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Ironie und Humor in der Literatur der Romantik am Beispiel von 'KIein Zaches genannt Zinnober' von E. T. A. Hoffmann (Teil I)

Titel: Ironie und Humor in der Literatur der Romantik am Beispiel von 'KIein Zaches genannt Zinnober' von E. T. A. Hoffmann (Teil I)

Wissenschaftliche Studie , 2012 , 16 Seiten , Note: "-"

Autor:in: Hans-Georg Wendland (Autor:in)

Didaktik für das Fach Deutsch - Literaturgeschichte, Epochen
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In dieser Arbeit geht es darum, die Begriffe Ironie und Humor in ihrem wechselseitigen Verhältnis und in ihrer Entwicklung als literarische Gestaltungsmittel zu untersuchen und aufzuzeigen, dass beiden Begriffe in der Literatur der Romantik – und besonders im Werk E. T. A. Hoffmanns – ein besonderer Stellenwert zukommt. Dabei
sollen sowohl gemeinsame als auch unterscheidende Merkmale herausgearbeitet werden.

In den zeitgenössischen Untersuchungen erscheint die Ironie zumeist als eine bewusste, intellektuelle, reflexive erzählerische Haltung, während der Humor eher als eine gemütvolle, aus dem Herzen kommende und auf Verständnis und Ausgleich ausgerichtete Haltung des Erzählers verstanden wird. [1] Eine ähnliche Auffassung finden wir auch bei E. T. A. Hoffmann, beispielsweise im dritten Kapitel der „Prinzessin Brambilla“, wo in einem Streitgespräch des Italieners Celionati mit dem deutschen Maler Franz Reinhold zwischen einer spezifisch italienisch geprägten, scherz- und
possenhaften Ironie, die sich auf die äußere Erscheinungswelt bezieht, und einer von innen heraus tönenden deutschen Ironie – besser: einer gemütvollen, innerlichen Art deutschen Humors als umfassenderes Prinzip – unterschieden wird, „die nun einmal
unserem deutschen Sinn eigen“ ist. (Sämtliche Werke, Band 3, 814) Friedrich Schlegel hat – wie noch zu zeigen sein wird – u. a. in seinen „Athenäums-Fragmenten“ (1798) in Erweiterung solcher Überlegungen einen neuen poetologischen Begriff der
„romantischen Ironie“ formuliert, die den literarischen Diskurs seiner Zeit nachhaltig geprägt und beeinfluss hat.

E. T. A. Hoffmann wird häufig als „Vater der phantastischen Erzählung“ (Woodgate 33) und als Wegbereiter der phantastischen Literatur angesehen, in der die Nachtseiten der Natur und die Schattenseiten des menschlichen Seelenlebens dargestellt werden, wo sich gespenstische und dämonische Kräfte manifestieren – aus
psychologischer Sicht: Grenzphänomene zwischen überspannter Exaltation und Wahnsinn -, die hinter einer Fassade bürgerlicher Normalität und Harmonie auftauchen und in die Alltagswelt einbrechen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Zeitgenössische Sichtweisen der Begriffe

1.2 E. T. A. Hoffmann: Begründer der phantastischen Literatur

1.3 Der Alltag und das Wunderbare in Hoffmanns poetologischem Konzept

1.4 Die Rolle der Ironie beim desillusionierenden Erzählen

1.5 Die Begriffe "Ironie" und "Humor" bei Hoffmann

1.6 "Klein Zaches": ein "superwahnsinniges Buch"?

1.7 Zeitgenössische Kommentare zu "Klein Zaches"

1.8 Zwischen Alltagsrealität und Phantastik

2. Die Entwicklung der Begriffe Ironie und Humor in Philosophie, Rhetorik und Literatur

2.1 Ursprung der Ironie und des Humors als literarische Begriffe

2.2 Sokrates: der Meister der philosophischen Ironie

2.3 "Eironeia" und "Alazoneia" in der griechischen Komödie

2.4 Der Einfluss der römischen Rhetorik auf den Ironiebegriff

3. Der Begriff der „romantischen Ironie“ bei Friedrich Schlegel

3.1 Von der erzählerischen Ironie der Spätantike zur ironischen Erzähltechnik des 18. Jahrhunderts

3.2 Ironie als Wesensmerkmal der "progressiven Universalpoesie" bei Friedrich Schlegel

3.3 Poetische Reflektion und dichterische Ironie

4. Die romantische Ironie bei E. T. A. Hoffmann

4.1 Empirische Realität und "Einbildungskraft"

4.2 Erzählerironie: die Technik des desillusionierenden Erzählens

4.3 Beispiele von Erzählerironie in "Der Sandmann"

4.4 Ironisches Spiel mit möglichen Erzählformen

4.5 "Geliebter Leser": die Stimme des Hoffmannschen Erzählers

4.6 Der Begriff der "tragischen Ironie"

5. Humor und der humoristische Dichter bei E. T. A. Hoffmann

5.1 Ironie und Humor nach Jean Paul

5.2 Die harmonisierende Wirkung des Humors

5.3 Die Freiheiten des "humoristischen Dichters"

5.4 Auf den Flügeln der Fantasie

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das wechselseitige Verhältnis und die literarische Funktion von Ironie und Humor als zentrale Gestaltungsprinzipien in der Romantik, insbesondere im Werk von E. T. A. Hoffmann. Anhand der Erzählung „Klein Zaches genannt Zinnober“ wird aufgezeigt, wie diese Stilmittel zur Vermittlung zwischen Alltagsrealität und Phantastik eingesetzt werden.

  • Historische Herleitung der Begriffe Ironie und Humor aus Philosophie und Rhetorik
  • Analyse der "romantischen Ironie" nach dem poetologischen Konzept Friedrich Schlegels
  • Untersuchung der Erzählerironie als Technik der Desillusionierung bei Hoffmann
  • Die Funktion des Humors als harmonisierendes Gegenstück zur ironischen Distanz
  • Die Autonomie des "humoristischen Dichters" als zentrales poetologisches Bekenntnis

Auszug aus dem Buch

Das Wunderbare, Seltsame davon erfüllte meine ganze Seele, aber eben deshalb und weil ich dich, o mein Leser! gleich geneigt machen musste, Wunderliches zu ertragen, welches nichts Geringes ist, quälte ich mich ab, Nathanaels Geschichte, bedeutend – originell, ergreifend, anzufangen: »Es war einmal« - der schönste Anfang jeder Erzählung, zu nüchtern! - »In der kleinen Provinzial-Stadt S. lebte« - etwas besser, wenigstens ausholend zum Klimax. – Oder gleich in medias res: »Scher’ Er sich zum Teufel, rief, Wut und Entsetzen im wilden Blick, der Student Nathanael, als der Wetterglashändler Giuseppe Coppola« - Das hatte ich in der Tat schon aufgeschrieben, als ich in dem wilden Blick des Studenten Nathanael etwas Possierliches zu verspüren glaubte; die Geschichte ist aber gar nicht spaßhaft. [ ... ] Ich beschloss gar nicht anzufangen. Nimm, geneigter Leser! die drei Briefe, welche Freund Lothar mir gütigst mitteilte, für den Umriss des Gebildes, in das ich nun erzählend immer mehr und mehr Farbe hineinzutragen mich bemühen werde. Vielleicht gelingt es mir, manche Gestalt, wie ein guter Portraitmaler, so aufzufassen, dass du es ähnlich findest, ohne das Original zu kennen, ja dass es dir ist, als hättest du die Person recht oft schon mit leibhaftigen Augen gesehen. Vielleicht wirst du, o mein Leser! dann glauben, dass nichts wunderlicher und toller sei, als das wirkliche Leben und dass dieses der Dichter doch nur, wie in eines matt geschliffnen Spiegels dunklem Widerschein, auffassen könne.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die begriffliche Komplexität von Ironie und Humor bei E. T. A. Hoffmann ein und verortet ihn als Wegbereiter der phantastischen Literatur.

2. Die Entwicklung der Begriffe Ironie und Humor in Philosophie, Rhetorik und Literatur: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der beiden Begriffe nach, beginnend bei sokratischer Ironie bis hin zu antiken rhetorischen Traditionen.

3. Der Begriff der „romantischen Ironie“ bei Friedrich Schlegel: Hier wird Schlegels Konzept der romantischen Ironie als wesentlicher Bestandteil der progressiven Universalpoesie theoretisch fundiert.

4. Die romantische Ironie bei E. T. A. Hoffmann: Dieses Kapitel analysiert die konkrete Anwendung von Erzählerironie und desillusionierenden Techniken in Hoffmanns Werken, insbesondere in „Der Sandmann“.

5. Humor und der humoristische Dichter bei E. T. A. Hoffmann: Abschließend wird das Verhältnis von Humor zu Ironie beleuchtet, wobei der Humor als harmonisierende Kraft und Zeichen der dichterischen Autonomie hervorgehoben wird.

Schlüsselwörter

E. T. A. Hoffmann, Romantik, Ironie, Humor, Erzählerironie, Phantastik, Friedrich Schlegel, Klein Zaches, Der Sandmann, Poetologie, Universale Poesie, Alltagsrealität, Desillusionierung, Narratologie, Literaturgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die literarischen Konzepte der Ironie und des Humors bei E. T. A. Hoffmann und wie diese als Instrumente zur Gestaltung phantastischer Erzählungen dienen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten zählen die theoretische Einordnung der Begriffe in der Literaturgeschichte, der Einfluss von Friedrich Schlegel sowie die Analyse von Hoffmanns spezifischer Erzähltechnik.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt nach dem wechselseitigen Verhältnis von Ironie und Humor und ihrer Funktion als Gestaltungsmittel, um zwischen der empirischen Alltagsrealität und dem Wunderbaren zu vermitteln.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin/der Autor nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die sowohl begriffsgeschichtliche als auch textimmanente Interpretationen kombiniert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Begriffe, die Schlegelsche Definition der romantischen Ironie und eine tiefgehende Analyse von Hoffmanns Erzählstrategien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie E. T. A. Hoffmann, romantische Ironie, Erzähltechnik und phantastische Literatur zusammenfassen.

Welche Rolle spielt die Erzählerironie in "Der Sandmann"?

Die Erzählerironie dient dazu, die Illusion der erzählten Welt durchbrechen zu können, wodurch der Autor eine kritische Distanz zu den unheimlichen Ereignissen herstellt.

Inwiefern beeinflusst Hoffmanns "Erklärung" zum "Meister Floh" seine Poetologie?

In dieser Schrift verteidigt Hoffmann nachdrücklich die künstlerische Freiheit des humoristischen Dichters und rechtfertigt sein Spiel mit der Realität als legitimes literarisches Prinzip.

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Details

Titel
Ironie und Humor in der Literatur der Romantik am Beispiel von 'KIein Zaches genannt Zinnober' von E. T. A. Hoffmann (Teil I)
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Philosophische Fakultät)
Note
"-"
Autor
Hans-Georg Wendland (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V200584
ISBN (eBook)
9783656266464
ISBN (Buch)
9783656270935
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ironie humor literatur romantik beispiel kiein zaches zinnober hoffmann teil
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Hans-Georg Wendland (Autor:in), 2012, Ironie und Humor in der Literatur der Romantik am Beispiel von 'KIein Zaches genannt Zinnober' von E. T. A. Hoffmann (Teil I), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200584
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Leseprobe aus  16  Seiten
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