Begriff und Problemstellung des Conjoint Measurement
Das Conjoint Measurement ist ein multivariates Verfahren zur Analyse von Nachfragerpräferenzen. Es basiert auf der Hypothese, dass jedes Produkt1 aus einem Bündel von Leistungsmerkmalen bzw. Eigenschaften besteht (z.B. Preis, Verpackung, Marke, Garantie), die verschiedene Ausprägungen annehmen können (keine Garantie, 1-Jahr oder 2-Jahre Garantie). Der vom Kunden empfundene Gesamtnutzen des Produktes setzt sich aus den Nutzenwerten dieser Merkmale zusammen. Je besser der Nachfrager die einzelnen Merkmale bewertet, desto höher ist auch seine Präferenz für das Produkt2 und damit auch sein persönlicher Nutzen und die Wahrscheinlichkeit, dass er dieses Produkt kauft. Um die Bedeutung der einzelnen Merkmale für den Käufer zu ermitteln, wird eine indirekte Befragungstechnik angewandt. Ausgehend von Gesamturteilen über Stimuli (alternative Begriffe: „fiktive“ Produkte, Produktkonzepte, -kombinationen), die sich hinsichtlich der Merkmalsausprägungen unterscheiden, wird auf den Beitrag der einzelnen Ausprägungen zu diesem Gesamturteil geschlossen. Ein großer Vorteil dieses Verfahrens liegt deshalb darin, dass Probanden in der empirischen Untersuchung aufgefordert werden, „vollständige“ Produkte zu beurteilen bzw. simultan („conjoint“) positive und negative Ausprägungen einer Eigenschaft vor der Produktbeurteilung gegeneinander abzuwägen3. Diese Vorgehensweise wird auch als dekompositionell („aufdeckend“) bezeichnet. Sie bietet gegenüber der kompositionellen Methode (Erhebung von Einzelurteilen über Merkmale) einige Vorteile, auf die in Abschnitt 4 näher eingegangen werden soll.
Das Verfahren geht zurück auf einen Aufsatz des Psychologen LUCE und des Statistikers TUKEY von 1964, zwei Vertretern der mathematisch orientierten Psychologie. Durch GREEN und RAO wurde der Ansatz in den siebziger Jahren in den Bereich der Marketingwissenschaft übertragen. CM gehört mittlerweile zu den am meisten verbreiten Marktforschungsinstrumenten zur Messung von Nachfragerpräferenzen. Nach Simon/ Mengen kann man durch Kenntnis der Käuferpräferenzen das eigene Angebot imWettbewerb abheben oder „Preisentscheidungen treffen, die in hohem Maße den Kundennutzen als Bestimmungsfaktor haben und nicht die eigenen Kosten“
Inhaltsverzeichnis
1. Begriff und Problemstellung des Conjoint Measurement
2. Vorgehensweise
2.1. Datenerhebung
2.1.1. Auswahl der Merkmale und der Merkmalsausprägungen
2.1.2. Entwicklung eines Befragungsdesigns
2.1.3. Präsentation der Stimuli und Bewertung durch die Testpersonen
2.2. Datenauswertung
2.2.1. Schätzung der Nutzenwerte
2.2.2. Aggregation der individuellen Nutzenwerte
2.2.3. Beurteilung der Qualität der Ergebnisse
2.2.4. Weiterführende Analysen
3. Vor- und Nachteile der Methode
4. Einsatzgebiete für Conjoint Measurement
5. Beispiel
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der methodischen Anwendung des Conjoint Measurement zur Analyse von Nachfragerpräferenzen. Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen der Datenerhebung und -auswertung darzustellen, die Vorteile gegenüber klassischen Befragungsmethoden aufzuzeigen und die praktische Anwendbarkeit mittels eines konkreten Fallbeispiels zu veranschaulichen.
- Grundlagen des Conjoint Measurement als dekompositionelles Verfahren
- Methodische Schritte von der Datenerhebung bis zur Nutzenwertschätzung
- Differenzierung zwischen verschiedenen Schätzverfahren wie der metrischen Varianzanalyse und der Dummy-Regression
- Validitäts- und Reliabilitätsaspekte in der Marktforschung
- Praktische Anwendungsfelder für Produktgestaltung und Segmentierungsanalysen
Auszug aus dem Buch
1. Begriff und Problemstellung des Conjoint Measurement
Das Conjoint Measurement ist ein multivariates Verfahren zur Analyse von Nachfragerpräferenzen. Es basiert auf der Hypothese, dass jedes Produkt aus einem Bündel von Leistungsmerkmalen bzw. Eigenschaften besteht (z.B. Preis, Verpackung, Marke, Garantie), die verschiedene Ausprägungen annehmen können (keine Garantie, 1-Jahr oder 2-Jahre Garantie). Der vom Kunden empfundene Gesamtnutzen des Produktes setzt sich aus den Nutzenwerten dieser Merkmale zusammen. Je besser der Nachfrager die einzelnen Merkmale bewertet, desto höher ist auch seine Präferenz für das Produkt und damit auch sein persönlicher Nutzen und die Wahrscheinlichkeit, dass er dieses Produkt kauft.
Um die Bedeutung der einzelnen Merkmale für den Käufer zu ermitteln, wird eine indirekte Befragungstechnik angewandt. Ausgehend von Gesamturteilen über Stimuli (alternative Begriffe: „fiktive“ Produkte, Produktkonzepte, -kombinationen), die sich hinsichtlich der Merkmalsausprägungen unterscheiden, wird auf den Beitrag der einzelnen Ausprägungen zu diesem Gesamturteil geschlossen. Ein großer Vorteil dieses Verfahrens liegt deshalb darin, dass Probanden in der empirischen Untersuchung aufgefordert werden, „vollständige“ Produkte zu beurteilen bzw. simultan („conjoint“) positive und negative Ausprägungen einer Eigenschaft vor der Produktbeurteilung gegeneinander abzuwägen. Diese Vorgehensweise wird auch als dekompositionell („aufdeckend“) bezeichnet. Sie bietet gegenüber der kompositionellen Methode (Erhebung von Einzelurteilen über Merkmale) einige Vorteile, auf die in Abschnitt 4 näher eingegangen werden soll.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Begriff und Problemstellung des Conjoint Measurement: Einführung in das Verfahren als Instrument zur Analyse von Nachfragerpräferenzen basierend auf der Nutzentheorie.
2. Vorgehensweise: Detaillierte Erläuterung der Schritte zur Datenerhebung und anschließenden Auswertung zur Ermittlung von Teilnutzenwerten.
3. Vor- und Nachteile der Methode: Kritische Würdigung der Vorteile des dekompositionellen Ansatzes im Vergleich zu den Herausforderungen bei der Merkmalsauswahl.
4. Einsatzgebiete für Conjoint Measurement: Darstellung vielfältiger Anwendungsmöglichkeiten von der Produktoptimierung bis hin zu Segmentierungsanalysen.
5. Beispiel: Praktische Anwendung der beschriebenen Methoden an einer beispielhaften Produktstudie für ein Reinigungsprodukt.
Schlüsselwörter
Conjoint Measurement, Nachfragerpräferenzen, Nutzenwerte, Marktforschung, Produktkonzepte, Teilnutzenwerte, Datenerhebung, Profilmethode, Zwei-Faktor-Methode, Dummy-Regression, Marktsegmentierung, Preis-Absatz-Funktion, Produktgestaltung, Validität, Reliabilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit erläutert das Conjoint Measurement als wissenschaftliche Methode zur Identifikation und Messung von Käuferpräferenzen für spezifische Produktmerkmale.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die theoretische Fundierung des Verfahrens, die verschiedenen Techniken der Stimulipräsentation sowie mathematische Modelle zur Schätzung von Nutzenwerten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist die Vermittlung eines fundierten Verständnisses für die Anwendung von Conjoint-Analysen zur Unterstützung betriebswirtschaftlicher Entscheidungen, insbesondere bei der Preis- und Produktpolitik.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird der dekompositionelle Ansatz der Conjoint-Analyse beschrieben, kombiniert mit Verfahren wie der metrischen Varianzanalyse und der Dummy-Regression.
Was umfasst der Hauptteil der Ausarbeitung?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Vorgehensweise bei der Erhebung, die mathematische Auswertung der Daten, eine kritische Diskussion der Vor- und Nachteile sowie praxisorientierte Einsatzgebiete.
Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument?
Die zentralen Schlagworte sind Conjoint Measurement, Nutzentheorie, Datenerhebung, Marktsimulation und Präferenzanalyse.
Worin liegt der Unterschied zwischen der Profil- und der Zwei-Faktor-Methode?
Die Profilmethode präsentiert vollständige Produktkonzepte, während die Zwei-Faktor-Methode (trade-off) jeweils nur zwei Merkmale isoliert gegenüberstellt, um die Komplexität für den Befragten zu reduzieren.
Wie wird die Güte der Ergebnisse sichergestellt?
Die Validität und Reliabilität werden durch Verfahren wie die Prognosevalidität mittels Holdout-Karten sowie durch Testwiederholungen (Test-Retest-Reliabilität) überprüft.
Wie werden Marktanteile aus den Daten berechnet?
Marktanteile werden durch Ansätze wie das First-Choice-Modell oder den Relative-Share-Ansatz bestimmt, wobei die Gesamtnutzenwerte der Wettbewerbsprodukte als Entscheidungsgrundlage dienen.
- Quote paper
- Sandra Müller (Author), 2001, Conjoint Measurement, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20128