Die Rolle George Washingtons im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg


Seminararbeit, 2011
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung1

2.) George Washington's Ernennung zum Oberbefehlshaber der Kontinentalarmee
2.1) Das Aufstellen einer kampffähigen Truppe

3.) Wirken im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg
3.1) Die Belagerung Bostons
3.2) New York und New Jersey
3.3) Sieg für die Moral – Die Überfahrt über den Delaware River
3.4) Philadelphia
3.5) Germantown
3.6) Valley Forge
3.7) Der Weg zur Unabhängigkeit

4.) Abschließende Beurteilung

5.) Bibliographie

1.) Einleitung

Die hier vorliegende Arbeit hat zum Ziel, den Beitrag George Washington's auf dem Weg zur amerikanischen Unabhängigkeit als Oberbefehlshaber der Streitkräfte näher zu untersuchen. Dabei werden neben den militärischen Aspekten auch Entscheidungen und Handlungen, die über die rein taktische Dimension hinausgehen, untersucht.

2.) George Washington's Ernennung zum Oberbefehlshaber der Kontinentalarmee

In Folge der jüngsten Entwicklungen hinsichtlich der Auseinandersetzung mit dem britischen Mutterland[1] kamen die Vertreter der amerikanischen Kolonien am 4. Juni 1775 n. Chr auf dem zweiten Kolonialkongress in Philadelphia zusammen, wo sie George Washington einstimmig zum Oberkommandierendem der neu gegründeten Kolonialarmee wählten[2] .

Zweifelsohne mag diese Entscheidung im Nachhinein gerechtfertigt erscheinen, dennoch ist es wichtig zu hinterfragen, warum man gerade George Washington diese verantwortungsvolle Aufgabe anvertraute. Warum entschied man sich nicht für einen Oberbefehlsverhaber der sich bereits in der Vergangenheit durch größere militärische Erfolge hervorgetan hatte? Sicherlich verfügte George Washington über ausreichend militärische Erfahrung[3] , allerdings war er bereits vor Jahren aus dem aktiven Dienst ausgeschieden.

Warum also wurde ihm vom Kolonialkongress dennoch das vielleicht wichtigste Amt auf dem Weg zu einer amerikanischen Unabhängigkeit anvertraut? Zweifelsohne gibt es für diese Entscheidung mehrere Gründe, wobei einer wohl eher auf pragmatischen Überlegungen beruht: George Washington erschien bei der Versammlung als einer der wenigen in uniformierter Kleidung, was sicherlich für ein gewisses Maß an Prestige sowie Bereitwilligkeit seinerseits sorgte[4] . Wichtiger war jedoch wohl die Tatsache, dass Washington nicht nur über militärische Erfahrung und Professionalität verfügte, sondern dass die Delegierten davon ausgehen konnten, in ihm auch einen adequaten Bezugspartner für eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen Kontinentalarmee und Kontinentalkongress gefunden zu haben[5] .

Letztlich war es dennoch wohl ein ganz bestimmter Grund, der zu George Washington's Ernennung beitrug: Washington stammte aus Virginia, einer der südlicheren Kolonien, und war folglich als deren Abgesandter wichtig für den Zusammenhalt aller Kolonien[6] . Der bedingungslose Zusammenhalt der Kolonien war nämlich keinesfalls eine Selbstverständlichkeit, und obwohl alle Kolonien der Idee einer Unabhängigkeit sicherlich wohlgesonnen waren, so war das Verhältnis untereinander keineswegs stets einvernehmlich verlaufen. Immerhin bildeten die Kolonien als solche noch keine nationale Einheit.

Dass es an einem kolonienübergreifenden Zusammengehörigkeitsgefühl mangelte, spiegelte letztlich auch die religiöse, ethnische und soziale Vielfalt der Siedler wieder, die sich in Bezug auf unterschiedliche Lebeweisen und Überzeugungen offenbarte. Die südlicheren Kolonien (Georgie, Virginia) etwa waren die Heimat großer Plantagenanwesen, auf denen die Haltung von Sklaven ein wesentlicher Bestandteil war. Die mittleren Kolonien von Pennsylvania bis New York blühten hingegen durch ihre Bindung an den Handel und das Handwerk auf und waren aufgrund ihrer Toleranz ein Magnet für Einwanderer, die Gleichheit und Bürgerlichkeit suchten. Weiter nördlich war das Alltagsleben hingegen vorweg von einer religiösen und tiefgläubigen Weltansicht geprägt.

Zudem fanden sich mittlerweile nicht nur englischstämmige, sondern auch Angehörige aller größerer europäischen Nationen auf dem amerikanischen Kontinent wieder. Das Ergebnis war eine multinationale Gesellschaft, nachwievor geprägt von den Traditionen aus den ursprünglichen Mütterländern[7] .

Zwischen den Einwohnern kam es auch wiederholt zu Streitigkeiten um Land – und Bodenrechte, und es entstand ein Konkurrenzbestreben um die vorteilhaftesten Handelsverträge. Folglich war das Verhältnis unter den Kolonien öfter eher von Missvertrauen als durch eine reibungslose Zusammenarbeit geprägt.

Letztlich zeigte auch die teils abweichende Haltung gegenüber dem britischen Mutterland die Kluft zwischen den Kolonien auf. Allen voran die mittleren Kolonien wie New York, Pennsylvania und Maryland unterhielten nachwievor enge Handelsbeziehungen zu England, während die südlichen Kolonien, mit ihrer Selbstversorgung durch die eigenen Plantagen, weniger an Beziehungen zu dem Mutterland interessiert waren. Nichtdestotrotz überwog überall das Verlangen nach mehr Rechten und Freiheiten, wofür eine geschlossene Einheit der Kolonien erforderlich war.

Eine eben solche Einheit erhoffen die Delgierten nun mit der Benennung George Washingtons zum Oberkommandierenden aller amerikanischen Streitkräfte zu erreichen. Bis dahin hatten die Auseinandersetzungen mit dem englischen Mutterland nämlich vorweg auf dem Boden der nördlichen Kolonien stattgefunden, und zweifelsohne wäre es schwer gewesen die südlicheren Kolonien zu begeistern aktiv an den Kampfhandlungen teilzu nehmen, wenn es dafür keinen konkreten Grund gab[8] . Genau einen solchen Grund schuf man nun mit der Berufung Washington's zum Oberbefehlshaber, der als Staatsmann aus Virginia als eine Art Bindeglied zwischen Süden und Norden fungieren sollte[9] . George Washington verkörperte nun diese erforderliche und wichtige Einheit in Person.

Er selbst fühlte sich der Aufgabe und Verantwortung die ihm zugetragen werden nicht gewachsen[10] , kam der Bitte der Delegierten aber dennoch nach. Die Pflicht seinen persönlichen Anteil an der Freiheit zu leisten überwog letztlich wohl alle anderen Zweifel. Die Schwierigkeiten, die ihn in seiner neuen Funktion nun aber zunächst erwarteten, waren allerdings enorm.

2.1) Das Aufstellen einer kampffähigen Truppe

George Washington übernahm das Kommando über die Kontinentalarmee Anfang Juli 1775, mitten in der Belagerung der Stadt Boston. Allerdings musste er schnell feststellen, dass die Truppen, die nun seiner Führung unterstanden, alles andere als gut ausgebildete und gefechtsbereite Soldaten waren.

Die Einheiten der Kontinentalarmee bestanden größtenteils aus lokalen Milizen, die vorher allein ihrer jeweiligen Kolonie unterstanden waren. Die Männer dieser Einheiten verfügten in der Regel über wenig Kampferfahrung, waren leicht bekleidet und bewaffnet und zudem oftmals nur unzureichend ausgebildet worden. Hinzu kam, dass es vielen an der erforderlichen Disziplin und Gehorsam mangelte[11] .

Jedoch waren es genau diese einfachen Menschen, die jetzt von der Kontinentalarmee gegen ein bestimtes Entgeld für eine festgelegte Dienstfrist angeworben wurden. Und aus eben diesem Sammelbecken unerfahrener Männer, unter ihnen auch einige Afro-Amerikaner[12] , galt es nun eine kampftüchtige Armee aufzustellen. Um dies zu erreichen, zückte Washington auch nicht vor der Androhung und Verwendung körperlicher Strafen zurück[13] . Das Hauptaugenmerk Washington's lag also vorerst darauf, aus einem Haufen unerfahrener Milizionäre eine gehorsame und schlagkräftige Armee zu formen[14] .

Zusätztlich nahm George Washington auch einige Veränderungen der Militärhierarchie – und struktur vor. Durch das Schaffen von Regimenten und Kompanien sowie der Einsetzung jeweiliger Befehlshaber dieser Einheiten wollter er vor allem die Bindung der Soldaten an die Armeeführung stärken. Ein weiteres Merkmal war die Einstellung ranghoher Offiziere im Gegensatz zu den vorher meist selbst ernannten Kommandanten der verschiedenen Lokalmilizen

[...]


[1] Seit einigen Jahren schon hatten die amerikanischen Kolonien mehr Rechte und Freiheiten vom englischen Mutterland gefordert, denen dieses aber nicht nachkommen wollte. Ab Anfang des Jahres 1775 n. Chr. kam es schließlich wiederholt zu Zusammenstößen zwischen amerikanischen Rebelen und Milizen und der britischen Armeen. Diese führten im April schließlich in die ersten Schlachten (Lexington und Concord in Massashuetts) des nun folgenden amerikanischen Unabhängigkeitskrieges. Eine ausführliche Darstellung der Hintergründe findet sich bei: SAUTTER, Udo, Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika, Stuttgart 2006, S.60-101.

[2] Vgl. SAUTTER, Udo, Die Geschichte der Vereingten Staaten von Amerika. S. 77

[3] Vgl. MORELOCK, Jerry D., Washington as strategist: Compound Warfare in the American Revolution, 1775-1783. In: Compound Warfare. That Fatal Knot (2002), S. 53-91, bes. 57f.

[4] Vgl. WRIGHT, Robert K. Jr., The Continental Army, Washington D.C. 1983, S. 26.

[5] Vgl. MORELOCK, Washington as strategist (Anm. 3), S.57f.

[6] Vgl. WRIGHT, The Continental Army (Anm. 4), S. 26

[7] Eine umfassende Darstellung der kolonialen Gesellschaft findet sich bei: SAUTTER, Udo, Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika, Stuttgart 2006, S. 37-54 sowie bei: VEIT, Valentin, Artikel: Die englischen Kolonien. In: Illustrierte Weltgeschichte, Band 3, München 1983, S.826-831.

[8] Vgl. SAUTTER, Geschichte der Vereinigten Staaten (Anm. 1), S. 77.

[9] Vgl. WRIGHT, The Continental Army (Anm.4), S.25.

[10] Vgl. ELLIS, Jospeh J., His Excellency George Washington, New York 2004, S. 70.

[11] Vgl. SAUTTER, Geschichte der Vereinigten Staaten (Anm. 1) ,S. 81

[12] Vgl. KAPLAN, Sidney / KAPLAN Nogrady Emma, The Black Presence in the Era of the American Revolution, Amherst, Massachuetts 1989, S.64-69.

[13] Vgl. WRIGHT, The Continental Army (Anm. 4), S.40.

[14] Vgl. CHIDSEY, Donald Barr, The Siege of Boston, New York 1966, S. 113

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Rolle George Washingtons im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg
Hochschule
Université du Luxembourg
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V201284
ISBN (eBook)
9783656273141
ISBN (Buch)
9783656274698
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
George Washington, Amerikanische Revolution, Valley Forge, 1776, Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg, Kontinentalarmee
Arbeit zitieren
Joe Majerus (Autor), 2011, Die Rolle George Washingtons im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201284

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