Die Entwicklung des Qualitätswachstums als Bestandteil des BIP-Wachstums


Diplomarbeit, 2011

80 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Messung des Qualitätswachstums im Consumer Price Index
2.1 Grundlegendes zum Consumer Price Index
2.2 Methoden des Bureau of Labor Statistics zur Qualitätsmessung
2.3 Kritik an der Messung des Consumer Price Index.
2.4 Eine Schätzung der gemessenen Qualitätsveränderungen
2.5 Eine alternative Schätzung nach Bils.
2.5.1 Die Komponenten der Preisveränderungsrate
2.5.2 Die Entwicklung der Marktanteile.
2.5.3 Die Untersuchung der saisonalen Zyklen...

3 Ausgewählte Modelle mit einer Qualitätsdimension
3.1 Mikroökonomisches Modell...
3.1.1 Eine einzige Qualitätsvariante
3.1.2 Verschiedene Qualitätsvarianten
3.2 Exogenes Wachstumsmodell..
3.2.1 Der technologische Modellrahmen.
3.2.2 Das momentane Gleichgewicht..
3.2.3 Die Zusammensetzung des BIP-Wachstums.
3.3 Endogenes Wachstumsmodell ...
3.3.1 Der technologische Modellrahmen.
3.3.2 Das momentane Gleichgewicht..
3.3.3 Die Zusammensetzung des BIP-Wachstums.
3.3.4 Der stationäre Zustand und die Übergangsdynamik

4 Erklärungsgehalt der vorgestellten Modelle

A Anhang
A.1 Tabellen
A.2 Herleitungen

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Methoden zur Berechnung des realen BIP

2 Preisindizes für die Deflation

3 Gütersubstitutionen in Prozent

4 Der Preiseffekt in Prozentpunkten

5 Der Beitrag der Gütersubstitutionen zum gesamten Preiseffekt

6 Der Qualitätseffekt in 1995 in Prozentpunkten

7 Annualisierte Werte für die Preis- und Qualitätsveränderungen in Prozent für den Zeitraum von Januar 1988 bis Dezember 2006

8 Reaktion auf die Substitutionsrate für Fahrzeuge.

9 Reaktion der Preisveränderung über den ganzen Modellzyklus auf die Preisveränderung zum Zeitpunkt der Substitution

10 Annualisiertes Qualitätswachstum bei Substitutionen in Prozent

11 Ausgabenanteile der Gebrauchsgüter für 1988-2006

12 Ausgabenanteile der Gebrauchsgüter für 1988-2006 (Fortsetzung)

13 Scannerdaten zur Unterhaltungselektronik I

14 Scannerdaten zur Unterhaltungselektronik II

Abbildungsverzeichnis

1 Methoden im Überblick

2 Direkter Vergleich

3 Direkte Qualitätsanpassung

4 Imputation

5 Overlap-Methode

6 Das Gleichgewicht

7 Das Gleichgewicht mit exogenem Wachstum

8 Das Gleichgewicht mit endogenem Wachstum

1 Einleitung

Laut dem Statistischen Bundesamt Deutschland ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) „ein Maß für die wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft in einem bestimmten Zeitraum”1. Das BIP gibt „den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung) [an], soweit diese nicht als Vor­leistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden”2. Es existieren zwei Versionen des BIP: das nominelle BIP, das in den jeweiligen Preisen berechnet wird, und das reale BIP, das bereinigt um reine Preissteigerungen ermittelt wird. Die Veränderungsrate des realen BIP wird als eine Größe des Wirtschaftswachstums in der betrachteten Volkswirt­schaft benutzt.3 Derzeit ist im Vorjahresvergleich ein Anstieg des realen BIP für Deutschland - und somit der wirtschaftlichen Leistung der deutschen Volks­wirtschaft - zu verzeichnen: Im zweiten Quartal 2011 stieg es gegenüber dem zweiten Quartal 2010 um 2,8%. Für 2010 betrug das nominelle BIP 2.476,8 Mil­liarden Euro und der Anstieg des preisbereinigten BIP gegenüber dem Vorjahr 3,7%.4

In der Volkswirtschaftslehre war man schon seit jeher bemüht, die Deter­minanten des Wirtschaftswachstums zu erklären. Heutzutage geht man nicht mehr davon aus, dass das Wachstum sich allein durch die Vermehrung der Pro­duktionsfaktoren erklären lässt. Nach zahlreichen empirischen Untersuchungen Mitte der 50er Jahre kam man zu dem Schluss, dass es einen zusätzlichen Wachstumsfaktor geben muss. Dieser wird als technischer Fortschritt bezeich­net. Der technische Fortschritt kann sich auf quantitative und auf qualitati­ve Weise äußern. Bei einer quantitativen Verbesserung kann mit gegebenen Ressourcen eine größere Menge bzw. mit weniger Ressourcen die gleiche Men­ge produziert werden. Das sind die sogenannten Prozessinnovationen. Bei der qualitativen Verbesserung ermöglicht der technische Fortschritt die Produktion neuer und besserer Güter. In diesem Fall spricht man von Produktinnovatio­nen. 5

Der (um reine Preissteigerungen bereinigte6 ) Wert der produzierten Güter kann folglich aufgrund einer höheren Menge und/oder einer höheren Quali­tät steigen. In dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen, welcher Anteil des in den vergangenen Jahrzehnten gemessenen Wachstums des realen BIP auf „Mengenwachstum” und welcher auf „Qualitätswachstum” beruht und wie sich der Anteil des Qualitätswachstums im Laufe der Zeit verändert hat. Die Mo­dellwelt zu dieser Frage wird im dritten Kapitel dieser Arbeit - Ausgewählte Modelle mit einer Qualitätsdimension - betrachtet. Die Modelle entstammen dem Papier „Time to Consume, Quality, and Growth” von Francisco Alcalá. Im Gegensatz zu den meisten makroökonomischen Modellen wird in diesen Mo­dellen unterschieden, ob sich der Produktionswert bzw. die Ausgaben der Kon­sumenten aufgrund einer Veränderung der Menge oder der Qualität ändern. Am Anfang des dritten Kapitels wird zunächst ein mikroökonomisches Mo­dell betrachtet, das die Konsumentscheidungen eines Individuums im Rahmen einer partiellen Gleichgewichtsanalyse darstellt. Aufbauend auf dieser mikro­ökonomischen Analyse werden in den späteren Abschnitten die technologischen Rahmenbedingungen betrachtet und zuerst das exogene Wachstum eingeführt. Schließlich wird das Wachstum durch einen zwei-dimensionalen ’Learning-by- doing’-Prozess endogenisiert. In den Wachstumsmodellen werden die Auswir­kungen der Konsumentscheidungen auf das Wachstum, dessen Zusammenset­zung aus Qualitäts- und Mengenwachstum und die Entwicklung der jeweiligen Wachstumskomponenten untersucht. Der zwei-dimensionale Lernprozess hat Auswirkungen auf die Schnelligkeit des Lernenden, aber auch auf die Qualität seiner Ergebnisse. Das endogene Wachstumsmodell untersucht ferner, wie sich diese beiden Arten des technischen Fortschritts im Zeitverlauf entwickeln.

In der Realität hingegen ist es (momentan) nicht möglich, das reale BIP- Wachstum in dessen Bestandteile - Qualitäts- und Mengenwachstum - zu un­terteilen. Schon die Schätzung des Qualitätswachstums für bestimmte Güter­kategorien ist ein sehr schwieriges Unterfangen. Dieses Thema wurde in der empirischen Literatur vor allem im Zusammenhang mit der Messung des Con­sumer Price Index, des Verbraucherpreisindex der USA, aufgegriffen. Dieser Index wird als Deflator für den Teil des amerikanischen BIP benutzt, der vor allem aus privaten Konsumausgaben besteht. Für einen Anteil des nominalen BIP von 49,7% erfolgt eine Preisbereinigung durch den Consumer Price Index.7 Eine korrekte Messung des Qualitätswachstums im Consumer Price Index wür­de folglich einen Wert für das Qualitätswachstum für beinahe die Hälfte des BIP liefern. Auch wenn die Deflationierung des deutschen BIP nicht identisch mit der amerikanischen Vorgehensweise ist, so sind die im Folgenden dargestell­ten Schätzungen des Qualitätswachstums nicht nur auf die USA beschränkt, sondern auch außerhalb amerikanischer Grenzen gültig.

2 Messung des Qualitätswachstums im Con­sumer Price Index

Vor dem theoretischen Teil dieser Arbeit wird zuerst die empirische Messung des Qualitätswachstums betrachtet. Die aktuelle Literatur zu dieser Thematik beschäftigt sich vor allem mit der Messung des Qualitätswachstums im Con­sumer Price Index. Ausgelöst wurde die Diskussion v.a. durch das Erscheinen des Boskin Commission Berichts aus dem Jahr 1996, der die damalige Messung des Preisindex der USA kritisiert. Bereits Jahrzehnte vorher gab es Beiträge zu diesem Thema, die jedoch weitaus weniger Aufmerksamkeit auf sich zogen. Laut dem Boskin Commission Bericht wird die durch den Consumer Price In­dex gemessene Inflation überschätzt. Als Reaktion auf diesen Bericht haben sich die für den Preisindex zuständige Behörde und zahlreiche weitere Akade­miker zu Wort gemeldet. Die wichtigsten Beiträge in dieser Diskussion sind in diesem Teil der Arbeit zusammengefasst. Zu deren besseren Nachvollziehung wird zunächst in groben Zügen die Berechnung des Preisindex und die ange­wandten Methoden zur Qualitätsmessung erläutert. Darauf aufbauend werden zwei unterschiedliche Schätzungen des Qualitätswachstums vorgestellt.

2.1 Grundlegendes zum Consumer Price Index

Der Consumer Price Index, abgekürzt CPI, ist der Verbraucherpreisindex der USA. Das Niveau des Preisindex zeigt die durchschnittliche Preisveränderung der Konsumgüter und Dienstleistungen des alltäglichen Gebrauchs seit einer Basisperiode, die zur Zeit für die meisten Indizes zwischen 1982 und 1984 liegt.8 Die prozentuale Veränderung von den CPIs zweier Perioden gibt an, wie sich die Preise zwischen diesen Perioden verändert haben. Die monatliche Veränderung des CPI ergibt sich aus der durchschnittlichen Preisveränderung der Güter aus dem repräsentativen Warenkorb, wobei die Preisveränderungen mit den entsprechenden Ausgaben für das jeweilige Gut gewichtet werden.

Der Preisindex wird vom Bureau of Labor Statistics (BLS) monatlich in drei Versionen veröffentlicht: CPI for All Urban Consumers (CPI-U), Chained CPI for All Urban Consumers (C-CPI-U) und CPI for Urban Wage Earners and Clerical Workers (CPI-W). Die ersten beiden repräsentieren die städtische Bevölkerung, unterscheiden sich jedoch in der Preisindex-Berechnungsformel. Zur Bildung eines Durchschnitts aus den Preisveränderungen über die Güter­kategorien wird im Falle des CPI-U die Laspeyres- und im Fall des C-CPI-U die Tornqvist-Formel benutzt. Mit der Tornqvist-Formel versucht der C-CPI-U, das Verhalten der Konsumenten als Reaktion auf geänderte Preisverhält­nisse widerzuspiegeln. Innerhalb der meisten Güterkategorien wird der Durch­schnitt der Preisveränderungen mit Hilfe der Formel des geometrischen Mittels berechnet. Die letzte Version des Preisindex hat als Zielgruppe eine Untergrup­pe der städtischen Bevölkerung, nämlich die Lohnempfänger. Im CPI-W wer­den folglich Gehaltsempfänger9, Teilzeitarbeitskräfte, Selbständige, Arbeitslo­se und Rentner nicht berücksichtigt. Zur Berechnung der durchschnittlichen Preisveränderung über die Güterkategorien wird ebenfalls wie beim CPI-U die Laspeyres-Formel benutzt, jedoch aufgrund der kleineren Zielgruppe des CPI- W mit anderen Aggregationsgewichten.10

Wie oben bereits angesprochen, erfolgt die Berechnung des CPI in zwei Schritten: Der Durchschnitt der Preisveränderungen wird erst innerhalb der Güterkategorien und dann über diese gebildet. Die Menge der gekauften Güter und Dienstleistungen wird in 211 Güterkategorien und die städtische Bevölke­rung in 38 geographische Gebiete aufgeteilt, woraus sich 8018 Kombinationen ergeben. Im ersten Schritt wird die durchschnittliche Preisveränderung inner­halb dieser Kombinationen errechnet. Die aus dieser Rechnung entstehenden 8018 Preisindizes werden als Basisindizes bezeichnet. Ein Beispiel für einen Ba­sisindex ist der Elektrizitätsindex für das Gebiet Boston. Im zweiten Schritt werden Durchschnitte über diese Kombinationen aus Güterkategorien und Ge­bieten gebildet. Die entstehenden Preisindizes werden als aggregierte Indizes bezeichnet. Für alle Güter in einem bestimmten Gebiet wird ein aggregierter Index erstellt, indem man einen Durchschnitt über alle 211 Basisindizes dieses Gebiets bildet. Analog kann auch ein aggregierter Index für ein bestimmtes Gut in allen 38 Gebieten errechnet werden. Der Durchschnitt aus allen Ba­sisindizes gibt den CPI für alle Güter und alle Gebiete wieder. Die Gewichte für beide Schritte ergeben sich aus den Ausgaben für das jeweilige Gut bzw. die jeweilige Güterkategorie, die mittels Umfragen ermittelt werden.11 Die Ge­wichte für den ersten Schritt sind die Ausgaben für die jeweiligen Güter in den Perioden, in denen diese Güter in der Stichprobe berücksichtigt werden.12 Die Gewichte für den zweiten Schritt werden für zwei Jahre festgelegt, so dass für die Berechnung des CPI von 2002 bis einschließlich 2003 der Bezugszeitraum für die Ausgaben von 1999-2000 gewählt wurde, für 2004-2005 der Zeitraum 2001-2002 usw.13

In den Umfragen gibt der Befragte an, wie viel er wo für welche Güter­kategorien ausgegeben hat. Die 38 oben erwähnten Gebiete werden in kleine geographische Einheiten unterteilt, in denen jedes Quartal die Umfragen zu einem Teil der Güterkategorien durchgeführt werden. Die Befragung über die Güterkategorien wird so aufgeteilt, dass innerhalb eines Jahres in jeder Befra­gungseinheit Interviews über 25% der Güterkategorien durchgeführt werden und dass demensprechend nach 4 Jahren der Umfragezyklus von vorne be­ginnt. Mithilfe der ausgewerteten Umfrageergebnisse und der PPS14 -Methode werden die Verkaufsstellen ausgewählt, an denen die Preise der Güter aus dem Warenkorb für die Berechnung des CPI erfasst werden. Mit der PPS-Methode setzt man die Auswahlwahrscheinlichkeit einer Verkaufsstelle proportional zu dessen Anteil an den Gesamtausgaben für eine bestimmte Güterkategorie in dem jeweiligen geographischen Gebiet. Auch Güter werden mittels der PPS- Methode ausgewählt, wobei hier die Umsätze der Verkaufsstellen als die maß­gebende Größe für die Auswahlwahrscheinlichkeiten fungieren. Aufgrund der rotierenden Umfragetechnik werden jedes Jahr in jeder geographischen Be­fragungseinheit 25% der Güter und der Verkaufsstellen aktualisiert, so dass nach 4 Jahren die komplette Stichprobe mit allen Gütern und Verkaufsstellen auf den neuesten Stand gebracht wird und der CPI aktuelle Veränderungen widerspiegeln kann.15

Die Bedeutung des Consumer Price Index ist immens, da er als Deflator für viele bedeutende ökonomische Größen wie das Bruttoinlandsprodukt der USA dient.16 Das nominale BIP wird in seine Komponenten untergliedert, die mittels der Methoden Deflation, Mengen-Extrapolation und direkte Bewertung mittels Basisjahr-Preisen zu realen Größen umgerechnet werden, die wiederum aggregiert das reale BIP ergeben. Dabei wird der CPI sowohl in der Deflation als auch der Extrapolation benutzt. Da der CPI für die Extrapolation nur in sehr geringem Umfang und für die letzte Methode überhaupt nicht eingesetzt wird, wird hier auf die Darstellung dieser beiden Methoden verzichtet. Die Bedeutung des CPI für die Berechnung des realen BIP ist in den Tabellen 1 und 2 zu erkennen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Methoden zur Berechnung des realen BIP

Für das Jahr 1997 wurden 83,6 % des BIP mittels der Deflation zu einer realen Größe umgerechnet, die wiederum zu 59,4% den CPI als Deflator be­nutzt hat. Bei der Deflation teilt man die jeweilige Teilmenge des BIP durch den für diese Teilmenge korrespondierenden Index.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Preisindizes für die Deflation

Das heißt, für einen Anteil des nominalen BIP von 49,7%, der vor allem aus privaten Konsumausgaben besteht, erfolgt eine Preisbereinigung durch den CPI.17

Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, dass der CPI korrekt gemessen wird, um nicht das reale BIP verzerrt darzustellen. Mit dem Ziel eines un­verzerrten CPI versucht das BLS die Qualitätsveränderungen zu messen und bei der Berechnung des Preisindex zu berücksichtigen. Für einen unverzerr­ten Preisindex sollte die Preisentwicklung eines Warenkorbs mit Gütern und Dienstleistungen berechnet werden, die sich nicht in der Qualität verändern. Die Güter verändern sich jedoch, verschwinden und werden von neueren Gü­terversionen ersetzt oder neue Güter werden in den Markt eingeführt. Wie das BLS mit diesen Veränderungen umgeht, wird im folgenden Abschnitt darge­stellt.

2.2 Methoden des Bureau of Labor Statistics zur Qua­litätsmessung

Die Methoden des BLS werden in zwei Fällen angewandt. Im ersten Fall können für ein Gut aus dem Warenkorb keine Preise mehr erfasst werden, weil die für die Stichprobe ausgewählte Verkaufsstelle es nicht mehr anbietet. Dann sucht das BLS nach einem Ersatz für dieses Gut, das dem alten am meisten ähnelt. Anschließend vergleicht der für dieses Gut zuständige Agent des BLS die Eigenschaften der beiden Güter und wählt die aus seiner Sicht geeigneteste Methode der Qualitätsadjustierung für den Unterschied zwischen den beiden Gütern. Die verwendeten Methoden sind:

- Direkter Vergleich,
- Direkte Qualitätsanpassung und Imputation.18

Im zweiten Fall werden Güter im Rahmen von den bereits oben beschrie­benen Rotationen der Stichprobe ausgetauscht. Das BLS setzt hierfür die Overlap-Methode ein.19 In der Abbildung 1 sind die beiden Fälle mit den ent­sprechenden Methoden in einer Übersicht zusammengefasst.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Methoden im Überblick

Die Methode des direkten Vergleichs wird angewandt, wenn das alte und das neue Gut sich sehr stark ähneln. In diesem Fall befindet der zuständige Agent sie für direkt vergleichbar, so dass die Preisveränderung zwischen dem alten und dem neuen Gut direkt in der Berechnung des Preisindex benutzt werden kann. Diese Methode unterstellt, dass zwischen den beiden Gütern kein Qualitätsunterschied existiert. Typischerweise werden mit dieser Methode Preisveränderungen von Gütern bewertet, die sich nur im Äußeren verändert haben. In der Abbildung 2 wird der Preis des neuen Gutes in der ersten Periode in der Stichprobe mit P2 und der Preis des alten Gutes in der vorherigen Periode mit P1_1 bezeichnet. Die komplette Preisveränderung P^/P1_1 wird der Inflation zugeordnet.20

Mit der Methode der direkten Qualitätsanpassung wird der Wert des Quali­tätsunterschiedes zwischen den beiden Gütern geschätzt. Für diese Schätzung werden Daten über die Produzentenkosten und der Ansatz der hedonischen Regression benutzt.21

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Direkter Vergleich

Die hedonische Regression wird z.B. bei Kleidung verwendet, da es in die­ser Güterkategorie besonders schwierig ist, die Preisentwicklung der Güter in konstanter Qualität zu messen. Viele Bekleidungsgüter werden abhängig von der Jahreszeit angeboten und innerhalb der Jahreszeit ständig durch aktuelle­re Trends ersetzt. Viele Güter der alten und der neuen Kollektion sind nicht vergleichbar. Mit Anwendung der Methode für nicht-vergleichbare Güter - der Imputation - hat man bis Mitte der 1980er die Preissteigerung unterschätzt. Das liegt daran, dass Bekleidungsgüter in der Regel mit hohen Preisen einge­führt werden, die im Verlauf der Produktlebens zunehmend reduziert werden. Da viele der alten und neuen Güter nicht verglichen werden können, hat man früher den Preisanstieg zum Zeitpunkt der Aktualisierung der Kollektion aus der Berechnung des CPI weglassen. Damit die Preisveränderung heutzutage im CPI berücksichtigt werden kann, wird als Ersatz für das alte Gut ein mög­lichst ähnliches Gut gesucht und der Wert der verbleibenden Unterschiede wird mittels der hedonischen Regression geschätzt.

Die hedonische Regression ist ein Mittel, um den Wert der einzelnen Cha­rakteristiken des Gutes zu bestimmen. Ein Gut setzt sich folglich aus un­terschiedlichen Eigenschaften bzw. Komponenten zusammen, die ihm seinen Wert verleihen. Diese Technik liefert die preisbestimmenden Eigenschaften des Gutes. Damit kann der Agent des BLS ein Gut finden, das sich zwar vom alten unterscheiden kann, aber die gleichen wichtigen, preisbestimmenden Ei­genschaften aufweist. Zusätzlich kann der Wert der Eigenschaften geschätzt werden, die das Ersatzgut vom alten Gut unterscheidet. Liegt der geschätzte Betrag dieses Qualitätsunterschieds vor, kann der Preis des neuen Gutes für die Periode, in der das alte Gut noch verkauft wurde, ebenfalls geschätzt werden. Dieser Preis des neuen Gutes setzt sich zusammen aus dem vorhandenen Preis des alten Gutes und dem geschätzten Qualitätsbetrag. Im Gegensatz zu der Methode des direkten Vergleichs wird bei der Berechnung des Preisindex nicht die direkte Preisveränderung vom alten zum neuen Gut berücksichtigt, sondern die Veränderung zwischen dem geschätzten Preis für das neue Gut und dem tatsächlichen Preis des Gutes in der darauffolgenden Periode. Diese Vorgehens­weise ist in der Abbildung 3 dargestellt. Ein Beispiel wäre die Einführung von dreiteiligen Anzügen, die alle zweiteiligen Anzüge ersetzt. Der Wert der Weste wird zum Preis des zweiteiligen Anzugs dazu addiert, so dass diese Summe nun mit dem Preis des dreiteiligen Anzugs verglichen werden kann. Der hedonische Ansatz wird allmählich auch auf andere Güterkategorien ausgeweitet.22 Seit 1998 wird die hedonische Regression für Qualitätsanpassungen von PCs und seit 1999 von Fernsehgeräten eingesetzt.23

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Abbildung 3: Direkte Qualitätsanpassung

Die zweite Methode der direkten Qualitätsanpassung - basierend auf den Produzentenkosten - wird in der Güterkategorie der neuen Fahrzeuge einge­setzt. Bei der jährlichen Einführung der neuen Modelle wird der Qualitätsun­terschied zwischen dem alten und dem neuen Modell mit Hilfe der Produk­tionskosten geschätzt. Qualitätsanpassungen werden für alle Veränderungen, ausgenommen für die des Stils und des Aussehens, vorgenommen. Auch wird meistens keine Qualitätsanpassung vorgenommen, wenn die neue Technologie zwar die Qualität des Fahrzeugs verbessert, aber die Produktionskosten gleich bleiben oder sogar sinken. Die Autos werden direkt miteinander verglichen, ohne dass die Qualitätsveränderung berücksichtigt wird.24

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Abbildung 4: Imputation

Die letzte Methode für Gütersubstitutionen, die Imputation, wird ange­wandt, wenn nicht genügend Preisinformationen vorliegen und der Qualitäts­unterschied nicht bestimmt werden kann. Das alte und das neue Gut werden als nicht vergleichbar eingestuft, da weder die erste noch die zweite Metho­de benutzt werden können. Um Preisveränderungen zwischen diesen Gütern trotzdem für eine konstante Qualität schätzen zu können, greift man zu zwei Möglichkeiten der Imputation:

Die erste Variante der Methode - die Cell-relative Imputation - wird ge­wählt, wenn man davon ausgeht, dass die Preisentwicklung des Gutes, für den Preisinformationen fehlen, sich nicht von der Preisentwicklung des entspre­chenden Basisindex unterscheidet. Die Preisveränderung zwischen diesem und dem neuen, nicht-vergleichbaren Gut wird mit der durchschnittlichen Preisver­änderung aller Güter aus der gleichen Güterkategorie und dem gleichen geo­graphischen Gebiet geschätzt. Anders ausgedrückt, wird die Preisentwicklung vom alten zum neuen Gut bei der Berechnung des Basisindex in dem jeweiligen Monat ausgelassen. In den darauffolgenden Monaten werden selbstverständlich die vorhandenen Preisinformationen des neuen Gutes in der Berechnung des Basisindex berücksichtigt. Diese Methode wird ebenfalls benutzt, wenn Preis­informationen nur temporär fehlen. In den Monaten, in denen sie fehlen, wird das Gut bei der Berechnung des Basisindex nicht berücksichtigt. Sind diese Informationen wieder vorhanden, wird die Preisentwicklung dieses Gutes er­neut für den Basisindex benutzt. Dazu bedarf es für den letzten Monat ohne Preisinformation einer Schätzung dieses Preises mit Hilfe der Preisentwicklung des entsprechenden Basisindex in allen Monate ohne Preisinformation. In der Abbildung 4 wird der geschätzte Preis des alten Gutes mit P}* bezeichnet.

In der zweiten Variante der Methode - der Class-mean Imputation - un­terstellt man, dass die Preisentwicklung des zu ersetzenden Gutes sich nicht von der Preisentwicklung anderer Güter unterscheidet, die im gleichen Mo­nat ebenfalls ersetzt werden müssen, auf die jedoch entweder die Methode des direkten Vergleichs oder der Qualitätsanpassung angewandt wird. Die Güter sind wie auch schon bei der ersten Variante aus der gleichen Güterkatego­rie und dem gleichen geographischen Gebiet. Diese Methode findet vor allem bei nicht-vergleichbaren Substitutionen der Güterkategorien Fahrzeuge, High­Tech-Produkte und Kleidung Anwendung. Die Idee dahinter ist, dass die Preis­entwicklung vieler Güter stark von der Einführung neuerer Modelle oder Serien abhängt. Das heißt, dass sich die Inflationsrate bei der Einführung eines neuen Modells von der Inflationsrate ohne Modellveränderungen unterscheidet. Typi­scherweise treten in der Phase der Einführung von Autos im neuen Modelljahr Preissteigerungen auf, die im Verlauf des Modelljahres zu Preissenkungen wer­den. Das BLS versucht diese Einführungen möglichst oft mit der Methode der Qualitätsanpassung zu behandeln und wendet auf die restlichen Ersetzungen die Class-mean Imputation an. Hierbei wird der aktuelle Preis des alten Mo­dells geschätzt, um diesen für die Preisveränderung des aktuellen Monats zu benutzen.25

Bisher wurden Methoden betrachtet, die in Frage kommen, wenn für ein bestimmtes Gut Preisinformationen fehlen. Im Fall von Rotationen werden zwar ebenfalls Güter ausgetauscht, nur liegen dem BLS in einer Uberschnei­dungsperiode Preisinformationen sowohl über das neue Gut in der Stichprobe als auch über das zu ersetzende Gut vor. Mit der Overlap-Methode wird bis zu dieser Periode die Preisveränderung mit Hilfe des alten Gutes gemessen,danach mit Hilfe des neuen. Der Preisunterschied zwischen dem neuen und dem alten Gut wird nicht in der Berechnung des CPI berücksichtigt, so dass dieser als Qualitätsunterschied verbucht werden kann.26

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Overlap-Methode

2.3 Kritik an der Messung des Consumer Price Index

In der Fachliteratur der letzten 15 Jahre zur Messung der realen Größen des Outputs und der Produktivität wurde viel über eine eventuell fehlerhafte, über­schätzende Messung des CPI diskutiert, die zu einer Unterschätzung der realen Größen führen würde. Dies wurde zum Beispiel an dem Zeitraum seit 1973 fest­gemacht. Im Gegensatz zu früheren Perioden ist dieser Zeitraum durch niedri­ges (gemessenes) Produktivitätswachstum der US-Wirtschaft gekennzeichnet, obwohl er mit Entwicklungen in der Technologie der Industrie, aber auch mit Stabilität an den Finanzmärkten einherging. Der Widerspruch zwischen den Rahmenbedingungen seit 1973 und den niedrigen Produktivitätsraten in die­sem Zeitraum hat die Vermutung einer inkorrekten Messung der realen Größen nach sich gezogen.27

Daraufhin wurde die Advisory Commission To Study The Consumer Price Index, auch bekannt als die Boskin Commission, berufen. Die Kommission hat sich mit der Messung des CPI beschäftigt und in ihrem Bericht Vorschläge zu dessen Korrektur unterbreitet. Laut den Schätzungen der Boskin Commission sollte die CPI-Inflation für das Jahr 1996 um 1,1 %-Punkte verringert werden.28

Zum einen kam dieser Wert dadurch zustande, dass der Warenkorb bis zum Erscheinen des Berichts nur alle 10 Jahre aktualisiert wurde. Folglich konnte er Veränderungen in den Entscheidungen der Konsumenten bezüglich der Güter, aber auch der Verkaufsstellen kaum widerspiegeln.29 Dieser Verzerrung wurde 1999 u.a. mit der Einführung des geometrischen Mittels als Indexformel für die Berechnung der Basisindizes der meisten Güterkategorien entgegengewirkt. Mit dieser Veränderung werden als Gewichte für den ersten Berechnungsschritt des CPI aktuelle Ausgaben für die Güter aus der Stichprobe genommen.30 Auch die Gewichte für den zweiten Aggregationsschritt über die Güterkategorien werden seit 2002 nicht mehr alle 10, sondern bereits alle 2 Jahre aktualisiert.31

Der restliche Anteil der Verzerrung wurde der fehlerhaften Messung der Qualitätsverbesserungen und im Zuge der Einführung neuer Produkte zuge­schrieben. Neue Produkte wurden erst mit einer großen, zeitlichen Verzögerung im Warenkorb berücksichtigt. Beispiele hierfür sind Videorecorder und Klima­anlagen. Auch Mobiltelefone konnten erst im Jahr 1998 im Warenkorb des CPI - nach einer zehnjährigen Fixierung des Warenkorbs - aufgenommen werden, obwohl es 1996 bereits über 40 Millionen Mobiltelefonnutzer in den USA gab.32 Diese beiden Fälle machen zusammen fast 55% der gesamten Verzerrung des CPI in 1996 aus.33

Bei ihrer Analyse haben die Mitglieder der Kommission die fehlerhafte Mes­sung bei der Einführung von neuen Produkten und die Verzerrung durch Mess­probleme bei Qualitätsveränderungen nicht getrennt voneinander, sondern zu­sammen betrachtet. Im Folgenden steht der Einfachheit halber der Ausdruck Verzerrung durch Qualitätsveränderungen für beide Arten der Messprobleme. Da Qualitätsveränderungen nicht alle Güterkategorien gleichermaßen betref­fen, wurde der CPI in 27 Kategorien unterteilt und jede Kategorie einzeln betrachtet. Für die Schätzung der Qualitätsveränderungen wurden für jede Kategorie die Ergebnisse bereits vorhandener Studien betrachtet und gege­benfalls unter Berücksichtigung weiterer Faktoren angepasst. Um auch Schät­zungen für Güterkategorien abzugeben, für die bisher keine Studien vorlagen, bediente man sich der Extrapolation von Studien ähnlicher Güterkategorien. Ein weiterer Faktor, der bei der Schätzung der Qualitätsveränderungen berück­sichtigt wurde, ist die Entwicklung der Marktanteile: Gewinnt ein neues Mo- dell, das einen höheren Preis als das alte Modell hat, Marktanteile, so sollte der Qualitätsunterschied zwischen diesen beiden Modellen höher als der Preisun­terschied sein. Bei der Schätzung der Verzerrung durch die zu späte Einführung neuer Güter in den Warenkorb ist zu beachten, dass diese Verzögerung zu dem Auslassen des typischen Preisrückgangs am Anfang des Produktzykles führt. Durch die Analyse solcher Faktoren wie auch der vorhandenen Literatur haben die Mitglieder der Kommission Schätzungen für die Verzerrungen der einzelnen Güterkategorien zusammengestellt. Diese Uber- oder auch Unterschätzungen der tatsächlichen Preisveränderungen ergaben für 1996 - aggregiert mit den Ausgaben als Gewichte - den Wert von 0,6 %-Punkten.34

Die Mitglieder der Kommission haben bei den Methoden zur Qualitätsmes­sung des BLS mögliche Quellen der Verzerrung entdeckt:

Bei der Methode des direkten Vergleichs wird unterstellt, dass die beob­achtete Preisveränderung zwischen dem alten und dem neuen Modell keinen Qualitätsunterschied widerspiegelt. Güter werden jedoch häufig weiter verbes­sert, ohne dass dies zu einem Preisanstieg führt. In diesem Fall würde das Qualitätswachstum nicht berücksichtigt werden.

Bei der Imputation wird die Preisentwicklung vom alten zum neuen Mo­dell komplett weglassen. Die Preisentwicklung dieser Güter wird per Annahme mit der Preisentwicklung ihrer Güterkategorie aus dem gleichen Gebiet gleich gesetzt. Dadurch verzerrt man - mit steigendem Einsatz dieser Methode - die durchschnittliche Preisveränderung zunehmend in Richtung der Preisentwick­lung von Gütern gleichbleibender Qualität. Die Mitglieder der Kommission be­ziehen sich hier auf die erste Variante der Imputation. Heutzutage wird auch eine andere Variante dieser Methode - die Class-mean Imputation - benutzt. Diese bildet die Preisentwicklung zwischen zwei nicht-vergleichbaren Gütern mit der durchschnittlichen Preisentwicklung von Gütern derselben Kategorie nach, die ebenfalls ersetzt werden, jedoch im Sinne der beiden anderen Erset­zungsmethoden des BLS vergleichbar sind.

Bei der Overlap-Methode, die benutzt wird, wenn Preise vom alten und neu­en Modell gleichzeitig verfügbar sind, wird der Qualitätsunterschied zwischen den beiden Modellen mit dem Preisunterschied zum Zeitpunkt der Einführung des neuen Modells geschätzt. Gewinnt jedoch das neue Modell Marktanteile, kann davon ausgegangen werden, dass die Qualitätsverbesserung unterschätzt wird. Bei einem Zugewinn an Marktanteilen sollte der Qualitätsunterschied typischerweise größer als der Preisunterschied sein. Auch wird hier nicht be­rücksichtigt, dass bei sinkenden oder gleichbleibenden Kosten die Qualität des Produkts ebenfalls steigen kann.

Das gleiche Problem entsteht bei der Schätzung des Qualitätsunterschiedes mittels der Produzentenkosten. Diese Methode wird vor allem bei Fahrzeugen verwendet. Dabei werden Verbesserungen, die nicht zu Kostensteigerungen füh­ren, nicht als Qualitätswachstum berücksichtigt.35

Im Vergleich zum Jahr 1980 ist die Verzerrung des CPI aufgrund fehlerhaf­ter Messungen des Qualitätswachstums gestiegen: 1980 betrug die geschätzte Verzerrung durch die Kommissionsmitglieder 0,488 %-Punkte und 1996 0,613 %-Punkte.36

Im Jahr 2006 hat sich ein Mitglied der Boskin Commission, Robert J. Gor­don, erneut mit der Verzerrung des CPI beschäftigt. Gordon ist zu dem Schluss gekommen, dass nach den Überarbeitungen durch das BLS die Verzerrung des CPI 0,8 %-Punkte pro Jahr beträgt, von denen noch 0,3 %-Punkte durch die fehlerhafte Messung von Qualitätsveränderungen verursacht werden.37

Bezugnehmend auf den Bericht der Kommission haben zwei Mitarbeiter des BLS, Brent R. Moulton und Karin E. Moses, ein eigenes Papier erstellt, in dem sie sich vor allem dem Thema Qualitätsveränderungen im CPI widmen. Im Gegensatz zu den restlichen Schätzungen der Kommission wurde der Wert für die Verzerrung durch den Umgang mit Qualitätsveränderungen von Wis­senschaftlern kritisiert. Vor allem die These, dass die nicht berücksichtigten Qualitätsveränderungen hauptsächlich Qualitätsverbesserungen seien und dies zu einer Überschätzung der Inflation durch den CPI führe, wurde stark ange­griffen. Das BLS führt im großen Umfang Qualitätsanpassungen durch, die in einigen Fällen zu einer Überschätzung der Inflation, in anderen dagegen aber auch zu einer Unterschätzung führen könnten.38

In dem Bericht der Kommission wurde 8 von den 27 Kategorien des CPI keine Verzerrung zugeordnet, während bei den restlichen 19 eine Überschät­zung der Inflation und somit eine Unterschätzung des Qualitätswachstums festgestellt wurde. Die Verzerrungswerte wurden durch vorhandene Studien für bestimmte Güterkategorien, Extrapolation dieser Studien auf verwandte Güterkategorien und Überschlagsrechnungen - teilweise aus unvollständigen Datensätzen - bestimmt. Laut den Kalkulationen des BLS wurden diese Werte in vielen Fällen zu hoch eingeschätzt.39

In dem Bericht der Kommission wurde behauptet, dass ein neues Modell, das einen höheren Preis als das vorherige hat und Marktanteile gewinnt, einen größeren Qualitätsunterschied zum vorherigen Modell aufweist, als es durch den Preisunterschied widergespiegelt wird. Für diesen Fall würde die Cell- relative Imputation und die Overlap-Methode die Preissteigerung überschät­zen. Auch wenn dies auf zahlreiche Modelleinführungen zutrifft, so wurde von der Kommission nicht berücksichtigt, dass in vielen Fällen der Preisunterschied höher als der Qualitätsunterschied ausfällt. Die Mitarbeiter des BLS haben sich auf Studien von Triplett40 gestützt, der diese Situation näher untersucht hat. Während einer Periode steigender Preise versuchen Verkäufer die Preissteige­rungen mit der Einführung neuer Modelle an die Konsumenten weiterzugeben. Lässt man diesen Preisanstieg in der Periode der Einführung aus, so wie es bei den oben angesprochenen Methoden geschieht, führt dies zu einer Unter­schätzung der wahren Preissteigerung. Auch bei der Methode der direkten Qualitätsanpassung ist eine Unterschätzung der Preissteigerung entgegen der Meinung der Kommission möglich. Nach Griliches41 wird das Qualitätswachs­tum überschätzt, wenn man Kostensteigerungen als Qualitätsverbesserungen anerkennt, die für den Konsumenten keine darstellen.42 Folglich können die Qualitätsanpassungen des BLS sowohl zu Unterschätzungen als auch zu Über­schätzungen von Preissteigerungen führen. Die Verzerrung innerhalb jeder Gü­terkategorie kann nur empirisch festgestellt werden. Im folgenden Abschnitt wird eine Schätzung des Qualitätswachstums für einen Teil der Stichprobe aus den durchgeführten Qualitätsanpassungen in den Jahren 1983, 1984 und 1995 präsentiert.

2.4 Eine Schätzung der gemessenen Qualitätsverände-rungen

In der folgenden Studie des BLS wird der beobachtete Preisunterschied zwi­schen alten und neuen Gütern in eine gemessene Preisveränderung - die Inflati­on - und eine Qualitätsveränderung unterteilt. Dazu wird die Preisentwicklung von Gütern aus 171 Güterkategorien des CPI beobachtet, die aufgrund fehlen­der Preisinformationen im Jahr 1995 ersetzt werden mussten. Folglich wird der Austausch von Gütern im Rahmen der Rotationen innerhalb der Stichprobe nicht berücksichtigt. Diese Studie basiert auf den Arbeiten von Armknecht43, der die Gütersubstitutionen für das Jahr 1983 und - zusammen mit Weyback44 - für 1984 analysiert hat.45

Die Ausgangsgleichung stellt den CPI als den gewichteten Durchschnitt der Preisveränderungen dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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1 Statistisches Bundesamt Deutschland, URL: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/ Sites/destatis/Internet/DE/Presse/abisz/BIP,templateld=renderPrint.psml (Abfrage 05.09.2011 MEZ 10:00 Uhr).

2 Statistisches Bundesamt Deutschland, URL: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/ Sites/destatis/Internet/DE/Presse/abisz/BIP,templateld=renderPrint.psml (Abfrage 05.09.2011 MEZ 10:00 Uhr).

3 Vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland, URL: http://www.destatis.de/jetspeed/ portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/abisz/BIP,templateld=renderPrint.psml (Abfrage 05.09.2011 MEZ 10:00 Uhr).

4 Vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland, URL: http://www.destatis.de/jetspeed/ portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2011/08/PD11_________ 297__ 811, templateId=renderPrint.psml (Abfrage 05.09.2011 MEZ 10:00 Uhr).

5 Vgl. Hanusch, H./Kuhn, T./Cantner, U., (2002), S. 417f.

6 Mit reinen Preissteigerungen werden hier Preisanstiege bezeichnet, die keine Qualitäts-verbesserungen widerspiegeln.

7 Die Prozentzahl basiert auf dem nominalen BIP aus dem Jahr 1997.

8 In der folgenden Darstellung der Berechnung von Preisindizes liegt der Fokus in dieser Arbeit auf Konsumgütern und Dienstleistungen, von denen das Gut Unterkunft (von Mietern und Eigentümern) ausgelassen wird.

9 Das Gehalt ist der Verdienst eines Angestellten auf Festgehaltbasis, während der Lohn der Verdienst eines Arbeiters auf Arbeitszeitbasis ist.

10 Vgl. BLS, (2007), S. 1ff.

11 Vgl. BLS, (2007), S. 3f.

12 Vgl. BLS, (2007), S. 21.

13 Vgl. BLS, (2007), S. 33f.

14 Probability Proportional to Size.

15 Vgl. BLS, (2007), S. 15.

16 Vgl. BLS, (2007), S. 6.

17 Vgl. Eldridge, L., (1999), S. 37.

18 Vgl. BLS, (2007), S. 22.

19 Vgl. Moulton, B./Moses, Κ./Gordon, R., (1997), S. 324f.

20 Die Graphiken sind in ähnlicher Form in Moulton, B./Moses, Κ./Gordon, R., (1997), S. 324ff. abgebildet.

21 Vgl. BLS, (2007), S. 23.

22 Vgl. BLS, (2007), S. 29f.

23 Vgl. Gordon, R., (2006), S. 15.

24 Vgl. BLS, (2007), S. 29.

25 Vgl. BLS, (2007), S. 23.

26 Vgl. Moulton, B./Moses, K./Gordon, R., (1997), S. 324f.

27 Vgl. Eldridge, L., (1999), S. 35.

28 Vgl. Boskin, M./Dulberger, E./Gordon, R./Griliches, Z./Jorgenson, D., (1996), S. 1f.

29 Vgl. Boskin, M./Dulberger, E./Gordon, R./Griliches, Z./Jorgenson, D., (1996), S. 5.

30 Vgl. BLS, (2007), S. 21.

31 Vgl. BLS, (2007), S. 33f.

32 Vgl. Boskin, M./Dulberger, E./Gordon, R./Griliches, Z./Jorgenson, D., (1996), S. 5, 13 und 27.

33 Vgl. Boskin, M./Dulberger, E./Gordon, R./Griliches, Z./Jorgenson, D., (1996), S. 39.

34 Vgl. Boskin, M./Dulberger, E./Gordon, R./Griliches, Z./Jorgenson, D., (1996), S. 21ff.

35 Vgl. Boskin, M./Dulberger, E./Gordon, R./Griliches, Z./Jorgenson, D., (1996), S. 23ff.

36 Vgl. Boskin, M./Dulberger, E./Gordon, R./Griliches, Z./Jorgenson, D., (1996), S. 40.

37 Vgl. Gordon, R., (2006), S. 20.

38 Vgl. Moulton, B./Moses, K./Gordon, R., (1997), S. 305ff.

39 Vgl. Moulton, B./Moses, K./Gordon, R., (1997), S. 308ff.

40 Vgl. Triplett, J., (1971), S. 185 und (1990).

41 Vgl. Griliches, Z., (1971), S. 11.

42 Vgl. Moulton, B./Moses, K./Gordon, R., (1997), S. 328f.

43 Vgl. Armknecht, P., (1984).

44 Vgl. Armknecht, P./Weyback, D., (1989).

45 Vgl. Moulton, B./Moses, K./Gordon, R., (1997), S. 330.

Ende der Leseprobe aus 80 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung des Qualitätswachstums als Bestandteil des BIP-Wachstums
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
80
Katalognummer
V201352
ISBN (eBook)
9783656305477
ISBN (Buch)
9783656305934
Dateigröße
5708 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entwicklung, qualitätswachstums, bestandteil, bip-wachstums
Arbeit zitieren
Marina Giese (Autor), 2011, Die Entwicklung des Qualitätswachstums als Bestandteil des BIP-Wachstums, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201352

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