"Kuhle Wampe oder wem gehört die Welt" - Filmische Adaption des Brechtschen Epischen Theaters


Studienarbeit, 2012

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Dramatisches versus Episches Theater
2.1 Eine Gegenüberstellung
2.2 Der Verfremdungseffekt
2.3 Der Schauspieler und das Publikum
2.4 Die Verwendung von Musik im Epischen Theater
2.5 Bühnenbau und Beleuchtung im Epischen Theater

3. Der Film „Kuhle Wampe“ – Eine Analyse
3.1 Daten zum Film
3.2 Inhaltsanalyse
3.3 Normen- und Werteanalyse

4. Elemente des Epischen Theaters im Film „Kuhle Wampe“
4.1 Die Anwendung des Verfremdungseffektes
4.2 Die Verwendung von Musik

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Film „Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt“ ist 1932 in Deutschland erschienen. Er stellt Brechts letzte öffentliche Aufführung in der Weimarer Republik dar. „Kuhle Wampe“ kann als eine Art Mischung aus Spiel- und Dokumentarfilm angesehen werden und enthält darüber hinaus Elemente eines Musikfilms. Das Drehbuch des von Slaton Dudow gedrehten Films schrieb Bertolt Brecht, der Schöpfer des Begriffes des epischen Theaters. Brecht grenzte das epische vom aristotelischen Theater ab.

Diese Abgrenzung ist Inhalt des ersten Teils dieser Arbeit. Hier soll auf die einzelnen Aspekte und Effekte des epischen Theaters im Vergleich zum aristotelischen Theater eingegangen werden, wobei Punkte wie der Verfremdungseffekt, der Einsatz von Musik und Besonderheiten im Bühnenaufbau und der Beleuchtung etc. angesprochen werden sollen.

Im zweiten Teil wird im Rahmen der Filmanalyse von „Kuhle Wampe auf folgende Punkte eingegangen: Zunächst erfolgt die Inhaltsanalyse, in der neben der Beschreibung des Inhalts auch die zentrale Frage- und Problemstellung des Filmes herausgearbeitet wird. Anschließend werden in der Figurenanalyse die einzelnen Charaktere beschrieben. Auch deren Sprache und das Erscheinungsbild der Figuren werden ein Thema sein. In der Normen- und Werteanalyse wird beabsichtigt, die Normen und Werte, die der Film zu vermitteln versucht, aufzuzeigen und die Intention Brechts und des Regisseurs darzustellen. Anschließend folgt eine kurze Darstellung filmästhetischer Aspekte, wie Kameraeinstellungen, Ton und Montage.

Im letzten Teil soll aufgezeigt werden, welche Aspekte des epischen Theaters Dudow und Brecht im Film „Kuhle Wampe“ einsetzen und inwiefern sich diese filmisch adaptieren lassen. So experimentiert der Film beispielsweise mit der Genre-Zersetzung, indem er zunächst nach Art eines Reportagefilms gedreht ist und einer desillusionierend-enthüllenden Tendenz folgt, dann aber diese Konventionen durchbricht, indem er beginnt, den Regeln des Spielfilms zu gehorchen.

2. Dramatisches versus Episches Theater

2.1 Eine Gegenüberstellung

1926 prägte Brecht den Begriff des Epischen Theaters in Abgrenzung zum herkömmlichen aristotelischen Theater. Seine Intention war es, dem Zuschauer durch ein Theaterstück nicht eine Realität vorzuspielen, sondern das Publikum zu Beobachtern zu machen, welche die Situation reflektieren und die Veränderbarkeit erkennen, während des Geschehens nach Lösungen suchen. Um dies zu erreichen, entwickelte Brecht eine Vielzahl an Effekten und Besonderheiten in der Darstellungsweise der Schauspieler, dem Bühnenaufbau, der Beleuchtung etc. Die Intention, welche das Epische Theater verfolgt, ist es, den Zuschauer zu einem kritischen, die Gesellschaft studierenden Menschen zu machen, der erkennt, dass die Realität änderbar ist und im besten Fall Missstände ändert. „Es ist nicht genug verlangt, wenn man vom Theater nur Erkenntnisse, aufschlußreiche Abbilder der Wirklichkeit verlangt. Unser Theater muß die Lust am Erkennen erregen, den Spaß an der Veränderung der Wirklichkeit organisieren“ (BRECHT, 1969 : 127).

In seinen Schriften zum Theater stellt Brecht die dramatische der epischen Form des Theaters gegenüber. In diesem Schema werden nicht absolute Gegensätze gezeigt, sondern lediglich Akzentverschiebungen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(BRECHT 1969: 19 f.)

2.2 Der Verfremdungseffekt

Beim Verfremdungseffekt, kurz V-Effekt, handelt es sich „um eine Technik, mit der darzustellende Vorgänge zwischen Menschen der Stempel des Auffallenden, des der Erklärung Bedürftigen, nicht Selbstverständlichen, nicht einfach Natürlichen verliehen werden kann. Der Zweck des Effekts ist, dem Zuschauer eine fruchtbare Kritik vom gesellschaftlichen Standpunkt zu ermöglichen“ (BRECHT 1969: 99).

Der V-Effekt wird im Epischen Theater nicht nur durch den Schauspieler, sondern auch durch Musik und die Dekoration erzeugt. Hierauf wird später in den Punkten zu Schauspieler und Publikum, Musik und Bühnenbau eingegangen. Die Technik der Verfremdung ist nicht erst durch Brecht erfunden worden. Auch das chinesische Theater kennt den Verfremdungseffekt. Dort wurden beispielsweise Symbole, Masken oder Gesten verwendet. „Der chinesische Artist spielt vor allem nicht so, als existiere außer den drei Wänden, die ihn umgeben, auch noch eine vierte Wand. Er bringt zum Ausdruck, dass er weiß, es wird ihm zugesehen“ (BRECHT 1969: 75). Eben diese imaginäre vierte Wand gilt es auch im Epischen Theater fallen zu lassen. Prinzipiell ist auch eine Kontaktaufnahme des Schauspielers mit dem Publikum möglich. Dem Zuschauer wird die Illusion des Theaters genommen. Durch den V-Effekt kommt es zu einer Historisierung der im Stück darzustellenden Vorgänge. Somit wird dem Zuschauer ermöglicht, aus der Gegenwart Erkenntnisse über die Vergangenheit zu ziehen, die den Menschen in der gezeigten, vergangenen Epoche vorenthalten waren.

Zur Unterbrechung der Handlung gibt es bei Brecht diverse Techniken, mit denen Verfremdungseffekte bewirkt werden. So kann der Schauspieler Regieanweisungen und Kommentare mitsprechen, die dargestellte Figur von der Ich-Form in die Er-Form überführen oder es werden Lieder in das Theaterstück eingebaut, wobei Brecht hier für eine Trennung der Elemente spricht. Das Lied soll sich also nicht unmittelbar aus der Handlung ergeben, wie es etwa der Fall wäre, wenn der Verliebte seiner Angebeteten ein Ständchen singt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
"Kuhle Wampe oder wem gehört die Welt" - Filmische Adaption des Brechtschen Epischen Theaters
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Kultur- und Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Textualität von Kultur
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V201522
ISBN (eBook)
9783656281702
ISBN (Buch)
9783656283591
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Literatur, Film, Brecht, Bertolt Brecht, Episches Theater, Kuhle Wampe, Sozialismus, Arbeiterfilm, Dudow, Theater, Weimarer Republik, Kommunismus, Proletarischer Film
Arbeit zitieren
Sandro Abbate (Autor), 2012, "Kuhle Wampe oder wem gehört die Welt" - Filmische Adaption des Brechtschen Epischen Theaters, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201522

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