Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Business economics - Economic Policy

Zur Reform der Handwerksordnung

Title: Zur Reform der Handwerksordnung

Seminar Paper , 2003 , 26 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Frieder Waiblinger (Author)

Business economics - Economic Policy
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Der Befähigungsnachweis im Handwerk entstand zu einem Zeitpunkt, als das Handwerksgewerbe über den Bedarf eines Dorfes hinaus produzierte und Fremden bspw. in Form eines Meisterstücks als Garantie für Qualitätsarbeit diente. Im Jahre 1908 wurde dann die Meisterprüfung Voraussetzung, um Lehrlinge ausbilden zu dürfen (Kleiner Befähigungsnachweis), ab 1935 auch um einen Handwerksbetrieb zu führen (Großer Befähigungsnachweis). Charakteristisch in der Handwerksgesetzgebung ist die Inkont inuität zwischen Gewerbefreiheit und Beschränkung des Marktzugangs 1, die sich mit der angestrebten Reform der rot-grünen Koalition weiter fortsetzt.2 Zentrale Änderungen am „Gesetz zur Ordnung des Handwerks“ („Handwerksordnung“), das 1953 unter Ludwig Erhard eingeführt und später mehrfach novelliert wurde, sind, daß zukünftig nur noch für 29 statt zuvor 94 Handwerksgewerbe der Große Befähigungsnachweis („Meistertitel“) für das selbständige Führen eines Handwerksgewerbes benötigt wird und die Regulierung auf die wesentlichen Tätigkeiten des Handwerks beschränkt werden soll. Begründet wird die Reformierung der HwO u.a. durch sinkende Unterschiede zwischen Handwerk und Industrie, die insbesondere auf die technische Entwicklung zurückzuführen sind3 und durch die Regulierungsdichte, die, wie Helmut Schmidt, Bundeskanzler a.D., ausführt, „nur einer der Gründe für unsere hohe Arbeitslosigkeit [ist], aber ... ein wichtiger Grund.“4 Der ZDH führt jedoch Argumente gegen eine Reform an, weil u.a. der Wegfall von mehr als 60.000 Lehrstellen befürchtet wird.5 Ein qualifiziertes Urteil über die Reform kann erst nach einer eingehenden Analyse6 gefällt werden, die sich an zwei Leitfragen orientiert:7 liegt aus normativer Sicht ein Marktversagenstatbestand vor und ggf. in welchem Verhältnis stehen einem möglichen Nutzen der Regulierung Wohlfahrtseinbußen gegenüber?8 Wie sehen eine mögliche Deregulierung und die dadurch bewirkten Folgen aus?

Zu Beginn der Arbeit wird der Handwerksbegriff definiert und der Anwendungsbereich der HwO in der gültigen Fassung aufgezeigt. Im Anschluß wird versucht, den Untersuchungsgegenstand einzugrenzen. Anhand der Argumente der Befürworter der Regulierung werden angebotsseitige, nachfrageseitige und marktseitige Branchenbesonderheiten untersucht und den Kosten der Regulierung gegenüber gestellt.9 Ein Zwischenfazit soll die Ergebnisse der Analyse aufgreifen und eine Beantwortung der ersten Frage zulassen, ob eine Regulierung notwendig ist...

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung und Problemstellung

2 Definition des Handwerksbegriffs und Anwendungsbereich der HwO

3 Erfordernis einer De-/ Regulierung im Handwerk?

3.1 Einschränkung des Untersuchungsgegenstandes

3.2 Branchenbesonderheiten als Begründung der Regulierung

3.2.1 Angebotsseitige Branchenbesonderheiten

3.2.2 Nachfrageseitige Branchenbesonderheiten

3.2.3 Marktseitige Branchenbesonderheiten

3.3 Kosten der Regulierung

3.3.1 Volkswirtschaftliche Kosten

3.3.2 Betriebswirtschaftliche Kosten

3.4 Zwischenfazit

4 Auswirkungen einer Deregulierung

4.1 Auswirkungen auf das Angebot

4.2 Auswirkungen auf die Nachfrage

4.3 Auswirkungen auf die Ausbildungsleistung

5 Die Reform der HwO

5.1 Zentrale Reformpunkte

5.2 Die Folgen der Reform

5.2.1 Auswirkungen auf Angebot und Preise

5.2.2 Auswirkungen auf die Ausbildungsleistung

6 Bewertung der Reformbemühungen der Bundesregierung und Ausblick

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Das Hauptziel dieser Arbeit ist die ökonomische Untersuchung der Notwendigkeit einer Regulierung des Handwerks durch die Handwerksordnung (HwO) sowie die Bewertung der geplanten Reformbemühungen der Bundesregierung im Kontext eines potenziellen Marktversagens.

  • Analyse der Branchenbesonderheiten des Handwerks als Rechtfertigung für Regulierungen.
  • Untersuchung der volkswirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Kosten der bestehenden Regulierungsdichte.
  • Evaluierung der ökonomischen Folgen einer Deregulierung für Angebot, Nachfrage und Ausbildungsleistung.
  • Bewertung der geplanten Reformschritte der Bundesregierung im Hinblick auf Wachstumsimpulse und Wettbewerbsfähigkeit.

Auszug aus dem Buch

3.2 Branchenbesonderheiten als Begründung der Regulierung

Die angebotsseitigen Branchenbesonderheiten können durch die Merkmale Heterogenität, Handfertigkeit, Personalität, technische Ausstattung, Arbeitsteilung, Arbeitsprogramm, Betriebsgröße und externe Effekte charakterisiert werden. Die externen Effekte stehen dabei im Mittelpunkt der Argumentation der Regulierungsbefürworter und werden deshalb eingehend untersucht.

Positive externe Effekte entstehen nach Meinung der Regulierungsbefürworter durch die über den eigenen Bedarf des Handwerks hinausgehende Ausbildung von Fachkräften, die dann auch anderen Wirtschaftsbereichen wie bspw. der Industrie „in erheblichem Maße“ zugute kommen. Weil dem Handwerk zufolge die Kosten der Ausbildung den Nutzen übersteigen, entsteht ein Effekt, der sich nicht in den Preisen widerspiegelt.

Zunächst muß einmal die Basisthese, daß bei der Ausbildung eines Lehrlings im Handwerk die Kosten den Nutzen „bei weitem übersteigen“ angezweifelt werden. Im Volksmund heißt es: „Willst du einen billigen Arbeitsmann, schaff‘ dir einen Lehrling an“. Untersuchungen von Badeleben et al. (1995) zeigen, daß bei Betrachtung der durch die Ausbildung zusätzlich verursachten Kosten (Teilkostenbetrachtung) sich insbesondere in Kleinbetrieben Nettoerträge nachweisen lassen. Nachdem die Lehrlinge i.d.R. bei der Arbeit ausgebildet werden, entsteht praktisch kein zusätzlicher Aufwand.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung und Problemstellung: Diese Einleitung führt in die historische Entwicklung des Befähigungsnachweises im Handwerk ein und skizziert die Ausgangslage sowie die Leitfragen für die Untersuchung der Reformnotwendigkeit.

2 Definition des Handwerksbegriffs und Anwendungsbereich der HwO: Hier werden die rechtlichen Kriterien für Handwerksbetriebe gemäß § 1 HwO sowie die Abgrenzung zur Industrie und das Erfordernis der Meisterprüfung dargelegt.

3 Erfordernis einer De-/ Regulierung im Handwerk?: In diesem Kapitel wird analysiert, ob Informationsasymmetrien oder Branchenbesonderheiten eine Regulierung rechtfertigen, wobei auch die Kosten der bestehenden Regulierungen kritisch beleuchtet werden.

4 Auswirkungen einer Deregulierung: Dieses Kapitel untersucht die theoretischen Konsequenzen einer Deregulierung auf die Marktseite, insbesondere bezüglich der Auswirkungen auf Angebot, Nachfrage und die zukünftige Ausbildungsleistung.

5 Die Reform der HwO: Hier werden die konkreten Reforminhalte der Bundesregierung, wie die Reduktion zulassungspflichtiger Gewerbe, und deren voraussichtliche Auswirkungen im Vergleich zur theoretischen Deregulierung analysiert.

6 Bewertung der Reformbemühungen der Bundesregierung und Ausblick: Das abschließende Kapitel bewertet die Reformbemühungen aus normativer ökonomischer Sicht und wagt einen Ausblick auf die zu erwartende politische Durchsetzung und deren Effekte.

Schlüsselwörter

Handwerksordnung, HwO, Deregulierung, Befähigungsnachweis, Meisterprüfung, Handwerk, Marktversagen, Regulierungsdichte, Ausbildungsleistung, Branchenbesonderheiten, Wettbewerb, Informtionsasymmetrie, Großer Befähigungsnachweis, Reformbemühungen, Handwerksgewerbe.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?

Die Arbeit untersucht ökonomisch, ob die staatliche Regulierung des Handwerks durch den Befähigungsnachweis (Meistertitel) gerechtfertigt ist oder ob eine Deregulierung sinnvoll wäre.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die Handwerksordnung (HwO), die ökonomische Analyse von Marktzutrittsbeschränkungen, die Qualitätssicherung durch den Meisterbrief sowie die Auswirkungen auf den Wettbewerb und die Ausbildungsleistung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob aus normativer Sicht ein Marktversagen vorliegt, das die bestehende Regulierungsdichte rechtfertigt, und wie die aktuelle Reform der Bundesregierung zu bewerten ist.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit stützt sich auf eine ökonomische Analyse, die insbesondere auf Gutachten der Monopol- und Deregulierungskommission sowie relevante Fachliteratur zurückgreift, um die Auswirkungen der Regulierung zu quantifizieren und zu bewerten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Definition des Handwerks, die Analyse von Branchenbesonderheiten, die Untersuchung der Kosten der Regulierung sowie die Bewertung der Folgen einer Deregulierung und der geplanten Reform der Bundesregierung.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Handwerksordnung, Deregulierung, Meisterprüfung, Marktversagen und Wettbewerb charakterisiert.

Was ist unter dem im Text erwähnten "Gefahrenhandwerk" zu verstehen?

Es handelt sich um Tätigkeiten, bei denen eine fehlerhafte Ausführung direkte Gefahren für Leib und Leben Dritter verursachen kann, was in der Diskussion häufig als Begründung für eine notwendige Regulierung angeführt wird.

Welche Rolle spielt die Ausbildung laut der Analyse für das Handwerk?

Die Arbeit hinterfragt die These, dass die Ausbildungskosten im Handwerk den Nutzen bei weitem übersteigen, und argumentiert, dass durch Wettbewerb die Effizienz gesteigert und das "Effizienzgefälle" zur Industrie überwunden werden kann.

Excerpt out of 26 pages  - scroll top

Details

Title
Zur Reform der Handwerksordnung
College
http://www.uni-jena.de/  (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät)
Grade
1,0
Author
Frieder Waiblinger (Author)
Publication Year
2003
Pages
26
Catalog Number
V20081
ISBN (eBook)
9783638240710
Language
German
Tags
Reform Handwerksordnung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Frieder Waiblinger (Author), 2003, Zur Reform der Handwerksordnung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20081
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  26  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint