In den letzten Jahrzehnten kam es in der Schweiz – wie auch in den anderen westlichen Industrienationen – zu einem deutlichen Anstieg der Zahl chronischer Krankheiten. Die meisten dieser Erkrankungen kommen mit zunehmendem Alter häufiger vor. Aufgrund der demo-grafischen Entwicklung werden solche Erkrankungen in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Aus der individuellen Sicht der PatientInnen sind es meist die nachhaltigen psychosozialen Veränderungen und Einschränkungen der individuellen Lebensführung (z.B. in Form von Selbstversorgungsdefiziten), die für sie im Vordergrund stehen. In vielen Fällen kommt es im Verlauf der Erkrankung zu einem dauer-haften Pflege- und Hilfebedarf. Die vorliegende Arbeit zeigt anhand einer Stellungnahme der fiktiven Patientenorganisation "Allianz Multimorbidität" die sich daraus ergebenden Problemen im Hinblick auf die Versorgung und Lebensqualität multimorbider Menschen auf und nennt Lösungansätze.
Inhaltsverzeichnis
I. Ausgangslage und Problembeschreibung
Szenario
II. Fragestellungen und Lösungsansätze
III. Abwägung der Argumente und Schlussstatement
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Stellungnahme ist es, die dringende Notwendigkeit einer verbesserten gesundheitlichen Versorgung für multimorbide Menschen in der Schweiz aufzuzeigen und konkrete politische Maßnahmen zur Steigerung ihrer Lebensqualität und Autonomie einzufordern.
- Herausforderungen in der aktuellen Versorgung multimorbider Patientinnen und Patienten.
- Problematik der Multimedikation und fehlender Koordination.
- Forderung nach der Einführung eines Case Managements.
- Notwendigkeit einer Intensivierung der Pflege- und biomedizinischen Forschung.
- Stärkung der gesundheitlichen Ressourcen und Autonomie im Alter.
Auszug aus dem Buch
Szenario
In den letzten Jahrzehnten kam es in der Schweiz – wie auch in den anderen westlichen Industrienationen (Wu/Green 2000, Wiesner/Bittner 2005, Wyss 2011) – zu einem deutlichen Anstieg der Zahl chronischer Krankheiten. Die Betroffenen leiden v.a. an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, muskuloskelettalen Erkrankungen, Depressionen, chronischen Atemwegserkrankungen, Diabetes mellitus und bösartigen Tumoren (BFS 2007-1). Die meisten dieser Erkrankungen kommen mit zunehmendem Alter häufiger vor (von Renteln-Kruse 2001). Aufgrund der demografischen Entwicklung werden solche Erkrankungen in den nächsten Jahren weiter zunehmen (BFS 2007-2). Derzeit leiden 27,3% der Bevölkerung in der Schweiz an einer dauerhaften Krankheit oder einem dauerhaften gesundheitlichen Problem. Bei den über 75-Jährigen sind es 48% (BFS 2007-3). Viele der Betroffenen sind multimorbide, d.h. bei ihnen wurden gleichzeitig mehrere chronische Erkrankungen diagnostiziert (van den Akker et al. 1998).
Chronische Krankheiten weisen nach Bandura et al. (2006) drei zentrale Charakteristika auf: (1) Sie sind gekennzeichnet durch ein kontinuierliches oder periodisches Auftreten von Krankheitssymptomen, die durch irreversible pathogene Prozesse verursacht werden. (2) Sie gehen mit lang andauerndem, hohem Betreuungsbedarf einher. Die medizinischen Therapieeffekte im Sinne einer Kuration sind hierbei häufig begrenzt. Aus therapeutischer Sicht gilt es daher v.a. darum, Folgeprobleme (wie z.B. funktionale Einschränkungen) zu verhindern. (3) Im Krankheitsverlauf kommt es zu erheblichen Veränderungen in nahezu alle Lebensbereiche des Erkrankten. Dies erfordert psychosoziale Adaptionsleistungen von den Betroffenen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Ausgangslage und Problembeschreibung: Dieses Kapitel erläutert den demografischen Anstieg chronischer Erkrankungen und definiert die Charakteristika sowie die spezifischen Herausforderungen der Multimorbidität im Lebensverlauf.
II. Fragestellungen und Lösungsansätze: Hier werden die Versorgungsmängel, insbesondere die fehlende Koordination und die Risiken der Multimedikation, kritisch beleuchtet und entsprechende Forderungen an die Politik gestellt.
III. Abwägung der Argumente und Schlussstatement: Das Kapitel schließt mit einer Argumentation für ein interdisziplinäres Case Management und appelliert an die Gesundheitsdirektorenkonferenz, das Thema Multimorbidität priorisiert auf die politische Agenda zu setzen.
Schlüsselwörter
Multimorbidität, Chronische Krankheiten, Gesundheitsversorgung, Lebensqualität, Case Management, Multimedikation, Schweiz, Pflegeforschung, Epidemiologie, Autonomie im Alter, Gesundheitspolitik, Patientenorganisation, Koordination, Gesundheitsressourcen, Prävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Stellungnahme primär?
Die Arbeit befasst sich mit der prekären Versorgungssituation von multimorbiden Menschen in der Schweiz und formuliert politische Forderungen zu deren Verbesserung.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Management von Multimorbidität, der Medikamentensicherheit, der Stärkung der Patientenautonomie und der Förderung der Forschung in diesem Bereich.
Was ist die zentrale Zielsetzung der Arbeit?
Das Ziel ist die Implementierung eines strukturierten Case Managements sowie die Etablierung evidenzbasierter Leitlinien zur Verbesserung der medizinischen und pflegerischen Betreuung.
Welche wissenschaftliche Perspektive wird eingenommen?
Die Stellungnahme basiert auf epidemiologischen Daten und bezieht sich auf die Bedürfnisse der Betroffenen aus der Perspektive einer Patientenorganisation.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die aktuelle Problemlage der Versorgung und leitet daraus konkrete Handlungsfelder für politische Akteure wie die Gesundheitsdirektorenkonferenz ab.
Welche Schlagworte charakterisieren das Werk?
Die wichtigsten Begriffe sind Multimorbidität, Case Management, Lebensqualität, Multimedikation und Patientenautonomie.
Warum wird ein Case Management explizit gefordert?
Ein Case Management soll helfen, die Leistungen verschiedener Fachpersonen zu koordinieren und so Therapiefehler sowie unnötige Kosten zu reduzieren.
Welche Rolle spielt die Pflegeforschung in diesem Kontext?
Die Pflegeforschung ist essentiell, um evidenzbasierte Ansätze für die tägliche Betreuung und Koordination zu entwickeln, die nah an den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten ansetzen.
- Quote paper
- Dr. med. Lotte Habermann-Horstmeier (Author), 2012, Gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung und der Lebensqualität multimorbider Menschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201003