Projektskizze Soziale Arbeit und Migration

„Mit wem soll ich mich auf deutsch unterhalten?“ Kommunikationsschwierigkeiten älterer Türkinnen


Projektarbeit, 2011
11 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Vorüberlegungen

Ich beschäftige mich in dieser Projektskizze mit den drei großen Themenbereichen: Lebensalter, Geschlecht und dem ethnisch-kulturellen Hintergrund mit dem Herkunftsland Türkei. Mein zentrales Interesse liegt dabei bei dem Alterungsprozess der nicht einheimischen Populationen, also den Bevölkerungsanteilen mit Migrationshintergrund, die seit 50er und 60er Jahren als ArbeitsmigrantInnen aus der Türkei zugewanderten. Diese sind nun in höhere Altersklassen vor..

Ich werde mich im ersten Teil der Ausarbeitung mit dem gegenwärtigem Diskurs anhand der verfügbaren Fachliteratur auseinandersetzen. Die unveröffentlichten Diplomarbeiten an der Fachhochschule, erschlossen sich mir dabei als hilfreiche Quellenangaben, um weitere Bücher in meine Recherche heranzuziehen. Das Internet nutzte ich vor allem um praktische Informationen von den Trägern der Sozialen Arbeit erkunden. Danach folgt die Relevanz des Themas für die Soziale Arbeit und mein Interesse an dieser Dreier-Kombination. Ich werde anschließend meine eigene Herangehensweise skizzieren und einen Zeitplan für die Bachelor-Thesis entwickeln.

Mein Interesse an der Zielgruppe „Ältere türkischestämmige Migrantinnen“ weckte meine Honorartätigkeit beim Internationalen Bund in Wetzlar. Dort bin ich Kursleiterin für einen jährlich stattfindenden 60 - stündigen Frauenkurs. Ich orientiere mich an den Wünschen der Frauen und versuche niedrigschwellig -durch alltagsnahe Lerninhalte, die kein Vorwissen voraussetzen, interessante Aktivitäten und meinem eigenen Migrationshintergrund Frauen zu motivieren sich . Mein jetztiger Kurs hebt sich von meinen früheren Kursen ab, denn es nehmen (fast nur) ältere türkische Frauen teil.

1. Überblick über den (wissenschaftlichen) Disskussionsstand zu den Themenfeldern: Lebensalter, Geschlecht, Ethnisch-kultureller Hintergrund

Wie ist der gegenwärtige Kenntnis/Forschungsstand bzw. die Theorie/Hypothesen-stand in den gewählten Themenfeldern? Gibt es wenig oder gänzlich unbearbeitete Themen-felder? Welche Kontroversen gibt es? Welche Fragestellungen könnten für eine wissenschaftliche Arbeit interessant sein?

Im Kontext Alter und Migration fällt auf, das die Themen der Pflege und der interkulturellen Öffnung von sozialen Diensten, sowie Alten- und Pflegeheimen im Vordergrund stehen. Die kultursensible Betreuung in Krankenhäusern und dessen migranntInnengerechte Pflege und Betreuung sind ebenso im Zentrum des Diskurses. Hier lassen sich die praxisnahen Werke vom Deutschen Roten Kreuz (1996): Konzepte in der Betreuung und Pflege älterer Migrantinnen und Migranten sowie die Autorin Sandra Hinz (2004) mit ihrem Beitrag: „Alt werden in der Fremde“ in dem Buch „Migration und Gesundheit“ von u.a. Sandra Hinz, nennen, die explizit das Alt werden in der Fremde thematisiert. Außerdem zeigt das Werk „Alter und Migration“ von Jaques-Emmanuel Schaefer (2009) welches als Tagungsband des geriatrischen Zentrums an der Universität Tübingen erschien, wie aktuell das Thema ist. Erwähnenswert ist in diesem Werk die Veranschaulichung der psychologischen und sozialen Aspekte älterer MigrantInnen.

Das Thema des Alterns wird meiner Meinung nach in sehr umfangreichen Facetten in dem Buch „Wie die anderen altern“ von Bernd Seeberger und Angelika Braun (2003) nachgezeichnet, dort werden unter anderem Alte Menschen am Rande der Gesellschaft vorgestellt ( z.B. alte Junkies, alte Schwule, alte Strafgefangene, alte Juden, Russlanddeutsche, Türken sowie alte behinderte Menschen.) und Handlungsempfehlungen gegeben.

In nahezu allen Werken fällt auf, dass die Fokussierung auf muslimischen PatientInnen und BewohnerInnen wie beispielsweise im Werke von Ina Wunn (2006): Muslimische Patienten. Chancen und Grenzen religionsspezifischer Pflege. Die Debatte um die Integration von Migranten, vor allem aus dem muslimischen Kulturkreis, wird inzwischen ebenso engagiert wie kontrovers geführt. Muslime als Patienten mit ihren spezifischen und direkt von ihrem religiösen Weltbild abhängigen Heilungsvorstellungen wurden allerdings bislang weder im politischen noch im medizinisch-pflegerischen Alltag genügend beachtet. Hier will dieses Buch Abhilfe leisten.

Vereinzelt konnte ich entnehmen, dass auch MigrantInnen aus der ehemaligen GUS (z.B. Andrea Zielke-Nadkarni: Soziokulturelle Besonderheiten jüdischer MigrantInnen aus der GUS in „Alter und Migration“ von Jaques-Emmanuel Schaefer 2009 oder Marita Blitzko-Hoener 2003 in „Wie die anderen altern“ von Bernd Seeberger und Angelika Braun Gegenstand eines Beitrags waren.

Die gesundheitliche Lage von MigrantInnen wird sehr anschaulich in dem Werk von Heidrun Schulze (2006): Migrieren- Arbeiten- Krankwerden mit biographietheoretischen Untersuchungen diskutiert. Zum den Themenfeld von gesundheitlichen und auch psychologischen Aspekten reihen weitere AutorInnen wie Theda Borde, Matthias David (2003) mit den Buch: Gut versorgt? ein.

Zudem ist bemerkenswert, dass die Dimension der MigrantInnen nach Herkunftsländern oft unzureichend abgedeckt sind, denn es wird oft nur von den Türken oder den Menschen aus den ehemaligen Sowjetstaaten gesprochen.

Im Zentrum des Diskurses in dem Themenfeld des ethnisch-kulturellen Hintergrundes im Sozialen Bereich sind ganz klar die Jugendlichen. Oft wird demnach die zweite und dritte Generation der MigrantInnen in der Literatur angesprochen, beispielsweise in dem Werk von Neval Gültekin (2003): Bildung, Autonomie und Migration. Gerade im Bildungsbereich beschäftigen sich Autoren wie Georg Auernheimer (2010) mit dem Buch: Schieflagen im Bildungssystem um die Benachteiligung der Migrantenkinder. Um den Rahmen nicht zu sprengen, werde ich jedoch auf diese Perspektive nicht eingehen und die Sichtung der Literatur im Hinblick auf ältere Menschen intensivieren.

In der Einwanderungsgesellschaft Deutschland spielen in allen Themenbereichen auch Diskriminierungen aufgrund bestimmter Merkmale eine sehr große Rolle, besonders aus der Kombination der drei Dimensionen ergibt sich für mich eine interessante Fragestellung im Kontext der sozialer Arbeit. Ulrike Hormel (2007 ) widmet sich in ihrem Buch: Diskriminierung in der Einwanderungsgesellschaft mit der sozialpsychologischen Aspekten und verschiedenen von Vorurteilen, Stereotypen und Diskriminierungen im Bereich des ethnisch-kulturellen Hintergrundes. Das Werk von Lars-Eric Petersen und Bernd Six (2008): Stereotype, Vorurteile und soziale Diskriminierung beschäftigt sich explizit mit der Ausgrenzung aufgrund bestimmter Merkmale. So wird der Frage nachgegangen, wie Vorurteile entstehen, wie es zu Sexismus, Rassismus oder Altersstereotypen kommt und welche Folgen bestehende Vorurteile und Stereotype auf Wahrnehmung, Denken und Handeln von Menschen haben können. Auch der Streit um das religiöse Merkmal des Kopftuches bei Frauen ist aktueller denn je. Heide Oestreich (2004) hat in ihrem Werk: Der Kopftuchstreit alle Anschauungsweisen in einem Standardwerk zusammengefasst.

Das Thema der interkulturellen Konfliktlösung sowie dessen Mediation begegnen in sehr vielen neueren Werken wie zum Beispiel im

Die Themen von MigrantInnen und Deutschen in der Stadt wird von Stefan Gaitanides (2006): Wir müssen miteinander reden! Auf den Punkt gebracht, Nur sprachliche Defizite und die Bildungsferne führen oft zu Bildung von Gruppen, oder zur Segregation.

Das Werk: Innovative Konzepte zur sozialen Integration älterer Migrantinnen und Migranten von Elke Olbermann (2003) motivierte mich mehr zu der Situation von dieser Zielgruppe in der Sozialen Arbeit herauszufinden.

Bei der Dimension Geschlecht bzw. Gender liegt die Perspektive der gesichteten einschlägigen Werke ganz klar bei den Frauen. Die Männer werden in der Literatur gänzlich wenig thematisiert. Jedoch spezifiziere ich meine Ausarbeitung ebenso in den Bereich der Frauen, da dies mich wegen beruflichen Gründen mehr interessiert. Im Zusammenhang mit Frauen und Migration sind die Werke von Chantal Munsch, Marion Gemende und Steffi Weber-Unger (2007): Eva ist emanzipiert, Mehmet ist ein Macho: Zuschreibung, Ausgrenzung, Lebensbewältigung und Handlungsansätze im Kontext von Migration und Geschlecht interessant. Hier wird in einer ausführlichen Einführung (Migration und Geschlecht Seiten 7-49) vieles im Kontext der beiden Dimensionen die Themen Zuschreibung, Ausgrenzung und Lebensbewältigung behandelt. Außerdem beschäftigt sich Petrus Han (2003): Frauen und Migration, eigens um das Thema der Frauen in der Migration.

2. Relevanz meiner Fragestellung und meines Erkenntnisinteresses

Einleitend: Warum ist das Thema wichtig und interessant? Worin besteht die Relevanz und Aktualität der Fragestellung für die Soziale Arbeit? Welchen Professionsbezug- und Praxisbezug hat die Fragestellung?

1960 gab es weniger als 1500 Türken in Deutschland. Zwischen 1961 und 1976 warben deutsche Firmen auf der Basis des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei 678.702 Männer und 146.681 Frauen, also insgesamt 825.383 Menschen. Nach dem Anwerbestopp im. November 1973 folgte ein vermehrter Familiennachzug. Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre führte die politische Lage in der Türkei schließlich zu einer weiteren Einwanderung, den asylsuchenden Flüchtlingen (vgl.destatis.de). „Gut 3,0 Millionen Menschen mit Migrations-hintergrund haben ihre Wurzeln in der Türkei [...]“ (ebd.). Zwischen den MigrantInnen bestehen erhebliche Unterschiede nach Herkunftsethnie, Religionszugehörigkeit und Lebenssituation. Dies bedeutet, dass auch die Soziale Arbeit differenzierte Angebote für unterschiedliche MigrantInnengruppen entwickelt muss. Bisher wurde im Hinblick auf das Altern häufig davon ausgegangen, dass ein großer Teil der ArbeitsmigrantInnen der ersten Generation in ihre Heimat zurückkehren würden. Tatsächlich blieben viele von ihnen auch nach dem Ende ihrer Berufstätigkeit in diesem Land – weil die Kinder hier leben, die frühere Heimat fremd geworden ist, und noch aus vielen anderen Gründen.

Migration und Alter hat als Themenkomplex in den letzten Jahren in der Sozialen Arbeit zunehmend an Bedeutung gewonnen. Gerade Soziale Dienste müssen sich dieser neuen Aufgabe stellen.

Die Institutionen der Altenhilfe zu denen neben den Alten- und Pflegeheimen auch viele Bereiche der Sozialen Arbeit gehören, stehen vor der Herausforderung, das recht alt gewordene MigrantInnen auf Beratung, Betreuung und Pflege sicherzustellen und ihre Angebote kultursensibel auszurichten. Das bedeutet, sich mit den Bedürfnissen MigrantInnen, deren Sprache und Kultur, ihren Ess- und Lebensgewohnheiten und religiösen Bräuchen auseinander zu setzen. Kultursensible Altenhilfe und Pflege bedeutet entgegen vieler Befürchtungen in der Praxis keine Mehrarbeit, sie biete nach der dem Arbeitskreis „Charta für eine kultursensible Altenpflege“(2002) vielmehr die Chance für ein leichteres und befriedigenderes Arbeiten und das Erschließen neuer KlientInnenkreise. Interkulturelle Kompetenzen sind dabei unabdingbar. Die Soziale Arbeit sollte dazu angeregt werden, wichtige Inhalte aus der interkulturellen Arbeit mit der Altenhilfe zu kombinieren und aus diesem Bereich in Aus-, Fort- und Weiterbildung und andere Qualifizierungsmaßnahmen verstärken. So können Perspektiven zur Entwicklung zielgerichteter Angebote für ältere hilfebedürftige Migrantinnen und Migranten aufgezeigt werden.

Nach einer Bestandsaufnahme der Kreis Bergstraße bei Deutschkursen für SenorInnen mit Migrationshintergrund würden mehr als 90% ihre Deutschkenntnisse als „gar nicht bis nur mittelmäßig vorhanden“ einstuft. Die Motivation der TeilnehmerInnen begründet sich durch Wünsche, wie „den Arzt verstehen zu können“, „ein Formular ausfüllen zu können“.Austausch untereinander und die Anteilnahme am Leben der anderen Teilnehmer eine wichtige Rolle spiele und das Lernen der deutschen Sprache während der Treffen zum Teil spielerisch erfolge. (vgl.kreis-bergstrasse.de/pics/medien/1_1258533612/Alter_und_Migration.pdf). Dies konnte ich bei meinem niedrigschwelligen Frauen auch bemerken. Die Frauen kommen um nicht zu Hause zu sein und wenige neue Deutsche Dinge zu lernen. („Besser als nichts“) Gerade auch um im Krankenhaus oder bei der ärtzlichen Versorgung für sich sprechen zu können.

Studie des BMI: Muslimisches Leben in Deutschland

In Deutschland leben wesentlich mehr Muslime als bislang angenommen. Das geht aus einer neuen Studie hervor, die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) im Auftrag der Islamkonferenz erstellt hat. Es soll am kommenden Donnerstag auf der Deutschen Islamkonferenz in Berlin vorgestellt werden.

Türkische Einwanderer haben, neben solchen aus dem Nahen Osten den weitaus niedrigsten Bildungsgrad. Schlechter steht es um die Bildungsabschlüsse bei arabischen Zuwanderern. Ausschlaggebend sei nicht die Religion, sondern vor allem der Bildungsgrad der Eltern, heißt es. Gerade bei den türkischen Frauen der ersten Zuwanderergeneration lägen auf diesem Gebiet “extrem niedrige Werte” vor. (vgl.migazin.de/2009/06/24/studie-muslimisches-leben-in-deutschland/) .

Ich möchte mich deshalb im Weiteren mit der Fragestellung: „Wie leben ältere türkische Frauen aus der ersten Einwanderungsgeneration mit sehr wenig deutschen Sprachkenntnissen in Deutschland“ beschäftigen!

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Projektskizze Soziale Arbeit und Migration
Untertitel
„Mit wem soll ich mich auf deutsch unterhalten?“ Kommunikationsschwierigkeiten älterer Türkinnen
Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main  (Basa)
Veranstaltung
Vorbereitung Tesis
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
11
Katalognummer
V200840
ISBN (eBook)
9783656278290
ISBN (Buch)
9783656278375
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
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Schlagworte
projektskizze, soziale, arbeit, migration, kommunikationsschwierigkeiten, türkinnen
Arbeit zitieren
Birsen Krüger (Autor), 2011, Projektskizze Soziale Arbeit und Migration, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200840

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