Im Rahmen des Hauptseminars zu der deutschen Literatur in Nordosteuropa im Zeitraum 18. bis 20. Jahrhundert, habe ich mich für eine Analyse und Interpretation der Komödie Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung von Jacob Michael Reinhold Lenz im Bereich der Kritik der Gesellschaft entschieden.
Die vorliegende Arbeit stellt einen Versuch zur Definition des Begriffs ,Gesellschaftskritik‘ bzw. ,Sozialkritik‘ und zu den sozialkritischen Tendenzen im „Hofmeister“ dar. Die Arbeit setzt sich zum Ziel, die Funktionen der Gesellschaftskritik in Lenz’ Hofmeister näherzukommen. Ich interessiere mich für die gesellschaftskritischen Aspekte, die Lenz in seiner Komödie behandelt hat. Wollte er mit dem Titel Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung Kritik an den adligen und bürgerlichen Familien im 18. Jahrhundert üben? In der vorliegenden Arbeit soll das Drama „Der Hofmeister“ von Lenz unter dem Aspekt seines gesellschaftskritischen Potenzials untersucht werden. Dieses Stück gehört zu den bekanntesten Werken von J.M.R. Lenz.
Zunächst soll versucht werden, den Begriff ,Gesellschaftskritik‘ oder ,Sozialkritik‘ deutlich zu machen, damit der Leser den wesentlichen Inhalt und das Ziel dieser Arbeit leicht verstehen kann. Danach wird das Leben des Verfassers vorgelegt, da dies fast unmöglich ist, ohne seinen Lebenslauf vor Augen zu haben, da einigen Ergebnissen in der Komödie „Der Hofmeister“ autobiografische Züge des Autors Lenz zu Grunde liegen.
Im Anschluss daran wird Der Hofmeister analysiert, um das Ziel dieser Arbeit zu erreichen. Direkt danach wird die Sozialkritik im Drama besprochen. In wie weit kann man dieses Drama als sozialkritisches Drama bezeichnen? Es wird auch über das Mischgenre ,Tragikomödie‘ gesprochen, die von Lenz selbst jedoch als Komödie bezeichnet wurde.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition – Was ist Gesellschaftskritik?
3 Zur Person J.M.R. Lenz
4 Lenz’ Komödie ,Der Hofmeister‘
4.1 Aufbau und Struktur
4.2 Sprache und Stil
4.3 Die Charaktere der Komödie
5 Sozialkritische Aspekte im Drama ,Hofmeister‘
5.1 Entstehung eines neuen Genres
5.2 Figurennamen
5.3 Der Hofmeister Läuffer
5.4 Erziehungsdiskurse in der Tragikomödie ,Der Hofmeister‘
6 Ausblick und Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Drama Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung von J.M.R. Lenz im Hinblick auf seine sozialkritischen Tendenzen und das zugrundeliegende gesellschaftskritische Potenzial. Dabei wird erforscht, inwieweit Lenz durch die Darstellung adliger und bürgerlicher Familienverhältnisse des 18. Jahrhunderts sowie durch die Wahl des Mischgenres der Tragikomödie explizite Kritik an den zeitgenössischen sozialen Zuständen übt.
- Analyse der gesellschaftskritischen Funktionen innerhalb des Dramas
- Untersuchung der autobiografischen Bezüge in Lenz’ Werk
- Darstellung der figurenspezifischen sprachlichen Profilierung
- Diskurs über die Privaterziehung als soziales und pädagogisches Problem
- Deutung der Tragikomödie als Mittel der Genremischung und Provokation
Auszug aus dem Buch
4.2 Sprache und Stil
Für die Epoche des Sturm und Drang ist die Sprache von Lenz typisch, denn das Drama ist in Prosa geschrieben, beinhaltet viele Sätze auf Französisch, manchmal Griechisch, oder Lateinisch und teilweise verwendet er Umgangssprache. Die Interpunktion scheint willkürlich im Vergleich zu den späteren strengen Regeln, beispielsweise: „Nein aufrichtig!“
Ein von Lenz bevorzugtes Stilmittel ist der Satzbruch. Der Sprechende verlässt dabei seine Satzkonstruktion. Er lässt sie auch unvollendet und bringt andere Zusammenhänge ein. Läuffers Monolog beim ersten Auftritt ist davon geprägt und es ist ein Zeichen seiner Ratlosigkeit. „Ich weiß nicht: soll das Satire sein, oder – Ich hab ihn doch mit unsern Konrektor bisweilen tiefsinnig genug diskutieren hören; […].“ Bei der Majorin ist der Satzbruch bzw. Anakoluth Ausdruck ihrer ungenügenden Bildung. „Ich weiß nicht – es kann sein – ich habe nicht danach gefragt, ja doch, ich glaube es fast: er heißt ja auch Läuffer; nun denn ist er freilich noch artig genug.“ Bei Wenzeslaus tauchen auch die Satzbrüche auf, obwohl er ein Schulmeister ist. „Unterdessen sag Er mir doch – Hofmeister – […] Nun ja, nach dem Rock zu urteilen. – Nun nun, ich glaube’s Ihm, daß Er der Hofmeister ist.“ In der Rede des Herrn Geheime Rat kommen im Vergleich mit dem Major kaum Satzbrüche vor, bei dem sie auffallend häufig sind. Das sind Zeichen seiner reizbaren Persönlichkeit. „Ja verzeih dir’s der Teufel, ungeratenes Kind. – Nein […], fall nur nicht hin, mein Gustel – mein! Ich verzeih dir; ist alles vergeben und vergessen – Gott weiß es: ich verzeih dir – Verzeih du mir nur!“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Komödie von Lenz und Darlegung der Zielsetzung, das gesellschaftskritische Potenzial des Stücks zu untersuchen.
2 Definition – Was ist Gesellschaftskritik?: Theoretische Herleitung und Analyse des Begriffs der Gesellschaftskritik als kollektive Reflexion gesellschaftlicher Zustände.
3 Zur Person J.M.R. Lenz: Überblick über die Biografie von J.M.R. Lenz mit Fokus auf seine Zeit in Straßburg und die Entstehung seiner wichtigsten Werke im Sturm und Drang.
4 Lenz’ Komödie ,Der Hofmeister‘: Analyse von Aufbau, Struktur, Sprache und Charakteren, die das Stück als Vertreter der Sturm-und-Drang-Epoche ausweisen.
5 Sozialkritische Aspekte im Drama ,Hofmeister‘: Untersuchung der Genremischung, der Bedeutung der Figurennamen und der kritischen Erziehungsdiskurse als Mittel der Gesellschaftskritik.
6 Ausblick und Schluss: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse, in der das Drama als Lenz' Abrechnung mit dem Hofmeisterstand gewürdigt wird.
Schlüsselwörter
Jacob Michael Reinhold Lenz, Der Hofmeister, Sturm und Drang, Sozialkritik, Gesellschaftskritik, Tragikomödie, Privaterziehung, Läuffer, Wenzeslaus, Aufklärung, Erziehungsdiskurs, Literaturanalyse, Adel, Bürgertum, Emanzipation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Drama "Der Hofmeister" von J.M.R. Lenz unter dem spezifischen Aspekt der Gesellschafts- und Sozialkritik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die Kritik an der zeitgenössischen Privaterziehung, die sozialen Spannungen zwischen den Ständen und die literarische Umsetzung gesellschaftlicher Missstände durch das Genre der Tragikomödie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Funktionen der Gesellschaftskritik in Lenz' Werk herauszuarbeiten und zu hinterfragen, ob der Autor mit dem Stück gezielt Kritik an adligen und bürgerlichen Familienstrukturen übte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse und Interpretation des Primärtextes unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur zur Sturm-und-Drang-Epoche.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die formale Analyse des Dramas, die Untersuchung sprachlicher Figurenprofile, die Bedeutung von Figurennamen sowie eine tiefgehende Auseinandersetzung mit den Erziehungsdiskursen und der Rolle des Hofmeisters.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind J.M.R. Lenz, Der Hofmeister, Sturm und Drang, Sozialkritik, Tragikomödie, Privaterziehung, Emanzipation und der Hofmeisterstand.
Warum spielt die Kastration der Hauptfigur eine so zentrale Rolle im Stück?
Die Selbstkastration wird im Text als radikale Konsequenz und Folge der gesellschaftlichen Ausweglosigkeit sowie des Verlusts von Selbstachtung des Hofmeisters interpretiert.
Inwiefern lässt sich der Untertitel "Vorteile der Privaterziehung" ironisch deuten?
Die Arbeit zeigt auf, dass der Untertitel ironisch zu verstehen ist, da die Privaterziehung im Drama gerade keine Vorteile bietet, sondern zur Zerstörung und Verderbtheit aller Beteiligten führt.
- Quote paper
- M.A.-Student für Deutsche Literatur Hael Al-Dobeibi (Author), 2011, Gesellschaftskritik in "Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung" von Jacob Michael Reinhold Lenz , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200751