Lessing und die Krise der Freimaurer


Hausarbeit, 2010
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entstehungsgeschichte der Freimaurer

3. Die Krise der Freimaurerei

4. Lessing und die Freimaurer
4.1. Lessings Kontakte zu Freimaurern
4.2. „Ernst und Falk“ – Lessings Freimaurergespräche
4.2.1. Lessings Auseinandersetzung mit der Freimaurerei
4.2.2. Lessings Utopie der Freimaurerei
4.2.3. Ernst und Falk: der Dialog

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit herausragenden Erscheinungen des achtzehnten Jahrhunderts in Deutschland. Zum einen der Schriftsteller Gotthold Ephraim Lessing, der deutsche Vertreter der literarischen Aufklärung und zum anderen die Erscheinung der Freimaurerlogen. Das Verhältnis Lessings zur Freimaurerei spielte über Jahrzehnte eine wichtige Rolle in der Lessing Forschung.[1]

Sowohl Lessing, als auch die Geheimbünde spiegeln die Diskrepanz der gesellschaftlichen und geistigen Situation der Bürger wieder.

Im ersten Teil der Arbeit wird der geschichtliche Aspekt der Freimaurerei bearbeitet. Die Freimaurerei wird in ihrer Entstehungsgeschichte und ihren Anfängen in Deutschland beleuchtet. In diesem Abschnitt wird auch die Krise der Freimaurerei kurz behandelt.

Der Hauptteil stellt dann Lessing mit seinem Text „Ernst und Falk – Gespräche für Freimäurer“ dar. Zu Anfang wird Lessing Freimaurerkarriere vorgestellt, um dann seinen Dialog zu erörtern. Ich werde versuchen seine Kritik an der Freimaurerei mit seinen Idealen herauszustellen. Lessing betonte die Diskrepanz zwischen den Leitsätzen der Freimaurerei und deren eigentliche Arbeit. Was verurteilt Lessing an der Freimaurerei? Was forderte er?

Zum Schluss der Arbeit soll der Dialog untersucht werden. Warum wählte Lessing die Form des Dialogs? Gibt Lessing wirklich das Geheimnis der Freimaurerei preis?

2 Die Entstehungsgeschichte der Freimaurer

Eine der wichtigsten Fragen der Freimaurerei ist die nach ihrem Ursprung. Jedoch ist genau diese wissenschaftlich nicht einfach zu beantworten. Dementsprechend entwickelten sich Legenden, Mythen und eine Fülle von Theorien bezüglich dieser Fragestellung. Die historischen Bezüge „gehen von den westeuropäischen Gilden-, Maurer-, und Steinmetzzünften, Kathedralenbauern, Wandergesellschaften, Tempelrittern und Johannitern bis zur frühen Akademiebewegung und den aufgeklärten Sozietäten“ zurück.[2]

Zum Teil waren diese Theorien abwegig, wie zum Beispiel die Theorie von Lessing. Diese basierte auf der etymologischen Herleitung der Freimaurerei aus den Tafelrunden („Masony“ = Tischgesellschaft).[3]

In der Forschung setzte sich allerdings eine Theorie der Herkunft der Freimaurerloge aus den westeuropäischen Dombauhütten durch. Steinmetze, aber auch Maurer und Decker schlossen sich beim Bau von Kathedralen zusammen.[4] So entwickelte sich die „Werkmaurerei“[5] . Nach einigen Krisen und Vorwürfen erholten sich die Maurer wieder und entwickelten durch die Aufnahme von „Nicht-Werkmaurern“[6] , deren Anzahl bald Überhand nahm, eine Gesellschaft mit einem „äußeren Ring, der sich aus Lieferanten, Söhnen von Maurern, Ortsgeistlichen, Bauhandwerkern verwandter Berufe, Zimmerleuten, Spenglern und Glasmalern“[7] zusammensetzte. So kam es am 24. Juni 1717 zu einer Neuformierung der bisherigen Logen und zu einer Zusammenfassung unter einer Großloge in London.[8] Dieses Datum tritt seither als das Gründungsjahr der modernen Freimaurer auf.

Wie schon oben angedeutet ist ebenso dies eine Theorie, die nicht verifiziert ist. Aufgrund der anfänglichen Bedeutungslosigkeit der Logen kann man die mangelnden Quellen begründen.

Die Hauptkonfliktlinien innerhalb des Logensystems sind durch den Export aus England zu erklären. Die englische Handwerkertradition traf auf der einen Seite auf das aufgeklärte Gelehrten- und Bürgermilieu, auf der anderen Seite auf das Interesse der adligen Gesellschaft ständische Struktur innerhalb der Logen beizubehalten.

3 Die Krise der Freimaurer

In den Jahren vor der Revolution finden sich immer mehr kritische Stimmen, nun allerdings innerhalb des Logenwesens und nicht wie zuvor aus den Reihen der Gegner der Freimaurerei. Allein die Frage des Ursprungs entwickelte differenzierte Ansichten. Während sich aus dem Templerorden das Hochgradsystem ableitet, sehen die englischen Freimaurer ihren Ursprung in den Zusammenschlüssen von Steinmetzen u.ä.

Hier ist aber auch die Definition, die Koselleck für die Funktion der Orden ansetzt, interessant. In dem „außerstaatlichen geistigen Innenraum“[9] können sich ihre Mitglieder in ihrer bürgerlichen Freiheit proben. Wenn diese Freiheit sich allerdings verliert oder sich die Freiheit in der bürgerlichen Öffentlichkeit selbst realisieren lässt, ist deren Existenz fragewürdig. Eben diese Entwicklung stellt auch einen Teil der Krise der Freimaurer dar. Die Freimaurerei kann ihr Programm nicht mehr erfüllen.

Probleme gab es aber auch mit dem Aufbau der Logen. Wie oben bereits erwähnt, ist der Ursprung des Hochgradsystems nicht bei den Steinmetzen zu sehen.[10] Das System der strikten Observanz oder auch Templersystem beruhte darauf, dass es ständische Unterschiede der Logenmitglieder nicht aufhob, sondern innerhalb der Loge in maurerische Würden übersetzte. So wurden zu den Hochgraden nur Adlige, Offiziere und hohe Beamte zugelassen. Mystifizierung und Okkultismus nahmen zugleich in den Logen zu.[11] Dieses Problem spricht auch Lessing mit Ernst und Falk an. Er kritisiert das in Deutschland herrschende Templerherrensystem. Falk berichtet Ernst von einer Gesellschaft, die genau diese Ständeordnung aufhebt. Doch Ernst holt Falk auf den Boden der Tatsachen zurück, nachdem er zum ersten Mal an einer Logensitzung teilnimmt. (vergleiche hierzu: Kapitel 4.2).

Ein wichtiges historisches Ereignis in der Krise der Freimaurerei stellt der Wilhelmsbader Freimaurerkonvent dar. In Wilhelmsbad tagte vom 16. Juli bis 1. September 1782 ein internationaler Freimaurer-Konvent.[12] Aufgrund einer europäischen Krise der Tempelritter-Freimaurerei wurde ein Plan für ein Generalkonvent erarbeitet, um in diesen Ordensreformen und ähnliches zu entwickeln.

Karl Gotthelf von Hund erarbeitete das Tempelrittersystem der sog. „Strikten Observanz“ genauer: „Der hohe Orden der Ritter des heiligen Tempels zu Jerusalem“. Dieser verlangt den Ordensbrüdern einen besonders hohen Grad an Gehorsam ab. In Deutschland konnte sich v. Hund durchaus durchsetzen und die Vormacht über die regulären symbolischen Freimaurer verschaffen. Jedoch kamen mit dem Erfolg innere Auseinandersetzungen, Konkurrenten und Abspaltungen sowie Zweifel über die Echtheit. Nach einer kurzen Stabilisation der Strikten Observanz kamen mit dem Tod von v. Hund 1776 wieder Zweifel an dieser Theorie.

Aufgrund der Widmung von Lessing an den Herzog Ferdinand von Sachsen, der als Großmeister der strikten Observanz tätig war, wurde unter anderem auch die Krise der Strikten Observanz zunehmend in der Forschung hinterfragt. In der Textanalyse von Lessings Freimaurergesprächen von Erich Schmidt, so Yvonne Wübben, sei im zweiten Gespräch von Ernst und Falk nicht nur die allgemeine Idee der Humanität zu erkennen, sondern auch eine Reflexion über den damaligen Zustand der Logen bezüglich der „Aufnahmebeschränkungen und Exklusionsmechanismen“[13] . Lessing bezieht das Gespräch also folglich auf die Krise der Hochgradsysteme, besonders aber die der Strikten Observanz.

[...]


[1] Wübben, Yvonne: Freimaurer, Staatstheoretiker und Humanist. Lessings „Ernst und Falk“ in philosophiehistorischer und neugermanistischer Perspektive (1850-1912) in: Quatuor Coronati. Jahrbuch für Freimaurerforschung (2004). S. 133-145.

[2] Reinalter, Helmut: Die Freimaurer. 4. Auflage. München: C.H. Beck 2000. S. 10.

[3] Lessing, Gotthold E.: Ernst und Falk – Gespräche für Freimäurer. S. 61: „Nicht von Mason der Maurer, sondern vom Mase, der Tisch, die Tafel“.

[4] Vgl. Bokor, Charles von: Winkelmaß und Zirkel. Die Geschichte der Freimaurer. Wien – München 1980. S. 19.

[5] Reinalter, Helmut: Die Freimaurer. 4. Auflage. München: C.H. Beck 2000. S. 11.

[6] Ebd.

[7] Ebd.

[8] Vgl. ebd.

[9] Koselleck, Reinhart: Kritik und Krise. Ein Beitrag zur Pathogenese der bürgerlichen Welt. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1973. S. 56.

[10] Reinalter, Helmut: Die Freimaurer. 4. Auflage. München: C.H. Beck 2000. S.100. Den Anreiz dazu gab Andrew Michel Ramsay, ein Schotte der 1737 als Redner der Großloge von Frankreich einen Vortrag über die Bedeutung Schottlands für die Freimaurerei hielt und hier zum erstem Mal Bezug zum Templerorden herstellte.

[11] Vgl. Barner, Wilfried u.a.: Lessing. Epoche-Werk-Wirkung. 5. Auflage. München: C. H. Beck 1987. S. 336.

[12] Vgl. Hammermayer, Ludwig: Der Wilhelmsbader Freimaurer-Konvent von 1782. Geheime Gesellschaften 2. Heidelberg: Lambert Schneider GmbH 1980. S. 7.

[13] Schmidt, Erich: Lessing, S. 440 zit. n. Wübben, Yvonne, Freimaurer, Staatstheoretiker und Humanist. S. 12.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Lessing und die Krise der Freimaurer
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V201492
ISBN (eBook)
9783656275442
ISBN (Buch)
9783656275268
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lessing, krise, freimaurer
Arbeit zitieren
Kristina Lüffe (Autor), 2010, Lessing und die Krise der Freimaurer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201492

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