Liquiditätsmanagement: Neue Anforderungen an die Kreditinstitute


Bachelorarbeit, 2012
45 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen des Liquiditätsmanagements
2.1 Das Liquiditätsrisiko im Bankbetrieb
2.2 Die klassischen Liquiditätstheorien als Ausgangspunkt
2.3 Die betriebswirtschaftlichen Anforderungen
2.4 Die aufsichtsrechtliche Anforderungen
2.4.1 Die Liquiditätsverordnung (LiqV)
2.4.2 Die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk)

3 Neue Herausforderungen
3.1 Liquidität in der Finanzkrise
3.2 Die neuen Baseler Liquiditätsanforderungen
3.2.1 Die Mindestliquiditätsquote (Liquidity Coverage Ratio, LCR)
3.2.2 Die strukturelle Liquiditätsquote (Net Stable Funding Ratio, NSFR)
3.2.3 Weitere Beobachtungskennzahlen (Monitoring Tools)

4 Implikationen für Banken
4.1 Mögliche Auswirkungen der Kennzahlen auf die Bilanzstruktur
4.2 Vom Liquiditätsmanagement zum Liquiditätsrisikomanagement

5 Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Verzeichnis von Internet-Quellen

Abstract

Das Liquiditätsmanagement ist ein wichtiger Bestandteil der Gesamtbanksteuerung. Das Bewusstsein für den Umgang mit Liquidität hat sich in den letzten Jahren jedoch stark verändert. Vor allem die Finanzkrise im Jahr 2007 hat die mit der Liquidität zusammenhängenden Risiken deutlich gemacht und ein Umdenken in vielerlei Hinsicht vorangetrieben. Insbesondere das so genannte Finanzierungsliquiditätsrisiko im Sinne eines Refinanzierungsrisikos ist hierbei in den Fokus der Betrachtung gerückt. Hierbei handelt es sich um das Risiko, dass die kurzfristige Aufnahme von Liquidität nicht mehr oder nur zu erhöhten Marktpreisen möglich ist. Liquidität wird daher vermehrt aus einer wertorientierten Sichtweise heraus betrachtet. Wie wirken sich Änderungen der Liquiditätsspreads auf die Refinanzierungskosten bei der Liquiditätsbeschaffung und damit auf das Vermögen einer Bank aus? Diese Weiterentwicklung spiegelt sich auch in den veränderten aufsichtsrechtlichen Anforderungen wider. Insgesamt kann man sagen, dass sich das klassische Liquiditätsmanagement über die Jahre hin zu einem Liquiditätsrisikomanagement gewandelt hat.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die Einteilung der Liquiditätsrisiken

Abbildung 2: Bilanzbild nach Anwendung der Goldenen Bankregel

Abbildung 3: Schematischer Zielkonflikt zwischen Gewinn und Liquidität

Abbildung 4: Die Einteilung der Laufzeitbänder

Abbildung 5: Umstrukturierung der Aktivseite durch die LCR

Abbildung 6: Einschränkung der Fristentransformation durch die NSFR

Abbildung 7: Liquiditätsspreads ausgewählter Kreditinstitute

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Zeitplan der Einführung der Kennzahlen

1 Einleitung

Banken sind ein wichtiger Bestandteil der Gesamtwirtschaft. Als Finanzintermediär vermitteln sie zwischen Kreditnehmern und Kreditgebern und erfüllen verschiedene Transformationsfunktionen. So sind sie z.B. durch Fristentransformation in der Lage zumeist langfristige Kredite zu vergeben, obwohl die Laufzeit von hereingenommenen Einlagen tendenziell eher kurzfristig ist.1 Wann genau jedoch die Zahlungsströme fließen ist trotz gegebenenfalls vorhandener vertraglicher Laufzeiten kaum abschätzbar, da Kunden z.B. vorzeitige Kündigungsrechte geltend machen können. Banken gehen daher ganz bewusst aufgrund ihrer volkswirtschaftlichen Funktion gewisse Liquiditätsrisiken ein. Auf lange Sicht müssen die Zahlungsmittelzu- und Zahlungsmittelabflüsse sich jedoch ausgleichen, denn Liquidität ist eine zwingende Voraussetzung für die Existenz jeglicher Unternehmen und somit auch für Banken. Ein funktionierendes Liquiditätsmanagement zur Sicherstellung der jederzeitigen Zahlungsfähigkeit ist daher als Teil der Gesamtbanksteuerung unerlässlich.

Der Umgang mit Liquidität befindet sich jedoch seit einigen Jahren in einem ständigen Wandel. Das Liquiditätsrisiko und dessen Steuerung sind vor allem durch die Turbu- lenzen auf dem Finanzmarkt infolge der weltweiten Finanzkrise im Jahr 2007 stärker in den Fokus der Regulierung gerückt. Seit 2008 werden die aufsichtsrechtlichen Anforderungen zum Liquiditätsmanagement daher sukzessive überarbeitet und weiterentwickelt.2 Um die Veränderungen im Umgang mit Liquidität aufzuzeigen, werden in Abschnitt 2 zu Beginn einige Grundlagen dargestellt. Neben der besonderen Bedeutung des Liquiditätsrisikos für Banken werden zunächst die Anfänge der Liquiditätsüberlegungen im Sinne der klassischen Theorien erläutert. In diesem Zusammenhang werden zudem die Anforderungen aus betriebswirtschaftlicher und aufsichtsrechtlicher Sicht als Rahmenbedingungen für das Liquiditätsmanagement dargestellt. Im dritten Abschnitt wird dann im Folgenden auf die Entwicklungen während und nach der Finanzkrise eingegangen, um darauf aufbauend die neuen Regulierungsentwürfe der Bankenaufsicht vorzustellen. Abschließend werden die möglichen Auswirkungen dieser neuen Regulierungen auf den Bankensektor diskutiert und ein Ausblick auf den möglichen Fortgang der Entwicklungen im Liquiditäts- management gegeben. Inwiefern hat sich das Liquiditätsmanagement insgesamt verändert?

2 Grundlagen des Liquiditätsmanagements

2.1 Das Liquiditätsrisiko im Bankbetrieb

Als liquide gelten solche Wirtschaftssubjekte, die in der Lage sind, ihren Zahlungs- verpflichtungen fristgerecht und vollständig nachzukommen.3 Vereinfachend gesagt ist dies der Fall, wenn die vorhandenen Zahlungsmittel dem Zahlungsmittelbedarf in jedem Zeitpunkt mindestens entsprechen, d.h. ein finanzielles Gleichgewicht herrscht.4 Das Risiko besteht in diesem Zusammenhang also darin, dass der tatsächliche Zahlungsmittelbedarf größer ist als geplant. Folgende Gleichung soll diesen Sach- verhalt verdeutlichen5:

Zahlungsmittel + Liquidationserlöse + Refinanzierungszuflüsse Zahlungsmittelbedarf.

Alle diese Komponenten beinhalten jedoch Liquiditätsrisiken, welche die verschie- densten Ursachen und Wirkungszusammenhänge haben können. Daher ist zunächst eine grobe Unterteilung notwendig (vgl. Abbildung 1). So unterscheidet man z.B. zwischen originären und derivativen, d.h. aus anderen Risiken abgeleiteten oder resultierenden Liquiditätsrisiken. Im Folgenden wird jedoch nur kurz auf die wichtigsten Arten der originären Liquiditätsrisiken eingegangen. Diese umfassen das so genannte Liquiditätsanspannungsrisiko6, das Terminrisiko sowie das Abrufrisiko. Während es sich beim Liquiditätsanspannungsrisiko um eine langfristige strukturelle Komponente des Liquiditätsrisikos handelt, beziehen sich das Termin- und das Abrufrisiko eher auf die kurzfristige Disposition von Liquidität zur Sicherstellung der jederzeitigen Zahlungs- fähigkeit.7 Das Liquiditätsanspannungsrisiko beschreibt die Gefahr, dass Positionen gar nicht mehr oder nur noch zu sehr ungünstigen Marktpreisen veräußert werden können. Dieses Risiko hat, wie später noch dargestellt, im Zusammenhang mit Verbriefungen eine wichtige Rolle während der Finanzkrise 2007 gespielt. Das Liquiditätsanspannungsrisiko beinhaltet jedoch auch ein Refinanzierungsrisiko im engeren Sinne. Da Banken über einen Zugang zum Geldmarkt verfügen, können sich diese in der Regel kurzfristig mit Liquidität eindecken, sobald ein Zahlungsmittelbedarf entsteht. Hier besteht jedoch das Risiko, dass die kurzfristige Aufnahme von Zahlungsmitteln nicht oder nur noch zu erhöhten Konditionen möglich ist.8 Beim Terminrisiko handelt es sich um das Risiko, welches vor allem aus nicht fristgerechten Zahlungen resultiert. Das Abrufrisiko hingegen besteht in der Gefahr, dass Kunden unerwartet die ihnen zugesagten Kreditlinien in Anspruch nehmen oder ihre Einlagen vorzeitig abziehen.9

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die Einteilung der Liquiditätsrisiken

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Schierenbeck, H. / Lister, M. / Kirmße, S. (2008), S. 514.

Ausreichende Liquidität ist in jedem Unternehmen wichtig und notwendig. Im Bankbetrieb kommt dieser jedoch aufgrund verschiedener Faktoren eine besondere Bedeutung zu. Man unterscheidet hier zwischen exogenen und endogenen Einfluss- faktoren. Während exogene Faktoren aus der besonderen Stellung der Kreditinstitute in der Volkswirtschaft resultieren, entstehen endogene Faktoren durch die besondere Form der bankbetrieblichen Leistungserstellung.10 Liquiditätsrisiken ergeben sich vor allem aus den verschiedenen Transformationsfunktionen einer Bank.11 Hierzu zählen insbesondere die Losgrößen- und die Fristentransformation. Die Losgrößentrans- formation beinhaltet die Aufgabe, für eine betragsmäßige Übereinstimmung von Kapitalangebot und -nachfrage auf dem Finanzmarkt zu sorgen. Durch die Fristen- transformation hingegen werden die Zeiträume bzw. Laufzeiten der Kapitalüberlassung und dessen Aufnahme zum Ausgleich gebracht. Ein weiterer Grund für die Besonderheit der Liquidität im Bankbetrieb ist die Notwendigkeit, Zahlungsbegehren von Kunden nahezu zeitlich unbegrenzt und der Höhe nach ungewiss erfüllen zu müssen. Kreditinstitute leben vor allem vom Vertrauen ihrer Kunden. Würden sie Zahlungsaufforderungen nicht unverzüglich nachkommen, kann dies die Kunden an deren Vertrauenswürdigkeit zweifeln lassen (sog. Reputationsrisiko). Schlimmstenfalls kann es hierdurch zu einem so genannten „Bank Run“ kommen. Hierunter versteht man den plötzlichen Abzug aller Einlagen bei Fälligkeit oder gegebenenfalls auch früher. Nach dem Prinzip einer „Self Fullfilling Prophecy“ kann die Bank dadurch tatsächlich in einen Liquiditätsengpass geraten.12

Alle diese Beispiele machen deutlich, wie wichtig die Steuerung von Liquiditätsrisiken als Teil des Bankmanagements ist. Als grundlegend hierfür ist jedoch das Liquiditäts- management an sich zu sehen, welches die Aufgabe hat sicherzustellen, dass das Kreditinstitut jederzeit in der Lage ist, seinen Zahlungsverpflichtungen fristgerecht nachzukommen.13

2.2 Die klassischen Liquiditätstheorien als Ausgangspunkt

Um die grundlegenden Ideen hinter den heutigen Methoden des Liquiditätsmanagements zu verstehen ist es wichtig, die klassischen Liquiditätstheorien zu kennen. Sie bilden die Basis im ständigen Weiterentwicklungsprozess und werden daher im Folgenden kurz dargestellt.

Ein erster Ansatz zur Liquiditätsausstattung von Banken wurde bereits im Jahr 1854 vom Statistiker und Volkswirt O. Hübner formuliert: „ Der Credit, welchen eine Bank geben kann, ohne Gefahr zu laufen, ihre Verbindlichkeiten nicht erfüllen zu können, mußnicht nur im Betrage, sondern auch in der Qualität dem Credite entsprechen, welchen sie genießt. “ 14 Diese so genannte Goldene Bankregel verlangt von den Banken eine vollständige Fristenkongruenz, d.h. Aktiv- und Passivgeschäfte müssen hinsichtlich Betrag und Qualität identisch sein. Mit Qualität ist hier insbesondere die Fristigkeit gemeint.15 Bilanziell gesehen würde sich diese Forderung wie in Abbildung 2 dargestellt auf das Bankgeschäft auswirken. Sichteinlagen und andere täglich fällige Gelder müssten entweder durch das Kassenvolumen oder andere sofort verfügbare Vermögensgegenstände gedeckt sein. Bei den Sichteinlagen handelt es sich insbesondere um Guthaben der Kunden auf Girokonten, über welches der Kunde täglich im Rahmen seines Guthabens verfügen kann. Ein Kredit mit sechsmonatiger Laufzeit müsste demnach durch eine Verbindlichkeit über sechs Monate finanziert sein. Hierbei könnte es sich z. B. um eine Kundeneinlage in Form eines Festgeldes mit einer entsprechenden Laufzeit handeln. Langfristige und somit risikoreichere Anlagen wie beispielsweise Immobilien als Sachanlagen müssten durch Eigenkapital finanziert werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Bilanzbild nach Anwendung der Goldenen Bankregel Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Pohl, M. (2008), S. 41.

Es gibt jedoch einige Kritik im Hinblick auf die Goldene Bankregel. Wenn die Bank nach dieser Empfehlung handeln würde, so könnte sie den verschiedenen Bedürf- nissen der Kunden nicht mehr gerecht werden. Eine vollständige Fristenkongruenz würde bedeuten, dass Kredite nur mit Laufzeiten vergeben werden können, für die Kunden der Bank Einlagen zur Verfügung gestellt haben. Dass Kapitalangebot und Kapitalnachfrage in diesem Zusammenhang jemals genau übereinstimmen ist jedoch sehr unwahrscheinlich. Um den unterschiedlichen Wünschen der Kunden nach- kommen zu können, muss eine Bank also zwangsweise Fristentransformation betreiben. Zudem hat sich gezeigt, dass eine vollständige Fristenkongruenz von Aktiv- und Passivseite auf Grund verschiedener anderer Refinanzierungsmöglichkeiten16 überhaupt nicht notwendig und somit ökonomisch keinesfalls sinnvoll ist. Des Weiteren werden selbst durch diese restriktiv wirkende Bedingung nicht alle Aspekte des Liquiditätsrisikos abgesichert. So besteht weiterhin das Risiko, dass Zahlungen nicht fristgerecht eingehen (Terminrisiko) oder Einlagen vorzeitig abgezogen werden. Außerdem werden sowohl Aktiv- als auch Passivgeschäfte, d.h. Einlagen und Kredite oft verlängert.17 Insbesondere Sichteinlagen verbleiben trotz der täglichen Fälligkeit in der Regel länger als einen Tag auf dem Konto. Dieser Ansatz sowie die genannten Kritikpunkte haben zur Entwicklung der so genannten Bodensatztheorie geführt.

Die Bodensatztheorie basiert auf der Annahme, dass bei Einlagen ein gewisser Bodensatz unabhängig von deren formaler Laufzeit langfristig zur Verfügung steht. Sie geht auf den deutschen Ökonom und Finanzwissenschaftler A. Wagner zurück.18 Anhand von Erfahrungswerten, aber auch statistisch lässt sich zeigen, dass durch die Gewohnheiten der Bankkunden im Umgang mit ihren Sichteinlagen in der Regel ein gewisser Sockel der Guthaben im Besitz des Kreditinstituts verbleibt. So gleichen sich z.B. Auszahlungen durch Einzahlungen anderer Kunden aus (Kompensation), oder Kunden verfügen zumindest nicht komplett über fällige Gelder, d.h. sie werden implizit verlängert (Prolongation).19 Im Rahmen dieses Bodensatzes kann die Bank also eine Fristentransformation durchführen, d.h. diese formal täglich fälligen Gelder können langfristiger angelegt werden, beispielsweise in Form von Kreditvergaben. Das Kreditinstitut kann diesen Bodensatz also ertragreicher anlegen und so die Rentabilität steigern. Die sonstigen Einlagen sollten immer durch Barvermögen bzw. täglich fällige Aktiva gedeckt sein, da diese stets verfügbar sein müssen.

Als problematisch stellt sich jedoch die Ermittlung dieses Bodensatzes dar, welcher als Prozentsatz des aktuellen Einlagenvolumens angenommen wird.20 Schwankungen des ermittelten und somit zur längerfristigen Anlage verwendeten Bodensatzes stellen wiederum ein Risiko dar. Hinzu kommt auch hier das Abrufrisiko. Insbesondere im Krisenfall kann sich das Verhalten der Einleger stark verändern, sodass auch der sonst üblicherweise bestehende Bodensatz plötzlich abgezogen wird und das Kreditinstitut in Liquiditätsprobleme gerät („Bank Run“). Die Theorie lässt zudem weitere Möglichkeiten der Generierung von Liquidität sowie die Bedeutung des Eigenkapitals außer Acht.21 Der Grundgedanke der Bodensatztheorie hat dennoch große praktische Bedeutung. Das Prinzip findet seinen Niederschlag noch heute in der Liquiditätsverordnung (LiqV).

Die Shiftability Theorie (oder Realisationstheorie) stellt wiederum eine Erweiterung der Bodensatztheorie dar. Sie greift den Aspekt auf, dass Liquidität auch durch die kurzfristige Veräußerung von Aktiva generiert werden kann. Entwickelt wurde diese Theorie im Jahr 1879 von K. Knies. Der Grad der Fristentransformation ist hierbei abhängig vom Wert und der Liquidierbarkeit der Aktiva. Wichtige Faktoren hierfür sind zum einen das Vorhandensein eines aufnahmefähigen Marktes für die jeweilige Vermögensposition und zum anderen die eventuell vorhandenen Transaktionskosten bei der Veräußerung. Leicht liquidierbare Aktiva sind z.B. börsennotierte Wertpapiere. Sie sind börsentäglich veräußerbar und werden daher auch in der LiqV zum Teil als Zahlungsmittel angesehen.22 Viele Aktiva können jedoch nur mit Abschlägen veräußert werden. Das hierbei bestehende Risiko über die Unsicherheit des Marktwertes bezeichnet man als Marktpreisrisiko.

Während die vorangehend dargestellten Theorien nach dem Going-Concern-Prinzip23 von einem mehr oder weniger normalen fortlaufenden Geschäftsbetrieb ausgehen, konzentriert sich die im Jahr 1959 von W. Stützel entwickelte Maximalbelastungs- theorie auf den Extremfall eines „Bank Runs“.24 Man bezeichnet diese Theorie daher auch als Insolvenztheorie.25 Der Bodensatz tendiert in einem solchen Fall gegen Null. Stützel geht wie auch die Begründer der Shiftability Theorie davon aus, dass Aktiva kurzfristig veräußert werden können, um so benötigte liquide Mittel zu schaffen. Da er jedoch von einer maximalen Belastung der Liquidität ausgeht, ergänzt er die Theorie um die Überlegung, dass der Verkauf der Aktiva in einer solchen Situation nur noch mit erheblichen Abschlägen erfolgen kann. Diese so genannten Liquiditätsdisagios vermindern die Aktiva und werden dann den Einlagen gegenübergestellt. Stützel formulierte die Forderung der Maximalbelastungstheorie folgendermaßen: „ Die Summe der Verluste, die bei einer derartigen vorzeitigen Abtretung gewisser Aktiva hin- genommen werden müssen, darf nie gr öß er sein als das Eigenkapital. “ 26 Wichtig ist bei diesem Ansatz also nicht die Übereinstimmung der verschiedenen Fristigkeiten auf der Aktiv- und Passivseite, sondern dass der Liquidationswert der Aktiva die Einlagen deckt. Die erwarteten Abschläge müssen dabei durch Eigenkapital gedeckt werden. Eine Fristentransformation ist auch hier also möglich, solange für etwaige Verluste Eigenmittel vorgehalten werden. Dennoch kann es auch hier zu Liquiditätsproblemen kommen, wenn es z.B. zu einem unerwartet starken Verfall der Marktpreise kommt.

2.3 Die betriebswirtschaftlichen Anforderungen

Als traditionelle Oberziele eines Kreditinstituts gelten Rentabilität, Liquidität und Sicherheit (auch „Magisches Dreieck“).27 Ausreichende Liquidität ist wie bereits in Abschnitt 2.1 erläutert eine Notwendigkeit zur Sicherung der Unternehmensexistenz und stellt somit eine unabdingbare Bedingung für das Ziel der Sicherheit dar. Auf der anderen Seite gilt die Gewinnmaximierung in der Regel als Zweck wirtschaftlichen Handelns. Dies steht jedoch in einem Zielkonflikt mit der Liquidität, denn je mehr Mittel ein Unternehmen als Liquiditätsreserve bereithalten muss, desto geringer ist dessen Rentabilität (vgl. Abbildung 3). Es gilt der Grundsatz „Liquidität kostet Geld - Illiquidität die Existenz“.28

[...]


1 Vgl. Hartmann-Wendels, T. / Pfingsten, A. / Weber, M. (2010), S. 2 ff.

2 Vgl. Ludwig, B. (2010), S. 347.

3 Vgl. Schierenbeck, H. / Lister, M. / Kirmße, S. (2008), S. 512.

4 Vgl. Büschgen, H. E. (1998), S. 895 f.

5 Vgl. Pohl, M. (2008), S. 10.

6 Auch Refinanzierungs- oder Substitutionsrisiko.

7 Vgl. Ludwig, B. (2010), S. 347.

8 Vgl. Deutsche Bundesbank (2008), S. 60.

9 Vgl. Biro, J. / Krapf, W. / Mayländer, R. (2009), S. 438.

10 Vgl. Büschgen, H. E. (1998), S. 897 f.

11 Zur Erklärung für die Existenz von Banken siehe Modell von Diamond (1984): „Financial Intermediation and Delegated Monitoring“.

12 Vgl. Pohl, M. (2008), S. 30 f.

13 Vgl. Deutsche Bank (o.J.).

14 Vgl. Hübner, O. (1854), S. 28.

15 Vgl. Pohl, M. (2008), S. 41.

16 Vgl. Moch, N. (2007), S. 54 Tabelle 6.

17 Vgl. Hartmann-Wendels, T. / Pfingsten, A. / Weber, M. (2010), S. 469.

18 Vgl. Wagner, A. (1857), S. 162 ff.

19 Vgl. Biro, J. / Krapf, W. / Mayländer, R. (2009), S. 209.

20 Vgl. Hartmann-Wendels, T. / Pfingsten, A. / Weber, M. (2010), S. 470.

21 Vgl. Eilenberger, G. (2011), S. 165.

22 Vgl. Hartmann-Wendels, T. / Pfingsten, A. / Weber, M. (2010), S. 470 f.

23 Auch Fortführungsprinzip oder Grundsatz der Unternehmensfortführung.

24 Vgl. Pohl, M. (2008), S. 45.

25 Vgl. Betge, P. (1996), S. 226.

26 Vgl. Stützel, W. (1959) S. 42 ff. zit. nach Hartmann-Wendels, T. / Pfingsten, A. / Weber, M. (2010), S. 473.

27 Vgl. Biro, J. / Krapf, W. / Mayländer, R. (2009), S. 437.

28 Vgl. u.a. Böhm, R. / Müller, C. / Siegenthaler, C. (2001), S. 223.

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Liquiditätsmanagement: Neue Anforderungen an die Kreditinstitute
Hochschule
Fachhochschule Trier - Hochschule für Wirtschaft, Technik und Gestaltung
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
45
Katalognummer
V200952
ISBN (eBook)
9783656296454
ISBN (Buch)
9783656350019
Dateigröße
807 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
neue, anforderungen, liquiditätsmanagement, kreditinstitute
Arbeit zitieren
Anne-Kathrin Melis (Autor), 2012, Liquiditätsmanagement: Neue Anforderungen an die Kreditinstitute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200952

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