Capabilities approach - Ein menschenwürdiges Minimum für alle


Ausarbeitung, 2009
15 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

1. Einleitung

In dieser Ausarbeitung soll der Fähigkeitenansatz (auch Capabilities approach) entwickelt von Amartya Sen und darüber hinaus von Martha Nussbaum behandelt werden.

Amartya Sen entwickelte eine Theorie, die den Lebensstandart eines Individuums nicht über den ökonomischen Besitz erhöht, sondern durch die individuellen Fähigkeiten eines Menschen, die erkannt und gefördert werden sollen. „Nussbaum beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der ethischen Grundlagendiskussion.“[1]

Nach der Vorstellung von Martha Nussbaum und des Capabilities approach wird auf die Umsetzung dieser Theorie anhand des Gesundheitssystems eingegangen.

In dieser Ausarbeitung werden zwei Schwerpunkte gebildet, zum einen wird die Theorie des Capabilities approach und zum anderen soll dies an einem konkreten Beispiel übertragen werden. Das Gesundheitssystem soll unter dem Aspekt des Fähigkeitenansatzes beleuchtet werden umso auch die Pflichten des Staates aufzuzeigen.

2. Martha Nussbaum

In den 90er Jahren entwickelte Martha Nussbaum den Fähigkeitenansatz. Hauptsächlich ist sie mit der ethischen Grundlagendiskussion beschäftigt. Sie wurde am 6. Mai 1947 in New York City geboren und studierte Philologie und Theaterwissenschaften. Daran schloss sie ein Philosophiestudium in Harvard ab.[2] Seid 1995 lehrt sie an der Rechtsfakultät der Universität in Chicago für Recht und Ethik. Im Jahr 1999 veröffentlichte sie das Buch „Gerechtigkeit oder das gute Leben“, worin der Aufsatz „Die Natur des Menschen und seine Fähigkeiten und Tätigkeiten: Aristoteles über die distributive Aufgabe des Staates“[3] erschien.

Martha Nussbaum entwickelte eine Konzeption die das Gute voraussetzt und auf Fähigkeiten basiert, diese soll universalistisch sein. Sie ging dabei von der Fragestellung von Aristoteles aus welches Leben ein gutes sei und welche Vorraussetzungen Bedingung sind. Mit dieser Konzeption möchte sie eine neue Position in der Entwicklungsökonomie schaffen und auf teilweise sehr unbefriedigende Bewertungsansätze für ein gelungenes Leben (wie zum Beispiel das Pro-Kopf-Einkommen) hinweisen. Des Weiteren will sie die Gerechtigkeitstheorie von John Rawls[4] ergänzen durch die so genannte Konzeption des Guten.

3. Die Entstehung des Fähigkeitenansatzes

Der Capabilities approach entstand in den „80er Jahren im Kontext entwicklungspolitischer Diskussionen“[5], im Rahmen einer Studie für die UNO. Der Fähigkeitenansatz ist eine Alternative zur Konzeption des Sozialprodukts pro Kopf, das als Maß für gesellschaftliche Wohlfahrt dient. Hauptvertreter sind Martha Nussbaum und A. Sen. Dieser gerechtigkeitstheoretische Ansatz setzt die Schwerpunkte in der Ethik und in den Maßnahmen.

4. Was ist soziale Gerechtigkeit?

Auf die Frage nach sozialer Gerechtigkeit ist ein breites Spektrum von Antworten möglich. Deswegen wird diese Diskussion wahrscheinlich auch nie mit einem ausnahmslos befriedigenden Ergebnis enden. Dabei sollte doch einfach jeder das bekommen was ihm zusteht. Aber hier gibt es enorme Unterschiede in der herrschenden Meinung.

Jeder Mensch will gerecht behandelt werden zudem hat jedes Individuum das Bedürfnis nach einer sozialen und finanziellen Sicherheit. Demnach sollte jeder Mensch die gleichen Vorraussetzungen haben um sich diese Bedürfnisse zu erfüllen, das bedeutet, dass ethische oder soziale Herkunft keine Rolle spielen dürfen. Ein Kind aus Afrika sollte die gleichen Chancen auf Schulbildung und ähnliches haben wie ein ebenso intelligentes Kind aus Deutschland. Diese Gleichberechtigung wird in Deutschland über das Grundgesetz eingehalten (vgl. hierzu: Grundgesetz §3: „(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“[6] ). Bedauerlicherweise wird das Grundgesetz selbst in Deutschland nicht immer eingehalten. Vergleicht man zum Beispiel die Abiturienten eines Jahrgangs hinsichtlich des Bildungsstandards sowie der finanziellen Mittel ihrer Eltern fällt auf, dass die Mehrheit aus finanziell abgesichertem und gebildetem Elternhaus kommen. Allerdings wäre ein Vergleich zu den Afrikanischen Abiturienten noch verheerender. Jedoch sind die Standards, die ein gutes und befriedigendes Leben ausmachen national unterschiedlich. Manchen Europäern ist es unvorstellbar wie ein Asiat aus der gleichen Lebensschicht zu leben obwohl dieser sein Leben als glücklich und vollkommen bezeichnen würde. Selbst innerhalb einer Nation ist die Vorstellung von einem perfekten Leben unterschiedlich. Allein innerhalb eines Lebens ändern sich die Prämissen an das perfekte Leben (von der endlosen Party zur sesshaften Familie). Wie man erkennen kann, gibt es nicht das normative perfekte Leben was auf jedes Individuum übertragbar ist. Es ist von Individuum zu Individuum unterschiedlich, Leben, Arbeit, Freizeit, Glück, Freude und so weiter werden subjektiv definiert.

Wie ist es angesichts dieser Tatsache dann noch möglich von einer sozialen Gerechtigkeit zu sprechen bzw. sogar von einer Definition? In diesem Knackpunkt besteht die Schwierigkeit. Eine normative Definition ist ohne Individualität nicht möglich.

Die Theorie von Martha Nussbaum versucht trotzdem diese Frage allgemeingültig zu beantworten. Grundlage ihrer Definition ist die Humanität, ein menschenwürdiges Minimum muss garantiert sein. Anschließend befasste sie sich mit den unterschiedlichen Kulturen und deren Definition von Menschlichkeit, basierend auf Geschichten und Mythen, grundsätzlichen Kriterien und so weiter. Diese Daten sammelte, verglich und ordnete sie und entstellte eine Liste, die so genannte Fahigkeitenliste. Diese List ist global normativ.

5. Die starke vage Theorie des Guten

Der Capabilities approach geht davon aus, dass es keine gerechten und sozialen Verhältnisse geben kann, ohne Humanität. Um diese Humanität zu erläutern fertigte M. Nussbaum die „starke vage Theorie des Guten“[7]. Sie fertigte also einen Entwurf eines erfolgreichen Lebens. Das außergewöhnliche an Ihrer Theorie ist, dass sie im Gegensatz zu anderen, historische und kulturelle Differenzen nicht missachtet. Diese Theorie des Guten ist nämlich „stark“ also inhaltlich konkret und „vage“ weil Platz für Erweiterungen und Änderungen zugelassen werden. So wird auch die Selbstständigkeit und Freiheit eines jeden Individuums beachtet. Der Capabilities approach gibt allgemeingültige Orientierungspunkte für Freiheit vor, lässt aber Spezifizierungen zu, es wird also niemand in seiner persönlichen Freiheit eingeschränkt. Worauf M. Nussbaum einen hohen Wert legt.

Sie entwickelte diese Theorie indem sie die Gemeinsamkeiten der Menschen herausarbeitete. Sie setzt also primäre und allgemein gültige Eigenschaften für ein gelungenes menschliches Leben voraus. Daraus bestimmt sie Fähigkeiten eines Menschen die man besitzen muss, um ein gelungenes Leben zu besitzen. Diese Eigenschaften sind dann die Kriterien der sozialen Gerechtigkeit.

Sie entwickelt also eine menschliche Grundannahme und die dazugehörige menschliche Grundfähigkeit. Zum besseren Verständnis, wird ein Auszug dieser Liste hier tabellarisch vorgestellt:

[...]


[1] Winkler, Katja: Körperlichkeit – Gesundheit – gutes Leben. Zur Begründung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung aus der Perspektive des Capabilities approach, in: Jahrbuch für Christliche Sozialwissenschaften 47 (2006) S. 130

[2] Unbekannt: Martha Nussbaum, auf: http://de.wikipedia.org/wiki/Martha_Nussbaum (Stand: 11.12.2008)

[3] Nussbaum, Martha: Die Natur des Menschen, seine Fähigkeiten und Tätigkeiten: Aristoteles über die distributive Aufgabe des Staates, in: Dies., Gerechtigkeit oder Das gute Leben, Frankfurt: Suhrkamp 1999, 86-130

[4] Rawls, John: Eine Theorie der Gerechtigkeit, Frankfurt: Suhrkamp 2003

[5] Winkler, Katja: Körperlichkeit – Gesundheit – gutes Leben. Zur Begründung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung aus der Perspektive des Capabilities approach, in: Jahrbuch für Christliche Sozialwissenschaften 47 (2006) S. 130

[6] Universal Declaration of Human Rights: http://www.unhchr.ch/udhr/lang/ger.htm

[7] Vgl. Nussbaum, Martha C.: Gerechtigkeit oder Das gute Leben, Frankfurt (1999), S. 45

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Capabilities approach - Ein menschenwürdiges Minimum für alle
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V200730
ISBN (eBook)
9783656273653
ISBN (Buch)
9783656274438
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
capabilities, mimimum
Arbeit zitieren
Kristina Lüffe (Autor), 2009, Capabilities approach - Ein menschenwürdiges Minimum für alle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200730

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