Über "Die Familie Selicke"


Hausarbeit, 2012
11 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Kunsttheorie von Arno Holz

3. Die Familie Selicke

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit dem Drama Die Familie Selicke von Arno Holz und Johannes Schlaf. Den Autoren gelang es mit ihrem Werk einen Kontrast zum bisherigen klassischen und klassizistischen Theater zu setzen. „Das moderne naturalistische Drama überzeugte in erster Linie mit niederen Sujets und seiner symptomatischen Abspiegelung sozialer Probleme, seiner alltagsnahen Sprache und seiner realistischen Ausstattung.“[1]

Zu Beginn der Arbeit wird die Kunsttheorie von Arno Holz vorgestellt. Im nächsten Schritt soll die Analyse des Dramas erfolgen. Das Drama handelt von der Familie Selicke aus Berlin und spielt im Jahr 1982. Die Familie setzt sich aus der Mutter, Frau Selicke, den Kindern Tochter Toni (22 Jahre), Sohn Albert (18 Jahre), Sohn Walter (12 Jahre), Tochter Linchen (8 Jahre) und dem Vater, Eduard Selicke, zusammen. Der junge Theologe, Gustav Wendt wohnt bei der Familie als Untermieter. An einem Weihnachtsabend ist die gesamte Familie, zum größten Teil das gesamte Drama über, zusammen im Wohnzimmer des Familienhauses. Eine trostlose und entfremdete Stimmung beherrscht das gesamte Drama. Das Verhältnis der Familienmitglieder ist zerrüttet und auseinandergerissen. Nicht nur finanzielle Not muss die Familie aushalten, auch Krankheiten und Kommunikationsmissstände überlagern ein glückliches Familienleben. Alte Fragmente im Wohnzimmer erinnern an bessere Zeiten der Familie. Da die Eltern nicht mehr in der Lage sind, sich gegenseitig Liebe zu schenken, richteten sie ihre Liebe komplett auf die jüngste Tochter, in der Hoffnung, dass sie diese Liebe ersetzen kann. Der Höhepunkt des Dramas und des sozialen Verfalls der Familie ist der Tod der jüngsten Tochter, Linchen, die in Folge einer schweren Krankheit und mangelnder medizinischer Versorgung in der Christusnacht stirbt. Der Tod der Tochter und der damit fehlende Beziehungspunkt der Eltern stellt das endgültige Zusammenbrechen der Familie dar. Anstatt den Schmerz und die Trauer, als Familie beziehungsweise als Ehepaar gemeinsam zu bewältigen, zieht sich der Vater komplett zurück und die Mutter verfällt in Selbstmitleid und Todessehnsüchte. Auch die Geschwister verfallen in Trauer. Die älteste Tochter, Toni, gibt ihre Liebe zu dem jungen Pastor, Gustav Wendt auf. Sie lehnt seinen Heiratsantrag ab und am nächsten Tag verlässt der Theologe die Familie um eine Stelle als Landpastor anzutreten.

2. Die Kunsttheorie von Arno Holz

Zu Beginn der Arbeit soll die Kunsttheorie von Arno Holz vorgestellt werden.

Die Epoche des Naturalismus ist von einer exakten Wiedergabe der Wirklichkeit ohne Ausschmückungen oder starke subjektive Ansichten beziehungsweise individuelle Interpretationen des Autors geprägt. Holz fordert die Theorie des „konsequenten Naturalismus“[2]. Die naturalistische Theorie verfolgt eine wissenschaftliche und nüchterne Beobachtung der Realität. Der Künstler orientiert sich an den Tatsachen - fiktive Realität, Helden oder außergewöhnliche Modelle werden abgelehnt. Das Werk darf keinerlei Beeinflussung durch die Persönlichkeit des Autor ausgesetzt werden. Es geht um die reine Reproduktion des Gegenstandes.[3]

Als ein leidenschaftlicher Vertreter dieser Epoche setzt er in seiner Schrift »Die Kunst. Ihr Wesen und ihre Gesetzte« voraus, dass „jedes Ding unter ein Gesetz falle.“[4] Daraus folgert er, dass für die Kunst keine Ausnahme gilt. Aufgrund einer Kinderzeichnung eines Soldaten auf einer Schiefertafel erkennt er weiter, dass zwischen der Kunst des Kindes, die dem Original kaum entspricht, und der „höchsten Kunst kein wesentlicher, sondern ein gradueller Unterschied vorliegt.“[5] Er folgert:

„Die Kunst hat die Tendenz, wieder die Natur zu sein. Wie wird sie nach Massgabe ihrer Reproductionsbedingungen und deren Handhabung.“[6]

Er entwickelt die Formel: Kunst = Natur – x. Das x steht für die im Zitat erwähnten Reproduktionsbedingungen und Handhabungen. Je besser diese sind, desto kleiner das x. Eine möglichst geringe Abweichung von „x“ sollte das Ziel eines Künstlers sein. Der Künstler sollte den Anspruch an sich selbst haben, möglichst präzise zu arbeiten und seine Mittel, wie zum Beispiel seine Sprache, möglichst genau gestalten. Deshalb sollte nicht nur ein Maler den Wurm im Apfel darstellen, auch der Dichter muss mit seinem Material, der Sprache, die Welt so präzise und realitätsgetreu wie möglich abbilden, auch wenn er sprachliche Normen überschreiten muss. Die Präzision steht im Vordergrund. Somit unterscheiden sich Kunst und Natur nur in den künstlerischen Mitteln und deren Handhabung. Er sehe „Kunst […] als etwas Relatives, weil sie von den Reproduktionsbedingungen abhänge“.[7]

[...]


[1] Martin, Dieter: Ein Buch für Schwächlinge „Werther“ – Allusionen in Dramen des Naturalismus. S. 3.

[2] Ajouri, Philip: Literatur um 1900. Naturalismus, Fin de Siècle, Expressionismus. Berlin: Akad.-Verl. 2009. S. 104.

[3] Berthold, Siegwart: Der sogenannte "konsequente Naturalismus" von Arno Holz und Johannes Schlaf. Diss.-Vermerk: Bonn, Phil. F., Diss. v. 23. Nov. 1966. S. 26.

[4] Ebd. S. 105.

[5] Ebd.

[6] Holz, Arno: Die Kunst. Ihr Wesen und ihre Gesetze. Berlin 1891. S. 118.

[7] Ajouri, Philip: Literatur um 1900. Naturalismus, Fin de Siècle, Expressionismus. Berlin: Akad.-Verl. 2009. S. 104.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Über "Die Familie Selicke"
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Krise des Dramas um 1900
Note
2,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
11
Katalognummer
V200645
ISBN (eBook)
9783656272090
ISBN (Buch)
9783656272984
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
über, familie, selicke
Arbeit zitieren
Kristina Lüffe (Autor), 2012, Über "Die Familie Selicke", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200645

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