Problemstellung
Der Großhandel übt sowohl für die Hersteller als auch für seine eigenen Kunden, den Einzelhandel und die gewerblichen Abnehmer, wichtige Funktionen aus. Viele Hersteller bedienen sich des Großhandels, weil der Aufbau eines eigenen Absatzkanals zu aufwendig wäre. Einzelhandel und gewerbliche Abnehmer kaufen bei Großhändlern ein, weil sie bei diesen ein ganzes Bedarfsspektrum abdecken können. Die Sortimentsbildungsfunktion des Großhandels erspart den direkten Einkauf bei vielen verschiedenen Herstellern, der oft nicht einmal möglich ist, weil viele Hersteller die Abnahme von Mindestmengen verlangen.1 Der Großhandel unterscheidet sich von anderen Handelsformen dadurch, daß er seine Waren ausschließlich an Produzenten und Wiederverkäufer vertreibt, nicht aber an Konsumenten.2 Aufgrund der Notwendigkeit eines am Bedarf der Kunden orientierten Sortimentes3 und der Tatsache, daß der Anteil der Materialkosten am Umsatz im Handel zwischen 80 % und 90 % liegt,4 wird deutlich, daß die Beschaffungstätigkeit des Großhandels einen großen Einfluß auf den Gesamterfolg der Unternehmung hat. Verminderungen des Beschaffungsaufwandes können eine Hebelwirkung zugunsten eines höheren Jahresergebnisses ausüben.5
Dabei kommt der Beschaffungstätigkeit besonders aufgrund des wachsenden Engpaßcharakters der Beschaffungsmärkte zunehmende Bedeutung zu.6 Diese Arbeit beschäftigt sich mit einem wichtigen Teilbereich des beschaffungspolitischen Instrumentariums, nämlich dem der Lieferantenwahl. Ein solches Wahlproblem stellt sich immer dann, wenn ein Großhandelsunternehmen seinen Bedarf bei mehreren Lieferanten decken kann. Lieferanten sind in diesem Sinne alle Anbieter und Zulieferer, die den Bedarf der Unternehmung decken können.7 Dieses Wahlproblem bei der Lieferantenwahl stellt sich nicht nur dem Großhandel, sondern analog auch einer produzierenden Unternehmung, wobei sich einem Hersteller oft zusätzlich die Frage stellt, ob er das benötigte Produkt selbsterstellt (make-or-buy-Decision). Die Möglichkeit der Selbsterstellung eines Gutes wird in dieser Untersuchung ausgeklammert, da ausschließlich der klassische Großhandel betrachtet werden soll, der sich auf seine Großhandelsaktivitäten beschränkt. Das Problem der Lieferantenwahl wird unter zwei Aspekten untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung
2. Deskriptive Analyse der Lieferantenwahl
2.1 Beschaffungsziele
2.2 Beurteilungskriterien bei der Lieferantenwahl
2.3 Relative Wichtigkeit der Lieferantenwahlkriterien
3. Normative Analysen im Lieferantenwahlprozeß
3.1 Lieferantenbeurteilung mit Hilfe von Punktbewertungsverfahren
3.2 Lieferantenwahl mit Hilfe mathematischer Programmierung
3.3 Lieferantenwahl mit Hilfe von Portfolioansätzen
4. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht das Entscheidungsproblem der Lieferantenwahl im Kontext des Großhandels. Ziel ist es, sowohl deskriptiv die relevanten Einflussfaktoren zu identifizieren als auch normativ Verfahren zur optimalen Lieferantenauswahl aufzuzeigen, um den Beschaffungserfolg und damit den Gesamterfolg der Unternehmung zu steigern.
- Analyse von Beschaffungszielen im Großhandel
- Identifikation und Gewichtung von Lieferantenwahlkriterien
- Einsatz von Punktbewertungsverfahren zur Lieferantenbeurteilung
- Anwendung mathematischer Programmierung zur Kostenminimierung
- Einsatz von Portfolioansätzen zur Risikostreuung
Auszug aus dem Buch
3.1 Lieferantenbeurteilung mit Hilfe von Punktbewertungsverfahren
Wie in den obigen Kapiteln deutlich wurde, spielen bei der Lieferantenwahl eine Reihe von Wahlkriterien eine Rolle. Soll aus mehreren potentiellen Lieferanten ausgewählt werden, so müssen diese auf die relevanten Kriterien hin untersucht werden. Da die Kriterien nicht sämtlich die gleiche Wichtigkeit haben, und die Lieferanten verschieden starke Ausprägungen der Merkmale aufweisen, tauchen bei der Wahlentscheidung u.U. Probleme auf. Bei derartigen Entscheidungssituationen wird in der entscheidungsorientierten Literatur oft die Anwendung von Punktbewertungsverfahren vorgeschlagen. Für solche Scoring-Modelle gibt es zahlreiche Anwendungsbeispiele, wie z.B. die Beurteilung von Neuproduktentwicklungen oder die Bewertung von Datenverarbeitungssystemen, die angeschafft werden sollen, um nur zwei Anwendungsbeispiele zu nennen. Auch die Leistungen von Lieferanten können unter Zuhilfenahme von Punktbewertungsverfahren beurteilt werden, um eine nachvollziehbare Lieferantenwahl zu gewährleisten, die in Einklang mit den Beschaffungszielen steht. Um jedoch weitgehend objektive Vergleichswerte zu bekommen, bedarf es genau definierter Vorgaben hinsichtlich der Bewertung von Lieferantenmerkmalen, dies gilt in erster Linie für nicht eindeutig bewertbare Kriterien wie Zuverlässigkeit oder Lieferantenimage.
Die Grundkonzeption der Scoring-Modelle ist sehr einfach. Im vorliegendem Fall des Lieferantenwahlproblems wird jeder Zulieferer bezüglich der Ausprägungen, der für den Großhändler relevanten Kriterien mit einem Punktwert versehen. Jeder Punktwert wird mit einem Faktor gewichtet, der sich nach der Bedeutung des jeweiligen Kriteriums richtet. Über die gewichteten Punktwerte wird eine Summe gebildet. Der Lieferant mit der höchsten Punktsumme ist im Sinne dieses Verfahrens der am besten geeignete Lieferant.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Bedeutung der Lieferantenwahl für Großhandelsunternehmen und definiert den Untersuchungsrahmen hinsichtlich deskriptiver und normativer Analysen.
2. Deskriptive Analyse der Lieferantenwahl: Hier werden die Beschaffungsziele erläutert sowie die verschiedenen Kriterien und deren relative Wichtigkeit für den Lieferantenwahlprozess analysiert.
3. Normative Analysen im Lieferantenwahlprozeß: Dieses Kapitel stellt methodische Ansätze wie Scoring-Modelle, mathematische Programmierung und Portfolioanalysen zur Unterstützung optimaler Beschaffungsentscheidungen vor.
4. Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zur Lieferantenwahl zusammen und diskutiert den Wandel der Anforderungen durch moderne Beschaffungssysteme wie Just-in-Time.
Schlüsselwörter
Großhandel, Lieferantenwahl, Beschaffungsmanagement, Beschaffungsziele, Lieferantenbeurteilung, Punktbewertungsverfahren, Scoring-Modelle, Mathematische Programmierung, Portfolioansatz, Risikostreuung, Lieferantenkriterien, Kostenziel, Bedarfsdeckung, Logistik, Beschaffungsmarketing.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Entscheidungsproblem der Lieferantenwahl im Großhandel unter Berücksichtigung normativer und deskriptiver Aspekte.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Bestimmung von Beschaffungszielen, die Identifikation von Auswahlkriterien sowie Methoden zur quantitativen Bewertung von Lieferanten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, dem Management Methoden an die Hand zu geben, um Lieferanten systematisch zu bewerten und optimale Entscheidungen zur Zielerreichung zu treffen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die Vorstellung spezifischer Entscheidungsmodelle, insbesondere Scoring-Modelle und mathematische Optimierungsverfahren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine deskriptive Analyse der Einflussfaktoren und eine normative Analyse, in der konkrete mathematische und betriebswirtschaftliche Entscheidungsverfahren vorgestellt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Großhandel, Lieferantenwahl, Beschaffungsziele, Punktbewertungsverfahren und Portfolioansätze.
Warum sind Scoring-Modelle trotz subjektiver Elemente nützlich?
Trotz der Subjektivität bei der Gewichtung bieten sie ein systematisches Werkzeug zur Entscheidungsfindung und helfen, den Prozess nachvollziehbarer zu gestalten.
Welche Rolle spielt der Portfolioansatz bei der Lieferantenwahl?
Der Portfolioansatz dient vorrangig dazu, Beschaffungsrisiken zu streuen und Abhängigkeiten von einzelnen Lieferanten zu minimieren.
- Quote paper
- Klaus-Martin Meyer (Author), 1996, Die Lieferantenwahl als Entscheidungsproblem des Großhandels: Normative und deskriptive Analysen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20111