vgl. Grözinger 2008a: S. 287

26 Lange 2009: S. 158 schreibt sogar: "Tatsächlich gibt es, soweit ich sehe, keinerlei Möglichkeit die ortsgemeindliche Predigt von anderen Kommunikationsbemühungen der Kirche zu unterscheiden als von der Situation her."

27 Vgl. Härtner et al. 2008: S. 33-34. Die Frage nach der konkreten Gottesdienstgestaltung nimmt in den Diskussionen der praktischen Theologie einen breiten Raum ein. Ein Beispiel dafür ist die Willow Creek Gemeinde. Sie wurde in Deutschland vor allem für ihre besucherorientierte Gottesdienstgestaltung bekannt und hat eine weite Rezeption in den verschiedenen Kirchen erfahren.

28 Vgl. Lange 2009: S. 158-159. Lange hatte hier den Gottesdienst allgemein im Blick und bezog sich nicht speziell auf den Gottesdienst der Freikirchen.

29 Unter Bezug auf den freikirchlichen Sonntagsgottesdienst beschreibt der freikirchliche Theologe Wolfgang Klippert den Gottesdienst als zum Kern des christlichen Gemeindelebens gehörend. "An keinem Tag der Woche und an keiner anderen Stelle kommt die Gemeinde so vollständig zusammen wie am Sonntag." Klippert 2000: S. 11 Inhaltlich erachtet Klippert 2000: S. 11 den Gottesdienst als Ä[] Schaltstelle für die gesamte Gemeindearbeit“ und geht von einer jahrhundertelang geprägten Tradition aus. Müller 2000: Sp. 1874 schreibt dazu: "Durch die Reformation wurde die Predigt Mittelpunkt des Gottesdienstes und der Frömmigkeit."

30 M. E. nach ist das Verhältnis von Tradition und Gottesdienst in den Freikirchlich vielfach noch unerforscht. Verallgemeinernd lässt sich nichts aussagen, da verschiedene freikirchliche Prägungen unterschiedliche Gottesdienstformen entwickelt haben bzw. von verschiedenen Traditionen geprägt sind.

31 Entsprechend den aktuellen Statistiken hat ein fünftel der Bevölkerung in Deutschland Migrationshintergrund. sueddeutsche.de GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH 27. September 2011

32 Engemann 2007: S. 146 schreibt im Rückgriff auf die Kommunikationswissenschaft: “Der Ablauf von Kommunikationsprozessen wird von der jeweils vorherrschenden Kommunikationssituation mit bedingt. Eine Kommunikationssituation kann z. B. so beschaffen sein, dass ein Missverstehen vorprogrammiert ist, dass von vornherein ein ÄVerlierer“ feststeht und dass jedes Reagieren Äfalsch“ ist.”

33 Grözinger 2008a: S. 287 schreibt dazu: "Umgekehrt gilt, dass eine sorgfältig gestaltete Gesamtliturgie die Wirkung der Predigt nur erhöhen kann."

34 Vgl. Engemann 2003: Sp. 1603

35 Vgl. Nösser 2001b: S. 30-31

36 Nösser 2001b: S. 32

37 Vgl. Nösser 2001a: S. 78-80

38 Pilnei 2010: S. 73-74 schreibt über die besonderen Herausforderungen und Aufgaben der Predigt im Gästegottesdienst bei einem baptistischen Hintergrund.

39 Nösser 2001a: S. 79-80

40 Dies mag mit dem Bezug Äder Predigt“ zu der ihr umgebenden Umwelt zusammenhängen. Auf das ntl. Predigtgeschehen wirken deshalb vielfältige Einflüsse aus jüdischer, hellenistischer und römischer Kultur. Nicol 2003a: Sp. 1585 weist z. B. auf die Tradition der Auslegung von Texten hin, mit der die ntl. Kirche an die jüdische Predigt anknüpft.

41 Die Differenzierung, was nun eine Rede bzw. Predigt im NT ist, ist anhand der verwendeten Einleitungsworte nicht immer klar ersichtlich.

42 Vgl. Engemann 2011: S. 434

43 Die Anzahl der dazu zählende Worte und Formen schwankt je nach Autor und

Herangehensweise. Dies hängt sicherlich mit unterschiedlichen Ansätzen und Zählweisen zusammenhängen. Je nach Ansatz werden nur Verben oder auch Substantive gezählt.

44 Mauerhofer 2005: S. 47 und Moon 1990: S. 55-58 stellen anhand der verwendeten Vokablen Aspekte der neutestamentlichen Predigt dar.

45 Bohren 1972: S. 51schreibt: "Das Neue Testament selbst scheint mir in doppelter Weise sich gegen eine Definition zu sperren: Einmal kennt das Neue Testament ein embarras de richesse von Möglichkeiten des Verkündigens und des Sagens. Über dreißig Vokabeln deuten auf eine Vielfalt, demgegenüber unser Begriff ›Predigt‹ einen Schrumpfungsprozeß signalisiert. [...] Zum andern überwiegen im neutestamentlichen Sprachgebrauch die Verba vor den Substantiva. Die Substantiva selbst aber beschreiben »die Handlung der Verkündigung« (ThW II, 727). Es kann sich für uns nicht darum handeln, die Predigt zu definieren, sondern nur die gepredigte Predigt, d.h. also das Predigen!"

46 Vgl. Zerfass 2009: Sp. 525.

47 Die Selektion der zu untersuchenden Worte wurde anhand der Relevanz für diese Arbeit vorgenommen, wobei die verschiedenen Predigtaspekte im Vordergrund standen und nicht die Begriffe an sich. Bei den Begriffsuntersuchungen standen vor allem die verschiedenen Bedeutungsaspekte der Begriffe im NT im Vordergrund. Die Suche nach einer eindeutigen Bestimmung des Begriffes im NT wird nicht durchgeführt.

48 Vgl. Aland 1978: S. 75

49 Vgl. Bauer et al. 1988: Sp. 386

50 Vgl. Weiß 1992a: Sp. 764

51 Vgl. Bauer et al. 1988: Sp. 385

52 Vgl. Weiß 1992a: Sp. 764

53 Vgl. Weiß 1992a: Sp. 764. Dies könnte darauf hinweisen, dass eine grundsätzliche Trennung von Lehre und Evangeliumsverkündigung bei Jesus nicht gegeben war.

54 Vgl. Weiß 1992a: Sp. 767-768 Demgegenüber geht Streett 2004: S. 23 ff. unter Berufung auf C.H. Dodd besonders auf einen Unterschied zwischen κήπςγμα und διδασή ein, welcher der lehrmäßige Ausgangspunkt für sein Werk ist. Er geht davon aus, dass sich κήπςγμα an Ungläubige und διδασή an Gläubige wendet. Unter dem Stichwort διδασή weist Weiß jedoch auf einen uneinheitlichen Gebrauch von διδασή hin und wiederlegt ihn damit.Weiß 1992b: S. 770

55 Vgl. Weiß 1992a: Sp. 765

56 Vgl. Weiß 1992a: Sp. 765 Dabei fällt auf, dass sich Jesu Lehrdienst in Kontinuität und Diskontinuität mit der jüdischen Tradition befand. Auf eine Diskontinuität weisen die Stellen Mt 7,29 und Mk 1,22 hin, denn Jesus lehrte nicht wie die Schriftgelehrten. Er lehrte mit Autorität und Vollmacht.

57 Vgl. Weiß 1992a: Sp. 768-769

58 Vgl. Aland 1978: S. 199

59 Vgl. Bauer et al. 1988: Sp. 1146

60 Vgl. Lattke 1992: Sp. 1245 Auf die Verwendung von ὁμιλέω geht Lattke besonders ein und sieht ὁμιλέω in Apg 24,26 und Apg 20, 11 einer engen Verbindung mit διαλέγομαι.

61 Aland 1978: S. 157 und Merk 1992: Sp. 712

62 Aland 1978: S. 155 und Merk 1992: Sp. 712

63 Aland 1978: S. 157 und Merk 1992: Sp. 712

64 Coenen 1983: S. 1276

65 Vgl. Coenen 1983: S. 1276

66 Vgl. Coenen 1983: S. 1277. Die offiziellen Funktionen des κῆπςξ beschreibt Coenen hier näher. Von den Funktionen kommt auch die unterschiedliche Bedeutung des Begriffes: ÄDieses Verbindliche, [von seinem offiziellen Charakter herkommende, Anmerkung J.S.] Befehlende und Setzende unterscheidet die Wortgruppe κεπύζζω von ἀγγέλλω und seinen Komposita, die mehr das Angebot, die Mitteilung bezeichnen.“ Coenen 1983: S. 1277

67 Vgl. Coenen 1983: S. 1277

68 Vgl. Coenen 1983: S. 1279. Er stellt dies ausführlich mit Stellenangaben dar.

69 Vgl. Coenen 1983: S. 1280

70 Vgl. Coenen 1983: S. 1280

71 Vgl. Coenen 1983: S. 1280

72 Vgl. Coenen 1983: S. 1280

73 Vgl. Aland 1978: S. 13

74 Vgl. Schneider 1992: Sp. 126

75 Vgl. Aland 1978: S. 13

76 Vgl. Schneider 1992: Sp. 126

77 Vgl. Aland 1978: S. 13

78 Vgl. Schneider 1992: Sp. 126-127

79 Vgl. Schneider 1992: Sp. 127

80 "Das Hören des Menschen stellt die Entsprechung zu der Offenbarung des Wortes dar und ist darum die der biblischen Religion wesentliche Aneignungsform dieser göttlichen Offenbarung." Kittel 1933: S. 217

81 Vgl. Kittel 1933: S. 217

82 Vgl. Kittel 1933: S. 219. Dies kam, nach Kittel, vom alttestamentlichen Bilderverbot her zu einer auch im NT erkennbaren Betonung des Hörens für die Erkenntnis der Offenbarung. Kittel 1933: S. 220

83 Kittel 1933: S. 220

84 Vgl. Kittel 1933: S. 224 und Schneider 1992: Sp. 130-131

85 Vgl. Schneider 1992: Sp. 130-131

86 Engemann 2007: S. 138 schreibt: “[] Die Kommunikation des Evangeliums ist eine

Lebensäußerung von Kirche und trägt gleichzeitig zur Gestaltung der Gesellschaft bei.” Als solche Lebensäußerung war die Predigt bereits konstitutiv an dem Aufbau der Gemeinde beteiligt.

87 Engemann 2011: S. 447 stellt hier einige Elemente der Lehr- und Predigtpraxis von Jesus dar und begründet die Predigt theologisch und inhaltlich ausgehend von der Christologie.

88 Die Form der Predigt war dabei, wie bereits unter 2.3.1 Wortstudien zum Thema ÄPredigt“ dargestellt, sehr vielfältig.

89 Vgl. Weiser 2009: Sp. 526

90 Auf Verkündigung und Predigt wird dabei direkt in Mt, Mk und Lk Bezug genommen. Bei Joh steht die Sendung im Vordergrund, welche jedoch die Verkündigung einschließt. In Apg 1,8 werden die Jünger ebenso wie in Lk 24,47 als μάπηςπερ (1. Pl mask von μάπηςρ = Zeuge) angesprochen. Dies weist damit auf ihren Zeugendienst hin, welcher auch eine kommunikative Funktion hat. Henning April 2011: S. 100-101 begründet die Aufgabe der Predigt vom Missionsauftrag her.

91 Die Frage nach der Heilsvermittlung, dem Verhältnis von Wort und Sakrament und deren besonderem Proprium ist Diskussionsgegenstand der systematischen Theologie. Pöhlmann 1975: S. 236 stellt wichtige Aspekte dieser Diskussionen dar.

92 Vgl. Weiser 2009: Sp. 526

93 Vgl. Kunzmann 2010: S. 26-39

94 Da sich die Gemeinde Jesu von Christus her definiert, ist sie durch ihre Existenz als christliche Gemeinde bereits mit in das Heilshandeln Gottes in dieser Welt hineingenommen und weist dadurch auf Christus hin.

95 So auch Locher am 4. Oktober 2011 "Der Auftrag an die Gemeinde ist ein Verkündigungsauftrag." Nach Engemann 2011: S. 434 finden wir im NT "[...] keine direkte Antwort auf die Frage nach dem Verständnis der Aufgabe der Predigt [...]". Meines Erachtes nach

96 Vgl. Schnabel 2002: S. 431. Er beschreibt besonders die Umsetzung des Verkündigungsauftrages in Wort und Tat. Den Vollzug des Auftrags sieht er dennoch hauptsächlich in der mündlichen Verkündigung der Mission umgesetzt. Schnabel 2002: S. 1485

97 Vgl. Engemann 2011: S. 432-433 er schreibt weiter: ÄDie Anlehnung an jüdische Vorbilder in Fragen der Methodik der Bibelexegese ist unverkennbar.“ Engemann 2011: S. 434 Engemann geht auch auf Unterschiede der christlichen Predigt im Gegensatz zur jüdischen Predigt ein. Demnach war die christliche Predigt weniger an der moralischen Ausrichtung interessiert und blieb nicht in Fragen von Recht, Kultus und Alltagsfragen verhaftet, sondern bezog die Zuhörer mit ein.

98 Vgl. Schnabel 2002: S. 399. Nicol 2003a: Sp. 1585 sieht hier einen starken Bezug zur jüdischen Predigt: "Mit der Auslegung von Texten der HB knüpfte die Kirche schon in ntl. Zeit an die jüd. P. an."

99 Pohl 1978 schreibt dazu: "Es ließe sich beeindruckend zeigen, wie jeder der vier Evangelisten bei der Darstellung des Evangeliums die Gewichte entsprechend seinem Leserkreis anders hängt, den Stoff umordnet, die Sprache umprägt, den Rahmen auswechselt usw. Dabei geht es allen Evangelisten um das gleiche Evangelium, bis heute." Niebergall 2006: Sp. 26242-26243 sieht eine enge Verbindung der Bibeltexte mit der Predigt: “Obgleich die Paulusbriefe nicht als P.en gelten können, so lassen sie doch Rückschlüsse über die Art und die Bindung seiner Verkündigung an at. Texte und die neu entstandene christliche Überlieferung zu; überdies wurden sie im Gottesdienst (: IV) verlesen (vgl. 2Kor 1, 13; Kol 4, 16; 1Thess 5, 27). Die Sammlung und Komposition von Einzelstücken zu den synoptischen Evangelien erklärt sich aus dem Bedürfnis der Verkündigung. Einzelnen Briefen, z. B. dem Hebräer-, Jakobus-, 1. Petrus- und 1. Johannesbrief, liegen vermutlich P.en zugrunde. Die in der Apostelgeschichte mitgeteilten Reden stellen Muster einer christlichen P. am Ende des 1. Jh.s dar, allerdings geprägt von der theologischen Konzeption des Lukas.“

100 "Die Position der Reden im Aufriß [sic] der Evangelien ist deutlich an der Führung des Lesers orientiert: Bergpredigt und Feldrede stehen aus den genannten Gründen am Anfang [...]" Berger 2005: S. 130. Schütz 1972: S. 5-6 schreibt über die Redekomplexe der Apostelgeschichte: ÄDie Reden der Apostelgeschichte sind ein literarisches und kein homiletisches Erzeugnis; sie entstammen der schriftstellerischen Phantasie des Verfassers und sind im Blick auf seine literarischen Absichten komponiert.“

101 Ansonsten müssten die Prediger in der Apostelgeschichte m. E. nach nie länger als ungefähr zwei bis zehn Minuten gepredigt haben, da die Texte beim Verlesen recht kurz sind.

102 Berger 2005: S. 43-44 beschreibt die Unmöglichkeit auf die vorschriftliche Gestalt neutestamentlicher Texte zu gelangen. Nach Berger lassen sich die Einflüsse aus der umgebenden Umwelt auf die mündliche Rede nur anhand der Bibeltexte und der darin enthaltenen Textgattungen begründen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die mündliche Form keine durch die Umwelt geprägte Formen nutzte. Einige Formen, die in der urchristlichen Verkündigung genutzt wurden, stellt Schütz 1972: S. 6-7 dar. So gibt es Anknüpfungspunkte sowie Differenzen der christlichen Predigt in neutestamentlicher Zeit mit zeitgenössischen philosophischen und religiösen Reden. Berger 2005: S. 43-44 geht davon aus, dass die im Text verwendeten Gattungen auf die Kompetenz bzw. das Repertoire des Textproduzenten (Sprecher und/oder Schreiber) zurückzuführen sind. Trotz einer vermuteten relativen Stabilität bei der Übertragung vom Mündlichen ins Schriftliche lässt das Vorkommen einer Redegattung im Bibeltext keine genauen Rückschlüsse weder auf die ursprüngliche mündliche Rede noch auf die darauf prägenden Einflüsse der Umwelt zu (S. 45). Untersucht werden können somit lediglich die heutige Endgestalt des Bibeltextes und deren vermuteter Sitz im Leben. Rückschlüsse über diese Texte hinaus auf die ursprüngliche mündliche Form sind daher sehr vage. Schütz 1972: S. 7 kommt sogar zu dem Schluss: Ä[] ein wirkliches Bild der Predigt in neutestamentlicher Zeit oder gar ihrer Geschichte können wir nicht rekonstruieren.“

103 Siehe hierzu 2.3.1 Wortstudien zum Thema ÄPredigt“.

104 Vgl. Schnabel 2002: S. 399

105 Vgl. Schnabel 2002: S. 400. Schnabel sieht die Lehren des Petrus, den er als Repräsentant und Sprecher der Apostel annimmt, als inhaltliche Füllung dessen, was unter Lehre der Apostel verstanden wurde und stellt dazu anhand der Lehre des Petrus einige Kernelemente apostolischer Verkündigung dar. Schnabel 2002: S. 399

106 "Die Botschaft der Apostel konzentrierte sich auf den Sühnetod Jesu, der von den Toten auferweckt worden war und als lebendiger Herr sowohl Juden als auch Polytheisten befiehlt, zum wahren Gott umzukehren." Schnabel 2002: S. 431

107 Vgl. Schnabel 2002: S. 1485

108 Schnabel 2002: S. 1489 schreibt dazu: "Die Apostelgeschichte belegt, dass die urchristlichen Glaubensboten in ihrer missionarischen Verkündigung auf die religiösen Überzeugungen der

109 Berger 2005: S. 133 schreibt: "Weitere wichtige Gemeinsamkeiten in Reden sind: Die Darlegung einer gemeinsamen Grundlage zwischen Sprecher und Hörer am Anfang (das betreffend, was allgemein zugegeben ist), so in Act 19,25ff. bis V. 26; in Act 17,22ff. zunächst in V. 22-23a, dann im Wechsel von Übereinstimmung und Korrektur (Act 17,24b.25a); Act 21,20ff. in V. 20 (Hinweis auf das, was vor Augen liegt);[...]."

110 Vgl. Schnabel 2002: S. 1490

111 Vgl. Niebergall 2006: Sp. 26240 So auch Schütz 1972: S. 5-6 .

112 Maier 2006: S. 489-490 gibt hierzu eine kommentierte Kurzübersicht. Er weist dabei besonders auf die Aufgabe der heutigen Exegese hin, nicht nur ein am Schreibtisch isolierter Wissenschaftler zu sein, sondern im Gespräch mit der Gemeinde zu bleiben. Dabei muss man sich jedoch der Gefahr bewusst sein, dass Wissenschaftlichkeit und Integrität bei starkem Gemeindebezug leiden können.

113 Vgl. Schütz 1972: S. 89

114 Luthers Predigten lassen nach Schütz 1972: S. 90 Rückschlüsse auf seine Theologie und sein reformatorisches Wirken zu. Von seinen Predigten sind etwa 2000 Stück überliefert. Reimer 2010: S. 128 geht davon aus, dass Luther prägend war für das heutige Verständnis vom Gottesdienst: "Unser modernes evangelisches Gottesdienstverständnis ist weitgehend von Martin Luther geprägt. Für Luther war der christliche Gottesdienst unbedingt wortzentriert."

115 Vgl. Schütz 1972: S. 91. Für die Hermeneutik war hierbei Luthers Ablehnung des vierfachen Schriftsinns und der Allegorese relevant, welche Luther nicht als Basis für theologische Argumentation ansah. Vgl. Schütz 1972: S. 92

116 Engemann 2011: S. 439 sieht diesen Zusammenhang in der Lehre vom Wort Gottes begründet, welches nicht nur das Heil übermittelt, sondern auch bewirkt und damit das Heilsgeschehen im Leben der Menschen fortsetzt. Hermelink 2003: Sp. 1596 schreibt: "Der Konzentration [von Luther, Anmerkung J.S.] auf die heilskonstitutive Dialektik von Wort und Glaube und damit auf das Predigtgeschehen folgen auch Zwingli und Calvin."

117 Vgl. Rössler 2002: S. 9 Die Aussagen von Luther zur Homiletik sind seinem gesamten Werk entnommen.

118 Vgl. Beutel 2009: Sp. 532

119 Für Luther war Christus der Inhalt der Predigt, welcher er sakramentalen Charakter zusprach. Nach Engemann 2011: S. 441 wird damit Änicht irgend einer Selbstwirksamkeit des Wortes Gottes das Wort“ geredet, sondern das gepredigte Wort als Kommunikationsprozess des Predigens ist damit das heilswirksame Geschehen. Damit ist jedoch kein ÄHeilsautomatismus“ gemeint, sondern erst wenn das Wort den einzelnen in glaubender Annahme ergreift, begründet sich der Sakrametscharakter. Frei nach: K.-H. Bieritz, Verbum facit fidem. Homiletische Anmerkungen zu einer Lutherpredigt, 1984, S. 127 zitiert in Engemann 2011: S. 442

120 Vgl. Beutel 2003: Sp. 1587

121 Vgl. Engemann 2011: S. 439

122 Vgl. Schütz 1972: S. 91

123 Engemann 2011: S. 439 beschreibt hier einen bei Luther funktional begründeten

Gesetzesbegriff, bei dem es nicht um die Predigt über Sünde geht, sondern um die Aufdeckung der Lebenswirklichkeit des Menschen, in der die Sünde nicht ausgeblendet werden soll. Er schreibt auf Seite 439 weiter dazu: ÄIn diesem Sinne ist das Gesetz in der Predigt unerlässlich für die Erschließung der Bedeutung des Evangeliums im konkreten Leben des Hörers.“

124 Engemann 2011: S. 440

125 Engemann 2011: S. 440 führt dazu aus, dass der Begriff ÄGewissen“ hier den Menschen als

Mensch vor Gott in seiner ganzen Existenz und Individualität meint. Die Belehrung des Menschen soll ihm dabei helfen Argumente für sich selbst und seinen Zweifel zu haben und Äeinen Schritt in die Freiheit“ zu tun. In dieser Belehrung (S. 441) hat die Erfahrung von Hörer und Prediger besondere Bedeutung, welche für den Hörer Beispiel christlicher Lebensführung sein können.

126 Engemann 2011: S. 441

127 Schütz 1972: S. 94 geht von keinem Bezug zur aktuellen Gemeindesituation in den Predigten Luthers aus. Hingegen versucht Kwon 2008: S. 114 ff die Gemeindesituation aus Luthers Predigten zu rekonstruieren und sieht an einigen Stellen deutliche Gemeindebezüge in den Predigten Luthers.

128 Vgl. Schütz 1972: S. 94. Jedoch weist Schütz dadurch darauf hin, dass in Luthers Predigten die Gegenwart Christi in die Welt des 16. Jahrhunderts gestellt wurde und Luther nahezu alles personifizierte (vgl. S. 95). Luthers Sprache war jedoch sehr lebhaft und an den Dingen des Alltags orientiert. Er bezog in seine Predigten auch persönliche Erfahrungen mit ein.

129 Kwon 2008: S. 114

130 "Indem Luther die Kirche als »creatura verbi« versteht, macht er die Predigt zur Grundkategorie kirchl. Handelns." [Hervorhebung übernommen, J.S.] Hermelink 2003: Sp. 1596

131 Vgl. Hermelink 2003: Sp. 1596

132 Vgl. Härtner et al. 2008: S. 35

133 Vgl. Die Darstellung verschiedener Predigtrichtungen des frühen 20. Jahrhunderts in Schütz 1972: S. 206-219 . Folgenden Predigtarten werden hier von mir nicht angeführt: die verschiedenen Formen der akademischen Predigt, die Varianten der Dorf- und Kleinstadtpredigt und die Predigt am Rande der Kirche, welche sich mit den vielfältigen philosophischen Lehren verband.

134 Vgl. Schütz 1972: S. 206-208

135 Vgl. Schütz 1972: S. 207-209

136 Vgl. Schütz 1972: S. 215-217

137 Schütz 1972: S. 209 führt den Zusammenhang von liberaler Predigt und Theologie folgendermaßen aus: ÄDie liberale Predigt ist Widerbespiegelung der liberalen Theologie. Unter dem Eindruck der historisch-kritischen Forschung und der religionsgeschichtlichen Schule sieht sie in den sittlichen Gedanken Jesu, die oft im Geist des eigenen liberalen Zeitalters interpretiert werden, die bleibende Wahrheit, die aus den Hüllen des zeitgeschichtlichen Gewandes gelöst werden muß [sic].“ Grözinger 2008b: S. 1804 schreibt: "Die Predigten, die im Umfeld der Liberalen Theologie gehalten wurden, lassen durchweg eine sorgfältig gestaltende rhetorische Predigtkultur erkennen."

138 Beutel 2003: Sp. 1590

139 Vgl. Grözinger 2008b: S. 1805 und nach Beutel 2009: Sp. 533 entwickelte sich die "moderne Predigt" im Zeitraum um 1890. Sie versuchte die Ergebnisse der modernen Bibelwissenschaft, sowie die Erkenntnisse der Humanwissenschaften zu nutzen.

140 Vgl. Schütz 1972: S. 209

141 Vgl. Beutel 2003: Sp. 1590

142 Vgl. Grözinger 2008a: S. 76

143 Vgl. Meyer-Blanck et al. 2008: S. 44. Härtner et al. 2008: S. 35 schreibt: ÄUnter dem Eindruck zweier Weltkriege und des offensichtlichen Versagens liberaler Hochschultheologie sah Karl Barth die Aufgabe der Predigt darin, dass allein Gott zu Wort kommen soll.“

144 " Grözinger 2008b: S. 1804 ÄDas theologische Konstrukt von Gott als dem Ganz Anderen deligitimiert jegliche Orientierung der Predigt an den Bedürfnissen und Gegebenheiten der kulturellen Gegenwart als Verrat an der Sache der Theologie." Und Beutel 2003: Sp. 1590 schreibt dazu: "Das theol. radikalisierte Problem der Möglichkeit menschlicher Gottesrede marginalisierte die Frage ihrer handwerklichen Machbarkeit."

145 Vgl. Grözinger 2008b: S. 1805 schreibt: "Der Einspruch der Dialektischen Theologie gegen die Rhetorik ist selbst rhetorisch kunstvoll und einprägsam formuliert und Ausdruck einer dezidierten antirhetorischen Rhetorik. Der gleiche Sachverhalt lässt sich auch an den Predigten der Dialektischen Theologen erkennen, deren Sprachgehalt durchaus dem theologischen Programm entspricht. Diese Predigten pflegen eine autoritativ-expressionistische Redeweise und sind gerade an ihrem Stil leicht als Predigten der Dialektischen Theologie zu identifizieren."

146 Vgl. Winkler Februar 2006: S. 37

147 Vgl. Grözinger 2008a: S. 81

148 Vgl. Meyer-Blanck et al. 2008: S. 29 und Failing et al. 2001: S. 15. Nach Winkler Februar 2006: S. 36-37 Lehnte sich Rudolf Bohren, entgegen der empirischen Methode, welche zu seiner Zeit aktuell war, in seiner 1972 herausgegebenen Predigtlehre bewusst an der Pneumatologie an und brachte damit die Orientierung am Wirken des Heiligen Geistes wieder in die Praktischen Theologie ein. Bohren beeinflusste dadurch unter anderen auch Manfred Josuttis.

149 Vgl. Failing et al. 2001: S. 35

150 Vgl. Grözinger 2008a: S. 101 ÄDas an der Wende von der 60er zu den 70er-Jahren einsetzende neue Interesse an den PredigthörerInnen fällt zeitlich zusammen mit den ersten Anzeichen fundamentaler Veränderungen im Beziehungsgeflecht von Religion, Kirche und Gesellschaft. Ansteigende Kirchenaustrittszahlen ließen erahnen, dass die Zeit der Selbstverständlichkeit einer Kirchenmitgliedschaft für viele Menschen sich ihrem Ende zuneigte.“

151 Vgl. Lütze 2009b: S. 154

152 So stellt er nach Lütze 2009b: S. 154 die Textkritik der Situationskritik gegenüber, womit der Prediger nicht nur zum Anwalt des Textes sondern auch Anwalt des Hörers wird. Dieser Aspekt modifiziert zugleich das Predigtziel. Das Ziel ist nicht mehr nur, dass der Hörer den Text verstanden hat, sondern dass der Hörer sich und sein Leben mit Hilfe des Textes besser verstehen kann.

153 Lütze 2009b: S. 155 schreibt: ÄEs würde im Effekt beinahe auf eine Geschichte der evangelischen Homiletik im deutsprachigen Raum seit den 70er Jahren hinauslaufen, wollte man die Wirkungsgeschichte der homiletischen Impulse Ernst Langes nachzeichnen.“

154 Vgl. Meyer-Blanck et al. 2008: S. 29. Kron et al. 2009: S. 27 schreibt dazu: "Da der Gegenstand all dieser Wissenschaften [der Geisteswissenschaften, Anmerkung J.S.] der Mensch in seiner gesellschaftlichen und individuellen Entwicklung - im weitesten Sinne - ist, überschneiden sich auch die Forschungen, die Theorien- und Modellbildungen sowie die Entwicklung von Handlungskonzepten." Grözinger stellt die Entwicklung der Rezeption kommunikationswissenschaftlicher Erkenntnisse in der Homiletik übersichtlich dar. Grözinger 2008a: S. 80-87

155 Vgl. Grözinger 2008a: S. 81 Bastian distanzierte sich sehr offensiv und teils auch polemisch von der Wort-Gottes-Theologie in ihrer Prägung durch Karl Barth. Seine Kritik dabei war, dass durch den starken Fokus der Verkündigung auf die Dogmatik und Exegese der Theologie der Wirklichkeitssinn verloren geht und die Praxis unreflektiert bleibt.

156 Vgl. Engemann 2007: S. 151

Ende der Leseprobe aus 87 Seiten

Details

Titel
Postmodern Predigen
Untertitel
Eine praktisch-theologische Reflexion einer am postmodernen Rezipienten orientierten Predigt unter Berücksichtungung von neutestamentlichen und historischen Gesichtspunkten
Hochschule
Theologisches Seminar des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden K.d.ö.R
Note
1,5
Autor
Jahr
2012
Seiten
87
Katalognummer
V200573
ISBN (eBook)
9783656322054
ISBN (Buch)
9783656324362
Dateigröße
1278 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dies ist eine Arbeit zur Erlangung des 1. Theologischen Examens im Rahmen des Studiums der Theologie am Theologischen Seminar Beröa des Bundes freikirchlicher Pfingstgemeinden in Erzhausen
Schlagworte
Predigen, Postmoderne, Postmodern, Pluralität, Praktische Theologie, Predigen in der Bibel, Predigt bei Luther, Predigt, Predigt und Mission, Pluralisierung, Globalisierung, Individualisierung, Multimediale Predigt, Multimedia, Rezeptionsästhetik, ästhetisches Paradigma, Grözinger, Engemann, Gehring, Herbst, dramaturgische Hermeneutik, Nicol, Pohl-Patalong, Gottesdienstsituation und Predigt, Gästegottesdienste und Predigt, Hörerorientierung, narrative Predigt, Milieustudien, konstruktivistische Pädagogik, konstruktivistische Medientheorie
Arbeit zitieren
Jonathan Schirmer (Autor), 2012, Postmodern Predigen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200573

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