Das Medienzeitalter fordert die Menschen heraus, besonders Kinder und Jugendliche, die mit einer Fülle an Möglichkeiten und Informationen konfrontiert sind, mit der sie zunächst kaum umzugehen wissen. Medien bieten die Möglichkeit des Zuganges zu Informationen und somit der Meinungsbildung und Orientierung, der Teilhabe an Gesellschaft, der vereinfachten Kommunikation und viele weitere Funktionen, wenn der Nutzer sie kompetent anzuwenden weiß. Dabei sind Kinder und Jugendliche selbst, aber auch Eltern und Erziehungspersonen mit dem eigenen Medienkonsum und der Anleitung ihrer Kinder oft überfordert. Darauf weist zum Beispiel der aktuelle Werbespot „Wo ist Klaus?“ von ‚klicksafe‘ hin: Der provokante Werbefilm zeigt eine anscheinend naive Mutter, die als gefährlich einzuordnende Gestalten freundlich zu ihrem Sohn durchlässt und ihre Tochter einem fremden Mann überlässt, der ihr seinen Hasen zeigen möchte. So zeigt der Spot eindringlich Gefahren von Medien auf, hier des Internets, und spricht nicht nur Eltern oder Erziehungspersonen, sondern auch die Kinder und Jugendlichen direkt an. Der Film offenbart dabei auch die große Notwendigkeit, Kinder und Jugendliche darin anzuleiten, solche Gefahren zu erkennen, zu vermeiden und die von ihnen genutzten Medien so einzusetzen, das diese sich als konstruktiv und profitabel erweisen.
Viele Jugendliche beherrschen die essentiellen Aspekte der Medienkompetenz nur ansatzweise und haben hier hohen Förderbedarf. Diese Erfahrung habe ich in meinem Praxissemester in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit der ‚Katholischen Jugendwerke Rhein.-Berg. e.V.‘ gemacht. In der daraus resultierenden Suche, nach einer geeigneten Möglichkeit, diese Fähigkeiten zu fördern, schien mir ein Projekt, in dem die Jugendlichen selbst Medien herstellen, am geeignetsten. Der besonderen Herausforderung, dass es sich bei der Zielgruppe um Jugendliche mit und ohne Behinderung handelt, wurde in meinen Augen ein Radio-Projekt gerecht.
Die besondere Eignung von solchen Radio-Projekten zur Medienkompetenzförderung bei Kindern und Jugendlichen soll in dieser Hausarbeit an Hand von Literaturauswertung und unter Berücksichtigung der praktischen Erfahrungen aus dem oben genannten Projekt in einem Theorie-Praxis-Abgleich untersucht werden.
Gliederung
1. Einleitung
2. Projektbeschreibung
3. Kinder/Jugendliche und Medien
3.1 Bedeutung von Medien
3.2 Bedeutung des Mediums Radio
4. Medienkompetenz
4.1 Begriffsklärung Medienkompetenz
4.2 Förderung von Medienkompetenz
4.3 Begegnung des speziellen Bedarfs durch strukturelle Maßnahmen am Beispiel des Landes Nordrhein-Westfalen
5. Theorie-Praxis-Abgleich
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Eignung von Radio-Projekten als Instrument zur Förderung der Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen. Dabei wird analysiert, inwiefern durch aktive Medienarbeit – insbesondere unter Berücksichtigung heterogener Zielgruppen – ein selbstbestimmter und reflektierter Medienumgang angebahnt und gestärkt werden kann.
- Analyse des aktuellen Mediennutzungsverhaltens von Kindern und Jugendlichen basierend auf den KIM- und JIM-Studien.
- Theoretische Fundierung des Medienkompetenzbegriffs nach Baacke und der medienpädagogischen Praxis.
- Untersuchung der strukturellen Rahmenbedingungen der Medienkompetenzförderung am Beispiel des Bürgerfunks in Nordrhein-Westfalen.
- Vergleich von medienpädagogischen Theorieansätzen mit den praktischen Erfahrungen eines durchgeführten Radio-Projekts.
- Evaluation des Lerneffekts und der motivationsfördernden Wirkung aktiver Radioarbeit für Jugendliche mit und ohne Behinderung.
Auszug aus dem Buch
3.2 Bedeutung des Mediums Radio
Viele Jahre war das Radio das meistgenutzte Massenmedium, vor allem auf Grund des vergleichsweise einfachen Zugangs. Heute scheint das Radio in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen abgelöst zu sein von Handy, mp3-Player, Computer und Spielkonsolen. Doch bei genauerer Untersuchung stellt sich heraus, dass die Nutzungsdauer größer ist, als sie zunächst scheint, nur findet die Nutzung meist im Hintergrund von Alltagsaktivitäten und somit nicht gezielt und reflektiert statt.
78% der in der JIM-Studie 2011 befragten Jugendlichen nutzen das Radio täglich oder mehrfach in der Woche. Dazu passt, dass laut JIM-Studie (MPFS 2011b:5) 95% der Haushalte mit mindestens einem Gerät ausgestattet sind. Bei der täglichen Musiknutzung steht das Radio mit 62% (Mädchen) und 49% (Jungen) an erster Stelle, auch bei Kindern wird das Radio mit 29% (bei mehrfach wöchentlicher Nutzung insgesamt 57%) am häufigsten zum Musikhören genutzt, wobei die Musik hier nicht das Medium, sondern Inhalt des Mediums ist (MPFS 2011b:19; MPFS 2011a:21).
Die Verfügbarkeit von Radio ist im Vergleich zu Tonträgern, die erst gekauft oder anderweitig organisiert werden müssen, relativ einfach und erfordert keine direkte Auswahl des Musiktitels. Der Nutzer kann sich also gewissermaßen bedienen lassen. Die Nutzung des Programmes ist, abgesehen von dem Anschaffungspreis des Gerätes und den Rundfunk-Gebühren kostenfrei.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen des Medienzeitalters für Kinder und Jugendliche sowie die Notwendigkeit einer aktiven Medienkompetenzförderung durch praxisnahe Radio-Projekte.
2. Projektbeschreibung: Dieses Kapitel stellt das spezifische Projekt „Radio im Cafe Leichtsinn“ vor, das als empirische Grundlage für den Theorie-Praxis-Abgleich dient.
3. Kinder/Jugendliche und Medien: Hier wird das Mediennutzungsverhalten der jungen Zielgruppe analysiert, wobei besonders die Bedeutung von Medien für soziale Kontakte und der spezifische Stellenwert des Mediums Radio erörtert werden.
4. Medienkompetenz: Dieses Kapitel definiert den Begriff Medienkompetenz wissenschaftlich, beschreibt verschiedene Fördermöglichkeiten und beleuchtet die strukturelle Unterstützung durch den Bürgerfunk in NRW.
5. Theorie-Praxis-Abgleich: Der Autor verknüpft hier die theoretischen Konzepte mit dem Projektablauf und evaluiert, wie Radioarbeit zur Entwicklung von Kritikfähigkeit und Medienkompetenz beiträgt.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Radio-Projekte einen wertvollen, handlungsorientierten Beitrag zur Medienbildung leisten und Teilnehmer effektiv zu Multiplikatoren für einen kompetenten Medienumgang befähigen.
Schlüsselwörter
Medienkompetenz, Radio-Projekt, Kinder und Jugendliche, Medienpädagogik, Mediennutzung, Bürgerfunk, Medienkritik, Medienkunde, Mediengestaltung, Partizipation, Sozialkompetenz, Mediensozialisation, aktive Medienarbeit, Nordrhein-Westfalen, Empowerment.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und wie Radio-Projekte genutzt werden können, um Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen effektiv zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit behandelt die Mediensozialisation von Jugendlichen, theoretische Modelle der Medienkompetenz sowie die praktische Umsetzung von Radio-Projekten im außerschulischen Bereich.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der Nachweis, dass durch aktive Radioarbeit soziale Kompetenzen gestärkt und der Übergang von einem passiven Medienkonsum hin zu einem kritischen und gestaltenden Medienumgang gelingt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer umfassenden Literaturauswertung (KIM/JIM-Studien) sowie einem Theorie-Praxis-Abgleich mit einem eigenen, im Rahmen eines Praxissemesters durchgeführten Projekt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden das Mediennutzungsverhalten der Jugendlichen, Definitionen von Medienkompetenz (nach Baacke) und die strukturelle Förderung durch das Landesmediengesetz in NRW detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zu den Kernbegriffen zählen Medienkompetenz, Radio-Projekte, Medienpädagogik, Partizipation und die Förderung von Medienkritikfähigkeit.
Warum ist das Radio als Medium für die Förderung besonders geeignet?
Radio ermöglicht einen niederschwelligen Zugang, erfordert keine ausgeprägten Lese- oder Schreibfähigkeiten und bietet durch die aktive Gestaltung – vom Interview bis zur Jingle-Produktion – ein hohes Identifikations- und Motivationspotenzial.
Welche Rolle spielt die Inklusion im Kontext der untersuchten Radio-Projekte?
Die Arbeit verdeutlicht, dass Radio-Projekte besonders für Jugendliche mit Behinderung geeignet sind, da sie eine Ausrichtung an den individuellen Ressourcen anstelle von Defiziten ermöglichen und soziale Teilhabe fördern.
- Arbeit zitieren
- Katharina Kaul (Autor:in), 2012, Eignung von Radio-Projekten zur Förderung von Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200945