Im Proömium der Metamorphosen bezeichnet Ovid sein Werk selbst als carmen perpetuum, ein ununterbrochenes Gedicht, dessen zentrales Thema Verwandlungen seien. Aber wie steht es mit der Einheit des Werkes? Zieht sich das genannte Motiv tatsächlich durch die gesamten Metamorphosen? Ist es wesentlicher Bestandteil der einzelnen Geschichten oder lediglich schmückendes Beiwerk? In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, wie wichtig ein solcher roter Faden überhaupt ist und welche Rolle er für die Gattung des Werkes spielt.
Wie schon in seinen vorangegangenen Werken spielt Ovid mit Gattungsgrenzen, ihren Merkmalen, Traditionen und eigenen aber auch den Werken anderer Autoren.
In der Arbeit soll am Beispiel des Andromedamythos exemplarisch gezeigt werden, inwiefern ein einheitliches Thema der Metamorphosen nachgewiesen werden kann, welche Gattungsmerkmale der Autor vermischt und wie er durch humoristische und abwechslungsreiche Schreibweise eine gewisse Modernität erreicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Publius Ovidius Naso
3. Metamorphosen
4. Perseus und Andromeda
4.1 Mythos
4.2 Perseus und Andromeda bei Ovid
4.2.1 Textausschnitt
4.2.2 Übersetzung
4.2.3 Kommentar und Interpretation
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand der Andromeda-Episode in Ovids Metamorphosen, inwiefern ein einheitliches thematisches Motiv das Werk zusammenhält und wie der Autor durch die Vermischung von Gattungsmerkmalen sowie den Einsatz von Humor und Intertextualität eine moderne erzählerische Qualität erreicht.
- Analyse der Einheitlichkeit und des roten Fadens in Ovids Metamorphosen
- Untersuchung der Gattungsgrenzen zwischen Epos und elegischen Elementen
- Darstellung des Andromedamythos unter Berücksichtigung von Ovids Quellenarbeit
- Interpretation von "psychischen Versteinerungen" als Nebenmetamorphosen
- Reflektion über Humor, Intertextualität und die Modernität von Ovids Erzählstil
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Textausschnitt
Liber quartus
[…]
illic inmeritam maternae pendere linguae 670
Andromedan poenas iniustus iusserat Ammon;
quam simul ad duras religatam bracchia cautes
vidit Abantiades, nisi quod levis aura capillos
moverat et tepido manabant lumina fletu,
marmoreum ratus esset opus; trahit inscius ignes 675
et stupet et visae correptus imagine formae
paene suas quatere est oblitus in aere pennas.
ut stetit, 'o' dixit 'non istis digna catenis,
sed quibus inter se cupidi iunguntur amantes,
pande requirenti nomen terraeque tuumque, 680
et cur vincla geras.'
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das "carmen perpetuum" ein und stellt die Forschungsfrage nach der Einheit des Werkes sowie der Bedeutung von Ovids spielerischem Umgang mit Gattungstraditionen.
2. Publius Ovidius Naso: Dieses Kapitel bietet einen biografischen Abriss des Dichters, von seiner frühen Karriere in Rom bis hin zu seinem Exil in Tomis.
3. Metamorphosen: Es wird die Entstehung und Struktur des Werkes als erzählende Dichtung sowie die Einteilung in drei Pentaden und die literarische Tradition erörtert.
4. Perseus und Andromeda: Dieses Kapitel beleuchtet den Mythos im Allgemeinen sowie Ovids spezifische Bearbeitung, inklusive der Analyse des Textes und der interpretatorischen Tiefe.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie Ovid durch das Überschreiten von Gattungsgrenzen und die psychologische Tiefe seiner Figuren eine bleibende Modernität in seinem Werk schafft.
Schlüsselwörter
Ovid, Metamorphosen, Andromeda, Perseus, Mythos, Verwandlung, Gattungsgrenzen, Intertextualität, antike Literatur, carmen perpetuum, Epik, Elegie, Rezeption, Ätiologie, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Struktur und Thematik von Ovids Metamorphosen am konkreten Beispiel des Andromedamythos.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Einheit des Werkes durch das Motiv der Verwandlung, der spielerische Umgang mit Gattungstraditionen und die moderne Erzählweise Ovids.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, ob ein durchgängiger "roter Faden" in den Metamorphosen existiert und wie Ovid Traditionen variiert, um seine Leser nicht zu langweilen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die philologische Textarbeit mit der Untersuchung von Motivtraditionen und intertextuellen Bezügen kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Andromedamythos bei Ovid, stellt einen Textausschnitt vor und interpretiert diesen unter Einbeziehung antiker Vorbilder und moderner Forschungsliteratur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Ovid, Metamorphosen, Andromeda, Verwandlung, Intertextualität und Gattungsgrenzen.
Wie deutet der Autor die Erstarrung des Perseus?
Die Arbeit interpretiert diese Szene als "psychische Versteinerung" oder Nebenmetamorphose, bei der die Macht der Liebe den Helden selbst in einen Zustand der Erstarrung versetzt.
Warum spielt Ovid mit der "Pflichterfüllung" in der Erzählung?
Der Autor vermutet, dass Ovid durch das scheinbar pflichtbewusste Anfügen einer Verwandlungssage den Leser ironisch ablenken könnte, um auf noch subtilere Metamorphosen hinzuweisen.
- Arbeit zitieren
- Christoph Kehl (Autor:in), 2010, Perseus und Andromeda bei Ovid, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201206