Die vorliegende Arbeit analysiert die Verortung von einer legendären Figur der Weltgeschichte innerhalb der geistigen und kulturellen Landschaft der Antike, von Alexander dem Großen. Dem berühmten König gelang das Unmögliche, das Unfassbare in mehrfacher Hinsicht: Er konsolidierte kurzerhand die bis dahin noch nicht gänzlich ausgeprägte makedonische Vorherrschaft im griechischen Raum und im dazugehörigen bedeutendsten Pakt der dort ansässigen Staaten, dem `Korinthischen Bund´ und überwand zugleich die Spannungen zwischen den hellenischen Volksteilen zugunsten der nun gestärkten pannationalen Union. Ferner verwandelte er das Reich der Argeaden als Träger der nunmehr gefestigten, blühenden südosteuropäischen Allianz in einer unglaublichen Geschwindigkeit von zwölf Jahren blitzartig in die dominierende Hegemonialmacht der Oikumene und überdies war er im Begriff, eine neue verheißungsvolle Weltordnung zu etablieren, deren Endziel es war sämtliche Völker innerhalb seines gigantischen Reiches in einer kulturellen Einheit aufgehen zu lassen, im Ganzen genommen eine bis heute bemerkenswerte Leistung. Insofern drängt sich eine Bestandsaufnahme der Resonanz und der Reaktionen, die demjenigen, der dieses alles vollbracht hatte, bis zu einem geraumen Zeitabschnitt nach seinem Tode von der Gesellschaft entgegengebracht wurde sowie eine Beschäftigung mit dem, was den Menschen ausmachte, mit dem Wesen desjenigen, der der irdischen Zivilisation ein neues Gesicht gegeben hatte, mit dem Spiegelbild Alexander des Großen in der Antike, gerade zu auf. Vor diesem Hintergrund sollen vorwiegend die wichtigsten Zeugnisse, die zwischen den Anfängen des Hellenismus, also noch zu den Lebzeiten oder bald nach dem Tode des Königs etwa im vierten Jahrhundert v. Chr. und dem Untergang des Römischen Imperiums ungefähr im fünften Jahrhundert n. Chr. ein höheres Maß an Popularität während des Stadiums ihrer Abfassung erlangt hatten, untersucht werden. Dagegen sollen solche Überlieferungsgegenstände, welche innerhalb der dazugehörenden Epoche wenig Beachtung fanden entsprechend knapp abgehandelt werden.
Aus diesem Kontext ergibt sich die zentrale Fragestellung dieser Arbeit: Welche Spiegelung erfuhr Alexander der Große in der gesellschaftlich beachteteren antiken Überlieferung?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die bedeutendsten Autoren der Primärtradition
2.1. Kallisthenes von Olynth
2.2. Anaximenes von Lampsakos
2.3. Onesikritos von Astypalaia
2.4. Chares von Mytilene
2.5. Nearchos von Kreta
2.6. Ephippos von Olynth
2.7. Kleitarchos von Alexandreia
2.8. Ptolemaios Lagu
2.9. Aristobulos von Kassandreia
3. Die philosophischen Schulen unter besonderer Berücksichtigung der Peripatetiker
4. Die Zeugnisse einiger Rhetoriker
5. Die bekanntesten sekundären, erhaltenen Alexanderhistoriker
6. Der Alexanderroman
7. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Spiegelung und Verortung von Alexander dem Großen in der antiken Literatur, um nachzuvollziehen, wie verschiedene antike Autoren, vom Hellenismus bis zur Spätantike, den König und seine Taten wahrgenommen und reflektiert haben.
- Analyse der zeitgenössischen Alexanderquellen (Primärtradition)
- Untersuchung der Perspektiven philosophischer Schulen und Rhetoriker
- Bewertung erhaltener sekundärer Alexanderhistoriker
- Erschließung der Tendenzen des legendenhaften Alexanderromans
- Vergleich der unterschiedlichen Porträtierungen Alexanders
Auszug aus dem Buch
2.1. Kallisthenes von Olynth
Kallisthenes stammt aus Olynth und wurde 370 v. Chr. geboren. Er wuchs bei seinem Großonkel, dem Philosophen Aristoteles auf und wurde von diesem erzogen und ausgebildet. Neben kleineren Schriften verfasste er in Makedonien die `Helleniká´, eine `Griechische Geschichte´ in zehn Bänden, die den Zeitraum zwischen 387/386 und 356 v. Chr. behandelte und die ihm einen guten Ruf als Historiker einbrachte und eine Monographie über den dritten Heiligen Krieg. In diesen Werken kam seine politische Überzeugung deutlich zum Vorschein: der antipersisch gesinnte Verfasser befürwortete offenbar bereits früh, noch vor Alexanders Zeit, eine panhellenische von Makedonien getragene Konzeption Griechenlands, denn die beiden Veröffentlichungen verfolgten offensichtlich den Zweck, „der griechischen Welt verständlich [zu] machen, dass der einzige Weg aus den innergriechischen Wirren und Spannungen heraus in der nationalen Einigung unter Philipps Führung bestand.“ Nachdem Kallisthenes Aristoteles 343/342 v. Chr. an den makedonischen Königshof gefolgt war, wurde er von Alexander zur offiziellen Geschichtsschreibung beauftragt, nahm daraufhin als `Hofhistoriker´ am Asienzug teil und verfasste eine Alexandergeschichte mit dem Titel `Alexāndru prāxeis´, was soviel heißt wie `Die Taten Alexanders´. Die entsprechenden Inhalte stellte er während des Feldzuges kontinuierlich in etwa ein- bis zweijährigen Abständen nach den Ereignissen fertig, die dann in einzelnen Teilen aus Asien in die Heimat geschickt und dort veröffentlicht wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung nach der Spiegelung Alexanders des Großen in der antiken Literatur dar und umreißt den methodischen Rahmen der Untersuchung.
2. Die bedeutendsten Autoren der Primärtradition: Hier werden neun zentrale zeitgenössische Autoren vorgestellt, die Alexander während oder kurz nach seinem Asienzug aus verschiedenen persönlichen und politischen Blickwinkeln betrachteten.
3. Die philosophischen Schulen unter besonderer Berücksichtigung der Peripatetiker: Dieses Kapitel behandelt die oft kritische Auseinandersetzung philosophischer Denker, insbesondere der Schule des Aristoteles, mit dem Werdegang des Königs.
4. Die Zeugnisse einiger Rhetoriker: Es wird dargelegt, wie rhetorisch geprägte Autoren Alexander oft als Gegenstand für stilistische Ausarbeitungen nutzten und dabei eigene politische Wertungen einfließen ließen.
5. Die bekanntesten sekundären, erhaltenen Alexanderhistoriker: Hier werden die Werke späterer Historiker wie Diodor, Pompeius Trogus, Curtius Rufus, Plutarch und Arrian analysiert, die auf verlorene Quellen zurückgriffen.
6. Der Alexanderroman: Dieses Kapitel widmet sich dem Pseudo-Kallisthenes, der Alexander in eine legendäre, mythenhafte Gestalt verwandelte und das Alexanderbild maßgeblich prägte.
7. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung führt die verschiedenen, teils widersprüchlichen Alexanderbilder zusammen und resümiert die Entwicklung der Überlieferung.
Schlüsselwörter
Alexander der Große, Antike, Alexanderhistoriker, Historiographie, Primärtradition, Alexanderroman, Alexanderzug, Kallisthenes, Ptolemaios, Peripatetiker, Apotheosierung, Quellenkritik, Hellenismus, Weltbild, Antike Literatur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht, wie die historische Figur Alexander der Große in verschiedenen antiken Texten dargestellt wurde und wie sich dieses Bild im Laufe der Zeit wandelte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Feldern gehören die zeitgenössischen Primärberichte, die Bewertung durch philosophische Schulen, der Einfluss der Rhetorik sowie die Legendenbildung im Alexanderroman.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine Bestandsaufnahme der Spiegelung Alexanders in der antiken Überlieferung, um zu ergründen, welche Charakterzüge und Leistungen von den verschiedenen Autoren hervorgehoben oder kritisiert wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quellenkritische Analyse durchgeführt, bei der die Autoren einzeln vorgestellt, in ihre literarische Schaffenszeit eingeordnet und hinsichtlich ihrer persönlichen Nähe oder Distanz zu Alexander bewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Werke der bedeutendsten Alexanderhistoriker, die philosophische Kritik an seinem Verhalten sowie die märchenhafte Stilisierung im Alexanderroman.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Alexander der Große, Alexanderhistoriker, Historiographie, Alexanderroman, Quellenkritik und der antike Hellenismus.
Warum war Kallisthenes als Hofhistoriker so wichtig für das Bild Alexanders?
Kallisthenes wurde von Alexander beauftragt, den Asienzug in ein positives Licht zu rücken, um den König als göttlich legitimierten und gerechten Anführer aller Hellenen zu präsentieren.
Welche Rolle spielt der Alexanderroman für die historische Forschung?
Der Alexanderroman, obwohl historisch weitgehend unzuverlässig, bietet wichtige Einblicke in die mythische Überhöhung Alexanders und seine Wirkung auf die Fantasie der nachfolgenden Generationen.
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- Carsten Becker (Author), 2002, Alexander der Große und die antike Überlieferung seiner Person , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20132