Der Dreißigjährige Krieg wurde vor über 300 Jahren in Münster und Osnabrück mit dem Westfälischen Frieden für beendet erklärt, und trotzdem spüren wir seine Folgen bis heute. Nicht nur weil er die deutsche Kleinstaaterei mit Fürstentümern, Herzogtümern und Königreichen für viele weitere Jahre zementierte und Europa theologisch trennte, sondern auch weil er das Sinnbild für den ersten entfesselten europäischen Großkonflikts ist. Ein Krieg, der sich mehr und mehr verselbstständigte und sich kaum noch stoppen ließ. Auch die flächendeckende Verwüstung und das Vorgehen der Söldnerheere waren neu. Zwar lebten schon früher Söldnerheere aus dem besetzten Land, im Dreißigjährigen Krieg nahm diese Praxis aber völlig neue Maßstäbe an und wurde zur Kriegstaktik. Wallensteins berühmte Aussage „Der Krieg ernährt den Krieg“ fasst dieses Vorgehen kurz und bündig zusammen. Der Dreißigjährige Krieg war aber auch eine Zäsur in der Kriegsführung, war er doch das letzte Aufbäumen der großen Söldnerheere. Später gingen Staaten dazu über, eigene Berufsheere aufzustellen und stellten die Praxis ein, im Kriegsfall fremde Söldner unterschiedlichster Herkunft, Konfession und Motivation anzuwerben.
Mitten in diesem dreißig Jahre andauernden Inferno auf deutschem Boden schrieb der langjährige Söldner Peter Hagendorf sein Tagebuch und macht es uns heute möglich nicht nur die Gedankenwelt der Adligen, hohen Offiziere und Generälen während des Krieges zu verstehen, sondern auch die des einfachen Söldners. Sein Tagebuch, welches erst Mitte der 80er Jahre , also etwa 330 Jahre später, in der Preußischen Staatsbibliothek Berlin gefunden wurde, vermittelt uns ein völlig anderes Bild des Krieges, ein hautnahes, weniger pathetisches und relativ ideologiefreies.
Dieses Tagebuch ist für diese Hausarbeit die Hauptquelle und die einzige realitätsnahe Schilderung des Lebens eines Söldners während des Dreißigjährigen Krieges . Anhand dieser Quelle will ich herausfinden, welche Folgen die ständige Mobilität für die Söldner hatte und wie das Leben des einfachen Fußvolks war. Was waren die sozialen, psychologischen und persönlichen Folgen für die Söldner, die über dreißig Jahre von Ort zu Ort zogen, um zu töten, getötet zu werden, um für das eigene Überleben oder für persönliche Vorteile zu kämpfen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Quellenkritik
2.1. Äußere Quellenkritik
2.1.1. Der Autor der Quelle
2.1.2. Entstehungsdatum und Entstehungsort der Quelle
2.1.3. Der Adressat der Quelle
2.1.4. Zweck und Funktion der Quelle
2.1.5. Kategorie der Quelle
2.1.6. Überlieferungsart der Quelle
2.2. Innere Quellenkritik
2.2.1. Quellensyntax
2.2.2. Quellensemantik- und Ikonographie
2.2.3. Quellenpragmatik
2.2.4. Interpretation der Quelle bezüglich der eigenen Fragestellung
3. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand des Tagebuchs von Peter Hagendorf die Lebensbedingungen und die Auswirkungen ständiger Mobilität auf einfache Söldner während des Dreißigjährigen Krieges. Ziel ist es, ein authentisches Bild des Söldnerlebens abseits der Perspektiven von Offizieren oder Adligen zu rekonstruieren und soziale, psychologische sowie persönliche Folgen dieser kriegerischen Lebensweise aufzuzeigen.
- Lebensalltag eines Söldners im 17. Jahrhundert
- Die Auswirkungen ständiger Mobilität auf das Individuum
- Quellenkritische Analyse eines historischen Tagebuchs
- Soziale und psychologische Folgen von Krieg und Gewalt
- Strukturen des Söldnerwesens im Dreißigjährigen Krieg
Auszug aus dem Buch
2.2.1. Quellensyntax
Das Tagebuch besteht aus den gesammelten Notizen von Peter Hagendorf, welche er vor, während und nach dem des Dreißigjährigen Kriegs niederschrieb und schließlich zu einem Buch zusammenfasste.
Das Tagebuch ist chronologisch aufgebaut und verfolgt einen Zeitraum von 1625 bis 1649. So entsteht zwar ein chronologischer Ablauf dem man folgen kann, allerdings sind viele Notizen ohne Datum aneinander gehängt worden. Sofern kein Datum genannt wird und der vergangene Zeitraum zwischen den Notizen nicht genannt wird, kann es zu Sprüngen im Narrativ kommen. Einen Moment befindet sich Hagendorf in einem Dorf und betrinkt sich, im nächsten Moment befindet er sich in einem Feldlager des Regiments Pappenheim. Andererseits muss man auch bedenken, dass Hagendorf die Notizen zu unterschiedlichen Zeiten anfertigte. Bei einigen hatte er mehr Zeit und konnte sie mit Details füllen, z.B. vor seiner Musterung in das Regiment Pappenheims
„Vunter dem berk lieget ein dorff heiset S Vressel, dornach auff // Antorff, bei der linde, bin bin ich auff ein schieff gesessen vndt vber den seh gefahren, Alhir ist die cabpellen noch zu sehen, wo Wilhelm telm, Ist ausgesprungen, wo die schweitzer Ihre freiheit von her haben, ...“
Hagendorf beschreibt die Orte in der Schweiz sehr genau und macht sogar auf historische Ereignisse aufmerksam. Er verfügt demnach über eine äußerst gute Allgemeinbildung im Bereich der Geschichte.
Andere sind kurz und knapp gehalten. Man könnte auch spekulieren, dass Hagendorf während seiner langen Reisen teils sein Zeitgefühl verloren hat und den Einträgen so keine genauen Daten geben konnte, sondern nur oberflächliche Beschreibungen wie z.B. „drei Tage später“. Das Fehlen der Daten könnte man auch dem Umstand zuschreiben, dass zum Zeitpunkt des Dreißigjährigen Krieges nicht überall der gleiche Kalender benutzt wurde. Das Heilige Römische Reich nutzte zwar seit 1582 den Gregorianischen
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Tagebuch des Söldners Peter Hagendorf als zentrale Quelle zur Untersuchung des einfachen Soldatenlebens im Dreißigjährigen Krieg und formuliert die Fragestellung zur Wirkung ständiger Mobilität.
2. Quellenkritik: In diesem Kapitel wird das Tagebuch hinsichtlich äußerer Form und innerer Struktur, Sprache, Semantik und historischer Relevanz einer methodischen Analyse unterzogen.
3. Schluss: Das Fazit beantwortet die Forschungsfrage und resümiert, wie das Tagebuch trotz der Subjektivität des Autors ein wertvolles, authentisches Zeugnis über das Leben und die psychischen Veränderungen eines Söldners im Krieg bietet.
Schlüsselwörter
Dreißigjähriger Krieg, Peter Hagendorf, Söldnerwesen, Quellenkritik, Mobilität, Alltagsgeschichte, 17. Jahrhundert, Soldatentagebuch, Kriegsethik, Lebensgeschichte, historische Forschung, Feldlager, Gewalt, soziale Auswirkungen, Selbstzeugnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Tagebuch des Söldners Peter Hagendorf, um Einblicke in den Alltag und die Lebensumstände einfacher Soldaten während des Dreißigjährigen Krieges zu gewinnen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Fokus stehen die täglichen Strapazen des Söldnerlebens, die Auswirkungen ständiger Mobilität, das Leben in Feldlagern und die psychischen Folgen der Kriegserlebnisse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu ermitteln, welche sozialen, psychologischen und persönlichen Folgen die ständige Mobilität für die Söldner des Dreißigjährigen Krieges hatte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine klassische quellenkritische Analyse angewandt, die sowohl die äußere Form (Entstehung, Überlieferung) als auch die innere Beschaffenheit (Sprache, Semantik, Pragmatik) der Quelle untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Quellenkritik des Tagebuchs, wobei Schreibstil, Zeitgefühl des Autors, thematische Schwerpunkte und die historische Einordnung reflektiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentral sind Begriffe wie Dreißigjähriger Krieg, Söldnerwesen, Quellenkritik, Mobilität, Alltagsgeschichte und das Tagebuch von Peter Hagendorf.
Warum wird das Tagebuch als eine "einzigartige" Quelle bezeichnet?
Es gilt als eine der wenigen erhaltenen, realitätsnahen Schilderungen aus der Perspektive eines einfachen Soldaten, da die meisten zeitgenössischen Berichte von Adligen oder Offizieren verfasst wurden.
Wie erklärt der Autor den nüchternen Schreibstil Hagendorfs?
Der Autor führt den schlichten Schreibstil auf die einfache Herkunft Hagendorfs zurück und darauf, dass der Söldner sich auf die persönlichen Erlebnisse konzentrierte, statt komplexe politische oder religiöse Analysen zu verfassen.
- Arbeit zitieren
- Romolus Remus (Autor:in), 2012, Die Mobilität der Söldnerheere während der Dreißigjährigen Krieges und die Folgen dieser Mobilität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200599