Während früher Sachanlagen wie Gebäude, Grundstücke, Produktionsanlagen
oder Vorräte dominierende Elemente des Anlagevermögens vieler Unternehmen
waren, gewinnen seit geraumer Zeit immaterielle Vermögenswerte
an Bedeutung.1 An Stelle der Vermögensgegenstände des Anlagevermögens
rücken physisch nicht greifbare wirtschaftliche Vorteile wie Rechte,
Markennamen, Unternehmensimage, Humankapital oder Marktpositionen in
den Vordergrund.2 Ursachen sind vermehrte Forschungs− und Entwicklungstätigkeiten
sowie das generelle Wachstum des tertiären Sektors, wobei
dieser eine Bezeichnung für den gesamten Bereich des Dienstleistungs- und
Handelsgewerbes in einer Volkswirtschaft ist. Während früher große Industriekonzerne
mit gewaltigen Produktionsanlagen das Wirtschaftsgeschehen
dominierten, wandelte sich dieses Bild zugunsten der Dienstleistungsunternehmen,
die weniger große Fabrikhallen als mehr Know-how sowie bekannte
Markennamen usw. benötigen.3 Insbesondere trifft es innovative und
wachstumsorientierte Unternehmen, die Wirtschaftszweige besitzen, in denen
die Forschung und Entwicklung eine wichtige Voraussetzung zum
Erstellen einer Mehrzahl immaterieller Anlagewerte ist.4 Das deutsche Bilanzrecht
hat diesen Wandel bisher nicht nachvollzogen. Das Ansatzverbot
aller nicht entgeltlich erworbenen Anlagewerte nach § 248 Abs. 2 HGB
verkörpert die Tradition des primär auf Zahlungsbemessung orientierten,
vom Vorsichts- und Objektivierungsprinzip geprägten deutschen Bilanzrechts.
Ebenso werden die International Accounting Standards (IAS), die
seit Ende 2002 als International Financial Reporting Standards (IFRS) bezeichnet
werden, dieser zunehmenden Bedeutung, insbesondere bei selbst
erstellten immateriellen Werten, nur wenig gerecht.5 Obwohl nach der IASRechnungslegung
die Aktivierung verschiedener immaterieller Werte unter
bestimmten Bedingungen Pflicht ist, werden in den vom nach IAS aufgestellten Bilanzen immaterielle Anlagewerte nur selten bilanziert.6 [...]
1 Vgl. Achleitner/Behr (2000), S. 123.
2 Vgl. Hornung (2002), S. 14.
3 Vgl. Achleitner/Behr (2003), S. 125 f.
4 Vgl. Keitz (1997), S. 2.
5 Vgl. Bruns/Thuy/Zeimes (2003), S. 138.
6 Vgl. Arbeitskreis "Immaterielle Werte im Rechnungswesen" der Schmalenbach-
Gesellschaft für Betriebswirtschaft e. V. (2001), S. 989.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Zielsetzung der Arbeit
2. Grundlagen der Rechnungslegung
2.1. Bedeutung der Rechnungslegung nach IAS
2.2. Aufbau des Regelungswerkes nach IAS
2.2.1. Konzeption der IAS-Rechnungslegung
2.2.2. Framework
2.2.3. Regelungsinhalt der einzelnen Standards
2.3. Zweck der Rechnungslegung
2.4. Rechnungslegungsgrundsätze nach IAS
2.4.1. Fair presentation
2.4.2. Grundlegende Annahmen
2.4.3. Qualitative Anforderungen an die Rechnungslegungs Informationen
2.4.4. Einschränkende Merkmale
2.5. Zusammenfassende Würdigung
3. Bilanzierung immaterieller Anlagewerte nach IAS 38
3.1. Ansatzvorschriften
3.1.1. Definition immaterieller Anlagewerte nach IAS 38
3.1.2. Ansatzkriterien der aktivierungspflichtigen immateriellen Anlagewerte
3.1.3. Ansatzvorschriften für selbst geschaffene immaterielle Anlagewerte
3.1.3.1. Problematik bei der Bilanzierung selbst erstellter immaterieller Anlagewerte
3.1.3.2. Forschungsphase
3.1.3.3. Entwicklungsphase
3.1.4. Ansatzvorschriften des Geschäfts- oder Firmenwertes
3.1.4.1. Entstehung des Geschäfts- oder Firmenwertes
3.1.4.2. Originärer Geschäfts- oder Firmenwert
3.1.4.3. Derivativer Geschäfts- oder Firmenwert
3.1.5. Ansatzverbot der verschiedenen immateriellen Anlagewerte
3.2. Bewertungsvorschriften
3.2.1. Erstbewertung
3.2.2. Folgebewertung
3.2.2.1. Benchmark-Methode
3.2.2.2. Alternativ zulässige Methode
3.2.3. Abschreibung
3.2.3.1. Planmäßige Abschreibung
3.2.3.2. Außerplanmäßige Wertberichtigung
3.3. Offenlegungspflichten
3.4. Zusammenfassende Würdigung
4. Ausgewählte Posten und deren Behandlung
4.1. Entwicklungskosten
4.1.1. Erstbewertung
4.1.2. Folgebewertung
4.1.3. Nutzungsdauer und Abschreibungsmethode
4.1.4. Offenlegungspflichten
4.2. Geschäfts- oder Firmenwert
4.2.1. Ermittlung des derivativen Geschäfts- oder Firmenwertes
4.2.2. Bewertungsvorschriften für den derivativen Goodwill
4.2.3. Nutzungsdauer und Abschreibungsmethode
4.2.4. Außerplanmäßige Wertberichtigung
4.2.5. Offenlegungspflichten
4.3. Zusammenfassende Würdigung
5. Empirische Untersuchung
5.1. Vorgehensweise und Ziel der empirischen Untersuchung
5.2. Angaben über die immateriellen Anlagewerte in den Finanzberichten
5.3. Angaben über die selbst erstellten immateriellen Anlagewerte in den Finanzberichten
5.4. Angaben über die bilanzierten Geschäfts- oder Firmenwerte in den Finanzberichten
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Diplomarbeit ist die fundierte Darlegung der bilanziellen Behandlung immaterieller Anlagewerte im Rahmen der internationalen Rechnungslegungsstandards (IAS/IFRS). Es wird untersucht, inwieweit diese Standards eine realitätsnahe Darstellung der Unternehmenslage (fair presentation) ermöglichen und welche Spielräume den Bilanzierenden offenstehen.
- Bilanzierung immaterieller Anlagewerte nach IAS 38
- Methodik der Aktivierung selbst geschaffener immaterieller Werte
- Behandlung von Geschäfts- oder Firmenwerten (Goodwill)
- Empirische Analyse von Konzernberichten hinsichtlich Transparenz und Bilanzpolitik
Auszug aus dem Buch
1.1. Problemstellung
Während früher Sachanlagen wie Gebäude, Grundstücke, Produktionsanlagen oder Vorräte dominierende Elemente des Anlagevermögens vieler Unternehmen waren, gewinnen seit geraumer Zeit immaterielle Vermögenswerte an Bedeutung. An Stelle der Vermögensgegenstände des Anlagevermögens rücken physisch nicht greifbare wirtschaftliche Vorteile wie Rechte, Markennamen, Unternehmensimage, Humankapital oder Marktpositionen in den Vordergrund. Ursachen sind vermehrte Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten sowie das generelle Wachstum des tertiären Sektors, wobei dieser eine Bezeichnung für den gesamten Bereich des Dienstleistungs- und Handelsgewerbes in einer Volkswirtschaft ist.
Während früher große Industriekonzerne mit gewaltigen Produktionsanlagen das Wirtschaftsgeschehen dominierten, wandelte sich dieses Bild zugunsten der Dienstleistungsunternehmen, die weniger große Fabrikhallen als mehr Know-how sowie bekannte Markennamen usw. benötigen. Insbesondere trifft es innovative und wachstumsorientierte Unternehmen, die Wirtschaftszweige besitzen, in denen die Forschung und Entwicklung eine wichtige Voraussetzung zum Erstellen einer Mehrzahl immaterieller Anlagewerte ist. Das deutsche Bilanzrecht hat diesen Wandel bisher nicht nachvollzogen. Das Ansatzverbot aller nicht entgeltlich erworbenen Anlagewerte nach § 248 Abs. 2 HGB verkörpert die Tradition des primär auf Zahlungsbemessung orientierten, vom Vorsichts- und Objektivierungsprinzip geprägten deutschen Bilanzrechts. Ebenso werden die International Accounting Standards (IAS), die seit Ende 2002 als International Financial Reporting Standards (IFRS) bezeichnet werden, dieser zunehmenden Bedeutung, insbesondere bei selbst erstellten immateriellen Werten, nur wenig gerecht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt den Wandel im Anlagevermögen hin zu immateriellen Werten und definiert die Zielsetzung der Arbeit sowie die methodische Herangehensweise.
2. Grundlagen der Rechnungslegung: Erläutert das IASC-Regelungswerk, das Framework und die grundlegenden Rechnungslegungsgrundsätze nach IAS.
3. Bilanzierung immaterieller Anlagewerte nach IAS 38: Detaillierte Darstellung der Ansatz-, Bewertungs- und Offenlegungsvorschriften für immaterielle Werte sowie den Goodwill.
4. Ausgewählte Posten und deren Behandlung: Analysiert spezifisch die bilanziellen Behandlungsmethoden für Entwicklungskosten und Geschäfts- oder Firmenwerte.
5. Empirische Untersuchung: Überprüft anhand von Konzernabschlüssen, wie Unternehmen die IAS-Vorschriften in der Praxis umsetzen und welche bilanzpolitischen Spielräume genutzt werden.
6. Schlussbetrachtung: Fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Eignung der IAS zur Bereitstellung entscheidungsrelevanter Informationen für Investoren.
Schlüsselwörter
IAS 38, IFRS, Immaterielle Anlagewerte, Bilanzierung, Goodwill, Forschung und Entwicklung, Entwicklungskosten, Fair Presentation, Bilanzpolitik, Rechnungslegungsgrundsätze, Geschäftsberichte, Unternehmensakquisition, Assetdefinition, Anschaffungskosten, Abschreibungsmethoden.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der bilanziellen Behandlung immaterieller Anlagewerte und des Geschäfts- oder Firmenwertes nach den internationalen Rechnungslegungsstandards (IAS 38 und IAS 22).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Schwerpunkte bilden die Ansatz- und Bewertungsvorschriften für immaterielle Vermögenswerte, die Abgrenzung zwischen Forschungs- und Entwicklungsphase sowie die Bilanzierung von Goodwill bei Unternehmenskäufen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Analyse des gegenwärtigen Stands der Bilanzierung immaterieller Werte nach IASC und die Überprüfung, ob diese Vorschriften den Informationsbedürfnissen von Investoren gerecht werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Neben einer theoretischen Fundierung der Normen findet eine empirische Untersuchung der Geschäftsberichte von sieben börsennotierten Konzernen statt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definitionen, die komplexen Aktivierungsvoraussetzungen für selbst geschaffene immaterielle Werte sowie die Bewertungsansätze, wie die Benchmark-Methode und die Neubewertung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie IAS 38, Bilanzpolitik, Goodwill, Fair Presentation und Forschungs- und Entwicklungskosten.
Wie bewertet die Autorin die bilanzpolitischen Spielräume?
Die Autorin stellt fest, dass die IAS zwar objektiver als das HGB wirken, aber dennoch erhebliche Gestaltungsspielräume bei der Schätzung von Nutzungsdauern und der Abgrenzung von Entwicklungsphasen bieten.
Welches Fazit zieht die Arbeit zur Informationsqualität?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die derzeitige Praxis der Berichterstattung oft nicht ausreicht, um Aktionären verlässliche Prognosen über künftige Erfolge zu ermöglichen.
- Quote paper
- Emina Briga (Author), 2003, Bilanzierung immaterieller Anlagewerte nach IAS 38, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20066