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Das Internierungslager Darmstadt

Demokratisierungsmaßnahmen im Rahmen amerikanischer und deutscher Entnazifizierungs- und Internierungspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg

Titel: Das Internierungslager Darmstadt

Magisterarbeit , 2007 , 108 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Hendrik Friggemann (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - Nachkriegszeit, Kalter Krieg
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die ca. 100 Seiten umfassende Magisterarbeit befasst sich mit dem bislang kaum erforschten Internierungslager Darmstadt, das wie zahlreiche andere Einrichtungen seiner Art im Rahmen des amerikanischen Entnazifizierungsprogramms im Jahre 1946 errichtet wurde. Als größtes Internierungslager im US-Besatzungsgebiet diente es der Isolierung von tausenden NS-Funktionären, SS-Mitgliedern, Beamten usw. - kurz also von all jenen, die vermeintlich oder tatsächlich einen Beitrag zum Erhalt des NS-Regimes bis zum bitteren Ende geleistet hatten und daher eine Gefahr für das im Aufbau begriffene demokratische Staatswesen darstellten. Ihre Wegsperrung konnte jedoch nur eine Interimslösung sein, die gesellschaftliche Reintegration musste auf kurz oder lang erfolgen. Sowohl die amerikanische Besatzungsmacht als auch die deutschen Verantwortlichen hegten daher von Anfang an ein großes Interesse daran, die Internierten auf ihre Entlassung aus der Lagerhaft vorzubereiten: zum einen durch die Schaffung menschenwürdiger Lebensbedingungen trotz der widrigen Umstände der Nachkriegszeit, wodurch im Sinne des demokratischen Rechtsstaats ein positives Vorbild vermittelt werden sollte; zum anderen durch ein Programm zur Einübung demokratischer Umgangsformen.
Vor dem Hintergrund der neueren Internierungsforschung bettet diese Magisterarbeit anhand zahlreicher bislang nicht ausgewerteter Archivquellen die Darmstädter Einrichtung erstmals in Planung und Durchführung der Internierung im amerikanischen Besatzungsgebiet ein, um sich anschließend en detail den Lebensbedingungen im Lager zu widmen. Abgeschlossen wird die Betrachtung mit einer Analyse der gezielten Demokratisierungsmaßnahmen und ihrer Erfolge.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Das Internierungslager Darmstadt im Kontext der amerikanischen Internierungspolitik

I.1. Planung und Durchführung der Internierung

I.1.1. Gesamtalliierte Planungen

I.1.2. Der amerikanische Internierungsansatz

I.1.3. Amerikanische Planung des Internierungsprogramms

I.1.4. Durchführung und Ausmaß von Verhaftung und Internierung

I.2. Das Internierungslager Darmstadt

I.2.1. Das Lager unter US-Verantwortung

I.2.2. Die Übergabe von Entnazifizierung und Internierung an die Deutschen

I.2.3. Das Lager unter deutscher Verantwortung

I.2.4. Die Lagerspruchkammern

I.2.5. Abwicklung des Internierungslagers

I.2.6. Das Arbeitslager

I.2.7. Das Frauenlager

I.2.8. Belegungsstärken und Sozialprofil der Insassen

II. Die Gestaltung der Lebensumstände als praktische (indirekte) Demokratisierung

II.1. Innere Organisation des Lagers: Die Lagerselbstverwaltung (LSV)

II.2. Versorgung der Internierten

II.2.1. Unterbringung

II.2.2. Ernährung

II.2.3. Medizinische Versorgung und Hygiene

II.3. Behandlung der Internierten

II.4. Arbeit

II.5. Kontakte zur Außenwelt

II.5.1. Postwesen

II.5.2. Besuchsregelung

II.5.3. Beschaffungsfahrten und Urlaube

II.6. Betreuung der Internierten

II.6.1. Unterhaltung

II.6.2. Lagerseelsorge

II.6.3. Soziale Betreuung

II.6.4. Bildung

II.6.5. Informationen von außerhalb des Lagers

II.7. Die Wirkung der praktischen Demokratisierung auf die Lagerinsassen

III. Direkte Demokratisierung der Internierten

III.1. Amerikanische Planungen

III.2. Durchführung in Bayern und Württemberg-Baden

III.3. Das Demokratisierungsprogramm in Hessen

III.3.1. Planungen der hessischen Verantwortlichen

III.3.2. Die Umsetzung der Aufklärungs- und Bildungsarbeit

III.3.3. Ergebnis der bisher geleisteten Arbeit

III.3.4. Erweiterung auf das Arbeits- und Frauenlager

III.3.5. Das Ende des Programms

Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Internierungslager Darmstadt nach dem Zweiten Weltkrieg unter dem Aspekt der Demokratisierungsbemühungen. Dabei steht die Frage im Zentrum, inwiefern sowohl eine praktische, indirekte Demokratisierung durch die Vermittlung positiver Lebensumstände als auch ein gezieltes Programm zur direkten Demokratisierung die politische Einstellung der Internierten beeinflussen konnten.

  • Geschichte und Verwaltung des Internierungslagers Darmstadt unter amerikanischer und deutscher Regie.
  • Analyse der Lebensbedingungen im Lager als Form der indirekten Demokratisierung.
  • Untersuchung der Maßnahmen zur direkten Demokratisierung, insbesondere politischer Bildungsangebote.
  • Auswertung der Stimmungslage und der politischen Meinungsbildung unter den Lagerinsassen.
  • Vergleichende Betrachtung der Entnazifizierungs- und Internierungspraxis in den verschiedenen Besatzungszonen.

Auszug aus dem Buch

I.1.4. Durchführung und Ausmaß von Verhaftung und Internierung

Die Ausführung der in den Direktiven und Handbüchern festgelegten Verhaftungsbestimmungen oblag dem Counter Intelligence Corps (CIC). Dieser militärische Geheimdienst unterstand G-2, SHAEF und war ursprünglich zuständig für die Aufdeckung und Verhinderung subversiver Aktivitäten gegen die US-Armee. Im Zuge der Besetzung Deutschlands fiel ihm nun die Aufgabe zu, Personen, die unter die Bestimmungen des Automatischen Arrests fielen, mutmaßliche War Criminals und Security Suspects/Security Threats zu suchen und in Gewahrsam zu nehmen.

Während er Angehörige der letzten beiden Gruppen anhand von im Vorfeld erstellter „Schwarzer Listen“ ermittelte, wurden die Verhaftungen im Rahmen des Automatischen Arrests in erster Linie mittels der durch die US-Truppen erbeuteten Zentralkartei der NSDAP durchgeführt. Daneben erhielt der CIC beachtliche Unterstützung durch Denunziationen seitens der Bevölkerung, setzte aber auch gezielt Deutsche als verdeckte Ermittler ein, die wertvolle Informationen für das Aufspüren gesuchter Personen lieferten. Aufgrund seiner Vorgehensweise bei der Arretierung der betroffenen Personenkreise zog sich der CIC schnell Kritik zu: Verhaftungen ohne Haftbefehle, undurchsichtige Überprüfungsverfahren, Bedrohung und Erpressung der Betroffenen sowie nächtliche Zugriffsaktionen empörten nicht nur die deutsche Bevölkerung, sondern wurden auch von den vorgesetzten amerikanischen Stellen getadelt, die eine sofortige Änderung dieser „Gestapo-Verhaftungspraxis“ verlangten.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Das Internierungslager Darmstadt im Kontext der amerikanischen Internierungspolitik: Dieses Kapitel bettet das Lager historisch ein, erläutert die Planung und Durchführung der Internierung durch die US-Behörden und beschreibt die Lagergeschichte bis zur Übergabe an deutsche Stellen.

II. Die Gestaltung der Lebensumstände als praktische (indirekte) Demokratisierung: Hier wird analysiert, wie die Lebensumstände – von der Selbstverwaltung über Versorgung bis zur Betreuung – als Vorbild für demokratisches Handeln dienten und wie die Internierten auf diese Maßnahmen reagierten.

III. Direkte Demokratisierung der Internierten: Dieses Kapitel widmet sich der aktiven politischen Aufklärungsarbeit und Bildungsmaßnahmen, mit denen die Internierten gezielt für eine demokratische Gesellschaft gewonnen werden sollten.

Schlüsselwörter

Internierungslager Darmstadt, Entnazifizierung, Amerikanische Besatzungspolitik, Demokratisierung, Automatische Arrest, Spruchkammern, Lagerselbstverwaltung, Umerziehung, Politisches Lagerleben, Nationalsozialismus, Besatzungszonen, Internierte, Politische Säuberung, Re-education, Entlassungsverfahren.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Internierungspraxis in Darmstadt nach dem Zweiten Weltkrieg und untersucht, wie amerikanische und deutsche Behörden versuchten, die Lagerinsassen durch praktische Lebensgestaltung und gezielte Bildungsprogramme zu demokratisieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Geschichte der Internierung in der US-Zone, die Rolle der Lagerselbstverwaltung, die materiellen Lebensbedingungen der Insassen sowie die spezifischen Maßnahmen zur politischen Neuorientierung und Bildung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage ist, ob und inwiefern die praktische (indirekte) und direkte Demokratisierung im Internierungslager Darmstadt erfolgreich waren und wie sich diese auf die politische Einstellung der Internierten auswirkten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Arbeit, die primär auf der Auswertung von Aktenbeständen des Hessischen Hauptstaatsarchivs Wiesbaden (insbesondere Bestände des Ministeriums für politische Befreiung und des Lagers) sowie relevanter Forschungsliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Kontextualisierung der amerikanischen Internierungspolitik, eine detaillierte Analyse der Lebensbedingungen und der Binnenverwaltung im Lager sowie eine kritische Untersuchung der direkten Demokratisierungsprogramme und deren Umsetzung in Hessen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Internierungslager Darmstadt, Entnazifizierung, Demokratisierung, Umerziehung, Spruchkammern und Politische Säuberung.

Warum wird das Lager als "SS-Lagertyp" eingestuft?

Die Analyse der Organisationszugehörigkeit der Internierten im März 1947 zeigt einen hohen Anteil an ehemaligen Mitgliedern der Waffen-SS und Allgemeinen SS, was das Lager nach Einschätzung des Autors als SS-Lagertyp charakterisiert.

Welche Rolle spielte die Lagerselbstverwaltung (LSV)?

Die LSV sollte den Internierten ein Forum bieten, demokratische Strukturen im kleinen Maßstab zu üben. Sie erwies sich jedoch teilweise als Einfallstor für ein Patronagesystem ehemaliger NS-Funktionäre, die ihre Position zur eigenen Begünstigung nutzten.

Warum scheiterte die Demokratisierung laut dem Autor größtenteils?

Die Internierten nahmen die Bemühungen oft nicht als Vorbild an, sondern sahen sich als Opfer einer Siegerjustiz. Faktoren wie prekäre Lebensbedingungen, Unsicherheit über die Zukunft und die Herausbildung einer Günstlingswirtschaft im Lager erschwerten eine erfolgreiche demokratische Neuorientierung massiv.

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Details

Titel
Das Internierungslager Darmstadt
Untertitel
Demokratisierungsmaßnahmen im Rahmen amerikanischer und deutscher Entnazifizierungs- und Internierungspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,7
Autor
Hendrik Friggemann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
108
Katalognummer
V201138
ISBN (eBook)
9783656274124
Sprache
Deutsch
Schlagworte
internierungslager darmstadt Internierung Demokratisierung Entnazifizierung Nachkriegszeit Umerziehung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Hendrik Friggemann (Autor:in), 2007, Das Internierungslager Darmstadt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201138
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