Erfüllt Luisa H. die kognitiven und persönlichkeitsbezogenen Anforderungen an ein Studium der Humanmedizin

Diagnostischer Testbericht zur psychologischen Begutachtung


Projektarbeit, 2011

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

1. Merkmale der Testperson

Luisa H. ist 25 Jahre alt, hat im Jahr 2005 ihr Abitur abgeschlossen und anschlieBend eine Ausbildung zur Physiotherapeutin absolviert. Nun uberlegt sie, ob sie ein Studium der Humanmedizin beginnen soil.

Frau H. hat sich bereit erklart, sich im Rahmen der Veranstaltung „Diagnostische Verfahren 1“ zu Lehrzwecken, einer Testung zu unterziehen.

2. Anforderungprofil

Zunachst soil ein Uberblick uber die wesentlichen psychologischen (kognitiven und leistungsbezogenen) Anforderungen gegeben werden, die mit einem Studium {nicht mit der spateren beruflichen Tatigkeit) der Humanmedizin an einer Berliner Universitat verbunden sind. Auf Basis des Studiums der Studien- und Prufungsordnung des Modellstudiengangs Medizin der Charite Berlin und Rucksprache mit der Studienberatung der medizinischen Fakultat, wurden folgende leistungsbezogene und personlichkeitsbezogene Anforderungen extrahiert.

2.1 Leistungsbezogene Anforderungen tnach Relevanz geordnet)

- mindestens durchschnittliches naturwissenschaftlich-mathematisches Verstandnis (in Bezug zu einer altersmaBig entsprechenden Stichprobe von Abiturienten): fur das Verstehen und Anwenden von biologischen, chemischen und physiologischen Inhalten und Theorien sowie fur das Verstandnis von mathematischen Grundlagen der statistischen Methoden in den Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens, kompensierbar durch uberdurchschnittlich hohe Selbstdisziplin oder Leistungsstreben
- mindestens durchschnittliche Intelligenz (in Bezug zu einer altersmaBig entsprechenden Stichprobe von Abiturienten): fur das allgemeine Verstandnis von abstrakten Inhalten, dem Erfassen von Texten und die Umsetzung theoretischer Inhalte in praktische Tatigkeiten, nicht kompensierbar
- durchschnittliches bis uberdurchschnittliches raumliches Vorstellungsvermogen (in Bezug zu einer altersmaBig entsprechenenden Stichprobe von Erwachsenen): fur das Verstandnis und die Analyse der anatomischen Beschaffenheit, Lage von und Lagebeziehungen zwischen den Organen im menschlichen Korper; nicht kompensierbar
- uberdurchschnittliche Lern- und Gedachtnisleistung (in Referenz zu einer altersmaBig entsprechenden Stichprobe von Abiturienten): fur die Speicherung und den Abruf von Fachbegriffen, Theorien und anatomischen Lagebeziehungen, nicht kompensierbar
- mindestens durchschnittliche Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistung (in Referenz zu einer altersmaBig entsprechenden Stichprobe von Erwachsenen): fur die notwendige Dauer, die fur das Lesen, Erfassen und Lernen relevanter (komplexer) Inhalte in Lehrveranstaltungen, praktischen Einheiten und dem Selbststudium investiert werden muss, nicht kompensierbar

2.2 Personlichkeitsbezogene Anforderungen tnach Relevanz geordnet):

- uberdurchschnittlich hohes naturwissenschaftlich-medizinisches Interesse (in Referenz zu einer altersmaBig entsprechenden Stichprobe von Erwachsenen): fur die Motivation, sich mit medizinisch relevanten Grundlagen des menschlichen Organismus langfristig und intensiv auseinanderzusetzen; nicht kompensierbar
- mindestens durchschnittliche Selbstdisziplin oder Leistungsstreben (in Referenz zu einer altersmaBig entsprechenden Stichprobe von Erwachsenen): fur die gewissenhafte Vorbereitung von Lehrveranstaltungen, Aufgaben und Prufungen wahrend des Studiums, auch unter widrigen oder ablenkenden Bedingungen; kompensierbar durch naturwissenschaftlich-mathematisches Verstandnis
- mindestens durchschnittliche Extraversions- und maximal durchschnittliche Neurotizismus-Auspragungen (in Referenz zu einer altersmaBig entsprechenden Stichprobe von Erwachsenen): fur das erfolgreiche und konfliktfreie Interagieren, Kommunizieren und Arbeiten in Teams mit anderen Studierenden, was im Modellstudiengang Medizin eine groBe Bedeutung erlangt; nicht kompensierbar

Im Rahmen der Testung konnten nicht alle Anforderungen adaquat getestet werden. Insbesondere bei den kognitiven Anforderungen wurde sich vor allem auf das raumliche Vorstellungsvermogen fokussiert. Aufgrund der limitierten Testauswahl werden fur die weiteren Anforderungsbereiche Indikatoren im Wechsler Intelligenztest (WIE) gesucht. Fur eine genaue Erfassung der entsprechenden Anforderungen sollte aber auf spezifischere Tests zuruckgegriffen werden. Das naturwissenschaftlich-mathematische Verstandnis konnte in dieser Testung nicht bestimmt werden.

3. Eingesetzte diagnostische Verfahren

3.1 Verfahren zur Erfassung der leistungsbezogenen Anforderungen

a) Wechsler Intelligenztest fur Erwachsene (WIE, Deutsche Adaption des WAIS-III von David Wechsler; Aster, Neubauer & Horn, 2006)

Der WIE dient der Untersuchung der kognitiven Fahigkeiten von Erwachsenen. Er wurde in dieser Testung eingesetzt, um mit folgenden Skalen/Subskalen folgende Fahigkeiten zu erfassen:

- Gesamt-IQ: Erfassung der allgemeinen Intelligenz
- Arbeitsgedachtnis-Skala: Erfassung der Lern- und Gedachtnisleistung
- Wahrnehmungsorganisation-Skala: Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistung

Der WIE wurde in seiner Gesamtheit durchgefuhrt. Fur die Fragestellung werden spater nur die relevanten Testergebnisse diskutiert.

b) Schlauchfiguren (Stumpf & Fay, 1983)

Der Schlauchfiguren-Test dient der Erfassung des raumlichen Vorstellungsvermogens bei Jugendlichen und Erwachsenen und wurde fur diese Anforderung auch eingesetzt.

3.2 Verfahren zur Erfassung der personlichkeitsbezogenen Anforderungen

a. ) NEO-Personlichkeitsinventar nach Costa und McCray, revidierte Fassung (NEO PI- R; Ostendorf & Angleitner, 2004)

Der NEO PI-R dient der Messung des Funf-Faktoren-Modells der Personlichkeit (Neurotizismus, Extraversion, Offenheit fur Erfahrungen, Vertraglichkeit und Gewissenhaftigkeit). Folgende Subskalen sind fur unsere Anforderungsbereiche relevant:

- Neurotizismus und Extraversion
- Selbstdisziplin und Leistungsstreben

b. ) Berufs-Interessen-Testll (BIT II, Irie & Allehoff, 1988, 2. Auflage)

Der BIT II wird eingesetzt, um berufliche Interessen bei jungen Erwachsenen einzuschatzen. In unserem Fall dient er dazu, die Auspragung von naturwissenschaftlich-medizinischem Interesse zu erfassen.

4. Testergebnisse

Wechsler Intelligenztest tWIE)

- Gesamt-IO riO-Wert 164|T31:1431PR = 99.5)

Die Skala Gesamt-IQ erfasst (nach dem Intelligenzkonzept von Wechsler) die Fahigkeit des Individuums „zweckvoll zu handeln, vernunftig zu denken und sich mit seiner Umgebung wirkungsvoll auseinanderzusetzen“.

Frau H. erzielte im Vergleich zur Gesamtpopulation in ihrer Altersklasse (25 - 29 Jahre) ein uberdurchschnittliches Ergebnis. Der IQ-Wert von 164 entspricht einem Prozentrang von 99,5. Dies bedeutet, dass 0,3 % der Personen aus der Vergleichsgruppe einen hoheren Wert erzielten.

- Verbale Intellieenz/ Verbal-IO QO-Wert 142 1135: 1461 PR = 99,73

Die Skala verbale Intelligenz (Verbal-IQ) erfasst den Teil der Intelligenz, der mit sprachlichen Aufgaben untersucht wird. Unter diese Skala fallen auch die Skalen zum Sprachverstandnis und Arbeitsgedachtnis.

Frau H. erzielte im Vergleich zur Gesamtpopulation in ihrer Altersklasse (25 - 29 Jahre) ein sehr hohes (beziehungsweise weit uberdurchschnittliches) Ergebnis. Der IQ-Wert von 142 entspricht einem Prozentrang von 99,7. Dies bedeutet, dass nur 0,3 % der Personen aus der Vergleichsgruppe einen hoheren Wert erreichten.

- Handlungs-IO QO-Wert 127 [119:132] PR = 963

Die Skala Handlungs-IQ erfasst den Teil der Intelligenz, der mit praktischen Aufgaben untersucht wird. Unter diese Skala fallen auch die Skalen zur Wahrnehmungsorganisation und der Arbeitsgeschwindigkeit.

Frau H. erzielte im Vergleich zur Gesamtpopulation in ihrer Altersklasse (25 - 29 Jahre) ein uberdurchschnittliches Ergebnis. Der IQ-Wert von 127 entspricht einem Prozentrang von 96. Dies bedeutet, dass 4 % der Personen aus der Vergleichsgruppe einen hoheren Wert erzielten.

- Sprachverstandnis ilndex-Wert 122 [115: 127] PR = 93)

Die Skala Sprachverstandnis erfasst die Fahigkeit zur Verarbeitung verbaler Informationen.

Frau H. erzielte im Vergleich zur Gesamtpopulation in ihrer Altersklasse (25 - 29 Jahre) ein uberdurchschnittliches bis hohes Ergebnis. Der Index-Wert von 122 entspricht einem Prozentrang von 93. Dies bedeutet, dass 7 % der Personen aus der Vergleichsgruppe einen hoheren Wert erzielten.

- Wahrnehmungsorganisation Undex-Wert 96 [89:103] PR = 39)

Die Skala Wahrnehmungsorganisation erfasst die Fahigkeit zur Verarbeitung visueller Informationen.

Frau H. erzielte im Vergleich zur Gesamtpopulation in ihrer Altersklasse (25 - 29 Jahre) ein unteres durchschnittliches bis hoch unterdurchschnittliches Ergebnis. Der Index-Wert von 96 entspricht einem Prozentrang von 39. Dies bedeutet, dass 61 % der Personen aus der Vergleichsgruppe einen hoheren Wert erzielten.

- Arbeitsgedachtnis tlndex-Wert 119 [110: 125] PR = 901

Die Skala Arbeitsgedachtnis erfasst die Fahigkeit zur Informationsverarbeitung. Frau H. erzielte im Vergleich mit der Gesamtpopulation in ihrer Altersklasse (25

- 29 Jahre) ein uberdurchschnittlich bis hohes Ergebnis. Der Index-Wert von 119 entspricht einem Prozentrang von 90. Das bedeutet, dass 10 % der Personen aus der Vergleichsgruppe einen hoheren Wert erhielten.

- Arbeitsgeschwindigkeit (Index-Wert 130 [117:135] PR = 981

Die Skala Arbeitsgeschwindigkeit erfasst die Fahigkeit zur Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit.

Frau H. erzielte im Vergleich mit der Gesamtpopulation in ihrer Altersklasse (25 - 29 Jahre) ein uberdurchschnittliches bis sehr hohes Ergebnis. Der Index-Wert von 130 entspricht einem Prozentrang von 98. Das bedeutet, dass 2 % der Personen aus der Vergleichsgruppe einen hoheren Wert erhielten.

Alle Werte des Konfidenzintervalls (KI) wurden auf einem a-Niveau von 5 % angegeben. Der Durchschnitt der IQ- beziehungsweise Index-Werte liegt zwischen 90 und 110.

4.2 Schlauchfiguren tStanine 2, PR = 51

Der Schlauchfiguren-Test erfasst in nur einem Wert das raumliche Vorstellungsvermogen. Luisa H. erzielte bei dem Testverfahren einen Rohwert von 8, was einem Stanine-Wert von 2 entspricht. Damit erzielte Sie im Vergleich mit der Normgruppe aller Abitrurienten ein unterdurchschnittliches Ergebnis. Der Stanine-Wert von 2 entspricht einem Prozentrang von 5. Dies bedeutet, dass 95% der Personen aus der Vergleichsgruppe einen hoheren Wert erhielten. Der Durchschnittswert der Stanine- Werte liegt zwischen 4 und 6.

4.3 NEO PI-R

- Neurotizismus (PR = 54. '/' 51 [46:56])

Neurotizismus erfasst die Unterschiede zwischen Personen hinsichtlich ihrer gefuhlsmaBigen Robustheit einerseits und ihrer emotionalen Empfindlichkeit bzw. Ansprechbarkeit andererseits. Der gemeinsame Kern der verschiedenen Aspekte dieser Dimension ist darin zu sehen, wie stark positive und negative Emotionen erlebt werden.

Global erreicht Frau H. hier einen Wert im durchschnittlichen Bereich. Bei einem Prozentrang von 54 bedeutet dies, dass 46 % der Personen der Gesamtstichprobe einen hoheren Wert in diesem Bereich erzielten.

Bezuglich der sechs Facetten der Dimension Neurotizismus ergibt sich folgendes:

- Angstlichkeit tPR = 54. T = 51 [43:59]t

Der durchschnittliche Testwert bedeutet hier, dass sich Frau H. als durchschnittlich angstlich, angespannt und nervos darstellt. Der Prozentrang von 54 bedeutet, dass sich 46 % der Personen der Gesamtstichprobe als angstlicher darstellen.

- Reizbarkeit tPR = 86. T = 61 [51:71]t

Der durchschnittlich bis uberdurchschnittliche Testwert bedeutet hier, dass sich Frau H. als durchschnittlich bis uberdurchschnittlich reizbar mit schneller Tendenz zum Empfinden von Arger und Zorn darstellt. Der Prozentrang von 86 bedeutet, dass sich 14 % der Personen der Gesamtstichprobe als noch reizbarer darstellen.

- Depression tPR = 27. T = 44 [36:52]4

Der leicht unterdurchschnittlich bis durchschnittliche Testwert bedeutet, dass sich Frau H. Als Person darstellt, die unterdurchschnittlich bis durchschnittlich oft depressive Gefuhle erlebt. Der Prozentrang von 27 bedeutet, dass sich 73 % der Personen der Gesamtstichprobe als depressiver darstellen.

- Befangenheit fPR =57. T = 52 [42.62]t

Der durchschnittliche Testwert bedeutet, dass sich Frau H. als durchschnittlich sozial befangen darstellt und sich in Gesellschaft anderer manchmal, aber eher selten unwohl und unterlegen fuhlt. Der Prozentrang von 57 bedeutet, dass sich 43 % der Personen der Gesamtstichprobe als befangener darstellen.

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Erfüllt Luisa H. die kognitiven und persönlichkeitsbezogenen Anforderungen an ein Studium der Humanmedizin
Untertitel
Diagnostischer Testbericht zur psychologischen Begutachtung
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Erziehungswissenschaft und Psychologie)
Veranstaltung
Diagnostische Verfahren
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V200899
ISBN (eBook)
9783656280101
ISBN (Buch)
9783656280897
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Bei der Arbeit Handelt es sich um einen diagnostischen Testbericht.
Schlagworte
erfüllt, luisa, anforderungen, studium, humanmedizin, diagnostischer, testbericht, begutachtung
Arbeit zitieren
Marcus Sommer (Autor), 2011, Erfüllt Luisa H. die kognitiven und persönlichkeitsbezogenen Anforderungen an ein Studium der Humanmedizin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200899

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